CD-Review: Metallica - Fotografien von Ross Halfin

Besetzung

Ross Halfin - Fotos, TexteLars Ulrich - VorwortKirk Hammett - Nachwortdiv. Gastschreiber - Texte

Tracklist

223 Seiten


Ross Halfin ist im Metalbereich seit vielen Jahren eine echte Ikone, nicht nur, weil er die Szeneschwergewichte METALLICA seit zweieinhalb Jahrzehnten mit der Kamera – wie es scheint – auf Schritt und Tritt verfolgt. Kaum eine Bühne hat er nicht mit Hetfield und Co geteilt, keine noch so kleine Möglichkeit eines gelungenen Schnappschusses ließ er ungenutzt, so dass tausende von Bildern seit den ersten Promoshootings zu „Ride The Lightning“ entstanden sind. Das Archiv hat Ross – bzw. sein Assistent Noriaki Watanabe – nun durchforstet und über 250 Fotos aller Couleur ausgegraben, von denen ein Großteil bislang unveröffentlicht ist.

„Noch ein nutzloses Buch mit Metallica-Fotos, dass ihr weder braucht noch wollt“. Enthusiasmus klingt ein wenig anders, als Schlagzeuger Lars Ulrich im Vorwort, auch wenn man sich da der Ironie sicher sein kann. Aber ein Fünkchen Ernsthaftigkeit steckt da sicher drin, gerade METALLICA, die nicht eben unbekannt sind dafür, aus jedem Fliegenschiss noch den letzten Cent rauszuquetschen, sind da eigentlich unter Generalverdacht. Schauen wir also mal, welche Argumente das DIN-A-4 gebundene Werk für sich verbuchen kann. Wie es sich für einen Fotoband gehört, steht das Bild in einem deutlichen Übergewicht zum geschriebenen Wort. Chronologisch von 1984 – 2009 geordnet, wird fast die gesamte Geschichte der Band fotografisch nacherzählt. Lediglich die Reload/St. Anger-Phase bleibt außen vor, da – und da bleibt es insgesamt etwas kryptisch – Band und Fotograf zu der Zeit nicht so besonders miteinander auskamen.

Traditionellerweise arbeitet Halfin gerne schwarz-weiß, ein Stilmittel, welches im Metal nicht so selten angewendet wird. Tatsächlich bekommen die Fotos ungefärbt eine ganz andere Ausdrucksstärke. Ich will hier nicht übertrieben kunstkritisch daherkommen (das ist normalerweise auch nicht so mein Fach), aber so wird mehr Ehrlichkeit, mehr Direktheit entwickelt. Schwarz-weiß ist in etwa so, wie wenn eine schöne Frau ungeschminkt auftritt, man sieht das wahre Gesicht, man sieht Dinge, die sonst vielleicht unter der Oberflächlichkeit des Bunten verborgen bliebe. Das soll allerdings keinesfalls heißen, dass die Farbfotos schlecht wären. Gerade die neueren Livebilder zeigen sehr eindrucksvoll, warum es immer wieder ein Erlebnis ist, METALLICA in Aktion zu sehen. Handwerklich ist alles in bester Ordnung, interessant vor allem, die modischen Entwicklungen mitzuverfolgen. Einen Strick sollte man den Herren für hautenge Jeans, weiße, hohe Turnschuhe und reichlich Leder nicht drehen. Einzig Cliff Burton mit seinen unten weit offenen Jeans war damals schon ein paar Jahre weiter.

Und damit kommen wir auch schon zu den geschriebenen Worten: begrüßenswert ist es, einige Weggefährten und Szeneinvolvierte zu Wort kommen zu lassen (Redakteure des Kerrang!, So What, Q. oder auch Guitar World), allerdings hätte man sie vielleicht darauf hinweisen sollen, dass nicht jeder noch mal erzählt, dass es Halfins wichtigste Mission war, Cliff vom Tragen dieser Hosen abzuhalten. Mehrmals erfährt man auch, dass METALLICA Halfin nur deshalb cool fanden, weil er das Michael-Schenker-Poster, welches sie 1984 in ihrem Haus hängen hatten, geschossen hat. Sicher, die Beiworte in so einem Band sind oft nicht gerade gehaltvoll, aber häufig ganz amüsant. Ein wenig Ausdifferenzierung wäre nett gewesen, aber da kann man auch noch drüber hinwegsehen. Einzig wirklich schade finde ich, dass nur die wenigsten Fotos untertitelt sind, ein paar klitzekleine Hintergrundinformationen wären an dieser Stelle nett gewesen. Ansonsten kann man getrost das ulrich`sche Vorwort (es ist ziemlich genau acht mal so lang wie das Nachwort von Bandkollege Kirk Hammett…) noch einmal aufgreifen: es ist sicher kein Buch, welches man dringenst haben müsste, vor allem nicht, wenn man schon andere Fotobücher über METALLICA sein Eigen nennt (und so ausgiebig, dass man in die Seiten sabbert, begafft man auch Fotos von den Herren Rockern nicht). Wer sich ein wenig für Fotografie interessiert, gute und schlechte Fotos unterscheiden kann, schon immer mal einen Band über METALLICA haben wollte oder vielleicht nur einfach Ross Halfin unglaublich gut findet (und das ist er), wird mit dem schön aufgemachten Buch sicher einige Freude haben, zumal der Preis mit knapp 30 Euro für ein Fotoband von einem bekannten Fotograf und einer immer noch angesagten Band absolut fair bemessen ist.

Keine Wertung

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