Eigentlich schon viel länger aktiv konnten sich die finnischen Hair-Metal-Jünger TEMPLE BALLS erst mit ihrem dritten Album „Pyromide“ über die Grenzen ihres Heimatlandes hinaus sichtbar machen. Damals unterschrieb die Truppe aus Oulu nämlich beim italienischen Genre-Spezialisten Frontiers Music, dessen Promo-Maschinerie der Mannschaft sodann eine breitere Anhängerschaft bescherte. Offenbar klappt diese Zusammenarbeit in jeder Hinsicht hervorragend, denn fünf Jahre später gehören TEMPLE BALLS noch immer zum erlesenen Kreis echter Bands im Portfolio der süditalienischen Plattenfirma und haben gerade ihr nunmehr fünftes Album veröffentlicht.
Schon auf ihrem letzten Album „Avalanche“ begaben sich TEMPLE BALLS mit ihrem stadiontauglichen Glam Metal in stilistische Nähe zu H.E.A.T.. Dieser Vergleich drängt sich auf dem Nachfolger schon ab dem ersten Song auf, denn in Nummern wie „Flashback Dynamite“, „Tokyo Love“ und „There Will Be Blood“ ergeben fette Riffs und präsentere Synthies zusammen mit hymnischen Refrains eine Art von Hair Metal, wie man sie auch von den Schweden kennt. Das bedeutet im Vergleich zu früheren Alben der Truppe aus Oulu etwas weniger 80er-Jahre-Huldigung, denn ähnlich wie ihre Kollegen aus dem Nachbarland klingen auch TEMPLE BALLS auf ihrem neuesten Output merklich moderner.
Bei genauerem Hinsehen ist es auch gar nicht mehr so verwunderlich, dass die Truppe auf ihrem fünften Album oft nach H.E.A.T. klingt, denn deren Macher Jona Tee hat die Platte nicht nur produziert, sondern auch an den Songs mitgeschrieben. Und wer mit der Arbeit des Mannes vertraut ist, erkennt seine Handschrift auch bei TEMPLE BALLS zu vielen Gelegenheiten; allen voran in „The Path Within“. Trotz moderater Stilkorrektur hin zu etwas modernerem oder zumindest „zeitloserem“ Glam-Sound kommen auf diesem Album jedoch auch Fans früherer Platten der Band auf ihre Kosten. Mit großartigen Stadionrock-Songs wie „Lethal Force“ und „We Are The Night“ rangieren TEMPLE BALLS nach wie vor in der Schnittmenge von BON JOVI und SKID ROW und man muss anerkennen, das dies schlicht die besten Songs des Albums sind.
Trotz eines (minimal) breiteren Spektrums an musikalischen Stilen – in „Hellbound“ flirten die Herren sogar mit dem Power Metal – bleiben TEMPLE BALLS auf ihrem neuen Album aber sie selbst. Die Musik der Formation lebt nach wie vor von großartigen, druckvollen Riffs und durchweg starken Leadgitarren, wobei vor allem letztere in wirklich jedem Song mitzureißen wissen. Zusätzlich zum insgesamt etwas moderneren Sound wurde die Platte auch mit einer hörbar dreckigeren Produktion versehen. Vor allem der knurrige Bass sorgt dafür, dass die Finnen auf ihrem neuesten Langspieler dezent kantiger auftreten, was ein schönes Gegengewicht zu den nach wie vor unverschämt eingängigen Songs bildet.
Es ist in jedem Fall zu honorieren, dass TEMPLE BALLS nicht auf der Stelle treten, sondern spürbar bestrebt sind, ihren Sound (und sich) zu entwickeln. Wer vor allem von der charmanten 80er-Pastiche von „Avalanche“ angesprochen wurde, braucht unter Umständen ein bisschen länger, um sich an das neue Gesicht der Finnen zu gewöhnen. Allerdings ist diese Veränderung auch nicht radikal, weshalb durchaus festgehalten werden kann, dass TEMPLE BALLS sich auch auf ihrem fünften Album weitestgehend treu geblieben sind, ohne sich jedoch zu wiederholen. Fans von druckvollem Hair Metal mit maximalem Mitsing-Faktor sollten an diesem Album von Anfang bis Ende ihre helle Freude haben.
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Wertung: 7.5 / 10


