CD-Review: In Flames - The Tokyo Showdown (Live In Japan 2000)

Besetzung

Anders Fridén – Gesang
Jesper Strömblad – Gitarre
Björn Gelotte – Gitarre
Peter Iwers - Bass
Daniel Svensson – Schlagzeug

Tracklist

01. Bullet Ride
02. Embody The Invisible
03. Jotun
04. Food For The Gods
05. Moonshield
06. Clayman
07. Swim
08. Behind Space
09. Only For The Weak
10. Cyroscope
11. Scorn
12. Ordinary Story
13. Pinball Map
14. Colony
15. Episode 666


Die Clayman-Tour war lang und sehr erfolgreich, es war also nur an der Zeit, sich jetzt mal an das Aufnehmen eines Live-Albums zu machen. Dieses wurde, wie schon unzählige seiner Vorgänger, in Japan mitgeschnitten, denn dort soll das Publikum viel enthusiastischer und begeisterter sein soll als in manch anderen Staaten.
Wirft man einen Blick auf die Tracklist, so ist wirklich alles vertreten, was dass Fanherz begehrt, vom Debüt „Lunar Strain“ über „The Jester Race“ und „Whoracle“ bis hin zu „Colony“ und „Clayman“ sind alle bisherigen Alben berücksichtigt worden, letzteres eben am häufigsten.

Doch nach dem Einlegen der CD wird die ganze Euphorie ziemlich gedrückt. Mit den Openingtracks der bis dato aktuellen Werke, nämlich „Bullet Ride“ und „Embody The Invisible“ fängt es an.
Der Sound ist schlecht, die Drums und der Bass viel zu weit im Vordergrund und die zweite Gitarre ist viel zu leise, deswegen kann man die für In Flames so wichtigen zweistimmigen Gitarrenleads teilweise wirklich nur erahnen. Dazu ist die Stimme von Anders Friden „anders“ als auf den Studioalben, teilweise kommt das vergleichsweise sogar schon klarem Gesang gleich, nicht zu vergessen, dass der Gesang viel zu leise abgemischt wurde. Leider war das noch nicht alles, da der Gesamtsound überhaupt nicht druckvoll und energiegeladen wirkt, sondern einfach nur schwachbrüstig, und die ach so genialen Fans sind schlicht und ergreifend erstmal überhaupt nicht zu hören.

Der erste Eindruck ist also alles andere als toll, eher ernüchternd. Später wird’s dann mit dem Sound etwas besser, als druckvoll rüberkommende Songs kann man allerdings nur „Swim“, „Only For The Weak“ und den Klassiker „Episode 666“ bezeichnen. Sogar Songs wie „Clayman“, „Behind Space“ oder „Ordinary Story“ wirken hier überaus lahmarschig.
Das gleiche kann man auch über die Fans sagen, deren Jubel etwa so laut ist, als wenn der Bäcker um die Ecke nach zwei Wochen mal wieder ein selbstgemachtes Stück Torte im Angebot hat. Nicht mal bei den ruhigen Stellen machen sie sich bemerkbar, dass ist alles nur ein laues Lüftchen. Aber das wird doch anders sein, wenn In Flames mitten in „Sorn“ einfach mal Slayers Evergreen „Raining Blood“ anspielen? Weit gefehlt, auch hier nichts zu hören.

Aber die Fans können hier wohl kaum etwas dafür. Vielleicht war die Idee, dieses Scheibchen nicht nachzubearbeiten, doch ein Schuss in den Ofen. Auf der einen Seite ist es schon lobenswert, wenn man eine Live-Aufnahme auch wirklich als Live-CD veröffentlicht (groß ist das Geheule, wenn sich live alles anhört wie im Studio), doch wenn dann ein solch schwach klingendes Werk dabei herauskommt, sollte man die Vorgehensweise vielleicht mal etwas überdenken. Schließlich ist In Flames überall als energische und kraftvolle Liveband bekannt – schade, dass man das auf dem „Tokyo Showdown“ ganz und gar nicht rüberbringen kann.
Doch ich bin ja nicht nur zum meckern hier, denn so bekommen alle Songs eine etwas andere, rauere Note als die Studioversionen, was sich teilweise wirklich nicht schlecht anhört. Und die Songauswahl ist eh über jeden Zweifel erhaben und könnte an und für sich glatt als nahezu perfekte Best Of Kollektion durchgehen.

Unterm Strich bleibt aber eine ziemliche Enttäuschung. Für Fans bestimmt eine lohnenswerte Anschaffung, als Neuling sollte man sich aber besser eins der zahlreichen, guten Studiowerke zu Gemüte führen.

Keine Wertung

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