CD-Review: Sólstafir - Svartir Sandar

Besetzung

Aðalbjörn Tryggvason – Gesang, Gitarre
Sæþór Maríus Sæþórsson – Gitarre
Svavar Austmann – Bass
Guðmundur Óli Pálmason – Schlagzeug

Tracklist

CD 1 "Andvari":
01. Ljós í Stormi
02. Fjara
03. Þín Orð
04. Sjúki Skugginn
05. Æra
06. Kukl

CD 2 "Gola":
01. Melrakkablús
02. Draumfari
03. Stinningskaldi
04. Stormfari
05. Svartir Sandar
06. Djákninn


Nur zweieinhalb Jahre sind seit dem fulminanten „Köld“ ins Land gezogen. Zwei Jahre, in welchen sich aus meiner Sicht für SÓLSTAFIR in Form von diversen Festivalauftritten und unter anderem einer Tour mit Code und Secrets of the Moon zwar eine Menge tat, aber irgendwie eben nicht genug. Gerade die Tour mit bombenfest im Metal verankerten Bands zeigte, dass die Isländer, obwohl sie sicherlich auch von den Hörern dieses Sektors ausgiebig gefeiert wurden, aktuell einem viel zu begrenzten Publikum zugänglich sind, für größeren Erfolg vielleicht sogar dem falschen.

Auch das Doppelalbum „Svartir Sandar“ wird da keine Abhilfe schaffen, obwohl es in knapp 70 Minuten Spielzeit nochmals deutlichst betont, dass die Black Metal-Hörerschaft ungefähr die letzte ist, auf die SÓLSTAFIR mit ihrer heutigen Musik limitiert sein dürften. Noch konsequenter als schon auf „Köld“ werden Metal-Restbestände getilgt, ansonsten bleibt man dem Stil des Albums prinzipiell treu. Heißt: Ein drückendes Fundament aus Schlagzeug und wummerndem Bass, über dem erbarmungslos peitschende Gitarren die Tracks vorantreiben. Die Songs suggerieren in ihrer Struktur dabei zumeist eine Entstehung im Jam, füllt man doch mit wenigen Riffs Spieldauern von bis zu zwölf Minuten, ohne sich zwischendurch großartig abzunutzen.
Dies ist zumindest die eine Seite der Band. Die andere, nicht minder faszinierende, manifestiert sich in ruhigen Psychedelic-Nummern, die häufig nur von sparsam eingesetzten Gitarrentupfern leben. Nach wie vor eindrucksvoll ist in beiden SÓLSTAFIR-Varianten der Gesang Aðalbjörn Tryggvasons. Ob nun kläglich winselnd oder mit inbrünstigen Shouts – eine derart markante, ungeschliffene Stimmlage ist weiterhin fast einzigartig. Überhaupt, die Faszination des SÓLSTAFIR-Sounds liegt wohl primär in der Eigenständigkeit des Sounds, der zwar Elemente des Psychedelic Rocks streift und auch mal im Stoner- oder Post Rock Halt macht, dabei aber so charakteristisch und abwechslungsreich klingt, dass man von Vergleichen unbedingt absehen sollte.

Festigte man auf „Köld“ bereits den eigenen Stil und brachte mit Songs wie „78 Days In The Desert“ bereits einige Kracher an den Start, bleibt auf „Svartir Sandar“ mehr Zeit für das Experiment. Ob nun die unschuldigen Chöre in „Fjara“, die glockenhellen Klänge in „Æra“ oder das Sprachsample in „Stinningskaldi“ und „Stormfari“, SÓLSTAFIR gehen ihren Sound deutlich lockerer und ungezwungener an als auf dem Vorgänger und wirken dadurch noch spannender und genreunabhängiger als zuvor. Seinen Höhepunkt erreicht dies wohl in „Kukl“, dem Ende der ersten „Svartir Sandar“-CD, das zu Herzschlag-Rhythmus gänzlich introvertierte Klanggebilde malt und damit teilweise sogar an Ulver etwa zu „Perdition City“-Zeiten erinnert.

Dass CD 1 und CD 2 sich nur marginal unterscheiden ist insgesamt höchstens von sekundärer Bedeutung, kann ich auf „Svartir Sandar“ doch ohnehin kein Konzept erkennen, dem man folgen würde, sicher nicht zuletzt durch die mir unbekannte Sprache. SÓLSTAFIR machen Musik um der Musik willen, das hört man und das ist der Grund, warum diese Band so viel Spaß macht. Einer präzisen Beschreibung entzieht sich die Musik der Isländer wie erwähnt weiterhin, doch schlussendlich, auch, wenn dies durch fehlende Vergleichbarkeit eben ohnehin schwierig wäre, machen SÓLSTAFIR einfach nichts falsch. Wer halbwegs aufgeschlossen gegenüber Musik ist, die sich zugunsten der eigenen Klangwelt ziemlich deutlich von ihren Wurzeln entfernt hat, braucht „Svartir Sandar“ unbedingt. Ein Pflichtkauf für jeden Musikliebhaber.

Bewertung: 9 / 10

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