CD-Review: Kärbholz - Überdosis Leben

  • Veröffentlichung: 2017
  • Label: Metalville
  • Spielart: Rock
Besetzung

Torben Höffgen - Gesang
Adrian Kühn - Gitarre
Stefan Wirths - Bass
Christian Steffens - Schlagzeug

Tracklist

01. Ich hoffe, Du kannst mich sehen
02. Überdosis Leben
03. Feuerräder
04. Ich kann es nicht ändern
05. Nur wir Beide
06. Kind aus Hinterwald
07. Evolution umsonst
08. Der Spiegel
09. Perfekt unperfekt
10. God Save The Sin
11. Da ist noch Leben drin
12. Nur einen Satz
13. Schwerelosigkeit
14. Weck mich nicht auf
15. In Flammen stehen


„Ich will ne Überdosis Leben, ich wüsste nicht, dass daran jemals einer starb”, singen KÄRBHOLZ aus der Weltstadt Ruppichteroth in Nordrhein-Westfalen im Titeltrack ihres neunten Studio-Albums. Nein, an einer „Überdosis Leben” sicher nicht, aber vielleicht an einer Überdosis KÄRBHOLZ? Der kriminell simple Deutschrock des Quartetts schlägt schließlich mit der Subtilität eines Hackebeils, Ton für Ton, Kärben in jede Gehirnwindung.

KÄRBHOLZ setzen auf den für Deutschrock-Bands bewährten Slogan „Es sinkt für Sie das Niveau” in Form von Bau(Holz?)kasten-Tracks mit Baukasten-Texten: In fünfzehn Midtempo-Hymnen kombiniert man stets etwas zu hektisch wirkende Gitarrenmelodien, die so gezwungen eingängig sind, dass ein glatter Durchschuss draus wird, mit dem typischen Frei.Wild-/Krawallbrüder-/Beliebige-Deutschrock-Band-einfügen-Gesang, der irgendwo zwischen Kirmes, Bierzelt und Kehlkopfentzündung aufs Trommelfell prallt. Das Schwierigste daran ist nicht einmal, dass die Lieder in etwa so komplex wie die Lumberjack Championships sind – man hat in jedem Song stets nach circa zehn Sekunden das Gefühl, bereits das Wichtigste gehört zu haben: Sämtliche Melodien, Texte und Arrangements sind vollkommen austauschbar, und wer sogleich auf „Skip“ drückt, verpasst nichts.

Am schlimmsten ist die Masse an Peinlichkeiten, die KÄRBHOLZ anhäufen: Da wären zum Beispiel die in Musikform gegossene Beleidigung jedes Country-Songs, der jemals geschrieben wurde („Kind aus Hinterwald”), ein gruseliger Versuch von Sozialkritik („Evolution umsonst”), während dem sich auch mal alle Bierwarte Ruppichteroths im Chor die Kante geben beziehungsweise ein Mikro vergewaltigen, und eine gefühlte Million Reime, die wirken, als hätten KÄRBHOLZ heimlich Money Boy als Ghostwriter engagiert.

Obwohl man der Band durchaus abnehmen kann, dass sie das, was sie hier nach einer Überdosis Leben (oder doch was anderem?) in CD-Form gehackt haben, ernst meint und es weit hergeholt scheint, KÄRBHOLZ Kalkül zu unterstellen, wirkt das Album dennoch, als hätte Helene Fischers Manager die ganze Zeit dahinter gestanden und peinlich genau darauf geachtet, dass auch ja jeder Cent Gewinnpotenzial herausgeholt wird – kaum zu glauben, aber dieses Machwerk hat es tatsächlich auf Platz 2 der deutschen Album-Charts geschafft. Das spricht Bände über die Ansprüche der Fans an deutsche Qualitätsmusik im Jahr 2017 – wenn sich nicht Tausende bei der Nachschub-Bestellung für den Kachelofen verklickt haben.

Bewertung: 3 / 10

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