Review Ellende – Zerfall

  • Label: AOP (Art Of Propaganda)
  • Veröffentlicht: 2026
  • Spielart: Black Metal

Seit mittlerweile fast anderthalb Dekaden zählen ELLENDE aus Graz zu den großen Vertretern des melancholischen Black Metal. Das 2016 erschienene „Todbringer“ war nicht nur ein viel beachtetes Album, es brachte auch die Verschmelzung von Ambient, Post Rock und Black Metal in aller Eleganz zusammen. Dennoch wurde dieses Werk 2024 in ein wärmeres Klanggewand verpackt und teils neu arrangiert als die „Todbringerin“ erneut veröffentlicht. Das war auch sinnvoll, fiel das zwei Jahre zuvor vorgestellte „Ellenbogengesellschaft“ zwar durch viele neue Ansätze im Sound der Band positiv auf, geriet gleichzeitig aber auch recht sperrig. Nun zum Sinn dieser recht langen Einleitung.

Auf „Zerfall“, dem neuen ELLENDE-Output, summieren sich die neuen Einflüsse der Ellenbogengesellschaft mit dem wärmeren Wesen der Lebensnehmerin – und zwar sehr stimmig und nicht zu weich. Das eröffnende „Nur“ setzt direkt auf atmosphärischen Weltschmerz durch leise Töne, die sich immer weiter aufbauend in einem passenden Black-Metal-Climax kulminieren und nahtlos in das erste Titel-Bundle „Wahrheit Teil I“ und „Wahrheit Teil II“ übergehen. Die rasenden Arrangements aus dem ersten Teil wechseln klug komponiert mit ruhigeren akustischen Passagen ab. Das schleppende Zwillingsstück behält die melodische Thematik bei, setzt dabei aber weit mehr auf Atmosphäre und breite Gitarrenflächen. Gemeinsam ergeben die ersten drei Songs einen sehr starken Einstieg.

Auch im weiteren Verlauf können ELLENDE mit variablen Kompositionen überzeugen, die im Vergleich zu „Ellenbogengesellschaft“ zwar im gleichen Maße komplex, aber in sich aufgeräumter daherkommen. Der titelgebende Track als Beispiel bricht die Rasanz und Epik der beiden Wahrheit-Teile auf ein Minimum herunter. Sanfte Melancholie in beinahe jazzigem Gewand führt gewohnt wellenartig zum nächsten Black-Metal-Ausbruch und fährt bei den Melodien eine wunderschöne Tragik auf. Fast schon gegenteilig dazu offenbart sich „Ode Ans Licht“ als der „optimistischste“ Track auf „Zerfall“. Der Bruch in Sachen Stimmung wirkt dabei keinesfalls deplatziert, und die choralen Klargesänge von Frontmann L.G. erzeugen ein Maximum an Größe für den Track.

Mit dem zweiten Bundle „Zeitenwende“ wird es dann nicht nur noch einmal düsterer, auch die schöne Violine von Klara Bachmair (FIRTAN) gibt der Trauer als Leitmotiv ein noch schwereres Gewicht. Zwar ändert sich währenddessen am etablierten Rezept der Titel wenig, das ist aber auch nicht nötig. Tolle Lead-Melodien (hier besonders im zweiten Teil von Peter Mairhofer beigesteuert) und eine hohe Variabilität bei den einzelnen Arrangements machen dieses zweite Songpaket zum absoluten Höhepunkt von „Zerfall“. Die atmosphärische Macht, die von diesen beiden Stücken ausgeht, wird mit dem Coversong „Secunda“ (im Original von Jeremy Soule für das Spiel Skyrim komponiert) und dem anschließenden „Verborgenes Inneres Leiden“ durch zwei feinfühlige Klaviermotive und als Bonustracks angelegt, ausgeleitet. Ein textliches Echo vom Anfang des Albums ist dann der letzte Schliff kompositorischer Konsequenz.

ELLENDE haben mit „Zerfall“ ein durchweg stimmiges Album kreiert, das sich sauber in ihre bisherige Diskografie einreiht. Besonders schön ist dabei die stilistische Glättung. Jeder Song bekommt Raum und bietet genug Wendigkeit für neue Entdeckungen – auch beim erneuten Hören. Dass Titel wie „Reise“ oder „Übertritt“ zwar lange noch keine Filler sind, jedoch nicht ganz an die Intensität der anderen Stücke heranreichen, ist dabei sehr leicht zu verschmerzen.

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Wertung: 8 / 10

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