Das Cover von "Avalanche" von Temple Balls

Review Temple Balls – Avalanche

  • Label: Frontiers
  • Veröffentlicht: 2023
  • Spielart: Heavy Metal

So klein Finnland auch sein mag, dort gibt es viele tolle Bands und gefühlt täglich kommen weitere dazu – so auch TEMPLE BALLS, die sich erst vor zwei Jahren einen Vertrag mit Frontiers Music sichern konnten. Die Truppe als „Newcomer“ zu bezeichnen, wäre allerdings vermessen, denn die Burschen aus Oulu machen bereits seit 2009 Musik und haben vor ihrem Vertragsabschluss mit dem italienischen Label immerhin schon zwei volle Alben veröffentlicht. Nach ihrem Label-Einstand „Pyromide“ meldet sich die Truppe nun mit „Avalanche“ zurück.

Wie schon auf ihrem Frontiers-Debüt spielen TEMPLE BALLS auch auf „Avalanche“ wieder stadiontauglichen Hair Metal zwischen BON JOVI und SKID ROW mit einer Prise WHITESNAKE zu Zeiten von „1987“ und „Slip Of The Tongue“. Das bedeutet zwangsläufig, dass man viel von dem, was die Finnen anbieten, mindestens schon bei ihren Vorbildern gehört hat. Es bedeutet aber auch, dass die Truppe mit Nummern wie „All Night Long“, „Trap“ oder „No Reason“ große, eingängige Rockhymnen auffährt, die allesamt ab dem ersten Ton mitreißen.

Dabei ist es kaum verwunderlich, dass die Gruppe unlängst mit H.E.A.T. auf Tour war, denn die ebenso polierte wie druckvolle Spät-80er-Huldigung von Songs wie „Lonely Stranger“, „Prisoner In Time“ und dem Titeltrack rückt die Burschen aus Oulu unüberhörbar in die Nähe ihrer schwedischen Kollegen. Auch bei TEMPLE BALLS paaren sich dicke Gitarrenwände mit breiten Synthies zu einem hochglänzenden Gesamtbild, das von Sänger Arde Teronen abgerundet wird. Dessen individueller Wiedererkennunsgswert ist zwar gleich null, mit seiner Stimmlage zwischen Jon Bon Jovi, Sebastian Bach und Erik Grönwall passt er für diese Musik aber perfekt.

Auch ansonsten kompensieren TEMPLE BALLS die bisweilen fehlende Eigenständigkeit charmant durch Spielfreude und Können. Die edlen Riffs und erhabenen Gitarrenmelodien dürften jeden Fan des breitbeinigen Sunset-Strip-Sounds sofort überzeugen und auch die wirklich starken Leadgitarren müssen den Vergleich mit der Konkurrenz nicht scheuen. Das Ganze entfaltet seine Wirkung umso mehr, weil es auch noch in angemessen breitwandigen Bombast-Sound verpackt wurde, der sich wie eine für 2023 aktualisierte Version der Produktionsstandards von 1989 anfühlt.

Ja, eigentlich alles, was TEMPLE BALLS auf ihrem vierten Album zu bieten haben, hat man in ähnlicher Form schon anderswo gehört. Die Finnen haben auf „Avalanche“ aber nicht nur in jeder Hinsicht verstanden, wie der Hair Metal der späten 80er funktioniert, sondern auch derart viel Spaß an der Sache, dass man ihnen gerne verzeiht, wenn sie mal ein bisschen zu nahe an ihre Vorbilder rankommen. „Avalanche“ ist kein originelles, aber dennoch ein verdammt starkes Hair-Metal-Album mit maximalem Spaßfaktor.

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Wertung: 7.5 / 10

Thomas Meyns

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