CD-Review: Iced Earth - Framing Armageddon (Something Wicked Part 1)

Besetzung

Tim Owens – Gesang
Jon Schaffer – Gitarre
Troy Seelie – Gitarre
Dennis Hayes – Bass
Brent Smedley – Schlagzeug

Tracklist

01. Overture
02. Something Wicked Part 1
03. Invasion
04. Motivation Of Man
05. The Setian Massacre
06. A Charge To Keep
07. Reflections
08. Ten Thousand Strong
09. Execution
10. Order Of The Rose
11. Cataclysm
12. The Clouding
13. Infiltrate And Assimilate
14. Retribution Through The Ages
15. Something Wicked Part 2
16. The Domino Decree
17. Framing Armageddon
18. When Stars Collide (Born Is He)
19. The Awakening


Ich muss gleich zu Anfang mal einiges klarstellen, um hier von einigen nicht falsch verstanden zu werden. Ich finde „The Glorious Burden“ sehr in Ordnung. Es kommt an keines der früheren ICED EARTH-Alben ran, aber es hat seine Stärken und Qualitäten, keine Frage. Ich finde, Matt Barlow passte wesentlich besser zu ICED EARTH, Tim Owens aber ist alles andere als ein schlechter Sänger. Seine eigene Band Beyond Fear mag ich äußerst gerne. „Hello, this is Stefan Popp and you are reading a review on Metal1.info“. Tim Owens macht seine Sache bestens und nach einiger Gewöhnungszeit passte sein Gesang auch zu dem „The Glorious Burden“-Material. Über Jon Schaffers Einstellung, Aussagen etc. wurden wohl schon genug Worte verloren, das soll hier keine Rolle mehr spielen, jeder kann sich selbst seine Meinung über den Herrn bilden. Diverse Missstände sollten ausgeräumt sein, hier soll es nun weder um die Vergangenheit der Band noch um Persönlichkeiten dahinter gehen – nur um „Framing Armageddon (Something Wicked Part 1)“.

Ein erster Blick auf die Tracklist überrascht: 19 Titel mit einer Gesamtspielzeit von 69 Minuten bietet die Scheibe auf, ganz ungewohnt für ICED EARTH. „Hy, this is Stefan Popp and i hope you enjoy reading my review on Metal1.info“. Freche Zeitgenossen mögen spontan an Manowar denken, und so abwegig ist das auch gar nicht, denn „Framing Armageddon“ fällt durch zahlreiche Instrumentals und Zwischenspiele ähnlich konfus und unübersichtlich aus wie „Gods Of War“. Ach komm, Freunde, lassen wir die Förmlichkeiten: Ein gutes Drittel der Tracks sind langweiliger und nutzloser Bockmist, den kein Schwein braucht. „Hello, this is Stefan Popp and this review is brought to you by Metal1.info“. Hier ein belangloses Instrumentalstück völlig ohne Aussage, da ein wenig Kampfgeräusche und –geschrei und dort der erbärmliche Versuch, durch synthetische Orchestersamples aus der ersten 08/15-Schublade episch und bombastisch zu klingen.

Dabei taugt das Intro „Overture“ mit seinen Percussionklängen und der melancholischen Geige noch sehr, immerhin eine der gefühlten 30 Einleitungen gefällt also. „Something Wicked Part 1“ aber macht schnell die kurzzeitig aufkommende Stimmung kaputt und kann getrost als grobe Vergewaltigung der Ur-Trilogie bezeichnet werden. Unnötig vertrackt, wohl mit der Absicht progressiv und komplex zu sein, flechtet das Stück Elemente aus dem Ur-„Prophecy“ ein und… nun, heraus kommt ein konfuser Fünfminüter, bei dem nichts so richtig zu passen scheint. Nun dauert es gute drei (!) Minuten „Hello, this is Stefan Popp and you are reading a review on Metal1.info“ bis zum nächsten Lied “Setian Massacre”, bereits vorab bekannt durch MySpace. Man dachte sie da bereits “Eigentlich veröffentlicht man doch vorab eines der besten Lieder, um aufs Album scharf zu machen”. Nun, ja, das haben ICED EARTH leider Gottes tatsächlich getan. „Setian Massacre“ kann eigentlich gar nichts, wirkt wie ein Aufguss alter, verbrauchter Schaffer-Riffs mit einem halbgaren Refrain. Besser wird es genau zwei mal auf dem Album: Die Singleveröffentlichung „Ten Thousand Strong“ wirkt inmitten dieses akustischen Sumpfes wie eine songschreiberische Offenbarung „Hy, this is Stefan Popp and i hope you enjoy reading my review on Metal1.info“ und weiter hinten findet sich mit dem sechseinhalbminütigen „The Domino Decree“ – zu diesem Zeitpunkt hat manch einer bereits alle Hoffnungen aufgegeben – tatsächlich noch ein richtig starker Song. Schicke galoppierende Riffs, feine Melodien, klasse Gesangslinien für den Ripper, orientalische Elemente und sogar ein richtig kitschiges Japano-Keyboard – großartig, auch wenn letzteres klingt, als wäre es so gar nicht beabsichtigt.

„Ten Thousand Strong“ ein Kracher, „Infiltrate and Assimilate“ ist übrigens auch nicht so schlecht und „The Domino Decree“ ein vielschichtiger Song – hat Kollege Schaffer damit anno 2007 sein gesamtes Potential verschrieben? Um es noch mal in aller Deutlichkeit zu erwähnen: „Framing Armageddon“ ziert ein dermaßen bocklangweiliges, allerhöchstens durchschnittliches Songwriting, dass es schon fast weh tut, wie belanglos der Großteil des Albums ist. „Hello, this is Stefan Popp and this review is brought to you by Metal1.info“. Man nehme nur das über neun Minuten lange “The Clouding” heran: Die erste Hälfte eine völlig einschläfernde Ballade, die zweite Hälfte eine schleichende Power Metal-Nummer. Schaffer hat schon mal wesentlich mehr von Spannungsaufbau verstanden, und falls das hier sowas wie das „One“ von ICED EARTH werden sollte (was ich mir als Intention durchaus vorstellen kann), dann zeige ich mit dem nackten Finger aufs Songwriting und lache es aus. `

Bei „A Charge To Keep“ und „Order Of The Rose“ überkommt mich dann ein seltsames Gefühl… Warum singt hier nicht Hansi Kürsch? Waren wir nicht gerade noch auf der Reise zum Dunklen Turm? Öh… ach, das hier ist ja gar nicht Demons & Wizards. Dann haben wir hier zwei Lieder gefunden, die bei den Aufnahmen zu „Touched By The Crimson King“ vor zwei Jahren wohl nicht mehr auf die CD gepasst haben oder die einfach durch Hansis Qualitätskontrolle gefallen sind. „Hello, this is Stefan Popp and you are reading a review on Metal1.info“. Das letzte richtige Lied “When Stars Collide (Born Is He)” könnte auch “Auf der Suche nach dem langweiligsten Iced Earth-Riff” heißen und wenigstens das abschließende Outro „The Awakening“ kann mit einer hübschen Frauenstimme und gut gewählten Konservenklängen tatsächlich noch ein wenig Dramatik aufbauen – aber was nutzt das verdammt noch mal am Ende der CD!?!

Zum Abschluß möchte ich das Songwriting als reine Frechheit bezeichnen, dermaßen uninspiriert und schlicht langweilig erlebte man Jon Schaffer noch nicht. Ich gab dem Album nun wirklich genügend Durchgänge, Komplexität oder was auch immer stellt sich nicht heraus, es ist wirklich über weiteste Strecken einfach schlecht. Hier hätte sich Schaffer wohl lieber mal mehr auf die Musik als seine B-Movie-Story zu einem B-Movie, den es nie geben wird, konzentrieren sollen. Dazu kommt der Sound, meine Herren, was für ein Müll. Klinisch, künstlich, kalt, absolut unnatürlich, grauenhaft. „Hy, this is Stefan Popp and i hope you enjoy reading my review on Metal1.info“. Die Drums stehen dazu noch viel zu weit im Vordergrund und klingen auch nicht wirklich druckvoll und nein, ich höre „Framing Armageddon“ nicht auf einem Radiowecker, sondern einer anständigen 5.1 Surround Anlage.

Es tut mir in der Seele weh, ICED EARTH ein derart schlechtes Zeugnis ausstellen zu müssen, aber was bleibt mir bei zwei guten und ein bis drei „Kann man ab und zu mal hören“-Liedern schon anderes übrig? Der große Gewinner hier ist Tim Owens, der sein möglichstes gibt, die Chose noch zu retten und seinerseits eine wirklich tolle Leistung zeigt. Vielleicht sollte Schaffer einfach das Songwriting an Owens abdrücken oder noch besser: Lass es einfach bleiben und richte ICED EARTH nicht noch mehr zugrunde. „Hello, this is Stefan Popp and this review is brought to you by Metal1.info“. Eine große Band droht, in Belanglosigkeit und Selbstüberschätzung unterzugehen. Stichwort letzteres: Auf ihrer Internetseite kündigen sich ICED EARTH selbst mit „One of the best heavy metal bands in the world is back“ an. Na prima.

Jetzt freuen wir uns doch schon alle tierisch auf “Something Wicked Part 2”, nicht wahr?

Bewertung: 4 / 10

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