Das Cover von "Dealin' Death" von Vulture

Review Vulture – Dealin’ Death

  • Label: Metal Blade
  • Veröffentlicht: 2021
  • Spielart: Thrash Metal

Die Speed beziehungsweise Thrash Metaller VULTURE haben es geschafft. „Es“, das ist in diesem Fall der Aufstieg in die oberen Ränge des Musikbusiness, den die Band aus NRW mit ihrem Vertragsabschluss bei Metal Blade Records erfolgreich vollzogen hat. Bekanntermaßen half jenes Label einst Bands wie Slayer auf den Weg und ist heute die Heimat von Größen wie Exumer und Desaster. Kurz: VULTURE könnten sich kaum in besserer Gesellschaft befinden und sind damit so etwas wie eine deutsche Metal-Erfolgsstory. Mit „Dealin’ Death“ veröffentlicht die Truppe nur zwei Jahre nach ihrer letzten Platte „Ghastly Waves & Battered Graves“ schon das nächste Album bei der kalifornischen Plattenfirma.

Formal gesehen erfüllen VULTURE alle Merkmale einer typischen Retro-Metal-Band: Unter solch kreativen Künstlernamen wie „Genözider“ und „Axetinctör“ aktiv schmückt das Quintett seine Alben mit kunterbunten Old-School-Artworks und verpackt seine Musik in entsprechend poliert unpolierten Sound, der stets nach Mitt-’80er-Vinylveröffentlichung klingt. Dass die Truppe aus dem bevölkerungsreichsten Bundesland Speed und Thrash Metal der alten Schule spielt, soll auch gar nicht bestritten werden, hätten VULTURE jedoch nicht mehr zu bieten als die eben genannten Eckdaten, wären sie wohl kaum von einer so gewichtigen Plattenfirma wie Metal Blade aufgelesen worden.

Der Charme eines Albums wie „Dealin’ Death“ begründet sich darin, dass VULTURE zwar alle Kästchen der Sparte Speed Metal abhaken, dabei aber stets für eine Überraschung gut sind: Nummern wie „Malicious Souls“, „Count Your Blessings“ oder auch der Titeltrack offenbaren, dass die Band sich zwar unüberhörbar nach Genre-Vorreitern wie Razor richtet, dabei dank vertrackter Riffs und komplexer Songstrukturen deutlich anspruchsvoller zu Werke geht als etwa ihre Kollegen Evil Invaders. Weil es sich bei VULTURE um ebenso routinierte wie selbstbewusste Songwriter handelt, wird das stets mit der nötigen Überzeugung präsentiert und wirkt nie aufgesetzt, sondern stets authentisch.

Dabei haben VULTURE auf „Dealin’ Death“ keine Angst davor, abseits ausgetretener Pfade zu wandeln. Das macht sich oft daran bemerkbar, dass kompromisslose Riff-Attacken wie in „Star-Crossed City“ oder dem cool groovenden „The Court Of Caligula“ gerne von unerwartet melidösen Leadgitarren konterkariert werden, die man sonst eher in der NWOBHM erwarten würde. Noch deutlicher wird die erfrischende Experimentierfreude dieser Musiker allerdings in einem Song wie „Gorgon“, der zunächst mit einem unerwarteten Klavierpart und dann einem ungewohnt großen Refrain überrascht. Die theatralischen Synthies im bereits erwähnten „The Court Of Caligula“ schlagen in eine ähnliche Kerbe. Weil sich aber die gleiche, düstere Grundstimmung wie ein roter Faden durch alle Songs von „Dealin’ Death“ zieht und das Material von einer organischen, erdigen Produktion zusammengehalten wird, wirkt die Platte trotz dieser Elemente nie zerfahren, sondern stets wie aus einem Guss.

Passend zu ihrer Platzierung bei einem der angesehensten Labels der Metal-Welt haben VULTURE ihren Platz auch stilistisch spätestens mit „Ghastly Waves & Battered Graves“ gefunden. Auf „Dealin’ Death“ setzt die Band das Programm des Vorgängeralbums nahtlos fort, allerdings scheinen die Herren noch einiges an Routine dazugewonnen zu haben. Dank des individuellen Gesangs ihres Frontmanns „L. Steeler“, der nicht selten wie der junge Paul Baloff (Exodus) klingt und haufenweise spannender Einfälle beim Songwriting liefern VULTURE hier ein absolut zwingendes Album ab. Obwohl die Platte mit jeder Note nach der alten Schule des Speed Metal klingt, heben sich die Burschen damit deutlich von der Konkurrenz ab und sorgen für ordentlich frischen Wind im der überlaufenen Sparte Retro-Metal.

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Wertung: 8 / 10

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