DVD-Review: Iced Earth - Alive In Athens - The DVD

Besetzung

Matthew Barlow - Gesang
Jon Schaffer - Gitarre, Gesang
Larry Tornowski - Gitarre
James McDonough - Bass
Rick Risberg - Keyboard
Brent Smedley - Schlagzeug

Tracklist

01. Intro
02. Burning Times
03. Vengeance Is Mine
04. Dark Saga
05. Last Laugh
06. Cast In Stone
07. Last December
08. Pure Evil
09. Desert Rain
10. Dante's Inferno
11. The Hunter
12. Melancholy (Holy Martyr)
13. Angels Holocaust
14. Stormrider
15. The Path I Chosse
16. Watching Over Me
17. Diary
18. Blessed Are You
19. When The Night Falls
20. My Own Savior
21. Travel In Stygian
22. Violate
23. Stand Alone
24. Brainswashed
25. Disciples Of The Lie
26. I Died For You
27. Prophecy
28. Birth Of The Wicked
29. The Coming Curse
30. Epilog


Für geteilte Meinung sorgte die Ankündigung, Century Media würden den Mitschnitt der berühmten Athen-Konzerte vom Januar 1999 von ICED EARTH als DVD veröffentlichen. „Alive In Athens“ war das erste Live-Album der Band um Jon Schaffer und gilt völlig zurecht als eines der besten Livedokumente überhaupt im Metalsektor. Damals wurde der Auftritt im Rodos für Viva+ mitgeschnitten, der deutsche Musiksender zeigte damals Ausschnitte. Dass man aufgrund der veralteten analogen Aufnahmetechnik, die zum Zeitpunkt der DVD-Veröffentlichung ja bereits fast acht Jahre auf dem Rücken hat, keine Topqualität erwarten kann, dürfte klar sein, das gab die Plattenfirma im Vorfeld auch zu. Der Aufnahmetechnik fielen mit „Slave To The Dark“, „A Question Of Heaven“ und „Iced Earth“ leider auch drei Hochkaräter zum Opfer – die Bilder waren unbrauchbar, da das Kamerateam zu diesem Zeitpunkt die Kassetten wechselte…

Für ICED EARTH-Fans lohnt sich „Alive In Athens – The DVD“ aber trotzdem zweifellos. Diese werden allein schon hocherfreut darüber sein, einmal Matt Barlow in Aktion sehen zu können. Auch wenn seine Ansagen meist reichlich beschränkt und minimalistisch sind, ist er ein äussert charismatischer Frontmann, dem man allein schon wegen der Haarpracht (R.I.P.) gerne beim Singen zusieht. Auch der Rest der Band steht nicht stocksteif da, auf der Bühne ist stets Bewegung, noch mehr davon gibt es im Publikum. Die anwesenden Griechen rasten durchgehend aus, hüpfen, bangen und recken die Fäuste. Wie man von der CD bereits weiß, singen sie etliche Melodien und Riffs mit, was mit den bewegten Bildern der vielen Anhänger noch ein wenig eindrucksvoller rüberkommt. Der Sound war ja bereits damals nahezu perfekt, und jetzt wurde er noch in ein 5.1-Gewand gesteckt, was ihn noch eindrucksvoller macht, hier gibt es absolut nichts auszusetzen. Bei den Tonspuren, die für die CD herausgeschnitten wurden, merkt man aber schon, dass man aus den alten Spuren nicht mehr viel rausholen konnte, der Ton wird leise und dumpf. Zumindest handelt es sich hierbei nur um einige Ansagen von Matt Barlow. Die Lieder sind übrigens auch in anderer Reihenfolge als auf den CDs angeordnet, ich gehe davon aus, dass dies die richtige Abfolge der Setlist der Konzerte war, wie man sie hier zu sehen bekommt.

Die große Schwäche dieser DVD ist dann natürlich die Optik. Gleich nach dem Einlegen begrüßt uns ein absolut billig wirkendes Menü, da hätte man sich auch bei einem über sieben Jahre alten Mitschnitt etwas mehr Mühe geben können. Das Konzert selbst präsentiert sich nicht, wie vielleicht erwartet, in Bootlegqualität, ein wenig besser ist es schon. Die Nahaufnahmen der Musiker und die Schnitte auf das Publikum sind sehr annehmbar, nur bei der Perspektive von ganz hinten gibt es häufig unscharfe und recht pixelige, grobkörnige Bilder. Das Licht fällt auch oft ungünstig, die Kameras scheinen hier nicht ganz damit klargekommen zu sein, so verschwinden oft komplette Konturen des Gesichtes, wenn die Scheinwerfer direkt darauf strahlen. Das Zusehen an sich gerät auch zu einem recht unspektakulärem Ereignis, bei drei eingesetzten Kameras wohl auch normal. Man kann es sich immerhin ansehen, da gibt es manch aktuelle und „zeitgemäße“ Veröffentlichungen, die auch nicht besser oder schlechter aussehen. „Bonusmaterial“ gibt es hier auch noch, darauf hätte man im Zweifel aber auch verzichten können. Immerhin ansehbar ist das dreiminütige Video, in dem Jon Schaffer ein wenig Athen zeigt und unter anderem kurz seine Eltern interviewt. Das Backstage-Teil ist dagegen absolut unbrauchbar. Man sieht die Band im Backstageraum sitzen, und es passiert rein gar nichts. Alle reden zwar fleissig, doch man versteht so gut wie kein Wort, da es mit Musik unterlegt ist und keine Mikrofone oder ähnliches im Einsatz war.

„Alive In Athens – The DVD“ ist also doch irgendwie ein fragwürdiges Werk geworden. Century Media haben wohl die Zeichen der Zeit erkannt und wollen nun (nicht zu Unrecht) kommerzielle Erfolge damit einfahren. Die ICED EARTH-Anhänger waren größtenteils verärgert über die Geschichts-DVD „Gettysburg“, Jon Schaffer hat es einfach verschlafen, sich seinerseits um eine Live-DVD zu bemühen, die die Fans schon lange erwartet hatten. Dass er sich über dieses Vorgehen seiner alten Plattenfirma grün und blau ärgert ist verständlich, die Konzert-DVD-Idee jedoch hätte ihm auch selbst einfallen können.Für den Preis eines normalen Albums um die 15 Euro ist der Kauf hier in Ordnung, mehr jedoch ist das hier nicht gerade wert, es ist beileibe keine der DVDs, die einen an den Bildschirm fesselt. Einsteigern empfehle ich vielmehr die Dreier-CD-Box, auch da schon kommt die Atmosphäre genial rüber und man bekommt ein durch und durch wertiges Produkt.

Bewertung: 6 / 10

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