CD-Review: Myrkur - Mareridt

Besetzung

Amalie Bruun – Gesang, Gitarre, Keyboard, Piano, Orgel, Geige, Nyckelharpa, Perkussion

Gastmusiker:
Chelsea Wolfe – Gesang, Gitarre (Track 07)
William Hayes – Gitarre
Andreas Lynge – Gitarre, Bass
Aaron Weaver – Schlagzeug, Perkussion
Brad Mowen – Perkussion, Schlagzeug (Track 07)
Maria Franz – Perkussion
Christopher Juul – Maultrommel, Mandola, Perkussion
Abbey Blackwell – Kontrabass
Randall Dunn – Keyboard, Samples

Tracklist

01. Mareridt
02. Måneblôt
03. The Serpent
04. Crown
05. Elleskudt
06. De Tre Piker
07. Funeral
08. Ulvinde
09. Gladiatrix
10. Kætteren
11. Børnehjem


„Black Metal ist Krieg“ – dieser auf Nargaroth zurückgehende Kultspruch ist, wie Kenner wissen, in vielfacher Hinsicht zutreffend. Doch nicht nur nach außen richten die Akteure des Genres ihre Waffen, die Spielart ist auch von einem steten inneren Konflikt gezeichnet – alt gegen neu. Kaum einer der zeitgenössischen Vertreter hat sich jedoch derart vehementen Unmut seitens der Ewiggestrigen zugezogen wie Amalie Bruun alias MYRKUR mit ihrem 2015er Debüt „M“. Für manche wäre die Versuchung, sich anzupassen, schwarzmetallischer und konventioneller zu musizieren, um die Kritiker in ihre Schranken zu weisen, sicherlich groß. MYRKUR tut auf ihrem zweiten Album „Mareridt“ hingegen das genaue Gegenteil und bleibt sich treu, indem sie allen Widerständen zum Trotz ihren eigenen Weg weitergeht.

War „M“ noch das formvollendete Produkt der Zusammenarbeit zwischen der dänischen Solokünstlerin und einer Schar renommierter Gastmusiker, so ist „Mareridt“ (dänisch für „Albtraum“) ein merklich persönlicheres Werk. Inspiriert von ihren Erfahrungen mit Albträumen und Schlafparalyse, behilft sich Amalie diesmal mit weniger offensichtlich prestigeträchtigen Gastmusikern, wodurch sich das Album stark von seinem Vorgänger unterscheidet und doch ganz und gar nach MYRKUR klingt. Das zeigt sich bereits im eröffnenden Titeltrack, der gänzlich von jauchzendem, folkigem Gesang getragen wird und sonst nur dezente Streicher beinhaltet.

Mit „Måneblôt“ folgt der vielleicht packendste Song, den MYRKUR je veröffentlicht hat: Urgewaltige Tremolo-Riffs und überwältigende Blast-Beats werden von markerschütternden Screams zerrissen, bis sich inmitten dieses Sturms plötzlich Amalies sphärischer, erhabener Klargesang erhebt. In einem abrupten Break enthüllt MYRKUR dann eine erdige Nyckelharpa, die in weiterer Folge zusammen mit der schwermütigen Geige, der Mandola und den verheißungsvollen Trommeln den Folk-Anteil von „Mareridt“ ausmacht. Ebenjener ist nun deutlich ausgeprägter als zuvor, was sich beispielhaft im tänzelnden, mittelalterlich angehauchten Instrumental „Kætteren“ zeigt.

Im Gegenzug hat MYRKUR den Black Metal etwas heruntergefahren. Zwar beeindruckt das in den Strophen getragene „Elleskudt“ im Refrain noch mit triumphierenden Riffs, doch insgesamt sind Gitarren- und Schlagzeugspiel weitaus weniger extrem als noch auf „M“. Auch ihre wütenden, inzwischen etwas natürlicher klingenden Screams setzt die dänische Einzelgängerin nur noch sporadisch ein, was ein wenig bedauerlich ist. Eindringlich sind die Songs dennoch – so etwa das stampfende, unterschwellig bedrohliche und verführerische „The Serpent“, das hypnotische, bedrückende „Funeral“, dem Chelsea Wolfe ihre geisterhafte Stimme leiht, oder das dramatische, verhängnisvolle „Ulvinde“, das trotz seiner gefühlvollen Folk-Gesänge wie ein herannahender Kältetod klingt.

Dass MYRKUR nur noch vereinzelt klassisches Piano und schwarzmetallische Stilmittel einsetzt, ist im Hinblick auf ihr erstaunliches Debüt schade, da „Mareridt“ dadurch ein Quäntchen von dessen Intensität und Eleganz vermissen lässt. Auch die ungeschliffene, leicht chaotische Produktion scheint der von „M“ auf den ersten Blick zu unterliegen. Letztlich sind diese stilistische Neuausrichtung und der weniger geglättete Sound jedoch ein mutiger und vor allem aufrichtiger Schritt, durch den sich MYRKUR noch weiter von den allzu sehr vergötzten Vorgaben des Genres distanziert. Wenngleich nicht jede der 38 Minuten so sehr fasziniert wie der Vorgänger, ist „Mareridt“ doch voll von außergewöhnlichen Kompositionen und der endgültige Beweis, dass Amalie eine bemerkenswerte Künstlerin ist, deren Schaffen zwar zu großen Teilen von den beteiligten Gastmusikern profitiert, aber keinesfalls auf diese angewiesen ist.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Bewertung: 8 / 10

Geschrieben am

Antworten

Your email address will not be published. Required fields are marked *

You may use these HTML tags and attributes: