Interview mit Jocke Wallgren von Amon Amarth

Zum zweiten Mal hat Jocke Wallgren nun ein AMON-AMARTH-Album eingetrommelt. Was das für das Bandgefüge bedeutet, warum sich Wikinger und Videospiele nicht im Weg stehen und inwiefern Manowar bei „The Great Heathen Army“  als Vorbild dienten, verrät der sympathische Schlagzeuger im Interview.

Du bist jetzt seit sechs Jahren bei AMON AMARTH. Was war die größte Veränderung, die das für dein Leben mit sich gebracht hat?
(lacht) Wenn man vom Hobbymusiker und Postboten zum Drummer einer der größten Bands in der Metal-Szene wird, erklärt sich das wohl von selbst. (lacht) Aber es war eine großartige Sache. Ich musste meinen Job an den Nagel hängen und ein paar Dinge in meinem Leben neu sortieren, aber auf der anderen Seite ist doch genau das jedermanns Traum.

Ich habe gesehen, dass du deine langen Haare abgeschnitten hast – gab das Ärger von den Bandkollegen? Bisher waren AMON AMARTH ja eine durchweg langhaarige Band …
Nein, die kommen damit klar. Aber wir haben natürlich darüber gescherzt … die anderen werden ja auch älter, insofern ist es wohl nur eine Frage der Zeit, bis sie diesen Schritt auch gehen müssen. Aber ich hole auch eigentlich nur etwas nach … ich hatte das Gefühl, dass ich ein paar Phasen ausgelassen hatte, zwischen sehr kurzen Haaren und wirklich langen Haaren.

Euer neues Album, „The Great Heathen Army“, ist das jetzt zweite, das du mit der Band geschaffen hast. Hat das etwas an eurer Herangehensweise geändert, habt ihr anders zusammengearbeitet als auf „Berserker“, nachdem ihr euch jetzt schon länger kennt?
Ich finde, dass wir bereits auf „Berserker“ sehr gut aufeinander abgestimmt gearbeitet haben. Aber … vielleicht fühlt es sich tatsächlich in gewisser Weise so an, als wären wir jetzt noch enger zusammengeschweißt. Das Album klingt nach einer Band, die zusammenspielt. Natürlich waren wir auch auf „Berserker“ schon eine Band, aber diesmal klingt es in sich geschlossener. Niemand spielt sich übermäßig in den Vordergrund, wir sind eine sehr stabile Einheit.

„Wir wollten wieder einen härteren Sound,
einen härteren Ansatz als bei ‚Berserker‘“

Das Album wird als „Viking Heavy Metal“ beworben – diese Bezeichnung ist, glaube ich, neu, bislang wurdet ihr immer als Viking Metal oder eben Death Metal gelabelt. Findest du dich in dieser neuen Bezeichnung wieder, versucht ihr auch als Band, mehr in Richtung Heavy Metal zu zielen?
Nicht wirklich. Wir fanden alle, dass „Berserker“ unser Heavy-Metal-Album war. Für das neue Album war der Plan eher, wieder zum etwas härteren Stil zurückzukehren. Es ist natürlich nicht zu überhören, dass wir heute nicht mehr so viele schnelle und brutale Songs wie früher haben, aber das kompensieren wir mit anderen Elementen: Das Material ist sehr melodisch, sehr „headbang-freundlich“, sehr fröhlich. Das Songwriting ist … ich würde nicht unbedingt sagen, dass es darauf ausgelegt ist, eine breitere Hörerschaft zu erreichen, aber … (überlegt) es ist wirklich schwer, das in Worte zu fassen. Wir wollten wieder einen härteren Sound, einen härteren Ansatz als bei „Berserker“ und ich denke, das ist uns mit diesem Album gelungen.

Aber habt ihr gezielt versucht, es leicht zugänglich zu gestalten, damit ihr damit eine breitere Hörerschaft ansprecht?
Das ist für mich schwierig zu beantworten, ich bin kein Gitarrist. Ich schreibe die Riffs nicht und weiß nicht, mit welcher Intention sie geschrieben wurden. Natürlich schreiben wir Musik für die Fans, aber es muss auch uns widerspiegeln. Es ist immer noch unsere Musik. Wir können nicht einfach völlige Mainstream-Riffs schreiben, weil es sich anbietet. Wir lieben es, Songs zu schreiben und zu spielen, darum machen wir es. Wenn die dann immer kitschiger und kitschiger werden, ist es eben so. (lacht) Aber soweit ich es beurteilen kann, schreiben wir unsere Musik nicht nur, um den Fans zu gefallen, nein. Sie kommt von Herzen, und was passiert, passiert. Es wird dann – hoffentlich – trotzdem großartig.

AMON AMARTH 2022; © Tomas Giden
AMON AMARTH 2022; © Tomas Giden

Eine gewisse Heavy-Metal-Affinität lässt sich aber auch aus euren Gästen ablesen … nach Doro auf „Jomsviking“ habt ihr diesmal Biff Byford von Saxon mit an Bord. Wie kommt es, dass ihr euch vornehmlich in diesem Genre „bedient“?
Nun, zunächst einmal darf man nicht vergessen, dass sie vor meiner Zeit mit L.G. Petrov bei „Guardians Of Asgard“ durchaus auch einen Sänger aus dem Death Metal als Gast dabei hatten. Aber vermutlich liegt es einfach daran, dass sich der Gesang stilistisch unterscheiden sollte. Es bringt ja nichts, wenn zwei Leute in einem Song singen, die beinahe gleich klingen. Johan klingt sehr brutal, also nehmen wir Heavy-Metal-Sänger dazu, die sehr weich und harmonisch klingen – ganz anders eben. Was „Saxons And Vikings“ angeht … es ist ein Song über die Sachsen und die Wikinger. Wer könnte die Sachsen besser repräsentieren als der Sänger von SAXON persönlich? (lacht)

Also gab es erst den Text und dann habt ihr Biff gefragt? Ich hätte vermutet, dass der Text ein Resultat der Kollaboration war …
Wir hatten den Song fertig und Johan hat seinen Text geschrieben. Er hatte eine Idee davon, wie der restliche Text aussehen könnte, aber er hat ihn nicht geschrieben. Wir haben den Song und Johans Text an Biff geschickt und ihm aufgezeigt, wo seine Parts sind – und dann hat er seinen Text so, wie wir es uns vorgestellt hatten, selbst geschrieben: Es ist ja ein Kampf zwischen beiden, also bekriegen sie sich verbal so richtig. (lacht) Er hat also seinen Text-Part selbst beigesteuert. Kleinigkeiten haben wir dann noch im Studio geändert, damit es besser anzuhören und für das Publikum leichter mitzusingen ist als etwa irgendwelche alten englischen Wörter, die niemand versteht. Aber im Großen und Ganzen hat er seine Parts geschrieben.

„Als Drummer will ich immer nur dem Riff dienen“

Aus Sicht des Schlagzeugers: Worauf achtest du besonders und inwiefern war es anders, zu diesen Riffs zu spielen als zu denen von „Berserker“?
Als Drummer will ich immer nur dem Riff dienen. Ich kann ja keinen 300-BPM-Blastbeat zu einem 150-BPM-Song spielen. Insofern versuche ich, die Riffs so gut zu treffen wie möglich. Auf „Berserker“ habe ich es oft etwas übertrieben: Das passt sehr gut zu dieser Art von Produktion und zu den Songs, aber wenn man das Schlagzeugspiel mit dem auf „The Great Heathen Army“ vergleicht, ist es diesmal etwas entspannter ausgefallen: Ich versuche wie gesagt mehr, den Gitarren zuzuarbeiten, als meine Drum-Skills vorzuführen. „Berserker“ aufzunehmen hat großen Spaß gemacht, weil in den Songs im Bezug auf das Schlagzeug sehr viel passiert. Aber wenn ich es mir heute anhöre, denke ich mir manchmal, dass es vielleicht etwas zu viel des Guten war. (lacht) Diesmal wollte ich darum bewusst einen Gang runterschalten – natürlich nicht zu viel, man will ja immer noch Rhythmen und coole Beats haben und nicht nur AC/DC-Four-on-the-Floor-Zeug. Aber manchmal braucht ein Riff auch genau das – dann passt du dich als Schlagzeuger dem eben an. Auch wenn es dann nicht sonderlich viel Spaß macht, so einen AC/DC-Beat-Part zu spielen: Wenn es dem Song dienlich ist, ist es dem Song dienlich. Damit muss man als Drummer dann auch klarkommen. (lacht) Es macht vielleicht nicht immer Spaß, aber wenn es passt, passt es.

Liegt die Entscheidung, was du spielst, eigentlich ganz bei dir oder kommen die Gitarristen bereits mit Drumming-Wünschen zu ihren Riffs auf dich zu?
Das ist etwa 50:50 … wenn sie ein Riff schreiben, haben sie natürlich immer eine Idee davon, wie das Drumming dazu klingen soll. Von dieser Idee ausgehend arbeite ich dann: Wenn ich finde, dass das Mist ist, sage ich ihnen das auch so. Aber wenn es gut ist, entwickle ich es weiter und passe es an meinen Spielstil an und ergänze es um ein paar Spielereien, um dem Ganzen meinen Stempel aufzudrücken. Vor allem reden wir viel über diese Dinge, was man ausprobieren könnte und so weiter. Dann packe ich alles in Cubase und programmiere ein Schlagzeug, wie ich es machen würde, und am Ende treffen wir uns irgendwo in der Mitte.

 „Den ‚Keyboard-Warriors‘ kann man es nicht rechtmachen“

Ganz generell hat man das Gefühl, dass ihr auch immer mehr moderne Elemente einbaut – vielleicht nicht in der Musik, aber insbesondere bei den Musikvideos. Da kommen neuerdings Videokonsolen, Wrestler oder spielende Kinder vor. Versucht euer Label, so eine neue Zielgruppe zu erschließen oder war das eure Idee und falls letzteres, was war der Plan dahinter?
Das ist eine gute Frage… (lacht) Wir machen, worauf wir Lust haben, weißt du? Manchmal ist das ein Hardcore-Wikinger-Video, „Put Your Back Into The Oar“ ist beispielsweise so ein Video. Aber dann wollen wir eben auch mal was anderes machen … etwa wie bei „Get In The Ring“, das ja eher so ein Mad-Max-Wrestling-Thema hat. Da haben wir ja auch Erick Rowan dabei. Zunächst fanden wir die Mad-Max-Idee super, ich weiß gar nicht mehr, wer damit ankam, aber alle fanden das super. Wir wussten, dass die Leute uns dafür bashen würden, aber was soll’s. Und als der Song geschrieben wurde, hatten wir Erick im Kopf, weil der Song ja als Einlauf-Musik für ihn geschrieben wurde. Es ist der perfekte Song, um in den Ring zu gehen und zu kämpfen. Was „The Great Heathen Army“ angeht, kann ich dir gar nichts Genaues mehr sagen … ich kann mich nicht erinnern, wer die Idee hatte oder was wir uns dabei gedacht haben. Aber wenn wir eine verrückte Idee haben, setzen wir das um – weil es uns gefällt. Wir müssen ja nicht jedes Mal ein Wikingervideo drehen. Überleg mal, wie viele Singles wir schon veröffentlicht und wie viele Musikvideos wir dementsprechend gedreht haben! Wenn das dann jedes Mal wieder die gleiche Chose wäre … Die Leute schimpfen über uns, weil wir Videos wie die neuen drehen. Aber wenn wir nur Wikingervideos drehten, würden die Leute deshalb genauso über uns herziehen: „Oh, schon wieder ein langweiliges Wikingervideo!“. Den ‚Keyboard-Warriors‘ kann man es nicht rechtmachen. (lacht)

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Bedauerst du es selbst manchmal, dass AMON AMARTH so auf das Wikinger-Thema festgelegt sind?
Nein. Ich finde das wirklich großartig. Mein ganzes Leben lang haben mich Fantasy und Sagen, epische Schlachten und solche Themen beeinflusst. Insofern finde ich, der ich kein Gründungsmitglied dieser Band bin, die Wikinger-Idee grandios. Weil es da so viel zu erzählen gibt. So viele großartige Geschichten. So viele Mythen und Fakten. Wäre ich ein Gründungsmitglied der Band, würde ich es absolut nicht bereuen, diesen Weg eingeschlagen zu haben.

„Die Inspiration waren die großen Klassiker“

Mit dem Cover von „The Great Heathen Army“ setzt ihr dann ja auch auf das volle Wikinger-Klischee – mehr als je zuvor, würde ich fast sagen. Warum habt ihr euch diesmal für ein Bandporträt als Artwork entschieden?
Schwierige Frage. Zunächst einmal wollten wir etwas anderes machen als bisher. Viele Bands haben sich schon mal selbst auf das Cover genommen, also warum sollten wir das nicht auch mal tun? Die Inspiration waren die großen Klassiker … Manowar zum Beispiel. Die haben sich auf quasi jedem ihrer Cover selbst abgebildet. Also haben wir beschlossen, das auch mal zu machen. Und wenn wir das machen … wie sollten wir es schon machen? Wir hatten den Albumtitel, und wenn ein Album „The Great Heathen Army“ heißt, brauchst du natürlich auch eine große Armee hinter dir. Da können dann ja nicht einfach nur fünf Kerle stehen. Du brauchst auch diese „Big Army“. (lacht)

Als wir das Video zu „Put Your Back Into The Oar“ gemacht haben, wurde ein Bandfoto von uns beim Posen aufgenommen. Das haben wir dann dem Cover-Künstler geschickt und er hat es gemalt. Das Artwork ist also eigentlich ein Gemälde nach einem Foto, und kein tatsächliches Foto. Er hat uns dann noch etwas Rüstung angelegt, unsere Haare schön gemacht, uns etwas mehr Muskeln verpasst und so weiter. (lacht) Wir wollten einfach mal einen neuen Weg gehen, nachdem die letzten Alben alle eine zentrale Figur hatten, um die herum etwas passiert … sei das nun Jörmungandr [auf „Twilight Of The Thundergod“, A. d. Red.] oder Surtur [auf „Surtur Rising“, A. d. Red.] oder so. Es stand immer etwas im Fokus. Diesmal wollten wir, dass das ganze Bild der Fokus ist, sozusagen.

„Körperlich arbeite ich jeden Tag maximal 90 Minuten“

Schauen wir ein wenig in die Zukunft: Wenn alles gutgeht, werdet ihr bald für vier ganze Monate auf Tour sein – erst in Europa, dann in den USA.  Wie bereitet man sich auf so eine lange Tour vor?
Ist es wirklich so lang? September, Oktober, November, Dezember … stimmt, du hast recht. (lacht) Aber eigentlich gibt es da nicht viel vorzubereiten. Natürlich muss für die Shows alles funktionieren, die Computer, über die die Backing-Tracks laufen und all das. Aber davon abgesehen spiele ich einfach. Ich übe viel und stelle so sicher, dass ich alles perfekt kann. In Form bleiben, nicht krank werden, ein bisschen Training machen …

Hast du da bestimmte Routinen? Ich könnte mir vorstellen, dass es ziemlich kräftezehrend ist, so lange auf Tour zu sein und fast jeden Abend eine Show zu spielen.
Ich würde jetzt nicht sagen, dass es sonderlich kräftezehrend ist. (lacht) Ich meine, körperlich arbeite ich jeden Tag maximal 90 Minuten. Das ist nicht super strapaziös. Aber natürlich ist Touren kein Zuckerschlecken. Du musst einigermaßen gesund essen, darfst nicht zu viel trinken, nicht krank werden … denn wenn ich krank werde, wird der Rest der Band vermutlich auch krank. Das ist für die Shows nicht gut. Man versucht sich also mit irgendwelchen Immunsystem-Boostern fit zu halten. Ansonsten gibt es nicht viel vorzubereiten. Bring dein Equipment mit, stell sicher, dass technisch alles funktioniert und in Ordnung ist, damit du arbeiten kannst, und sorge dafür, dass du dein Zeug perfekt spielen kannst … das ist alles.

Du hast das Publikum und die Eingängigkeit eurer Songs bereits angesprochen. Würde AMON AMARTH heute nicht tatsächlich besser zu Bands wie Sabaton oder Powerwolf passen als zu Machine Head beispielsweise, mit denen ihr im Herbst auf Tour geht?
Ja, vielleicht. Aber in Südamerika waren wir ja beispielsweise schon mit Powerwolf auf Tour. Wir werden selbst ja auch irgendwo zwischen Heavy Metal und Death Metal eingeordnet. Wir wollen einfach mit unterschiedlichen Bands spielen – abhängig vom jeweiligen Markt. In Südamerika ist es beispielsweise perfekt, mit Powerwolf zu touren: Die Leute dort stehen total auf Melodien. Wir haben Melodien, Powerwolf ebenso, bei beiden Bands kann man viel mitsingen … insofern: Wer uns dort mag, mag auch Powerwolf. Das ist eine perfekte Kombination.

Warum, denkst du, funktionieren AMON AMARTH trotzdem auch mit Machine Head? Die Fan-Bases dürften ja doch etwas auseinanderliegen …
Ich habe keinen Zweifel daran, dass das eine großartige Tour wird. Das ist mal klar. Ich denke, die Fans bekommen hier etwas von allem: Wir haben den cheesy Heavy Death Metal und sie decken den extremeren Part ab. Aber es ist auch wirklich schwierig, Bands auszuwählen, mit denen man auf Tour geht. Die Frage ist immer: Von welcher Seite will man sich zeigen? Wenn man eher die melodische Seite von AMON AMARTH zeigen will, kann man auch eine softere Vorband wählen. Wenn man eher die aggressive Seite herauskehren will – was diesmal unser Plan ist, weil das Album in Songwriting und Sound härter ausgefallen ist –, dann ist Machine Head die perfekte Wahl. Außerdem ist es eine Co-Headliner-Tour … also sind sie nicht nur unser Support.

„Wenn es irgendwo einen neuen
Corona-Ausbruch gibt, ist es eben, wie es ist“

Seit Pandemiebeginn gibt es im ganzen Tour-Business noch einige neue Unsicherheiten – seien das Erkrankungen in der Tour-Gemeinschaft oder Konzertabsagen. Macht dir das Sorgen, im Herbst dann so lange auf Tour zu gehen, während die Pandemie nach wie vor andauert?
Ein wenig schon, ja. Natürlich würden wir nicht spielen, wenn das Risiko zu hoch wäre. Aber das ist die Aufgabe des Promoters, zu entscheiden, wie es vor Ort läuft, wie viele Leute in die jeweilige Halle dürfen und dergleichen, abhängig von den jeweiligen Regeln in den entsprechenden Ländern. Aber es gibt jetzt Konzerte und wir haben ein neues Album draußen, wir wollen und müssen spielen und die Leute wollen, dass wir spielen. Unsere Zeit ist jetzt und hoffentlich wird nichts das durchkreuzen. Aber natürlich … wenn etwas passiert, wenn es irgendwo einen neuen Corona-Ausbruch gibt, ist es eben, wie es ist. Es gibt ja auch nichts, was wir dagegen tun könnten. Natürlich könnten wir gegebenenfalls Shows vor weniger Publikum spielen, aber es gibt da auch immer Grenzen – es muss sich am Ende ja auch noch lohnen.

AMON AMARTH 2022; © Tomas Giden
AMON AMARTH 2022; © Tomas Giden

Was die Publikumszahlen anbelangt, sieht man aktuell sehr unterschiedliche Phänomene – manche Shows sind extrem schnell ausverkauft, andere müssen abgesagt werden, weil der Vorverkauf so schlecht läuft. Hast du dafür eine Erklärung, beobachtest du das auch und wie steht es diesbezüglich um AMON AMARTH?
Ehrlich gesagt weiß ich es nicht. Vielleicht ist es sicherer, in eine größere Halle zu gehen und sich eine größere Band anzuschauen, als auf eine kleine Clubshow mit bloß 250 Leuten, aber dafür ohne Klimaanlage zu gehen. Auch Open-Air-Shows dürften sicherer sein. Aber ich habe keine Erklärung für das von dir angesprochene Phänomen, ich habe auch noch nicht davon gehört, dass Leute nicht mehr zu Shows kommen. Aber vielleicht haben die Leute auch Familien gegründet und wollen jetzt lieber zu Hause bleiben. Die Leute haben sich auch an Streaming-Services gewöhnt. Einige Bands haben ja Shows online gezeigt – vielleicht sind die Leute auch einfach bequem geworden und kaufen sich lieber Tickets für Streamshows, die sie in ihrem Wohnzimmer am TV schauen können. Das würde schon Sinn ergeben. Aber ich denke, das betrifft eher die junge Generation. Die Oldschool-Death-Metal-Fans wollen immer noch zu Shows gehen, wollen dabei sein, T-Shirts kaufen, viel Bier trinken, mit Bier übergossen werden und einen Moshpit starten. Diese Leute wollen das volle Konzert-Erlebnis. Aber wie die Leute entscheiden, wo sie hingehen und wen sie sich anschauen, weiß ich nicht.

Dann hoffen wir mal, dass wir auf lange Sicht auch die junge Generation wieder vom TV wegbekommen, sonst fehlt irgendwann der Nachwuchs.
Ja, auch die sollten zu unseren Shows kommen, sich auf den Boden setzen und verdammt noch mal rudern! (lacht)

„Wenn mein Drumtech ausfällt, mache ich es eben selbst“

Man hört aus dem Business auch viele Klagen, dass jetzt nach der Pandemie Fachkräfte fehlen, die sich mittlerweile krisensicherere Jobs gesucht haben. Merkt ihr davon auch etwas in eurer Crew?
Natürlich haben ein paar Leute unsere Crew verlassen, weil sie einen sichereren Job wollten, irgendwas hinter einem Computer oder so. Oder vielleicht auch etwas Lokales, eine Festanstellung als Sound-Techniker in einem Club bei ihnen zuhause zum Beispiel. Das kann ich natürlich auch nachvollziehen. Schon allein, weil es wohl eine verlässlichere Einkommensquelle ist. Aber gleichzeitig gibt es auch Leute, die im Business arbeiten wollen, auch wenn das bedeutet, dass sie mehr reisen müssen und all das. Manche Leute finden das spannend, andere wollen lieber etwas anderes machen, mit einem sicheren Einkommen. Das ist absolut verständlich. Aber zurück zu deiner Frage: Klar, wir haben ein paar Leute verloren, aber das ist für uns momentan kein Problem.

AMON AMARTH 2022; © Tomas Giden
AMON AMARTH 2022; © Tomas Giden

Das ist gut zu hören – es wurden ja sogar schon Shows abgesagt, weil Bands keine Crew zusammenbekommen haben …
Wenn wir eine Tour geplant haben und, sagen wir mal, mein Drum-Tech fällt aus und wir finden keinen Ersatz, mache ich es eben selbst. Im schlimmsten Fall ist das keine große Sache. Ich habe mein Schlagzeug viele Jahre lang selbst aufgebaut, ehe ich bei AMON AMARTH eingestiegen bin. Insofern gibt es immer eine Lösung. Auch wenn das vielleicht heißt, dass du selbst arbeiten musst. (lacht)

Vielen Dank für deine Zeit, das war meine letzte Frage. Zum Abschluss hätte ich noch ein kurzes Brainstorming vorbereitet:
Das letzte Album, das du gehört hast:
Avantasia – Metal Opera Pt. I. … ein großartiges Album!
Wenn euer neues Album ein Auto wäre – was für ein  Typ?
(lacht) Es wäre ein Panzer mit dem Erscheinungsbild eines Ferrari.
Bathory:
Nein.
Amerika:
Yeah. Fuck Yeah!
Ein Essen, das dich immer glücklich macht:
Thai-Food!
Der wichtigste Punkt auf eurem Rider: Raumtemperatur und Wasser.
AMON AMARTH in zehn Jahren: Erst einmal: Ja! (überlegt) Ich weiß nicht. (lacht) Ich hoffe, wir sind noch da und ich hoffe, wir werden verdammt großartig sein und bekannter als je zuvor. (lacht)

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Dieses Interview wurde per Telefon/Videocall geführt.

7 Kommentare zu “Amon Amarth

  1. Ich bin erst seit kurzem auf Amon Amarth und Machine Head aufmerksam geworden und ich freue mich das beide zusammen spielen und ich beide live in Zürich sehen kann 🤘.

  2. Die Frage ob man nicht lieber mit Powerwolf/Sabaton anstatt MH spielen sollte ist ja mal cringe ohne Ende. Ist euch das nicht peinlich? Bis zum neuen Album (was ich noch nicht gehört habe) ist es noch immer harte Musik. Heult leiser wenn ihr es zu kommerziell findet…

    Auch wenn ich Berserker musikalisch gut finde, werde ich mir wieder dies noch das neue Album kaufen. Die Cover gehen ja mal gar nicht.

    1. Hallo Tobi. Geheult hat bisher niemand und peinlich muss uns daran gar nichts sein. Schließlich geht aus der Antwort auch hervor, dass die Frage nicht unberechtigt ist und die Band selbst genau weiß, dass sie melodischere und massentauglichere Musik machen als früher. Jocke Wallgren antwortet ja, dass Powerwolf und Amon Amarth aus einer gewissen Sichtweise eine „perfekte Kombination“ ist und entgegnet nicht, dass die Frage „cringe ohne Ende“ wäre.

      1. ach komm. Deine Antwort glaubst du doch selber nicht.
        Mit der Erwähnung von Powerwolf/Sabaton zielt ihr doch nur darauf ab sie in die Richtung Karnevalsmetal zu schieben. Und das ist soweit hergeholt. Ich kann dir sagen, dass z.B. meine Frau gerne melodischen Metal hört, sie aber weit davon entfernt ist auch neuere AA Sachen zu mögen. Massentauglicher im Metal Bereich waren AA im Grunde schon seit „Twilight…“, da hat sich nichts dran geändert. Das Jocke die Frage so höflich beantwortet, spricht für ihn, aber nicht für eure Frage.

        Oder so ein Quatsch „Aber habt ihr gezielt versucht, es leicht zugänglich zu gestalten, damit ihr damit eine breitere Hörerschaft ansprecht?“. wenn mir jemand kaum verschleiert unterstellt das ich simple Songs schreibe um simpleres Publikum anzulocken, würde ich glaube ich das Interview abbrechen.

        bestätigt mein eher negatives Bild vom „Musikjournalismus“.
        „brauchst uns ja nicht lesen“… jaja werde ich auch eher nicht mehr. Aber vielleicht solltet ihr mal versuchen euch weniger anmerken zu lassen, welche Bands ihr mögt und welche nicht. Kommt nicht gerade professionell rüber.

        1. Hallo Tobi. Lustig, Jocke hat mir im Nachgang des Interviews geschrieben, dass er bei dem Interview richtig Spaß hatte – und genau so war auch der Gesprächsverlauf. Insofern: Versuch doch einfach für dich zu denken, nicht für andere – und damit meine ich sowohl Jocke als auch mich.

          Fakt ist: Amon Amarth machen seit langem mit ihrer Bühnenshow, der Musik (aber die hörst du ja nicht mehr, wegen der Cover … erzähl mir mehr darüber, wies ist, so openminded zu sein) und auch der Art der Promokampagnen genau in dem Spiel mit, das besagte Bands spielen: Metal für die Massen. Und das ist, glaubs mir oder nicht, gar nicht automatisch negativ zu sehen. Insofern ist es in keiner Weise eine Unterstellung oder „gut verpackte Schmähung“, Amon mit diesen Bands zu vergleichen. Dass Jocke das durchaus auch so sieht, bestätigt wohl die Berechtigung zur Frage. Ansonsten … lieber eine kritische Frage mehr, als nur sich selbst beantwortende, oder? ;)

        2. Ich mag sowohl Powerwolf (erst vor kurzem beim Rockharz genossen) als auch Amon Amarth und ich hatte sogar mit „Berserker“ viel Spaß. Warum sollte man nicht auch bei Bands, die man mag, kritische Fragen stellen? Und wie Moritz schon schrieb: Wenn wir nur sich selbst beantwortende Fragen stellen, können unsere Leser auch die Promotexte auf der Labelseite lesen.
          Wir sagen auch nicht, dass uns jemand „nicht mehr lesen soll“ – wir wollen ja, dass unsere Leser uns Rückmeldungen geben und wir kommunizieren sehr gerne. Es bringt halt nichts, uns zu unterstellen, dass wir irgendwelchen Käse schreiben, den wir selbst nicht glauben, das macht eine Diskussion ja im Vorfeld schon zu nichte.

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