CD-Review: Knorkator - Das nächste Album aller Zeiten

Besetzung

Alf Ator – Keyboard
Stumpen - Gesang
Buzz Dee – Gitarre
Tim Beam – Bass
Nick Daniels – Schlagzeug

Tracklist

01. Alter Mann
02. Du bist so still
03. Lied vom Pferd
04. Wir werden alle sterben
05. Nur mal angenommen
06. Eigentum
07. Für meine Fans
08. www.einliebeslied.com
09. GV
10. Geld
11. Franz Hose
12. Symphonische Dichtung


Vier Jahre haben sich KNORKATOR nach „Ich hasse Musik“ für ihr fünftes Album Zeit gelassen. In der Zwischenzeit feierten „Deutschlands meiste Band der Welt“ mit ihrer ersten Live-DVD/-CD „Zu alt“ ihr 10jähriges Bestehensjubiläum, erzählten darauf ihre Geschichte als ungewöhnliche Boygroup und wechselten außerdem die Plattenfirma.

Als aufmerksamer DVD-Seher oder Konzertbesucher kennt man seit langer Zeit schon „Wir werden alle sterben“, von der Band zur neuen Internationalhymne erklärt und inzwischen schon so was wie ein Klassiker. Simple, tiefe Gitarren und monotoner Sprechgesang paaren sich mit flockigen Akustikgitarren und trotz der Botschaft gar nicht so traurigem Stumpen- und Choralgesang und den kultigen „Tooood“-Chören, und das alles funktioniert einfach wunderbar. Das lustige Video mit den putzigen Lemmingen und das kleine Mädchen dürften auch gut dazu beigetragen haben, dass das Lied bereits im Vorfeld dermaßen abgeräumt hat.

Doch schon von Anfang präsentiert „Das nächste Album aller Zeiten“ einige potentielle Hits und Livekracher. „Alter Mann“ etwa erfreut mich ungewohnt alternativrockiger Schlagseite und verwirrt beim ersten Hören ganz stark und entpuppt sich beim Refrain als absoluter Ohrwurm, und überhaupt erfreut sich jeder KNORKATOR-Befürworter doch über jede weitere Abrechnung mit der Jugend. Applaus! Ebenfalls sehr rockig ist „Du bist so still“, quasi eine Ode an das Schweigen, bei dem uns Stumpen sowohl mit aggressiven Schreien als auch mit erhabenen Gesängen erfreut. Er ist und bleibt großartig und einer der besten und vielseitigsten Vokalisten unseres Landes!

Zwei Vertreter des „alten“ KNORKATOR-Humors haben es auch hierauf geschafft. „Nur mal angenommen“ beinhaltet eine biologische Abhandlung über die Möglichkeit, in sich selbst zu reisen und in „GV“ singt Alf Ator über… nunja, Geschlechtsverkehr eben. Das gab es 1995 schon mal, warum diesmal wieder, ich weiß es nicht. Und als ob es ein Zeichen auf den textlich anhaltenden Umschwung ist: Die beiden Stücke sind meiner Meinung nach die schlechtesten des Albums.

Ganz anders sieht das aus mit der ernsthaften Seite der Scheibe. Eine waschechte Akustik-Ballade inklusive groß angelegter Marketingkampagne gibt es mit dem „Liebeslied“ (die Geschichte um Anton Zylinder dürfte ja hinreichend bekannt sein) und das ist auch noch ein richtiges Meisterwerk geworden, tolle Melodie und ein schöner Text. Jetzt können KNORKATOR endlich im Radio laufen! Ganz toll ist hier übrigens der schöne Break in der Tracklist vom „Liebeslied“ zum „Geschlechtsverkehr“. Vielleicht eine kleine „Ist doch eh immer das selbe mit der Liebe“-Botschaft? ;)
Da wären außerdem noch die sich textlich mehr oder weniger ergänzenden „Eigentum“ und „Geld“. „Eigentum“ auf der einen Seite ist eine melancholische Nummer im Rammstein-Stil mit der negativen Seite („Ich bin das Eigentum von meinem Eigentum“), „Geld“ hat zwar auch eine recht traurige Grundmelodie, durch den Gesang und den Text („Ich habe Geld; Sämtliches Glück auf dieser Welt, liegt mir zu Füßen, um es aufzuheben“). Ein wenig Wahrheit und Sozialkritik steckt dafür in beiden Liedern. „Geld“ könnte mit anderem Text übrigens ebenso gut als ein Liebeslied durchgehen.

Auch die restlichen Songs sind keine Ausfälle: Das „Lied vom Pferd“ beweist erneut die kompositorischen und instrumentalen Stärken der Band, „Für meine Fans“ ist eine etwas andere Hommage an die eigenen Anhänger, „Franz Hose“ macht richtig Spaß wenn man beim ersten Hören krampfhaft versucht, den Text zu entschlüsseln und die „Symphonische Dichtung“ ist zum Abschluss ein annehmbares Instrumental.

„Das nächste Album aller Zeiten“ kann in seinen 44 Minuten mit viel Abwechslungsreichtum und tollen Ideen aufwarten, KNORKATOR unterstreichen auch erneut ihren Anspruch, zumindest instrumental ernst genommen zu werden. Diese ernste und tiefgründige Seite ist zusammen mit dem lang anhaltenden Humor eine wirklich gute Mischung. Auch mit ihrem fünften Album werden die Berliner die Hörerschaft wieder spalten, also sei auch gleich gesagt, wer KNORKATOR bisher nicht mochte, wird auch mit diesem Album schwerlich seine Freude haben. Für alle anderen wird der „Ich hasse Musik“-Stil konsequent weitergeführt und um weitere Facetten angereichert.

Bewertung: 8 / 10

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