CD-Review: Wolves In The Throne Room - Thrice Woven

Besetzung

Kody Keyworth - Gesang, Gitarre
Nathan Weaver - Gesang, Gitarre
Aaron Weaver - Schlagzeug, Synthesizer

Gastmusiker:
Don McGreevy - Gitarre (Track 1)
Steve Von Till - Gesang, Gitarre (Track 2)
Anna von Hausswolff - Gesang (Tracks 1, 4)
Phil Petrocelli - Percussion (Track 4)
Zeynep Oyku Yilmaz - Harfe (Track 4)

Tracklist

1. Born From The Serpent's Eye
2. The Old Ones Are With Us
3. Angrboda
4. Mother Owl, Father Ocean
5. Fires Roar In The Palace Of The Moon


WOLVES IN THE THRONE ROOM, ehemals Vorreiter eines stets weiter wachsenden Genres, heute nur noch Nachzügler in diesem, abgehängt von den jungen Wilden, deren Inspiration WITTR einst waren? Auch wenn es melodramatisch formuliert sein möge, trifft es die Situation, der sich die Amerikaner stellen müssen: Atmospheric Black Metal ist zu einer Spielweise für mittlerweile unzählige Bands geworden, von Deutschland (Der Weg einer Freiheit) über Südafrika (Wildernessking), von tiefschwarz (Blut Aus Nord) zu mit Post-Rock-versehenen Teilen (Fen). Allein der Name WOLVES IN THE THRONE ROOM ist kein Selbstläufer mehr, kein Garant dafür, dass der Inhalt des Albums die Hörerschaft in andere Sphären beamt, sondern im Gegenteil: Auch für ein Urgestein ist es mittlerweile eine Herausforderung geworden, sich mit anderen Veröffentlichungen messen zu können. Mit „Thrice Woven“ versuchen die Amerikaner dies.

Das Intro von „Born From The Serpent’s Eye“ bietet einen guten Einstieg; die Vorfreude auf eine den Hörer immer fester in den Bann ziehende Musik steigt, das Erhabene nimmt zu, wird allerdings jäh unterbrochen, als WOLVES IN THE THRONE ROOM den Spannungsbogen zu schnell auflösen. Der tragende Lead blitzt immer wieder auf, schafft es aber nicht nochmal, so kraftvoll für sich zu stehen wie innerhalb der ersten Minute. Der wunderschöne, aber leider überlange Frauen-Gesang im mittleren Part des Tracks markiert die zweite Schwachstelle eines Songs, der Potenzial hatte – lediglich im Hintergrund gehalten, hätte der Gesang womöglich mehr für die Atmosphäre getan als a) so dominant und b) in der Länge platziert zu werden. Ob die Sprachsamples in „The Old Ones Are With Us“ die Trance der Musik noch ins Unermessliche steigern sollen oder ob sie dem mühevoll gespannten atmosphärischen Bogen seiner Dynamik berauben, mag im Ohr des Hörers liegen; unterm Strich lassen beide Beispiele den Schluss zu, dass WOLVES IN THE THRONE ROOM die Wahl von derlei exponiert platzierter Gesangs- und Sprecheinlagen nicht eindeutig gelungen ist.

Ohne Zweifel ist der wiederkehrende, glasklare und ebenso zerbrechliche Gesang in „Mother Owl Father Ocean“ eine Wohltat für Liebhaber schöner, den Ton akkurat treffender Gesänge, im Kontext mit „Thrice Woven“ wirkt er aber allenfalls deplatziert, weil die Musik nur schwach das erzeugt, was die Dame in wenigen Sekunden mit ihrer Stimme schafft: Gänsehaut, Stille im Kopf, berührt durch die Musik. Plötzlich liegt der Fokus nicht mehr auf der Musik der Weaver-Brüder, sondern bei einer schwedischen Sängerin. Ein harmonisches Zusammenspiel ist dies mitnichten, da Anna Von Hausswolff auf „ihrem“ Track mehr Stimmung erzeugt als WOLVES IN THE THRONE ROOM mit „ihren“ Songs zuvor.

Dort, wo beim Zuhörer Gänsehaut-Momente kreiert werden sollen, wo die Musik vom Mitgerissen-werden lebt, von diesem Gepackt-sein, dort hält eine objektive Auseinandersetzung mit der gebotenen Musik kaum Stand. Dennoch: WOLVES IN THE THRONE ROOM muss man vorhalten, dass ihre mitreißenden Parts, die Stellen, an denen ihnen tatsächlich dieses geschickte in-Trance-spielen gelingt, von unspektakulären Längen geschluckt werden. Hier ein wunderschönes, ergreifendes Motiv, dort ein schleppend-schönes Outro, dazwischen allerdings ein Riffing, welches weder eine Wirkung unterstreicht noch so gelungen ist, dass es für sich alleine stehen kann.

WOLVES IN THE THRONE ROOM heften Idee an Idee, staksig und regelrecht unelegant. Die Melodiebögen wachsen nur selten, vielmehr sind sie im einen Moment da und im nächsten bereits durch ein anderes Motiv ersetzt. „Thrice Woven“ schafft somit nicht den Spagat zu älteren Glanztaten wie dem Debüt oder einem „Celestial Lineage“ (2011), sondern duckt sich leider zu großen Teilen in deren Schatten ab. Es mangelt an harmonischen Übergängen und gelungenen Kniffen, die Stimmung aufrechtzuerhalten – und besonders diese stellte doch bisher immer Garant für den Erfolg von WOLVES IN THE THRONE ROOM dar.

Bewertung: 6 / 10

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4 Kommentare zu “Wolves In The Throne Room – Thrice Woven”

  1. W. W.

    Das Album habe ich zwar noch nicht gehört aber das Cover hat es mir irgendwie richtig angetan. Wenn sich nur annähernd diese bedrückende und bedrohliche Stimmung des Covers auch in der Musik wiederfindet, könnte das durchaus etwas für mich sein.

  2. Sarah Punke Post Author

    Hei W.W.,
    wenn es dir nach „bedrückende[r] und bedrohliche[r] Stimmung“ steht, dann empfehle ich dir eher Blut Aus Nord mit „The Work Which Transforms God“ oder Ævangelist mit „Writhes In The Murk“.

    Und: Hast du schon das Debüt von Wildernessking gehört? Fans von WITTR dürfte das ansprechen!

    1. W. W.

      Hallo Sarah,

      vielen lieben Dank für die Empfehlungen. ÆVANGELIST ist leider überhaupt nicht mein Ding. Die Atmosphäre ist schon unvergleichbar aber es ist mir insgesamt dann doch etwas zu extrem und zu wenig musikalisch (erinnert mich irgendwie an GNAW THEIR TONGUES). BLUT AUS NORD hatte ich zwar auf dem Schirm, hab denen aber nie wirklich eine Chance gegeben. Das Album gefällt mir aber richtig gut! Schade nur, dass keinerlei Texte zu finden sind.

      WILDERNESSKING sind mir ob ihrer exotischen Herkunft durchaus ein Begriff aber bisher habe ich da auch noch nicht reingehört. Das werde ich nachholen!

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