Interview mit Torsten Hirsch von Agrypnie

Seit dem Release der neuen Scheibe „16[485]“ sind zwar schon ein paar Monate ins Land gezogen, aber eine grenzgeniale Platte wie die dritte der deutschen AGRYPNIE verdient auch lange danach noch Aufmerksamkeit. Mastermind Torsten Hirsch gab uns Auskünfte über den neuen Langspieler und außerdem eine äußerst interessante und sympathische Zwischenmeldung aus Sydney, wo er noch bis Anfang August verweilen wird. Lest hier das etwas andere AGRYPNIE-Interview.

Servus Torsten! Wie geht’s dir denn down under?
Hey Dennis, soweit alles okay bei mir. Danke der Nachfrage. Und bei dir?

Alles bestens! Du bist jetzt noch bis Juli in Australien. Wir bekamen Tausende Leserbriefe mit dem immer gleichen Inhalt: Was macht der Unhold eigentlich in Australien? Erlöse sie doch bitte von ihrer Neugierde, Torsten.
Tausende? Ich bin beeindruckt ;) Nun, ich hatte vor einigen Jahren einen Tiefpunkt in meinem Leben erreicht. Damals habe ich beschlossen, dass ich mal „raus“ muss, mal was anderes sehen und erleben möchte. Zu diesem Zeitpunkt hat ein ehemaliger Arbeitskollege von mir in Australien, genauer Sydney, gelebt und gearbeitet. Er hat mich auf die Idee gebracht meine „Auszeit“ in Sydney zu verbringen und hat mir außerdem geholfen einen Job zu bekommen.

Und wie läuft die Karriere als Wassersportler? Wird die deutsche Metal-Szene dich und Agrypnie bald an das Meer verlieren, Surferboy? ;-)
Um ehrlich zu sein ist das gar nicht so weit hergeholt… Ich liebe den Ozean, seitdem ich denken kann und obwohl ich mich nicht als spirituellen Menschen titulieren würde, passiert vieles in meinem Kopf und Herzen wenn ich hier an den Klippen sitze und aufs Meer schaue. Das Meer beruhigt und stärkt mich (zumindest so lange ich mich nicht mittendrin befinde, haha) und der Gedanke daran, es in einigen Monaten aufgeben zu müssen bedrückt mich jetzt bereits sehr stark. So sehr ich vieles in Deutschland auch vermisse… Ich fühle mich hier in Sydney nach mehr als einem halben Jahr sehr viel heimischer (bezüglich der Umgebung) als es in Deutschland der Fall ist. Ich könnte mir also gut vorstellen, hier noch einige Zeit länger zu bleiben. Andererseits wären die Opfer, die diese Entscheidung mit sich bringen würde sehr groß und ich bin nicht bereit, diese zu bringen.

Ich glaube aber, dass mir meine Zeit hier deutlich macht, dass ich nicht unbedingt den Rest meines Lebens in Deutschland verbringen will und möchte.

Hat dich die Magie des Surfens denn schon gepackt? Was ist das für ein Gefühl für dich, auf dem Brett oder am Strand zu stehen und ein wenig in den Surfer-Lebensstil einzutauchen?
Fuck yeah kann ich da nur sagen ;) Seitdem ich meinen Fuß auf Australien gesetzt und die Surfer am Bondi Beach beobachtet habe, wollte ich unbedingt surfen lernen. Leider hab ich es das erste halbe Jahr irgendwie nicht gebacken bekommen, aber mittlerweile surfe ich regelmäßig (was aber nicht bedeutet das ich besonders gut bin, haha). Da es nun abends relativ früh dunkel wird, prügel ich mich drei bis vier Mal die Woche morgens um halb sechs aus dem Bett um vor der Arbeit surfen zu gehen.

Es sind verschiedene Aspekte die für mich die Magie ausmacht. Beim Surfen vergisst du alles um dich herum… Jeden Stress, Kummer, Frust, einfach alles ist in dem Moment nebensächlich. Du konzentrierst dich nur auf das Meer und die nächste Welle, die auf dich zurollt. Schenkst du dem Meer nicht die volle Aufmerksamkeit, reißt dich die nächste Welle vom Brett und du wirst wie ne Meerjungfrau an den Strand gespült, haha.

Der Kampf mit der eigenen Angst bzw. eigene Grenzen zu überschreiten ist ein weiterer Aspekt. Obwohl die Wellen am Bondi Beach (wo ich primär surfe) meist relativ klein sind, steckt bereits eine leicht zu unterschätzende Kraft in ihnen. Wirst du von einer etwas größeren erwischt und umgehauen, verlierst du unter Wasser völlig die Orientierung und weißt nicht mehr wo oben und unten ist. Manchmal geht dir sogar die Luft aus bevor du es wieder an der Oberfläche schaffst – das suckt sag ich dir ;) Ich habe jedes Mal ein flaues Gefühl im Bauch wenn ich rauspaddle und großen Respekt vorm Meer, während ich mich darin befinde.

Vor ein paar Wochen hatte ich sogar einen Unfall, bei dem mir ein Mädel mit ihrem Board unglücklicherweise direkt ins Gesicht gefahren ist. Die Schwellung ist nun mittlerweile weg, aber das Auge hat immer noch einen Kratzer. Zum Glück ist nichts Ernsthaftes passiert, aber sich mit blutendem Gesicht aus den Wellen an Land schleppen zu müssen ist eine Erfahrung, die ich nicht noch mal machen muss.

Aber nun ja… Sobald du dann neben Unfällen, Hai- und „Fuck, halb sechs morgens… Ich muss bescheuert sein“-Gedanken irgendwann auch mal eine Welle catchst und reitest, ist alles andere vergessen und das Gefühl dabei einfach unbeschreiblich. Ich bekomme regelrecht das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht, wenn ich einen guten Ritt hingelegt habe. Es macht einfach irre viel Spaß und wirklich abhängig, ganz im ernst (wie gesagt… Halb sechs morgens! Es muss Abhängigkeit sein…)

Und last but not least ist Surfen natürlich ein verdammt gutes Training um sich fit zu halten (das Paddeln kotzt mich nach wie vor tierisch an, haha).

So, jetzt aber genug vom Surfen…

Nein, noch nicht ganz… ;-) Lassen sich für dich dabei auch irgendwo Parallelen zur Musik ziehen?
Auf jeden Fall! Wenn ich Musik schreibe vergesse ich alles um mich herum. Ebenso (wie bereits oben beschrieben) verhält es sich beim Surfen. Außerdem wäre neben der Musik Surfen das Einzige, was ich (wenn ich noch mehr Zeit hier in Australien zur Verfügung hätte) konsequent weiterbetreiben würde. Deshalb werde ich auch noch soviel surfen, wie es die nächsten paar Monate irgendwie zulassen (fucking halb sechs morgens…).

Neben dem Surfbrett versuchst du dich auch auf dem Wakeboard. Dabei hat man wieder ein ganz anderes Feeling, weil anderes Gewässer (Flüsse, nehme ich an?) und Maschine (Boot). Surfen ist Verbindung zur Natur pur, Wakeboarden braucht Technik und Maschinen. Wirkt sich das auf die Mentalität, bzw. Einstellung zur jeweiligen Sportart aus?
Mein Chef, Freund und Surfbuddy Richard hat ein Sportboot, mit dem wir gelegentlich nach Hawks Nest fahren, ein Kaff ca. 1 ½ Stunden hinter Newcastle. Dort gibt es sehr gute Spots (Flüsse, du liegst vollkommen richtig) um zu boarden. Das klappt mittlerweile recht gut, ist aber noch anstrengender als Surfen… Nach ca. 10 Minuten pro Durchgang ist der Arsch ab.

Richtige Tricks hauen noch nicht hin (ich habe mich im Springen und Drehen des Boards um 180 Grad versucht, was teilweise in sehr „angenehmen“ face plants endete), allerdings steh ich mittlerweile recht sicher und kann über die Wellen fahren und grinden.

Der Unterschied, den ich bei beiden Sportarten primär sehe (von der unterschiedlichen Intensität des Muskelkaters mal abgesehen und dem von dir angesprochenem „Naturfaktor“ beim Surfen) ist der verbundene Aufwand. Das Surfboard klemmst du dir unter den Arm, fährst zum Beach und abgesehen von ein paar Dollar im Monat für Wachs war es das. Beim Wakeboarden muss das Boot abgeholt (steht auf einem Trailer in einer Garage) und ins Wasser gelassen werden. Du gibst Kohle für Sprit aus (und nicht zu wenig, das Biest ist sehr durstig) und wenn wir im Salzwasser unterwegs waren, muss das Boot hinterher geschrubbt werden. Und danach natürlich wieder zurück in die Garage… Ein ziemlicher Aufwand…

Aber es macht natürlich einen Heidenspaß mit dem Boot durch die Gewässer zu cruisen und zu wakeboarden, deshalb kann ich mit dem Aufwand eigentlich ganz gut leben.


Tasmanien hast du mittlerweile ebenfalls unsicher gemacht. Hast du einen tasmanischen Teufel zu Gesicht bekommen? ;-) Wie wars am Ende der Welt?
Nein, ich habe leider weder einen (lebenden) Wombat, noch einen Devil zu Gesicht bekommen. Wie es in Tassi war? Absolut atemberaubend! Mehr fällt mir dazu nicht ein. Ein wirklich unglaublich schönes Fleckchen Erde.

Neulich warst du bei einem As I Lay Dying-Konzert. Hast du schon einen kleinen Einblick in die dortige Metal-Szene gewinnen können?
Nicht wirklich, nein. Was Konzerte angeht, war ich hier bisher auf fünf Stück und bis auf Nazxul und The Amenta (die ich leider fast komplett verpasst habe), war keine australische Band dabei. Ich muss aber auch gestehen, dass ich mich hier (gegenwärtig) nicht großartig um andere Bands bzw. um die australische Szene kümmere.

Was mir abseits des Metals musikalisch verdammt gut gefallen hat, war ein Abend in einem Irish Pub in Newtown (ein Suburb, in dem viele alternative Jungs und Mädels unterwegs sind). Dort haben sich ein paar Musiker getroffen, um irischen Folk zu spielen. Die haben ganz relaxt an ihrem Tisch gesessen, Bierchen getrunken und zwischendrin zusammen musiziert. Das ganze war offenbar nicht geprobt, denn vor jedem Song mussten sich die Jungs absprechen. Hat echt Spaß gemacht zuzuschauen und vor allem zuzuhören (und hat mich dazu animiert noch viel mehr Bier zu trinken).

Unterscheidet sich das, was du bisher von der Szene mitbekommen hast, von der deutschen? Wenn ja: wie?
Also davon abgesehen, dass es in Deutschland mehr „große“ Bands als hier in Australien gibt (bis auf Nazxul, Virgin Black, The Amenta und Parkway Drive fallen mir keine ausm Stehgreif ein), ist die Szene hier (aufgrund der geografischen Begebenheiten) natürlich viel geschlossener als in Deutschland. Ich denke von diesen beiden Aspekten abgesehen, verhält es sich mit der Szene hier wahrscheinlich genauso wie mit jeder anderen auf der Welt.

Du hast außerdem schon (an) einen/m neuen Song geschrieben. Was kannst du uns darüber erzählen?
Dass er ziemlich geil geworden ist :) Der Song besteht aus einen relativ einfachen Aufbau und hat eine sehr erdrückende Atmosphäre. Er ist noch nicht zu 100% fertig, aber die grobe Struktur steht. Er wird auf jeden Fall aufs nächste Album kommen, soviel kann ich verraten.

Spiegelt es sich in deinem Songwriting wider, dass du im hübschen Sydney sitzt und dir nicht gerade den auslaufenden Winter Deutschlands um die Ohren schlagen musst?
Nein, überhaupt nicht. Ich schreibe grundsätzlich keine fröhlichen Songs und wenn so was trotzdem mal „passieren“ würde, würden diese in irgendeiner Schublade verschwinden.

Wie ich bereits erwähnt habe, gefällt es mir hier zwar verdammt gut und ich werde sehr melancholisch wenn ich daran denke, dass ich dem Land bald (und vielleicht für immer) den Rücken kehren werde. Trotzdem ist es nicht immer einfach für mich hier zu leben. Ich vermisse meine bezaubernde Freundin in Deutschland, ebenso wie meine Familie, meine Freunde und natürlich ganz besonders Agrypnie und die Konzerte. Irgendwie stecke ich mittlerweile mental zwischen Deutschland und Australien fest… Das ist etwas, was ich vorher noch nie erlebt habe… Und es sorgt gegenwärtig für viel Kopfzerbrechen … Somit ist dieses von dir angedeutete „sonnige Sydney Sunnyboy“-Feeling leider nicht immer gegenwärtig.

Hinzu kommt, dass sich hier meine regelmäßigen sozialen Kontakte auf einige sehr wenige Leute begrenzen und ich sehr viel Zeit alleine verbringe. Nicht, dass ich ein Problem damit habe alleine zu sein, aber nach einigen Monaten kann so etwas doch sehr… sagen wir, anstrengend werden. Somit bin ich also oft meinen Gedanken ausgeliefert und glaube mir, das wirkt sich sehr aufs Songwriting aus ;)

Also können wir auf dem nächsten Album „Australian Surf Black Metal“ erwarten?
Wenn das eine wirklich ernst gemeinte Frage sein sollte, muss ich ganz klar „NEIN!“ sagen.

Wars natürlich nicht. ;-) Arbeitest du denn konstant an neuen Songs oder hat dich bei besagtem Fall nur mal eben die Lust gepackt?

Ich beginne langsam an neuen Songs zu arbeiten, schreibe hier aber sehr viel weniger als ich es normalerweise in Deutschland tue. Ich habe aber im Songwriting-Prozess zu „16[485]“ weitaus mehr Songs geschrieben, als auf dem Album zu hören sind. Somit wird also der ein oder andere Song aus der Phase auch noch auf dem nächsten Release zu hören sein.

„16[485]“ hat die AGRYPNIE-Tradition der niemals zum eigentlich geplanten Releasedate erscheinenden Album glanzvoll fortgesetzt. ;-) Was war der Grund dafür?
Sagen wirs so: Wir wollten einfach die Tradition wahren ;) Erst gab es Verzögerungen mit dem Design, dann hat sich eine Maschine im Presswerk verabschiedet.

Obwohl du in Interviews keine genauen Erklärungen zu der Bedeutung deiner Songtexte gibst, sind die meisten davon äußerst persönlicher Natur. Und obwohl jeder Hörer ohne deine Erklärung der einzelnen Texte natürlich reininterpretieren kann was er will, offenbarst du dich der breiten Öffentlichkeit doch bis zu einem gewissen Grad. Ist das eine für dich funktionierende Art und Weise, mit den eigenen Abgründen fertig zu werden, bzw. sie zu verarbeiten?
Ja, auf jeden Fall! Ich würde sogar soweit gehen, dass meine Songs und deren Texte die einzige Art und Weise sind, wie ich mit meinen Gedanken „fertig werde“. Natürlich rede ich auch mit meiner Freundin und Freunden über Probleme etc. (wie jeder andere Mensch auch), aber es gibt vieles was sich nur in meinem Kopf abspielt und was (in direkter Aussprache) für keine Ohren dieser Welt bestimmt ist. So etwas verarbeite ich dann in meinen Songs.

Als „16[485]“ veröffentlicht wurde, warst du schon in Australien. Wie war das für dich? Hat sich die Promotion dadurch für dich erschwert?
Hm, so wirklich viel Promotion betreibe ich persönlich ja nicht. Es war schon irgendwie schräg, Tausende von Kilometern entfernt dem Release in Deutschland „entgegen zu fiebern“. Irgendwie ging diesmal relativ viel an mir vorbei, zumindest hat es sich so angefühlt.

Ich stell es mir aber auch durchaus interessant vor, die ganze Szenerie, den Ablauf und die Reaktionen von außerhalb mitzubekommen – du hattest ja einen ordentlichen Abstand zur Veröffentlichung.
Meinst du die Entfernung nach Deutschland oder die Zeit zwischen Aufnahmen und Release? Die Zeit ist meist ungefähr gleich (und ist jedes Mal ätzende Warterei bis endlich das Album das Licht der Welt erblickt).

Ersteres.
Die Entfernung nach Deutschland… Wie gesagt, es ging alles irgendwie an mir vorbei und das war kein so tolles Gefühl.

Auf deiner To-Do-Liste steht seit einer halben Ewigkeit eine kleine Tour mit AGRYPNIE. Wie steht es darum?
Steht immer noch auf der To-Do-Liste. Vor 2011 wird sich da wohl auch nichts daran ändern, da ich mich nach meiner Rückkehr erstmal um viele private Dinge kümmern muss.

Am 30. Oktober werdet ihr im Landespavillon Stuttgart spielen – das dürfte ja praktisch ein Heimspiel für euch werden, oder nicht?
Ja, kann man so sagen. Ich freue mich bereits tierisch auf den Gig, da wir viele treue Fans in Stuttgart haben und ich zu dem Zeitpunkt weit mehr als ein Jahr nicht mehr auf einer Bühne war. Ich bekomme schon regelrecht Entzugserscheinungen, wenn ich andere Musiker auf der Bühne sehe. Außerdem sind wir gerade dabei, uns Gedanken um unsere Liveshow zu machen (bzw. gab es Ideen und Gespräche bereits als ich noch in Deutschland war) und ich bin gespannt, was sich wie umsetzen lässt bzw. wie es bei den Fans ankommt.

Da kommt wohl nach deiner Heimkehr noch ein hartes Stück Arbeit mit den Proben dafür auf dich zu, oder?
Nein, keineswegs. Der Rest der Band wird bereits vor meiner Rückkehr mit den Proben beginnen. Wenn ich wieder in Deutschland bin, werden wir ein bis zwei Wochenenden mit Gesang proben. Dann sollten wir wieder bei alter Stärke angekommen sein, da bin ich ziemlich zuversichtlich.

Mit Carstens Weggang ist der Platz am Bass allerdings wieder freigeworden, einen Keyboarder sucht ihr ebenfalls noch. Wie gestaltet sich die Suche bisher? Hat sich schon was getan?
Wir haben zwei sehr viel versprechende Bassisten an der Hand (eventuell wird einer als Backup-Bassist einsteigen, da der andere relativ weit entfernt wohnt). Zu den Jungs wird es zu gegebener Zeit News geben, bisher ist noch nichts spruchreif.

Die Suche nach einem Tastenmann bzw. einer Tastenfrau gestaltet sich ziemlich… durchwachsen. Bisher haben wir leider niemanden gefunden. Bewerbungen deshalb nach wie vor an superstar@agrypnie.de

Mathias Grassow hat zwei Stücke für die neue Scheibe geschrieben. Wie kam der Kontakt mit ihm denn zustande?
Mathias habe ich über meine Freundin kennengelernt, die schon länger gut mit ihm befreundet ist. Mittlerweile ist Mathias ein sehr guter Freund und geschätzter „Musikerkollege“ geworden und ich werde sicherlich noch öfters mit ihm zusammen arbeiten.

Hast du schon mal drüber nachgedacht, ihn bei euren Shows eventuell hinters Keyboard zu setzen? In Sachen zeitlicher Abstimmung sollte es ja eventuell sogar irgendwie machbar sein, so viele Gigs spielt ihr ja nun nicht.
Und er noch viel weniger ;) Mathias hat leider genug eigene Projekte und private Verpflichtungen um die Ohren, als das er sich noch für uns hinter das Keyboard stellen könnte.

Ebenfalls mit von der Partie war Geists Alboin auf dem Track „16[485] / Brücke aus Glas“. Erzähl unseren Lesern doch bitte, wie es dazu kam.
Auch auf die Gefahr hin mich zu wiederholen, habe ich auch ihn erst richtig durch meine bessere Hälfte kennen gelernt. Ich hatte ihn zwar zu Nocte-Zeiten mal flüchtig kennen gelernt, aber damals bestand kein fester Kontakt. Ich schätze seine Musik und Texte aber schon länger und als der Kontakt zu ihm regelmäßig wurde, habe ich ihn kurzerhand gefragt, ob er nicht einen Text für einen der neuen Songs übernehmen möchte. Nachdem er sich einen Track rausgesucht hatte, hab ich ihm grob erklärt worum es in dem Song geht.

Seine Vocals haben sich dann zufällig ergeben. Ich war gerade auf dem Weg zur Listening-Session aufm SummerBreeze, als mich Alboin anrief. Er meinte er würde gerne einen Teil der Vocals übernehmen. Mir hat die Idee auf Anhieb gefallen und er hat dann in einem Studio bei sich in der Gegend die Vocals aufgenommen und mir zukommen lassen.

Wenn es schlecht läuft, werden sich viele Leute, die sich „16[485]“ in einigen Jahren kaufen, fragen, wer denn dieser Alboin ist, da es eine Band namens Geist in diesem Genre ja gar nicht mehr gibt. Was sagst du denn zur erzwungenen Namensänderung?
Ich finde es ziemlich lächerlich, die Jungs aus Köln sollen sich nicht in ihr Röckchen machen. Ich könnte es vielleicht nachvollziehen, würde es sich um dasselbe Genre handeln, aber unter diesen Umständen? Da braucht wohl jemand um jeden Preis PR. Sehr lächerlich…

Anfang des Jahres habt ihr euren Auftritt beim Wolfszeit Festival bekanntgegeben – und kurz darauf wieder gestrichen. Was war der Grund dafür?
Dazu gab es ein Statement auf unserer Webseite. Mehr gibt es für mich zu diesem Thema nicht zu sagen.

Mit dieser Absage fährst du glücklicherweise auf einer harten Schiene gegen Bands, die dies betreffend durchaus – zurecht – umstritten sind. Findest du, die deutsche Szene geht mit solchen Bands richtig um oder sind wir teilweise übersensibilisiert oder auf der anderen Seite zu nachsichtig?
Du, sorry. Aber diese ganze Thematik geht mir, gelinde gesagt, nur noch auf den Sack. Ich fahre meinen Kurs wie ich ihn für richtig halte, was die so genannte „Szene“ und/oder andere Bands machen, ist mir mittlerweile ziemlich latte. Ich möchte mich auf meine Musik konzentrieren und mich nicht alle Nase lang mit dieser Thematik befassen (müssen).

Nach der Listening Sessions auf dem Summer Breeze letztes Jahr hast du erzählt, dass du wieder ordentlich mit deinem Hals zu kämpfen hattest. Wenn es böse kommt, wird dir das wohl auch bei den ersten Proben wieder so gehen… Hast du mittlerweile mal darüber nachgedacht, einen Gesangslehrer zu nehmen?
Habe ich und ich muss leider auch definitiv etwas unternehmen. Ich habe hier in Sydney eine Schule gefunden, die sich dieser Problematik annimmt und werde die Tage dort anklopfen.Wenn ich mir nicht bald spezielle Techniken aneigne, werde ich in naher Zukunft nicht nur weiterhin Probleme mit der Stimme haben, ich werde den Gesang über kurz oder lang aufgeben müssen. Mittlerweile bin ich leider an einem Punkt angelangt, an dem es gesundheitlich ziemlich bedenklich wird, was ich meiner Stimme zumute. Und die Vorstellung irgendwann vielleicht nicht mehr richtig sprechen zu können ist nicht so wirklich geil.

Im letzten Interview für uns hast du noch groß herumposaunt, dass du auf der Bühne im Party-Zelt des Summer Breeze eure Auflösung nach diesem Gig bekannt gibst – des Albumtitels „Exit“ wegen. Bedeutet „16[485]“ nun, dass ihr euch wirklich auflöst, weil du ein Mathematik-Stipendium bekommen hast? ;-)
Hähä, an die Aussage kann ich mich nicht mal mehr erinnern. Sicherlich werde ich kein Stipendium bekommen, dazu stehe ich mit höherer Mathematik zu sehr auf dem Kriegsfuß ;)

„16[485]“ ist definitiv dunkler als „Exit“, stellenweise sogar – wie du schon sagtest und womit ich dir auch auf jeden Fall zustimme – richtiggehend bösartig. Woher kommt das? Es hört sich ja nach einer durchaus natürlichen Entwicklung an?
Um ehrlich zu sein, kann ich die Frage nicht beantworten. Wenn ich einen Song schreibe, dann ist das ein Prozess, den ich nicht so richtig steuern kann. Ich kann mich also nicht hinsetzen und sagen „Jetzt schreib ich einen 5 Minuten Blastbeat Track“. Meist kommen die Ideen eines Songs „aus dem Nichts“ und ich versuche einfach die Richtung weiterzugehen, welche vor mir liegt. Natürlich herrscht eine gewisse Grundstimmung in mir, wenn ich Gitarre spiele. Wenn ich gute Laune habe greife ich eher selten zur Gitarre, als wenn ich mies drauf bin. Und wie gesagt, fröhliche oder „schöne“ Songs gehören sowieso nicht in die Welt von Agrypnie. Somit sprechen wir ohnehin nur von Schattierungen… Fällt ein Song dunkler, bösartiger und/oder melancholischer als ein anderer aus… Und bei „16[485]“ ist es öfters der Fall als bei „Exit“.

Ich erinnere mich, irgendwo gelesen zu haben, dass „Exit“ die Essenz des deutschen Black Metals sei. Sei die Aussage an sich mal hingestellt – wenn „Exit“ die Essenz deutschen Black Metals ist, was ist dann „16[485]“?
Ich hab keinen Schimmer, die Frage sollen lieber die Fans beantworten (oder die Person, die die Aussage über „Exit“ getroffen hat).

Könnte man sagen, dass dich AGRYPNIE nach dem Ende von Nocte Obducta ein wenig aufgefangen hat? Wenn ja: Wo wärst du jetzt, wenn AGRYPNIE nicht gewesen wäre?Ja und nicht nur ein wenig. Ich bin damals in ein sehr tiefes Loch gefallen und nurAgrypnie (und meine damalige Freundin) haben mich aufgefangen. Natürlich steh ich heute anders zu der Sache, denn mit großer Sicherheit würde ich heute nicht mit Agrypnie Konzerte spielen, gäbe es noch Nocte Obducta. Insofern relativiert sich der Schmerz heute, den ich damals lange Zeit in mir getragen habe.

Wäre Agrypnie nicht gewesen? Nun ja, dann wäre entweder der Bandname und/oder die Musik heute anders oder ich hätte Anschluss an eine andere Band gesucht. Ich hätte mich so oder so auf neue bzw. meine Musik konzentriert, welche Band und Stil auch immer. Was anderes kann ich mir nicht vorstellen… Aber mit der eigenen Musik weiterzumachen war natürlich das Naheliegendste.

Wärst du dabei, wenn es zu einer Nocte-Reunion kommen würde? Würde das überhaupt nochmal funktionieren?
Aber Hallo wäre ich dabei!

Du kennst und liebst es ja bereits: das traditionelle Metal1.Brainstorming. Bist du bereit?
Bringen wir es hinter uns ;)

Also, los geht’s. Was fällt dir ein zu:

Sex on the beach: Ich hab gekniffen ;)
Mixa: Mieser Wixa! (was ein Wortwitz)
Afghanistan: Schwer, dazu was in einem Satz zu sagen…
Malcom McLaren: Sex Pistols
Metal1.info: Nie gehört ;)

Torsten, allerbesten Dank für das Interview und deine Zeit! Bring die restlichen Monate in Australien noch gut hinter dich und komm heil wieder zurück!
Danke für das sehr coole Interview, endlich mal ein paar Fragen abseits des Standardinterviews!