CD-Review: Subway To Sally - Mitgift

Besetzung

Eric Fish - Gesang, Dudelsack, Flöte
Bodenski - Gesang, Akustikgitarre, Drehleier, Geyerleier
Simon - Gesang, Akustikgitarre, Trumscheit
Ingo Hampf - E-Gitarre, Akustigitarre, sowie verschiedene weitere Saiteninstrumente
Frau Schmitt - Violine
Sugar Ray - Bass
Simon Michael - Schlagzeug, Percussion

Tracklist

01. Ad Mortem Festinamus
02. Schwarze Seide
03. Für immer
04. Grausame Schwester
05. Warte, warte
06. Dein Kapitän
07. Arme Ellen Schmitt
08. In kaltem Eisen
09. Vela Dare!
10. Haus aus Schmerz
11. Im Weidengarten
12. Coda


Drei Jahre hat es gedauert, bis SUBWAY TO SALLY Anfang 2014 nach ihrem letzten Album „Schwarz in Schwarz“ endlich neues Material veröffentlichen. Die Ankündigungen zum neuen, zwölften Album „Mitgift“ waren vielversprechend, da das thematische Konzept des Albums sich an historischen Mordfällen orientieren sollte – eine hervorragend Wahl für SUBWAY TO SALLY. Trotz dieser positiven Ausgangslage sorgte ein kleines Wort in diesen Pressemitteilungen für so manche hochgezogene Augenbraue: Dubstep. Würde ein erneuter Stilwechsel nach der Orientierung hin zum Metal auf „Engelskrieger“ und dem Umschwenken Richtung Pop-Rock auf „Bastard“ und „Kreuzfeuer“ wirklich funktionieren, nachdem „Schwarz in Schwarz“ die beiden durchwachsenen Vorgänger weitestgehend vergessen machen konnte?
Alle Zweifler seien beruhigt: „Mitgift“ ist rifflastiger, heftiger, noch düsterer und ja, auch elektronischer als die vorangehenden Alben. Doch genau die an Dubstep angelehnten Elemente sind der frische Wind, den SUBWAY TO SALLY benötigen, um ihre Relevanz auch nach 23 Jahren Bandkarriere zu unterstreichen.

Gleich zu Beginn wird man in die Vergangenheit von SUBWAY TO SALLY zurückgeworfen, als „Ad Mortem Festinamus“ mit einem lateinischen Text das Album eröffnet. Nach diesem a capella Intro setzen an „Engelskrieger“ erinnernde, fette Gitarren ein und prügeln den Song ordentlich vorwärts. Gemeinsam mit orientalischen Anleihen und Dynamikwechseln weiß der Einstieg trotz einiger Längen durchaus zu gefallen. Die daran anschließende Single „Schwarze Seide“ zeigt exemplarisch die neuen Einflüsse der Potsdamer auf: Zu fetten Riffs und mittelalterlichen Instrumenten werden elektronische Elemente gemischt, die dabei nicht in den Vordergrund rücken, sondern den Songstrukturen zusätzlichen Wumms und eine mitreißende Dynamik verleihen. Die Stimmung ist dabei, dem Thema des Albums angemessen, durchgehend sehr düster und oft schon bedrohlich gehalten, was durch die – in gewohnter SUBWAY-TO-SALLY-Manier sehr poetischen und oft auch fast kitschigen – Texte unterstützt wird.

Songs wie das epische „Grausame Schwester“ und das teilweise sogar an Black Metal erinnernde „Warte, warte“ (beide Songs neben „Schwarze Seide“ die Highlights auf „Mitgift“) zeigen, dass das zwölfte Album der Band einige ihrer härtesten Songs enthält. Im Gegensatz zu den oft schleppenden abgedämpften Gitarren auf „Engelskrieger“ und „Nord Nord Ost“ liegt der Unterschied dieses Mal darin, dass SUBWAY TO SALLY ihre Riffattacken vermehrt mit hohem Tempo verbinden, was dem Sound der Band eine weitere Nuance hinzufügt. Dabei verzichten die sieben Musiker nicht auf (dunkle) Melodien, was neben den elektronischen Elementen auch auf den häufigen Einsatz von Streichern zurückzuführen ist. Dass bis auf den ruhigen Abschluss in Form von „Im Weidengarten“ und „Coda“ nur einzelne Abschnitte in den Songs für die leisen Momente sorgen, zeigt, wie durchdacht SUBWAY TO SALLY auf „Mitgift“ an ihr Songwriting herangegangen sind; die Hand auf der heißen Herdplatte schließlich stärker, wenn sie vorher in Eiswasser gehalten wurde.

Leider wissen dennoch nicht alle Songs restlos zu begeistern, da nach dem extrem packenden Einstieg in Form der ersten fünf Songs das Tempo ein paar Mal zu stark gedrosselt wird („In kaltem Eisen“) und beispielsweise in Form des Refrains von „Dein Kapitän“ und dem unspektakulären „Im Weidengarten“ einige zu generisch geratene Momente den Weg auf das Album finden.
Die neu interpretierte Härte steht SUBWAY TO SALLY dennoch hervorragend zu Gesicht. „Mitgift“ ist dabei Vieles gleichzeitig: eine Rückkehr zu den Wurzeln, eine Intensivierung des Stils von „Engelskrieger“ und durch das verstärkte Einbeziehen elektronischer Elemente auch eine neue, logisch klingende Ausrichtung des Siebeners. Ohne ganz auf einige ihrer alten, vom Mittelalterrock geprägten Elemente zu verzichten, beweist die Band aus Potsdam auf ihrem zwölften Album endgültig, dass ihnen nach 23 Jahren Genregrenzen fremd geworden sind und man auch nach so langer Zeit noch unverbraucht klingen kann.

Bewertung: 8 / 10

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