Manches muss brennen, um neu zu erstehen. Ein Bild, das sich auch auf WANDAR übertragen lässt. Denn die Atmospheric-Black-Metal-Formation aus Halle an der Saale vollzieht auf ihrem neuen Album „Tiefe Erde“ genau das: die Zerstörung von allem, was war, als Fundament für etwas Neues. Rein musikalisch bleibt jedoch vieles vertraut. WANDAR bleiben tief in ihrem Genre verankert, schippen aber noch eine ordentliche Portion Epik obendrauf.
Das düstere „Bedrängnis“ deutet mit finsteren Ambientflächen und Tastenklängen bereits an, welche Finsternis das Publikum erwartet, bevor WANDAR mit „Trug“ einen Black-Metal-Sturm par excellence entfesseln. Rau, kraftvoll und zugleich atmosphärisch dicht klingt der Song wie eine stimmungsvolle Mischung aus HAERESIS und älteren DER WEG EINER FREIHEIT. Vor allem sein intensiv atmosphärisches Finale steht exemplarisch für vieles, was folgt.
So türmt „Visol-Bolvis“ die Gitarrenwände von Zazhgul und Karlsgrad zu beeindruckender Größe auf, während die Formation ihre ruhigeren Atempausen – hier in Form von Streichern – sinnvoll einzubinden weiß. Folgerichtig schließt sich mit „…Nächtlich“ ein weiteres Klavierstück an, das Würde, Dunkelheit und Melancholie verbindet, ohne die Dynamik merklich abzusenken.
Es ist bemerkenswert, wie viele Elemente bei WANDAR zusammenfinden, um ein Maximum an Atmosphäre zu erzeugen. Hörner und Pauken treffen auf flirrende Gitarren, das rauschende Drumming von Totz und den kehligen Gesang von Kallenheim, um einen Song wie „Drangsal“ zu einem dichten Klangmonolithen zu formen. Langeweile wird dabei durch kluge Komposition konsequent vermieden.
Wenn dann auch das akustische Element auf „Hetäre“ stimmig ausgelotet wird, bleibt kaum ein Stilmittel des Genres ungenutzt. Und selbst wenn „Irrlicht“ als drittes düsteres Instrumental einen kurzen Moment der Repetition mit sich bringt, bleibt das Gesamtbild stimmig. Das dreizehnminütige „Gestirne“ bildet schließlich einen logischen Schlusspunkt, indem es alle zuvor etablierten Stärken bündelt. Hochgeschwindigkeit trifft hier auf tiefschürfende Melodien und die exakt richtige Portion Pathos, sodass das Glimmen in der Asche beinahe friedvoll-finster vergeht.
WANDAR führen ihren Albumzyklus mit „Tiefe Erde“ zu einem unheilvollen Ende. Die Band strebt nicht zu den Sternen, sondern suhlt sich in der Asche ihrer eigenen Schöpfung. Die neue Veröffentlichung ist erbarmungslos tiefschürfend und dunkel, zugleich aber von einer eigentümlichen Erhabenheit durchzogen. Diese Kombination macht ebenso viel Spaß, wie sie Geduld verlangt. Wer sich dem Genre verbunden fühlt, dürfte aber auch das etwas langatmige letzte Drittel von „Tiefe Erde“ ohne Weiteres genießen können.
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Wertung: 8 / 10


