CD-Review: Myrkur - M

Besetzung

Amalie Bruun – Gesang, Gitarre, Piano

Gastmusiker:
Teloch (Mayhem, Nidingr) – Gitarre, Bass
Chris Amott (Arch Enemy) – Gitarre
Håvard Jørgensen – Akustikgitarre
Øyvind Myrvoll (Nidingr) – Schlagzeug
Ole-Henrik Moe – Fiðla, Hardangerfiedel, Geige
Tone Reichelt – Horn
Martin Taxt – Tuba

Tracklist

01. Skøgen Skulle Dø
02. Hævnen
03. Onde Børn
04. Vølvens Spådom
05. Jeg Er Guden, I Er Tjenerne
06. Nordlys
07. Mordet
08. Byssan Lull
09. Dybt I Skoven
10. Skaði
11. Norn


Dass sich Musiker nicht immer nur in ein und demselben Genre tummeln, sondern je nach Projekt auch mal etwas ganz Anderes ausprobieren, kommt häufig vor. Dennoch war es sicherlich für viele befremdlich, als die Dänin Amalie Bruun, vormals bekannt als Modell und Indie-Pop-Musikerin, 2014 unter dem Namen MYRKUR plötzlich anfing, im Alleingang Black Metal zu spielen. Wenngleich von einigen alteingesessen Hörern herabwürdigend als „Hipster Black Metal“ bezeichnet, schlug ihre selbstbetitelte EP große Wellen. Im Jahr darauf folgte mit „M“ das ambitionierte Full-Length-Debüt, an dem einige namhafte Gastmusiker mitwirkten und das von niemand Geringerem als Garm (Ulver) produziert wurde – was die Skeptiker jedoch nicht verstummen ließ, sondern die Fronten nur noch mehr verhärtete.

Selbstverständlich sollte die Musik selbst unabhängig von etwaigen Hypes, Trends etc. bewertet werden. Das Geschlecht der Künstler, deren berufliche und musikalische Vergangenheit, aber auch große Namen sollten ebenfalls nicht von Belang sein. Dass MYRKUR keinen klassischen Black Metal der zweiten Welle spielt, ist klar: Neben den sehr wohl vorhandenen garstigen Screams, den bratenden, unheilverkündenden Riffs und den brachialen Blasts liegt der Zauber von „M“ vielmehr im Kontrast dieser Stilmittel zu den sanfteren Klängen.

Mal sind sie eng miteinander verknüpft wie etwa im beeindruckenden, verheißungsvollen Auftakt von „Skøgen Skulle Dø“, in dem die Streicher und die Leads etwas wahrhaft Machtvolles ankündigen zu scheinen, dann wiederum konzentriert sich MYRKUR gänzlich auf eine ihrer beiden Seiten. Darum gehören gefühlvolle Piano-Balladen wie „Nordlys“ ebenso zu „M“ wie gnadenlose, bösartige Black-Metal-Exzesse wie „Mordet“. Gerade dieses Zusammenspiel aus majestätischen, melancholischen Leadgitarren, kraftvollen Schlagzeugrhythmen sowie der Klassik und dem Folk entlehnten Elementen, die sich vor allem im Gesang, im Piano und in den Streichern äußern, macht das Debüt von MYRKUR so atemberaubend. Dass keines dieser Stilmittel je deplatziert wirkt, sagt wohl alles über Amalies Fähigkeiten als Songwriterin.

Der von Kritikern nur zu gerne eingebrachte Vorwurf, man hätte sich zu sehr bei den alten Ulver-Platten bedient, ist angesichts der vielfältigen Kompositionen nicht haltbar. Bis auf „Onde Børn“, das mit seinen einleitenden Drum-Fills, seinen treibenden Riffs und Drums sowie seinen Chorgesängen eine bewusste Hommage an „I Troldskog Faren Vild“ darstellt, geht MYRKUR ihren eigenen, unverkennbaren Weg. Beinahe mehr noch als mit ihren Instrumenten versetzt Amalie den Hörer vor allem mit ihrer Stimme ein ums andere mal in Staunen. Zwar klingen ihre wutentbrannten Screams noch etwas ungeübt, doch ihr elfengleicher, oftmals als sakraler Chor arrangierter Klargesang ist mit der ätherischste, gefühlvollste, den das Genre bis dato gesehen hat.

Auf ihrem nicht einmal 40 Minuten langen Debüt „M“ hat MYRKUR den rauen Black Metal Skandinaviens mit ihrem glasklaren, sphärischen Gesang und ihren emotionalen, aber nicht zu rührseligen, von Klassik und Folk inspirierten Arrangements angereichert und ihm damit ein neues Gesicht gegeben. In gewisser Weise hat die Dänin damit die Spielregeln des Genres geändert, was vielleicht eine Erklärung für die Kontroverse ist, die Amalie damit ausgelöst hat. Unabhängig davon handelt es sich bei „M“ um ein überwältigendes, atmosphärisches und authentisches Werk, das einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Wer hätte gedacht, dass Black Metal so schön sein kann?

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Bewertung: 9 / 10

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