Review Khold – Svartsyn

  • Label: Soulseller
  • Veröffentlicht: 2022
  • Spielart: Black Metal

Wo andere Männer ihre Alopezie so gut es eben geht zu kaschieren versuchen, hat Sverre Stokland aus seinem Haarausfall sein Markenzeichen gemacht. Und so glänzt die geweißelte Glatze des als Gard bekanntgewordenen Norwegers auf dem Cover des neuen KHOLD-Albums schöner denn je. Doch nicht nur die Frisur sitzt: Acht Jahre nach „Til Endes“ (2014) liefern die Norweger mit „Svartsyn“ („Pessimismus“) ein weiteres Album ab, das allen Erwartungen an ein KHOLD-Album gerecht wird.

An der Tatsache, dass KHOLD nicht eben experimentierfreudig sind, hat sich auch mit diesem Werk nichts geändert: Das moderne Artwork, das das unverwechselbare Corpsepaint von Gard geschickt mit einer klaren Hell-Dunkel-Kante nachstellt, ist die einzige echte „Neuerung“ – in Sachen Stil und Sound bleiben sich KHOLD hingegen treu.

Dabei gelingt es den Norwegern jedoch einmal mehr, ihre Stärken geschickt herauszuarbeiten und ihre Schwächen zu kaschieren: Dass KHOLD weder strukturell noch spielerisch viel Finesse zu bieten haben, kompensiert das Quartett wie eh und je mit Eingängigkeit und Groove. Wie gut das diesmal klappt, wird schon daran deutlich, dass „Svartsyn“ mit 40 Minuten Spielzeit um fast zehn Minuten länger ist als sein Vorgänger – und trotz ähnlich geringer Vielseitigkeit nicht langweilig wird. So verleiten Songs wie „Apostel“, „Ødslet Blod“ oder „Dystopi“ quasi ununterbrochen dazu, mitzunicken und – so vorhanden – das Haupthaar zu schütteln.

Das liegt allerdings auch daran, dass KHOLD gewohntermaßen mit sehr wenigen Ideen pro Song arbeiten: Wo andere Bands nochmal eine Schippe drauflegen, einen Break, einen Cleanpart oder ein Solo einstreuen, rocken die vier Norweger entweder stur weiter oder lassen den Song einfach enden. Viel Platz für kompositorische Dramaturgie bleibt da freilich nicht – andererseits fördert genau dieses schroffe Songwriting jene kalte, abweisende Atmosphäre, für die KHOLD seit jeher bekannt sind.

Aus dem ansonsten durchweg sehr rockigen Material sticht einzig „Helligdom Av Døde“ wirklich hervor: Der Song ist mit 6:17 Minuten nicht nur doppelt so lang wie der durchschnittliche Song auf „Svartsyn“, sondern zudem auch deutlich langsamer. Eigentlich schade, dass diese Nummer ein Ausreißer bleibt – der schleppende Stil steht KHOLD auch gut zu Gesicht und sorgt tatsächlich für etwas Abwechslung im ansonsten recht gleichbleibenden Albumverlauf.

Pessimismus ist bei KHOLD allenfalls bezüglich Gards Haarwuchs angebracht – ansonsten lässt „Svartsyn“ durchweg positiv in die Zukunft schauen: Nach acht Jahren Pause machen KHOLD nahtlos dort weiter, wo sie mit „Til Endes“ aufgehört hatten. Das ist nach wie vor nicht eben Album-des-Jahres-Level, aber durchweg unterhaltsam. Auf diesem Niveau können jedenfalls gerne noch weitere Alben folgen – gerne auch nicht erst wieder in acht Jahren. Aber selbst wenn: Mit den 2006 reaktivierten Tulus haben Sarke, Gard (dort als Blodstrup) und Crowbel ja noch ein zweites, stilistisch nicht gänzlich anders ausgerichtetes Projekt. Und mit diesem befinden sich bereits wieder im Studio!

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Wertung: 7.5 / 10

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