CD-Review: Whitechapel - The Valley

Besetzung

Phil Bozeman - Gesang
Ben Savage - Gitarre
Zach Householder - Gitarre
Alex Wade - Gitarre
Gabe Crisp - Bass
Sessionmusiker:
Navene Koperweis - Schlagzeug

Tracklist

01. When A Demon Defiles A Witch
02. Forgiveness Is Weakness
03. Brimstone
04. Hickory Creek
05. Black Bear
06. We Are One
07. The Other Side
08. Third Depth
09. Lovelace
10. Doom Woods


Die Amerikaner WHITECHAPEL haben in den letzten Jahren eine beachtliche Entwicklung durchgemacht. Angefangen mit typischem Deathcore der 2000er-Jahre kristallisierte sich ab ihrem Self-Titled-Album ein eher Death-Metal-lastiger Sound heraus. Auf „Mark Of The Blade“ aus dem Jahre 2016 experimentierte die Truppe aus Tennessee sogar erstmals mit Klargesang. Nun steht mit „The Valley“ ihr bereits siebtes Album vor der Tür, auf welchem die fünf Mannen durchaus neue Wege ergründen, dabei aber immer noch zu 100% nach WHITECHAPEL klingen.

Auch auf „The Valley“ sind die altbekannten Trademarks vertreten: Phil Bozemans unverwechselbare Growls sowie die drei (!) drückenden Gitarren, welche der Scheibe wiedermal die nötige Tiefe verleihen, machen dem Hörer ab der ersten Sekunde klar, mit wem sie es zu tun haben. Wie man es gewohnt ist legt sich eine düstere, bösartige Atmosphäre über den Hörer nieder, als die ersten Töne erklingen. „When A Demon Defiles A Witch“ täuscht mit seinem akustischen Intro noch eine heile Welt vor, bevor ein flinkes Deathcore-Riff und Bozemans bitterböse Vocals dem Hörer in die Magengrube schlagen. Während man sich von diesem rasanten Einstieg noch erholen muss, kommt schon die nächste Überraschung um die Ecke: Clean Vocals. Der große Feind aller ignoranten Deathcore-Kids. Doch wenn er so vorgetragen wird, wie auf dem Opener, dürfte selbst der härteste Verfechter, dass Klargesang im Deathcore nichts zu suchen hat, verstummen.

Dass WHITECHAPEL sich von Shitstorms gegen experimentierende Bands wie Suicide Silence oder Parkway Drive nicht beirren lassen, ist auf „The Valley“ ihre große Stärke: Sie erschaffen ihr bis dato vielseitigstes Album. So findet sich neben Stampfern wie „Brimstone“ und „Black Bear“ oder dem eingängigen „The Other Side“, mit „Hickory Creek“ erstmals eine Ballade. Und diese ist durchaus gelungen, denn Bozeman kann nicht nur markerschütternde Growls, sondern eben auch die mehrfach angesprochenen Clean Vocals. Dank eines Solos wird der Song geschickt abgerundet und verliert im Vergleich zum Rest des Albums dabei auch nicht an Energie.

Aber auch genug klassische WHITECHAPEL sind auf „The Valley“ vertreten. Mit „Forgiveness Is Weakness“ kommen Fans der ersten Stunde auf ihre Kosten und auch fette Breakdowns wie beispielsweise in „We Are One“ sorgen für strahlende Gesichter. Während Leadgitarrist Ben Savage die ein oder andere düstere Melodie in petto hat, sorgen die tiefen Rhythmusgitarren über Albumlänge für die erdrückende Stimmung. Navene Koperweis (Ex-Animals As Leaders), der als Aushilfsdrummer die neuen Songs aufnehmen durfte, verleiht der Atmosphäre zusätzlich die nötige Dynamik. Auf dem basslastigen „Third Depth“ wird nochmals die Vielseitigkeit, welche die Band anno 2019 auszeichnet, unter Beweis gestellt, bevor der Rausschmeißer „Doom Woods“ ein wahres Highlight darstellt: Die unheilvolle, im Midtempo gehaltene ruhige Melodie mündet im besten Refrain der Platte. Wütend und verzweifelt holt Bozeman die letzte Luft aus seinen Lungen und schreit mit einer faszinierenden Eingängikeit seinen Frust heraus. Genau so muss man ein Album beenden.

Lyrisch dreht sich „The Valley“ um Sänger Phil Bozemans Kindheit und Vergangenheit, wie es bereits einige Songs der Vorgängeralben taten. Hier ist dieses Thema jedoch in ein in sich stimmiges Konzept eingepackt und sorgt mit der düsteren Atmosphäre und dem abwechslungsreichen Spiel für einen starken Einblick in die Gefühlswelten des Frontmanns.

Insgesamt zeigen sich WHITECHAPEL auf „The Valley“ facettenreicher und reifer als je zuvor. Der Mut, Neues zu wagen zahlt sich voll und ganz aus. Die Band schafft es dabei, die erfrischenden Elemente passend in ihren Sound einzufügen ohne dabei die alten Trademarks aus den Augen zu verlieren – so muss sich Weiterentwicklung anhören! Dass Deathcore auch 2019 nicht tot ist, beweisen die Amerikaner mit „The Valley“ schon früh im Jahr und legen die Messlatte für ihre Genrekollegen dabei sehr hoch. Chapeau, WHITECHAPEL, Chapeau!

Bewertung: 8.5 / 10

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