ELLENDE sind seit beinahe anderthalb Jahrzehnten einer der relevantesten Namen im melancholischen Black Metal. Die Band aus Graz hat sich diesen Status mit Alben wie „Todbringer“ oder „Lebensnehmer“ mehr als verdient gemacht. Grund genug, um mit Sänger und Multiinstrumentalist L.G. über das neue ELLENDE-Album „Zerfall“ zu sprechen. Ein Gespräch über Erfolg, Inspiration und musikalische Trauerbewältigung.
Hallo L.G. Vielen Dank für deine Zeit. Wie würdest du das Konzept des neuen ELLENDE-Albums „Zerfall“ in eigenen Worten beschreiben – und was bedeutet „Zerfall“ für dich persönlich?
„Zerfall“ bedeutet im Kontext des Albums, in kleine Stücke zu zerbrechen und sich anschließend wieder selbst zusammenzusetzen. Vergleichbar mit der Kintsugi-Methode aus Japan.
Wie haben persönliche Erfahrungen den kreativen Prozess dieses Albums beeinflusst?
Dieses Album gründet auf einem tragischen Todesfall in meiner Familie. Viele Dinge werden dadurch unwichtig. Ich habe dieses Album mit Scheuklappen geschrieben, sehr fokussiert und teilweise extrem intensiv. Ob es gefällt oder nicht, war mir dabei völlig egal.
Die Songs behandeln wie du sagtest den Prozess von Zerbrochenheit zu Neubeginn – wie habt ihr diesen emotionalen Bogen musikalisch umgesetzt?
Mit Instrumenten und Gesang.
Du hast für „Wahrheit Teil II“ selbst das Musikvideo handgezeichnet und animiert. Wie hat diese visuelle Arbeit deinen Zugang zur Musik verändert?
Ja, das waren ungefähr neun Monate harte Arbeit. Ich wollte das unbedingt einmal machen, auch wenn ein klassisches Video vermutlich besser funktioniert hätte. Meinen Zugang zur Musik hat das nicht verändert, weil der Song zuerst da war.
Inwiefern unterscheidet sich „Zerfall“ von eurem vorherigen Album „Todbringerin“ – stilistisch, thematisch oder emotional?
Das weiß ich nicht. Das muss der Hörer entscheiden.
Welche Rolle spielen Gastbeiträge (z. B. von Norikum oder Firtan) und wie habt ihr diese Kollaborationen gestaltet?
Das sind Menschen, die ich persönlich sehr schätze, sowohl musikalisch als auch auf menschlicher Ebene.
Wie hat sich dein Songwriting über die Jahre entwickelt – von den frühsten Alben bis zu „Zerfall“?
Im Kern ist es gleich geblieben. Die Möglichkeiten, Sounds zu generieren, sind heute umfangreicher, dazu kommen vierzehn Jahre Erfahrung.
Du bist Multi-Instrumentalist und prägst maßgeblich den Ellende-Sound. Wie gehst du beim Aufbau eines Songs vor – zuerst Musik oder zuerst Text?
Zuerst ein Thema, ein Riff oder eine Melodie. Darauf wird aufgebaut. Beim Songwriting entfernt man sich vom Ursprung und versucht dann wieder dorthin zurückzukommen. Zumindest ist es bei mir so. Der Text kommt danach.
Atmospheric Black Metal ist ein weiter Begriff mit vielen Facetten. Wie würdest du deinen eigenen Stil beschreiben und was macht Ellende einzigartig?
Darüber mache ich mir relativ wenig Gedanken.
Welche lyrischen Themen sind dir aktuell besonders wichtig und wie spiegeln sie sich in „Zerfall“ wider?
Verlust, Kraft, Freundschaft, Entfaltung, Sinn. Kryptisch und mysteriös, wie das Leben halt so ist.
In den letzten Jahren habt ihr Chartplatzierungen in mehreren Ländern erreicht und über 2 Millionen Streams generiert – hat dieser Erfolg eure kreative Herangehensweise beeinflusst?
Nein.
Wie siehst du den musikalischen Weg von Ellende seit dem Debüt „Rückzug in die Innerlichkeit“ bis heute?
Die Veröffentlichungen sind Zeitabschnitte. Ellende entwickelt sich mit mir mit, und ich freue mich, wenn Hörer diesen Weg mitgehen. Sowohl im Beruf als auch in der Musik bin ich jemand, der lieber arbeitet als viel darüber zu philosophieren.
Ellende arbeitet oft mit klassischen Instrumenten und untypischen Strukturen – wie findest du das Gleichgewicht zwischen Metal-Wurzeln und experimentellen Elementen?
So untypisch finde ich das gar nicht. Es verbindet Einflüsse, die sich für mich sinnvoll und verwandt anfühlen.
Was sind deine Hoffnungen und Erwartungen für die „Zerfall“-Tour und wie bereitest du dich darauf vor, diese tief emotionalen Songs live umzusetzen?
Ich freue mich sehr auf die Stunde oder mehr auf der Bühne und auf die persönlichen Begegnungen mit den Besuchern. Neunzig Prozent einer Tour bestehen aus harter Arbeit oder Warten. Um reinzukommen, gibt es eine gemeinsame Vorbereitungszeit vor der Show und unsere Bühnenpräsenz. Ritual statt Verkleidung.
Ich danke dir vielmals für deine Zeit. Zum Schluss gibt’s noch unser Metal1-Brainstorming:
Poesie: Am Würstelstand in Wien um 1 Uhr früh
Die vier Phasen der Trauer: Nur vier?
Heimat: Familie.
Zuversicht: Muss sein.
ELLENDE in 10 Jahren: Vielleicht.
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Dieses Interview wurde per E-Mail geführt.
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Beantworte halt das Interview gleich nicht, anstatt das so hinzurotzen…
Tja, ja, dem ist wenig hinzuzufügen.