CD-Review: In Flames - Soundtrack To Your Escape

Besetzung

Anders Fridén - Gesang
Björn Gelotte - Gitarre
Jesper Strömblad - Gitarre
Peter Iwers - Bass
Daniel Svensson - Schlagzeug

Tracklist

01. F(r)iend
02. The Quiet Place
03. Dead Alone
04. Touch of Red
05. Like You Better Dead
06. My Sweet Shadow
07. Evil in a Closet
08. In Search For I
09. Borders And Shading
10. Superhero of the Computer Rage
11. Dial 595-Escape
12. Bottled


Nachdem die schwedischen Melodic Deathmetaller von In Flames mit ihren letzten beiden Alben „Clayman“ und „Reroute to Remain“ eine etwas melodische und weniger harte Schiene gefahren sind, war die Spannung auf das neue Werk „Soundtrack to your Escape“ groß. Viele waren von den letzten Scheiben sehr entzückt, andere wünschen sich „Jester’s Race“-Zeiten zurück. Im Vorfeld wurde viel über die Titelliste diskutiert, welche eine Menge Leute auf ein sehr modernes Album schließen ließ.
Doch schon der erste Song kann gänzlich überraschen. Nach der Frage „Why did the World start?“ setzen kräftig depressive Riffs ein, die ein wenig an die etwas härteren Genre-Kollegen von Hypocrisy erinnern. Inmitten des Refrains ertönen tiefe Growls von Sänger Anders Fridén, die man lange nicht mehr gehört hat. Das der erste von den insgesamt zwölf neuen Songs gleich ein solches Brett ist, hätte ich nicht vermutet. Eine starke, druckvolle Nummer, die Lust auf mehr macht. Hymnenartig geht es mit dem EP-Song „The Quiet Place“ (VÖ 1.März) weiter. Im Gegensatz zum eben gehörten Opener geht es hier nicht so brachial zu, jedoch steckt Anders eine gewaschene Portion an Emotion in diesen wunderbaren Song. Ich empfinde den Song als festbrennenden Ohrwurm, viele jedoch sagen, dass er langweilig ist und vom einstigen top Gitaren-Duo kaum mehr etwas zu hören ist. Aber ich stehe dem Song anders gegenüber, er ist wirklich sehr stark und einprägsam. „Dead Alone“ erinnert bis dahin stark an „Reroute to Remain“, wo es sicherlich ebenfalls gut hineingepasst hätte. Der Song ist allerdings etwas unauffällig und eben im Kontrast zu den vorausgegangenen Songs nicht so enorm einprägsam. Wieder härter und mit Blick zu „Clayman“ geht es bei „Touch of Red“ zu. Hierbei hat es der Hörer mit satten Riffs und gut eingebrachten Gesangsrhytmen zu tun. Ein super Song, der insbesondere im Chorus durch exzellente Riff-Duelle glänzt. Zum Ende hin gibt es einen drastischen Tempowechsel, bei dem ich zuerst dachte, ein neues Lied stimmt ein. Aber es ist quasi ein mehr als einminütiges Outro des Songs. Nahtlos geht es zu „Like You Better Dead“ über, ein Titel der ordentlich aus den Boxen kracht und mit In Flames typischen Riffing aufwartet. Allein der Name des Songs klingt ja schon mal vielversprechend. Ein richtig starkes Stück, welches an ältere Werke anknüpft und sicherlich vom Härtegrad nicht unbedingt auf die „Reroute…“ gepasst hätte. Spätestens bis zu diesem Lied beweisen In Flames, dass es sich hierbei keinesfalls um Nu Metal handelt, wie es viele Kritiker zuletzt gerne in den Raum warfen. Auch innerhalb dieses Stücks zeigt Sänger Anders, wie sehr er doch mit seiner Stimme spielen kann, was beim Zuhören richtig Spaß macht.
Die zweite Hälfte des neuen Werk wird in Perfektion durch „My Sweet Shadow“ eingeleitet, welches etwas verhalten beginnt, aber dann großzügig in die Vollen tritt. Was sich das Gitarren-Duo für diesen Song ausdachte, ist einfach nur spitze. Powerakkorde, Melodie und Härte. Anders Friden ist teilweise verzerrt zu hören, schreit an anderen Passagen des Songs aber als gäbe es kein Morgen. Ein richtig genialer Song, der ebenfalls auf der EP vertreten ist. Live kann sich der Fan auf diesen Song richtig freuen. Elektronisch klinkt der Song aus und eine ruhige Ballade ertönt. „Evil in a Closet“ heißt das Stück. Eingängiges Drumspiel und stimmungsvolle Gitarrenarbeit begleiten den cleanen Gesang wunderbar. In der Mitte des Songs gibt es dann einen kleinen Push, der den Song etwas schneller macht und dann etwas wilder gesungen und gespielt wird. Eine abwechselungsreiche Darbietung, die mal etwas anderes von In Flames ist. Sollte hierzu eine Single veröffentlicht werden, würde die sicherlich bei der breiten Masse gut ankommen. Und sollte sich jemand aufgrund der Ballade das gesamte Album kaufen, würde er wahrscheinlich negativ überrascht sein, wie hart das nächste Lied ist. „In Search For I“ ist ziemlich schnell, beinhaltet ein druckvolles Drumming und abwechselungsreiche Riffs, die richtig gut tönen. Auf Melodie wird hierbei nicht unbedingt das Hauptaugenmerk gesetzt. Eher gibt es direkt auf die Zwölf. Ein kurzes, aber gutes Solo ist mit von der Partie und rundet den Song zu einem der aggressivsten auf dem Album ab. „Borders And Shading“ startet mit ähnlich depressiven Riffs, die aber nicht ganz zu druckvoll sind, wie beim Opener „F(r)iend“. Der Song bringt durchweg starke Riffs mit, die für die Band typischer nicht sein könnten. Im Chorus allerdings ist der Song recht ruhig. „Borders and Shading“ zählt insgesamt gesehen sicherlich nicht zum besten, was je von der Band eingespielt wurde, aber ein schlechter Song ist es definitiv nicht.
Das letzte Drittel der neuen Platte startet in Form von „Superhero of the Computer Rage“. Vom Titel her kann man wohl auf nicht all zu viel schließen, doch die musikalischen Fakten sprechen für sich: Überaus aggressive Vocals, erbitterte Gitarren-Duelle und druckvolles Drumming von Daniel. Ein richtig wüster Track, den man hinter dem modernen Titel bestimmt nicht vermutet hätte. „Dial 595-Escape“ wurde das vorletzte Stück betitelt. Ein böses Donnerwetter an aggressivem Melodic Death Metal dreht seine Runden in der Anlage. Hier geht es sauber ab und man hört einen symbolischen Mittelfinger in Richtung der Kritiker, die behaupten, In Flames hätten es verlernt. Den endgültigen Abschluss macht der Song „Bottled“, der gleich mit typisch melodisch-aggressiver Strucktur ertönt. Die Vocals variieren gekonnt, aber hauptsächlich singt Anders clean, aber der ein oder andere Schrei soll nicht vermisst bleiben. Hierbei wird nochmal viel mit Effekten, die einem das Studio ermöglichen gearbeitet, was den Song durchaus abwechselungsreich macht.

Abschließend kann man ruhigen Gewissens behaupten, dass In Flames wieder härter sind. Die Songs sind durchweg gut strukturiert und machen „Soundtrack to your Escape“ zu einem fantastischen und abwechselungsreichen Album, mit dem viele wohl nicht gerechnet hätten. Als großer Fan der Band muss ich sagen, dass die Jungs meine persönlichen Erwartungen übertroffen haben. Das Album will zwar vielleicht öfters gehört werden, bis es richtig anzieht, aber wenn der Punkt erreicht ist, macht das Album Spaß und überzeugt auf voller Linie. Man darf sich auf die Live-Saison freuen!

Bewertung: 8.5 / 10

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