CD-Review: Knorkator - Knorkatourette

Besetzung

Alf Ator – Keyboard, Gesang
Stumpen - Gesang
Buzz Dee – Gitarre
Rajko Gohlke – Bass
Nikolaj Gogow – Schlagzeug

Tracklist

01. Hymne
02. Schwanzlich Willkommen
03. Ding inne Schnauze
04. Schüchtern
05. Mich verfolgt meine eigene Scheiße
06. Zoo
07. Fortschritt
08. Geld
09. Wenn mir einer was will
10. Alter Mann
11. Refräng
12. Ich hasse Musik
13. L
14. Konrad
15. Breaking The Law
16. Schmutzfink
17. Der Werwurm
18. Eigentum
19. Weg nach unten
20. Wir werden alle sterben
21. Absolution
22. Für meine Fans
23. Ma Baker


Über fünf Jahre ist es her, da stürzte sich KNORKATOR-Frontmann Stumpen kopfüber von der Empore der Columbiahalle Berlin aus rund fünf Metern Höhe in die tobende Menge. Wir springen an dieser Stelle im übertragenen Sinne in das Jahr 2015 und der beinahe volltätowierte Sänger erfreut sich weiterhin seiner (geistigen) Gesundheit, mehrheitlich. Außerdem texten und touren die verrückten Fünf immer noch fröhlich einher. So entstand 2014 ihr letztes Studioalbum „We Want Mohr“ und 2015 die dazugehörige Bluray/DVD/Live-CD namens „KnorkaTourette“. Dieses Mal kommt die Show ohne waghalsige Stunts nahe am Leichtsinn aus, dafür zeigen sich die Männer (nebst weiblicher Unterstützung aus ihrer eigenen Bandvergangenheit) audiovisuell erneut von ihrer kreativ-charmant-verrückten Seite.

Für den 16. Mai 2014 kündigten KNORKATOR ihre Aufzeichnung an und bereits wenig später war die Columbiahalle in ihrer Heimat restlos ausverkauft. Wer diese Show oder auch die gesamte Tour verpasst hat, kann das Erlebnis nun am Heimkinosystem nachholen – wahlweise mit oder ohne Bild. Für CD-Fetischisten erscheint „KnorkaTourette“ in einer limitierten Auflage, zusammen mit einem kleinen bebilderten Büchlein inklusive aller Songtexte des Abends. Mit den passenden Bildern untermalt profitieren KNORKATOR wiederum von den Möglichkeiten der neuen Hochglanzmedien: Die Bilder sind gestochen scharf, die Kameraführungen (nebst Schnitt) an die Musik angepasst und der Sound gleicht einem wahren Ohrenschmaus. Mag der Name der Veröffentlichung zunächst Fragezeichen hinterlassen, so setzt die Band von Anfang an echte musikalische Ausrufezeichen. Schwanzlich Willkommen in der quietschbunten Welt der durchgeknallten Musikgötter, die so viel mehr verkörpern als einen Comedy-Act zur Pausenunterhaltung.

Aus der gesamten Bild- und Audiokomposition spricht viel Mühe und Herzblut, wie man es nicht einmal von der meisten Band der Welt im Vorfeld erwarten konnte. Immerhin ist dies nicht ihr erster Konzertmitschnitt. Insgesamt 23 Songs lang unterhalten KNORKATOR mit einem bunten Potpourri ihres musikalischen Spektrums, das keinem ABC gleicht, sondern der Quadratur des Kreises: Wütend-punkig stapft Stumpen zu „Ding inne Schnauze“ oder „Wenn mir einer was will“ über die Bühne und huldigt zusammen mit dem Rest der Truppe den eigenen Anfängen. Insgesamt sechs Songs des Debüts schaffen es in diese Toursetliste. Dies wiederum ist gleichzeitig ein Wermutstropfen für alle Freunde von „Tribute to uns selbst“, denn dieses Album fehlt gänzlich in der Songauswahl. Aus der jüngeren Vergangenheit punkten dafür wiederum „Fortschritt“, „Konrad“ und „L“. Wenn KNORKATOR sich nicht gerade selbst und/oder ihre Fans feiern, dann huldigen sie Judas Priest mit ihrem „Breaking The Law“-Cover oder dem noch empfehlenswerteren Boney M.-Remake von „Ma Baker“.

Abseits ihrer furiosen Bühnenshow verzichten KNORKATOR auf Backstage-Material oder anderen Firlefanz. Wahrscheinlich würde dies nur unnötig von der Musik ablenken. Diese bietet mit badmintonähnlichen Einlagen auf der Bühne, Alf Ator und seinem Gehwägelchen sowie der Werwurm-Metamorphose genug Sehenswertes. Durch den Fokus auf das Konzert ist die Gesamtlänge von weniger als 100 Minuten zwar sehr übersichtlich, doch dafür auf allerhöchstem Niveau. Wahrscheinlich dem höchsten, den diese Form der Musik (in aller Anerkennung) hergibt. Trotz diverser Vorgänger ist „KnorkaTourette“ eine klare Kaufempfehlung für Fans und all diejenigen, die erleben wollen, wie eine Band nach 15 Jahren noch vor Energie und Spaß an der eigenen Musik strotzen kann.

Bewertung: 8 / 10

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