Eine Studentin namens Junko lebt in gesellschaftlicher Isolation und versucht verzweifelt, so etwas wie Selbstwert in sich zu finden. Stattdessen macht ihre Depression sie zum perfekten Opfer für einen mysteriösen Kult namens „Ethereal Blood“, in dessen Fänge sie schließlich gerät. Was klingt wie der Inhalt eines japanischen B-Movies, ist für SAIDAN aus Nashville ein absolut funktionsfähiges Fundament. Mit „Fangdriller: Scars Beneath Memories Wrist“ legt das Duo, bestehend aus Splatterpvnk und Hundosai, derweil sein viertes Album in gerade einmal vier Jahren des Bestehens vor.
Überraschend ist vorab schon einmal, wie souverän es die beiden Musiker schaffen, typisch japanische Melodien mit rauem Black Metal und Spuren von Gothic und Heavy Metal zu verbinden. So stehen die teils beschwingt wirkenden Gitarrenläufe auf dem Opener „Razorblade Temptation“ zwar erst einmal im Widerspruch zur Düsternis des behandelten Themas, aber rein musikalisch funktioniert das auf Anhieb. Denn die Melodiebögen, die SAIDAN von Beginn an aufbauen, bleiben gut hängen und machen von Anfang an Spaß.
Überwiegend orientiert sich das Duo auf „Fangdriller: Scars Beneath Memories Wrist“ an treibenden Songstrukturen, wie „Rapture (I’ll Wait For You)“ sehr deutlich zeigt. Die nach vorne preschenden Drums von Hundosai verstehen sich bestens mit den hallenden Leads seines Kollegen Splatterpvnk. Erfrischend und ein bisschen eigenartig sind auch die Einflüsse aus der (musikalischen) Visual-Kei-Kultur in Form kleiner Drum-‚N‘-Bass-Einschübe. Bemerkenswert ist dabei vor allem, wie schlüssig das alles funktioniert.
Songs wie „Immersed By Eternity’s Blade“ und „Womb Of Hatred“ machen, gemessen an der düsteren Geschichte um das Album, tatsächlich sehr viel Spaß und gestalten sich trotz der vorwiegend rasanten Grundkomposition sehr wendig. Besonders die vielseitige Gitarrenarbeit muss man hier hervorheben. Die durchdachten Arrangements von „Kara No Bara“ erschaffen einerseits ein sehr finnisches Gefühl und erzeugen gleichzeitig die Drängnis, wie man sie aus japanischen Soundtracks kennt, ohne dass sich etwas deplatziert oder erzwungen anfühlen würde.
Dass SAIDAN ebenso zur kleinen Introspektion fähig sind, zeigt das majestätische wie schwere Intro von „Stained Glass Sin – Fangdriller“, dessen große Melodien einfach – sagen wir es, wie es ist – schön sind, dabei jedoch nicht das rabiate Wesen des Black Metal vergessen. Ganz im Gegenteil. Das stürmische „Ethereal Blood“ bringt über seine peitschenden Drums und die klirrenden Gitarrenwände viel Gefühl für die Sache mit. Stellenweise fühlt man sich gar ein wenig an DIMMU BORGIR zu Zeiten von „Enthroned Darkness Triumphant“ erinnert. Ganz davon abgesehen zeigen SAIDAN hier auch erstmals, dass sie durchaus grooven können.
Das Finale „Beat To Death“ (vor dem Outro „Mortuary“) bringt dann noch einmal alles zusammen. Flächige Melodien kulminieren in rasanter Wucht und das Schlagzeugspiel bleibt bis zuletzt absolut unnachgiebig. Gleichzeitig finden kurze, ruhige Atempausen genau zur richtigen Zeit statt, was den vorletzten Track von „Fangdriller: Scars Beneath Memories Wrist“ vor dem epischen Finale wunderbar entspannt. Was soll man am Ende sagen? Es bleibt nur zu hoffen, dass die Geschichte um Junko am Ende gut ausgeht. Der Soundtrack zu ihrer Geschichte jedenfalls lässt keine großen Fragen offen und ist eine absolute Empfehlung für jeden Fan des Black Metal der neunziger Jahre.
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Wertung: 8.5 / 10


