CD-Review: Rabenwolf - ... zu Staub

Besetzung

Stormmson - Gesang
Hati - Gesang, Keyboard
Brand - Gitarre
Aeringi - Gitarre
Druna - Bass
Váli - Schlagzeug
Skadia - Flöte

Tracklist

01. Was uns bleibt
02. Staub
03. Der Turm
04. Ein letztes Geleit
05. Gezeiten
06. Heimkehr
07. Im Herzen die See
08. Ungesicht
09. Sturmzeit
10. Hammonia Metal
11. Lichter des Morgens


Im Jahr 2011 legten die aus Hamburg kommenden RABENWOLF mit „Aus alten Zeiten“ ein Debüt vor, dessen Mischung aus Folk- und Pagan-Black-Metal zu gefallen wusste und verdientermaßen schnell Beachtung fand. Wer die Band aus dieser Frühphase kennt, denkt sicher in erster Linie an eingängige, melodiegeschwängerte Band-Klassiker wie „Allvater“ oder „Feld der Steine“. Mit Songs wie diesen im Hinterkopf dürfte der Hörer vom zweiten Album „…zu Staub“ überrascht werden. Denn in den acht Jahren, in denen es um RABENWOLF veröffentlichungstechnisch, abgesehen von der EP „Stethu“ im Jahr 2015, recht ruhig war, hat sich am Sound der Band einiges getan.

So dauert es nicht lange, bis deutlich wird, dass der Metal-Anteil auf Album Nummer zwei eindeutig dominiert. Während bei „Aus alten Zeiten“ die Folk-Melodien oftmals federführend und prominent im Vordergrund waren, hat sich diese Gewichtung nun stark zugunsten der Riffs verlagert, die durch eine angenehm direkt wirkende Produktion auch mit viel Energie daherkommen. Über weite Strecken stellt „…zu Staub“ dadurch ein lupenreines Black-Metal-Album dar. Doch keine Sorge: Den folkigen Bestandteil ihres Soundgewands haben RABENWOLF mitnichten über Bord geworfen – meist sind die Melodien nun aber in eher begleitender Funktion in die Songs eingebaut oder spielen sich oftmals stärker im Hintergrund ab. Die vermehrte Betonung der Gitarrenarbeit ist in der Tat ein sehr positiv auffallender Aspekt des Albums, welches dadurch unweigerlich erwachsener und reifer wirkt als sein gelungener, oftmals aber doch sehr verspielter Vorgänger. Eine ähnlich positive Entwicklung ist beim Gesang bemerkbar: Die Screams sind um einiges rauer und kraftvoller als beim Debüt, was den Eindruck eines Reifungsprozesses der Band und ihrer Musik unterstreicht.

Wenn sich RABENWOLF für „…zu Staub“ Bemängelungen gefallen lassen müssen, dann beschränken diese sich auf wenige Aspekte. Es ist durchaus auffallend, dass ein Großteil der späteren Songs, besonders gegen Ende des Albums, nicht mehr ganz so mitreißend sind wie das sehr starke Eröffnungs-Duo „Staub“ und „Der Turm“. Dadurch geht ein Stück der Euphorie verloren, die die Platte zu Beginn noch auslöst, wobei sich dennoch kein qualitativ schwacher Song findet. Der weibliche Clean-Gesang, der einige Songs des Erstlingswerkes noch interessant und stimmig ergänzt hat, fehlt dieses Mal zudem leider. Diese Aspekte sind letztendlich aber nur wenig Sand im Getriebe und verhindern nicht, dass sich „Zu Staub“ qualitativ noch immer weit über die Durchschnittsware an Black-Metal-Veröffentlichungen aus der Retorte erhebt.

Schlussendlich ist den Hamburgern RABENWOLF mit „..zu Staub“ ein insgesamt erwachsen und gereift klingendes Album gelungen, das sich vom ursprünglichen Sound der Band wegemanzipiert, ohne dessen Wurzeln außen vor zu lassen und trotz allem keine Eingängigkeit vermissen lässt. Damit stellt die Platte nicht nur ein frühes Black-Metal-Highlight des noch jungen Jahres, sondern auch definitiv den bisherigen Höhepunkt des Schaffens der Gruppe dar.

Bewertung: 8.5 / 10

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