CD-Review: Mourners Lament - We All Be Given

Besetzung

Cristian Ibañez – Gesang
Marcos Contreras – Gitarre
Franco Ciaffaroni – Bass
Miguel Canessa – Schlagzeug
Matias Aguirre - Keyboard

Tracklist

01. As Solemn Pain Profaned
02. Slumbers
03. Omnipresence
04. Suffocating Hopes
05. This Storm…
06. We All Be Given


Dass Chile über eine vitale Metal-Szene verfügt, ist kein Geheimnis. Die Bands, die dort agieren, schaffen es dennoch nur selten, hier zu Lande Beachtung zu finden. MOURNERS LAMENT haben mit ihrem Vertrag bei der niederländischen Plattenfirma Hammerheart Records zumindest einen Fuß in der Tür. Und das völlig verdient, wie das nun auch in Europa veröffentlichte Debüt der lateinamerikanischen Death-Doomer beweist.

Was sich hinter dem farbenfrohen und doch zugleich düsteren Artwork verbirgt, braucht sich nämlich nicht nur technisch gesehen nicht vor einer europäischen Produktion zu verstecken. Auch musikalisch liefern MOURNERS LAMENT ein Album ab, das rundum begeistert. Eine tiefe, oftmals eher erzählende, dann wieder growlende Stimme mit charmantem Akzent bei der Aussprache der englischen Texte begleitet bedächtige Riffs im Stile von Bands wie Colosseum. Den Stil der Band prägen jedoch gefühlvolle Cleangitarren und die bisweilen wahrlich majestätische Melodieführung.

Mit dieser Mixtur gelingt es MOURNERS LAMENT, zugleich heavy und melodisch, bedrohlich und lieblich zu klingen – eine Mischung, die bereits Bands wie Anathema, My Dying Bride oder Paradise Lost zu ihrer heutigen Popularität verholfen hat. In der Tat sind Vergleiche zu besagten Bands in ihrer Frühphase nicht vermessen: „We All Be Given“ klingt ehrlich und natürlich, abwechslungsreich und durchgehend fesselnd. Vor allem aber hat das gewisse Etwas, das dieses wohlige Ziehen im Bauch verursacht und den Hörer von der ersten bis zur letzten Note mitzureißen vermag.

Bereits der Einstieg verspricht Großes: Eine glasklare Gitarre löst verträumt zwei Akkorde auf, bevor auch schon die angenehm runde Distortion-Gitarre und das Schlagzeug mit seinen wuchtigen Toms einsetzt. Spätestens mit dem Gesang und der diesen begleitenden Melodie ist dann ausladende Epik angesagt. Die Elemente, die „We All Be Given“ seinen Charakter verleihen, sind damit eingeführt – Eintönigkeit macht sich bei MOURNERS LAMENT jedoch dank abwechslungsreicher Kompositionsmuster zu keiner Zeit breit. Selbst „Omnipresence“ – als Instrumental fast für einen Durchhänger im Spannungsbogen prädestiniert – kann durch seinen Aufbau, der in einem gefühlvollen Gitarrensolo gipfelt, begeistern.

Nach einer knappen Dreiviertelstunde ist klarMOURNERS LAMENT kann man nur in die Kategorie Geheimtipp stecken: Bereits mit ihrem Debüt-Album liefern die Chilenen ein echtes Meisterwerk ab, das Fans der genannten Bands, aber generell eigentlich allen Musikfreunden mit einem Herz für Doom wärmstens empfohlen werden kann. Beunruhigend ist lediglich ein Detail in der Bandgeschichte: Von ihrer Debüt-EP bis zum ersten Full-Length hat die Band schrecklich lange acht Jahre benötigt. Man kann nur hoffen, dass sich MOURNERS LAMENT nun eingegroovt haben und man bald wieder von dem Quintett aus Valparaiso hört.

Bewertung: 9 / 10

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