Review Sâver – They Came With Sunlight

Wenn eine bisher unbekannte Band ihr Debüt auf Pelagic Records veröffentlicht, darf man aufhorchen: Das Berliner Label ist bekannt für hochwertigen Output in den Bereichen Post-Metal, Sludge und Artverwandtes. Vollausfälle in Form von musikalischen Belanglosigkeiten gibt es faktisch nicht zu verzeichnen. SÂVER sind ein Trio aus Norwegen, das sich dem Sludge-Metal verschrieben hat und „They Came With Sunlight“ ist ihr erstes, rund 50 Minuten langes Lebenszeichen.

Dieses startet ausgeprochen verhalten und irritiert so erst einmal: Bass und Hi-Hat spielen leise ein monotones Pattern vor sich hin, bis sich nach ungefähr einer halben Minute ein klassischer Moog-Synthesizer-Sound dazugesellt. Auf der Bassgitarre scheint kein einziger Effekt, nicht einmal ein Hauch von Kompression zu liegen. Man bekommt ein wenig Angst und fragt sich, ob SÂVERs neues Album möglicherweise eine akustisch recht dünne Angelegenheit werden könnte. Doch weitere anderthalb Minuten später zeigt sich, dass diese Angst unbegründet ist: Ein tonnenschweres Riffgewitter bricht über den Zuhörer herein und macht den Opener „Distant Path“ zu einem schleppenden und knurrenden Sludge-Ungetüm. Wohl denjenigen, die ihre Anlage in Anbetracht des leisen Intros nicht volle Kanne aufgerissen haben.

In Sachen Vocals gibt es genretypisches, etwas dezenter gemischtes Gekeife auf die Ohren. Das bietet zwar auf den ersten Blick kein hohes Maß an Abwechslung, nervt aber auch nicht durch Überpräsenz. Dass die Norweger wenig Berührungsängste in Bezug auf andere musikalische Einflüsse haben, zeigt sich bereits in der zweiten Hälfte des Openers: Black-Metal-Riffing auf schleppenden Beats, dronige Doom-Gitarren und noisige Feedbackorgien geben sich die Klinke in die Hand und sorgen dafür, dass „They Came With Sunlight“ eine abwechslungsreiche Nummer wird.

Damit ist das kreative Potential von SÂVER noch lange nicht ausgeschöpft: Der durchaus melodisch-groovige Zwischenpart von „I, Vanish“ hat schon fast so etwas wie Stoner- oder sogar Grunge-Atmosphäre und lässt aufhorchen. Das rund sechs Minuten lange „Influx“ ist mehr als eine Art Interlude zu verstehen: Mysteriöse, soundtrack-artige Flächen und lange ausklingende Gitarrenwände ergeben für den Zuhörer fast so etwas wie eine Atempause nach den ersten beiden Brettern mit rund 20 Minuten Laufzeit. Eine weitere Überraschung bieten SÂVER in „Dissolve To Ashes“ zu Anfang in Form von traurigen Clean-Gesang, ergänzt um eine ausgesprochen markante Moog-Synthesizer-Line. Für die Sounddesign- und Arrangementarbeit schon mal beide Daumen hoch.

Auch produktionstechnisch gibt es nichts zu beanstanden: „They Came With Sunlight“ ist sehr fett, sehr verzerrt und sehr kalt geworden. Gerade diese Kälte hebt SÂVERs neuestes Album von der oftmals analog-warmen, Stoner-Rock-beeinflussten Konkurrenz ab und erinnert (auch durch den immer wieder stark verzerrten und komprimierten Bass und die lange ausklingenden Gitarren in den ruhigeren Passagen) in seiner Klangästhetik und -atmosphäre an die Genre-Mitbegründer Godflesh. Auch nicht verkehrt.

SÂVER haben ein in jeder Hinsicht äußerst ansprechendes Debüt veröffentlicht: Das Album bietet eine großartige Atmosphäre und in Sachen Kälte und Negativität durchaus auch Parallelen zu Kapellen wie Phantom Winter. Dazu bleibt „They Came With Sunlight“ wie ein Kaugummi unterm Schuh (besser gesagt: in den Gehörgängen) hängen – und das ist beileibe keine Selbstverständlichkeit in dieser musikalischen Schublade. Überraschend großartig!

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Wertung: 8.5 / 10

Publiziert am von

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert