Konvent Call Down The Sun Coverartwork

Review Konvent – Call Down The Sun

Kein Bock auf Sonne: Die wärmer werdenden Temperaturen sorgen bei Vielen für Frühlingsgefühle, KONVENT frönen auf „Call Down The Sun“ aber lieber der tiefschwarzen Finsternis kalter Wintertage. Schon mit ihrem Debüt „Puritan Masochism“ (2020) konnten die vier Däninnen im Death-/Doom-Underground für Aufsehen sorgen und knüpfen mit „Call Down The Sun“ genau daran an.

Die Düsternis beginnt dabei schon bei der Optik: Vom Coverartwork über die Bandfotos bis hin zu den Videoclips ist die KONVENT-Ästhetik dunkel, trostlos und deprimierend. Sobald die ersten Töne des Openers „Into The Distance“ erklingen, entschwindet die Sonne auch ohne Umschweife in ganz weite Distanz. Ebenso wie die Optik ist die Musik von beklemmender Grabesschwärze durchzogen. Schwermütig kriechen die finsteren Riffs so tief über den Boden, dass keine Rasierklinge mehr dazwischen passt. Die dabei entstehende Tristesse ist gleichermaßen faszinierend wie bedrückend und zieht schnell in seinen Bann, sie erzeugt gar eine betäubende, hypnotisierende Atmosphäre. Dazu kommt oben drauf noch die beeindruckende Stimme von Rikke Emilie List: Ihr Gesang scheint auf der Tonleiter nach unten keine Grenzen zu kennen, mit animalischer Aggression growlt sie sich tief in die Seele der Hörer. Auch die seltener eingesetzten, schwarzmetallischen Schreie bringt sie überzeugend rüber, Klargesang kommt ihr nicht in die Tüte.

Wie finster und beabsichtigt monoton „Call Down The Sun” auch ist, beweisen KONVENT auch einen starken Sinn für mitreißende Melodien. „Grains“ etwa ist ein Song, der sofort tief unter die Haut geht und den Körper durchströmt. Der stumpfe Rhythmus und diese melancholische, treibende Melodie lassen den Kopf unweigerlich mitnicken. Grundsätzlich aber sind „Grains“, „Pipe Dreams“ oder zu Teilen „Sand Is King“ eher die Ausreißer, was Dynamik angeht. KONVENT sind zumeist schleppend langsam und eintönig unterwegs, sie schielen bei bedrohlich kriechenden Doom-Epen wie „In The Soot“ und „Fatamorgana“ mit mindestens eineinhalb Augen in Richtung Funeral Doom. Und das alles wäre nur halb so überzeugend ohne die angepisste, wütende, fast unmenschlich röhrende Sängerin.

KONVENT können nach ihrem schon guten Debüt noch einen drauflegen, „Call Down The Sun” ist mehr als nur eine Erschütterung des Undergrounds. Durch den voluminöseren sowie brachialeren Klang und die noch dichtere Atmosphäre ist ihr Zweitwerk eine klare qualitative Steigerung. „Die Scheibe ist auf erschlagende Weise hart, auf erdrückende Weise melancholisch und von Anfang bis Ende schwarz wie die finsterste Nacht. „Call Down The Sun” ist kein Album für Jeden – für die Zielgruppe aber ist es ein Meisterwerk.

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Wertung: 9 / 10

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2 Kommentare zu “Konvent – Call Down The Sun

  1. Die Scheibe: wie in Faustschlag in den Unterleib. Die Vocals: die Finger eines Dämons, welche sich unerbittlich in die Darmschlingen krallen. So in etwa. Bin schwer begeistert!

  2. Das Vorgänger-Album hat mir ja sehr gut gefallen, aber nach meinem ersten Hördurchlauf kann ich mich bei diesem hier überhaupt nicht mit den Vocals anfreunden. Die zusätzliche Tiefe geht komplett auf die Artikulation und Varianz, finde ich. Das machts mir echt kaputt, dabei würde ich mich der sonstigen positiven Kritik eher anschließen.

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