Death Metal in Tracht und ein viral gegangener „Lindwurm“, gefolgt von einem Deal mit Napalm Records und der ersten Europatour – steiler empor als mit der Karriere von GRIMMING geht es höchstens über den Nordanstieg des namensgebenden Berges Grimming in ihrer Heimat, der Steiermark. Sänger und Gitarrist Samuel Dukic über Erfahrungen aus der Musikkapelle, den Weg zur Metalband und den Druck, der GRIMMING seit dem ersten Song begleitet.

A. d. Red.: Das Gespräch wurde in Mundart geführt; wir haben es jedoch der besseren Verständlichkeit halber in Hochdeutsch verschriftlicht.
Ist GRIMMING für euch alle die erste Band, oder habt ihr schon anderweitig Erfahrungen im Musiker-Dasein gemacht?
Im Musiker-Dasein schon, aber nicht in dem Format. In dieser Richtung ist GRIMMING das erste, was wir machen. Wir sind alle schon in verschiedenen anderen Formationen aktiv gewesen. Wir kommen eigentlich alle aus der Volksmusik und aus der Bluesmusik. Aber was wirklich dieses Metalband-Ding betrifft, ist das für uns alle das erste Projekt. Ich habe, als ich jünger war, mit 13, 14, schon in Bands gespielt, aber das ist natürlich nicht zu vergleichen.
Das heißt, ihr kennt euch auch aus der Bluesmusikkapelle?
Naja, der Aaron ist mein Bruder, den kenne ich primär von daheim, gell. (lacht) Der Michi, unser Bassist, ist genauso wie ich und mein Bruder Schlagzeuger bei uns in der lokalen Musikkapelle. Wir sind in Steinach bei der Kapelle, und ich bin mittlerweile sogar Kapellmeister, also Dirigent von der Kapelle. Also ich bin musikalischer Leiter von meiner Heimatkapelle. Das heißt, ich stehe vorne, habe einen Taktstock in der Hand und probiere, den Haufen zusammenzuhalten. Das würde man nicht glauben, wenn man die Musik von GRIMMING hört, aber ursprünglich kommen wir wie gesagt aus dem Bereich.

Von eurem Bühnenoutfit her hätte man drauf kommen können, musikalisch hört man das bei GRIMMING aber nicht heraus – ihr spielt ja recht klassischen Death Metal. Hat euch nicht gereizt, diese musikalischen Einflüsse aus der Blasmusik bei GRIMMING einfließen zu lassen?
Doch, auf jeden Fall. Das ist nach wie vor ein Plan. Wir haben es bis jetzt noch nicht geschafft, dass wir es umsetzen. Zumindest nicht in einem Rahmen, wo wir selber damit zufrieden sind. Wir haben schon damit experimentiert, volkstümliche Instrumente in die Musik einzubauen. Das hat aber noch nicht funktioniert. Das wird auch auf unserem kommenden Debütalbum, das wir heuer veröffentlichen werden, nicht zu finden sein. Aber es ist sicher ein Plan für die Zukunft und etwas, das wir auf jeden Fall machen wollen.
„Hängen bleibt im Endeffekt das,
was visuell oder konzeptuell heraussticht“
Wenn es initial nicht die Idee war, in der Musik heraus etwas Traditionelles und Metal zu verbinden – wie seid ihr dann auf die Idee der Metalband in Tracht gekommen?
Martin, Michi und ich waren vor zwei, drei Jahren gemeinsam auf einem Festival und haben da zum ersten Mal KANONENFIEBER live gesehen. Nach dem Festival war uns klar: Wenn wir etwas machen, dann muss es unbedingt herausstechen. Dann muss das Ganze mit einem runden Konzept um die Musik herum verbunden sein. Du bist auf einem Festival, vier Tage lang, konsumierst sehr viel Bier in der Zeit, siehst vielleicht auch jeden Tag 15 coole Bands – aber hängen bleibt im Endeffekt das, was visuell oder konzeptuell heraussticht. Weil wir keine Masken aufsetzen wollten, weil wir uns das Gesicht nicht anschmieren wollten und weil wir etwas machen wollten, das sich für uns authentisch und vertraut anfühlt und wo wir dahinter stehen, war das dann eben die Tracht. Also haben wir gesagt, probieren wir das aus, allerdings vollkommen ernst und nicht wie eine Parodie oder das Ganze lächerlich machend. Sollte das jemand lächerlich finden, dann ist das so. Aber wir bemühen uns sehr darum, das Ganze nicht lächerlich darzustellen, sondern mit voller Ernsthaftigkeit. Wir tragen das Gewand ja auch außerhalb von GRIMMING mit voller Ernsthaftigkeit und sehr gerne. Deswegen hat es gut gepasst, dass wir das da mit reinnehmen.
Mit dem Hintergrund, dass ihr aus der Blasmusik kommt, ist es ja tatsächlich authentisch – du hast trotzdem grade angesprochen, dass Leute das lächerlich finden könnten. Was für Erfahrungen habt ihr da gemach, grade außerhalb des bayerisch-österreichischen Raums? Wissen die Leute das trotzdem zu schätzen und verstehen trotzdem, was ihr ausdrücken wollte?
Ich bin mir nicht sicher, ob sie es zu schätzen wissen. Ich bin mir auch nicht sicher, ob sie es verstehen. Aber es ist, egal wo du bist, gewissermaßen ein Eyecatcher. Gerade weil sie es vielleicht nicht verstehen, schauen die Leute hin. Die kommen dann teilweise nach der Show zu uns und fragen, was wir darstellen und was das eigentlich ist. Und wo das herkommt und so weiter. Wir haben während der Shows noch nie erklärt, was das eigentlich ist oder was wir tun. Wir haben immer nur gesagt, wo wir herkommen. Und für viele erklärt sich dann auch, was das eigentlich darstellt, weil die meisten Leute ja schon einen gewissen Bezug zu der Tracht haben. Auch wenn sie aus einem anderen Land kommen. Man weiß eben, das kommt aus Deutschland oder aus Österreich, wie auch immer. Aber die Leute, die es wirklich interessiert, kommen nach der Show zu uns und fragen nach.
Eine eurer ersten Shows habt ihr auf dem FULL METAL MAYRHOFEN gespielt. Ohne je dort gewesen zu sein, wirkt das Event auf mich wie Schlagergarten oder Ballermann auf Metal, nur eben in den Alpen. Trifft es das aus deiner Sicht?
Wir haben vom Festival selbst eigentlich wenig gesehen. Wir haben indoor gespielt, in einem Saal und nicht in der Nähe von der Ski-Piste. Das heißt, wir haben von dem Feeling gar nicht so viel mitbekommen. Das ganze Après-Ski-Ding ist zu uns nicht wirklich durchgedrungen, wir haben eigentlich in einem komplett normalen, regulären Konzert-Setting gespielt. Aber ja, deine Vermutung geht wahrscheinlich in die richtige Richtung. Also das wird schon das sein, es ist Après-Ski mit Blastbeats oder so. (lacht)
Hast du da – gerade so früh in eurer Karriere – keine Bedenken, dass ihr dann nicht doch schnell als Gaudi-Band abgestempelt werden könntet?
Das glaube ich nicht. Es hat sich zumindest nicht so angefühlt. Wir haben ja über das ganze Frühjahr hinweg unser Album produziert, nämlich selbst und das hat halt einfach gedauert. Das heißt, wir haben seit Ende 2025 bis zum MAYRHOFEN keine Shows gespielt und wir haben natürlich auch noch nie so eine große Show gespielt. Das heißt, wir waren wahnsinnig gespannt darauf, einmal so eine professionelle Produktion zu sehen, was es definitiv war. Und wie gesagt, von dem ganzen Après-Ski-Ding ist zu uns nicht wirklich was durchgedrungen. Wir waren mitten im Ort, in Mayrhofen, in so einer Veranstaltungshalle, wahnsinnig professionell alles, und für uns war es eigentlich ein ganz normales Konzertsetting.
„In unserer Region finden es zumindest alle,
mit denen wir geredet haben, cool“
Mal in die andere Richtung geblickt: Gerade im Bereich der Tradition und des Konservativismus sind Leute ja doch auch oft sehr mit Vorbehalten gesegnet. Habt ihr da auch negative Erfahrungen gemacht, gab es etwa im Bereich der Blasmusikkapelle auch Leute, die es nicht gut finden, dass ihr die Tracht für eine Metalband „zweckentfremdet“?
Nein, gar nicht. In unserer Region finden es zumindest alle, mit denen wir geredet haben, cool und finden gut, was wir machen. Viele verstehen natürlich die Musik dahinter nicht und sagen, „hey, wir finden das zwar cool, was ihr macht, aber das Geschrei … man versteht irgendwie kein Wort“ oder so … aber grundsätzlich finden die Leute das irgendwie cool. Und die Leute, die es nicht cool finden, die haben sich noch nicht bei uns gemeldet. (lacht) Also das ist wahnsinnig gut aufgenommen worden in der ganzen Kultur. Vielleicht auch, weil sie wissen, dass wir das nicht als Kostüm anhaben, sondern ernsthaft diese zwei Kulturen verbinden wollen und den volkstümlichen Teil von der Kultur auch sehr ernsthaft leben.
Er trägt sicher seinen Teil dazu bei. Wie steht es bei euch denn um die Metal-Kultur? Wie seid ihr selber zum Metal gekommen, wenn ihr eigentlich so tief im Volkstümlichen verhaftet seid?
Bei mir war es tatsächlich GUNS N’ ROSES. Ich habe mit zehn mal GUNS N’ ROSES. Nicht durch meine Eltern, die hören so Musik eigentlich überhaupt nicht. Aber durch einen Freund, der zu mir gekommen ist und mir „Sweet Child O’ Mine“ gezeigt hat. Das hat er von seinem großen Bruder gehabt. Und dann habe ich „Appetite For Destruction“ gehört und dann bin ich Kopf voran tief in die Materie gestürzt. Und der Breakthrough für mich, zumindest in den Metal, war METALLICA. Also ich bin dann von GUNS N’ ROSES relativ schnell zu METALLICA gekommen. In der Zeit habe ich dann auch angefangen, Gitarre zu spielen – ich habe nämlich ursprünglich Schlagzeug gelernt und über zehn Jahre lang Schlagzeug gespielt. Mein Schlagzeuglehrer ist in Pension gegangen, als ich 13 oder 14 war, und ich wollte bei keinem neuen Schlagzeuglehrer anfangen. Das war die gleiche Zeit, als ich GUNS N’ ROSES entdeckt habe und durch METALLICA endgültig in den Metal eingetaucht bin. Durch diese gitarrenbasierte Musik hatte ich den Wunsch, Gitarre zu lernen. Also habe mir dann mit YouTube selber Gitarre beigebracht.
Und hast du damit, dass du den Platz hinter dem Schlagzeug frei gemacht hast, dein kleiner Bruder zum Schlagzeugspielen gebracht?
Ja, bestimmt. Großer Bruder, kleiner Bruder – der kleine versucht immer alles nachzumachen. Er hat schon mit vier angefangen Schlagzeug zu spielen. Er hat auch eine klassische Ausbildung genossen. Das ganze Metal-Drumming war sehr neu für ihn. Das heißt, das hat wirklich erst mit GRIMMING angefangen. Er hat mit dieser Musik auch noch nicht so unfassbar viele Berührungspunkte gehabt, außer durch mich ein bisschen. Das hat dann erst mit GRIMMING beziehungsweise mit der Vorbereitung auf GRIMMING angefangen, dass er das Metal-Drumming angegangen ist und überhaupt angefangen hat, die Musik so richtig zu konsumieren.
Du hast KANONENFIEBER vorher schon genannt als Inspiration für das Konzept genannt. Ich finde es super spannend, dass eine so junge Band wie KANONENFIEBER schon selbst wieder als Einfluss genannt wird. Waren sie für euch auch musikalisch ein prägender Einfluss?
Ja, absolut. Musikalisch vielleicht eher unbewusst – bestimmt, also ja. Nicht mit dem Hintergedanken irgendetwas zu schreiben, was in die Richtung geht, aber ich glaube, dass die Einflüsse hörbar sind. Was das Konzept betrifft aber ganz sicher und ganz bewusst.
„Die Musik kann noch so gut sein
– aber das reicht heutzutage nicht mehr“
Diese Begeisterung für allumfassende Bandkonzepte liegt aktuell ja voll im Trend – grade bei Newcomerbands, wohingegen Bands füherer Generationen da erst viel später darüber nachgedacht haben. Wie erklärst du dir, dass das heute so wichtig ist, dass man ein Konzept hat?
Weil Leute Musik nicht mehr größtenteils über ihre Ohren konsumieren, sondern auch gerne etwas anschauen. Die Musik kann noch so gut sein – aber das reicht heutzutage nicht mehr, oder reicht meistens nicht mehr, weil die Leute was sehen wollen. Und böse Jungs mit schwarzen Stiefeln und schwarzen Jeans, schwarze Kutten, schwarze Haare, schwarze Gitarren, gibt es einfach schon so viele, dass man sich davon abheben muss. Nicht muss, das stimmt nicht – es kann natürlich auch mit den schwarzen Stiefeln und mit den schwarzen Jeans und mit den schwarzen Kutten funktionieren. Aber wir waren für unser Projekt überzeugt, dass das nur funktionieren kann, wenn wir das von Anfang an mit einem runden Konzept verbinden.
Wenn du sagst, du glaubst, dass es nur mit dem Konzept funktioniert: Hätte dann eure Musik alleine nicht gereicht? Also ganz allgemein gesprochen: Denkst du, dass die gute Idee, wie man sich optisch präsentiert, heute wichtiger ist als die gute musikalische Idee?
Das glaube ich persönlich leider schon, ja. Ich finde das nicht gut, aber das ist einfach eine Tatsache heutzutage. Aber man hat natürlich die Freiheit, arbeitet man damit, will man sowas machen oder eben nicht. Wir haben uns dafür entschieden – und ich bin davon überzeugt, dass die Musik, die wir machen, oder die Musik, die wir bisher veröffentlicht haben, alleine nicht gereicht hätte, dass wir zwei uns jetzt unterhalten.
Ja, das ist gut möglich, und das soll gar nicht despektierlich klingen, sondern hat einfach damit zu tun, wie viele Bands es mittlerweile gibt, und wie schwer es geworden ist, aus der Masse rein musikalisch herauszustechen. Andererseits limitiert man sich ja auch so ein bisschen, wenn man sich ganz auf ein Thema einschießt – AMON AMARTH können halt nur über Wikinger singen, weil sie das vor 20 Jahren mal cool fanden. Macht dir das perspektivisch Angst, dass ihr euch schon jetzt so festgelegt habt?
Nicht unbedingt. Als wir das Projekt geplant haben, haben wir uns erst einmal einen möglichen Themenpool angeschaut: Wie viel gibt es überhaupt, worüber man schreiben kann und was man thematisch behandeln kann. Da geht uns zumindest in nächster Zeit nicht der Stoff aus. Darum mache mir da eigentlich keine Sorgen.
„Meine Beziehung zum Texten ist
so ein bisschen eine Hassliebe“
Was sind dann so die Themen von GRIMMING, in welche Richtung soll das Ganze gehen? Es gibt ja erst zwei Songs, vielleicht kannst du ein bisschen darüber hinaus einen Einblick geben?
Na ja, ursprünglich wollten wir mehr in Richtung Mythologie und Sagen machen. So ist ja auch der „Lindwurm“ entstanden, das ist eine lokale Sage hier. In Klagenfurt gibt es einen Lindwurm, deswegen glauben die Leute immer, wir seien aus Kärnten. (lacht) Aber Lindwürmer gibt es eigentlich so gut wie überall. Und ja, wir haben bei uns im Ennstal auch einen Lindwurm gehabt. (lacht) Es hat sich dann aber im Laufe der Zeit oder je mehr wir geschrieben haben, immer mehr in Richtung alpenländische Geschichte entwickelt. Auf dem Album, das wir jetzt im Februar aufgenommen haben, erzählen wir ganz viel über Schicksale des ehemaligen Bergvolks – vom Holzknecht über den einfachen Bauern … die Jäger- und Wilderer-, also die Wildschütz-Thematik haben wir ja auch schon im „Wüdschitz“ aufgegriffen. Das hat sich für uns in letzter Zeit, wo wir geschrieben haben, besser angefühlt als über Sagen zu schreiben. Da gibt es aber auch ganz viele Sachen, auf die wir immer zurückgreifen können.
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Wie leicht oder schwer fällt es dir, Texte zu schreiben und dich mit diesen Themen zu beschäftigen?
Ich muss sagen, ich bin mehr oder weniger gezwungenermaßen Sänger. Ich möchte eigentlich nur Gitarre spielen. Aber einer muss singen und das bin halt in dem Fall jetzt ich. Das heißt, ich muss mich schon ein bisschen zum Texteschreiben zwingen, aber sobald ich mich hinsetze, geht es dann auch ganz gut. Ich fühle mich auch wohl, in Mundart zu schreiben, also in der Sprache zu Texten, die ich jeden Tag rede. Wir hören von ganz vielen Leuten, größtenteils von außerhalb der Szene, das man kein Wort versteht und was weiß ich was. Das ist völlig okay für mich. Ich bin der Meinung, wenn es mich wirklich interessiert, was ich sage, dann lies dir die Texte durch, die kann man finden und deswegen nehme ich das schon auch ernst. Meine Beziehung zum Texten ist so ein bisschen eine Hassliebe.
Im österreichischen Dialekt zu Texten ist über die letzten Jahre auch etwas in Mode gekommen – als Beispiel seien hier nur PERCHTA genannt. Funktioniert das über den Exotenbonus oder ist Tradition wieder in Mode?
Der Plan für uns war, etwas zu machen, das sich gut und authentisch anfühlt. Warum das die Leute interessant finden, kann ich nicht sagen. Es wirkt vielleicht noch mal ein bisschen mystischer oder geheimnisvoller, wenn man nicht gleich alles versteht und runterlesen kann, sondern wenn man sich ein bisschen mehr reinfuchsen muss. Aber für uns war auf jeden Fall die Grundidee: Wir reden jeden Tag so, warum nicht in der Musik auch. Der „Lindwurm“, unsere erste Single, war so ein bisschen unser Versuchskaninchen. Es hat ja bis zu dem Zeitpunkt wirklich nicht mehr gegeben, wir haben ja auch nicht erwartet, dass das Ganze so gut aufgeht. Der „Lindwurm“ ist ein Hybrid, den habe ich teils Englisch und teils in Mundart geschrieben, einfach um mal auszuprobieren, wie es mir mit dem Schreiben in Mundart geht, weil das habe ich vorher noch nie gemacht – zumindest nicht in dem Kontext. Das war aber auch der letzte Song, den ich so geschrieben habe, alles andere seitdem ist rein in Mundart.

Du machst ja auch die Ansagen bei euren Shows im Dialekt, hast du da schon so ein bisschen ein Gefühl dafür entwickelt, bis wo in Deutschland die Leute noch folgen können, beziehungsweise switchst du dann irgendwo ins Hochdeutsche?
Wir haben unsere erste deutsche Show vor ungefähr einem Monat in Berlin gespielt, und dann eine Woche darauf waren wir beim RAGNARÖK FESTIVAL. Da habe ich das wirklich versucht, bei meinen Ansagen zwischen die Lieder irgendwie anders zu sprechen oder besser verständlich zu sein. Aber die Leute haben das direkt gar nicht cool gefunden. Da sind ganz viele Leute, keine Bayern und keine Österreicher, sondern Leute, die ganz normal Hochsprache sprechen, hergekommen und haben gesagt: „Scheiß aufs Hochdeutsch sprechen. Mach dein Ding, wir verstehen dich schon!“ Ich tue mir tatsächlich leichter, auf Englisch zu reden, so wie ich es in Skandinavien gemacht habe, als Hochdeutsch zu sprechen. Das ist halt dann einfach ganz was anderes: Wenn ich Englisch rede, dann rede ich Englisch, dann funktioniert das. Wenn ich Hochdeutsch spreche, dann muss ich so viel überlegen und dann merkt man, dass ich überlege und das ist nicht gut. Ich finde, dass ich furchtbar unauthentisch wirke, wenn ich Hochsprache spreche. Deswegen habe ich das dann gelassen. Wie gesagt, das kommt von deutschen Fans, von deutschen Zuschauern, die mir zugekommen sind und gesagt haben, hey, tu das nicht.
„Der Algorithmus hat uns einfach bei die Eier,
blöd gesagt, und schickt uns überall hin“
Festivals, Europatour – dafür, dass ihr wie bereits gengesprochen erst zwei Songs veröffentlicht habt, seid ihr ja schon extrem weit. Schlussendlich basiert das ja alles auf dem Hype um euren ersten Song, „Lindwurm“. Kannst du uns nochmal nachzeichnen, was da genau passiert ist und wann ihr realisiert habt, dass das jetzt fliegen geht?
Das war eigentlich sofort, wir haben den „Lindwurm“ veröffentlicht und der Algorithmus auf Instagram und auf TikTok hat das sofort aufgenommen und uns überall, links und rechts herum geschickt und seitdem ist es eigentlich nur noch bergauf gegangen. Die Leute finden es aus irgendeinem Grund wahnsinnig interessant und wollen uns haben. Wir verstehen selbst nicht so richtig, warum das so schnell gegangen ist. Wir beschweren uns natürlich nicht, wir sind unfassbar dankbar, aber wir haben massives Glück mit dem Instagram-Algorithmus gehabt, also der liebt uns ganz einfach. Wir haben noch nicht einen Cent in Werbung investiert. Das wird uns ja manchmal vorgeworfen, dass wir so unfassbar viel Instagram- oder Facebook-Werbung schieben würden. Das stimmt nicht, der Algorithmus hat uns einfach bei die Eier, blöd gesagt, und schickt uns überall hin. Dadurch sind ganz viele verschiedene Leute auf uns aufmerksam geworden, die dafür gesorgt haben, dass wir das Ganze auf die Bühne bringen.
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Was waren dann die nächsten Schritte für euch, nachdem ihr gemerkt habt, dass dieser erste Song so eine Dynamik entwickelt?
Napalm Records waren sehr früh dran, die haben meiner Meinung nach massiv etwas riskiert mit uns. Die waren direkt drei oder vier Tage nach dem Single-Release bei uns in den Instagram-DMs und haben gefragt, ob wir uns einmal treffen können. Dann hat man sich natürlich erst einmal ernsthaft Gedanken machen müssen, was die Band überhaupt ist und was wir damit erreichen wollen und wo wir hin wollen. Das ist bei so einem Gespräch natürlich relevant, wenn dich der dann fragt, was wollt ihr eigentlich tun? Ich will nicht sagen, dass das bis zu dem Zeitpunkt unklar war, aber wir haben natürlich nicht damit gerechnet, dass wir uns so früh mit solchen Themen wie Album und Shows spielen und so weiter auseinandersetzen müssen. Dadurch waren wir mehr oder weniger dazu gezwungen, das Ganze immer weiter auszubauen, uns das Konzept fertig zu überlegen und zu schauen, was kann man daraus machen kann. Da stehen wir jetzt, wir sind nach wie vor dabei, unser Bestes zu geben, sei es live oder im Studio, und wir wollen liefern, weil ich das Gefühl habe, dass ganz viele Leute darauf gespannt sind, was aus uns wird und ob das überhaupt was wird. Wir haben eine Zeit lang so ein bisschen als Instagram-Band gegolten, weil wir halt die ersten paar Monate keine Shows gespielt haben – weil das Material einfach noch nicht da war. Dann kamen halt so Kommentare wie „Macht mal weniger Social Media und spielt mal ein bisschen“ und so weiter. Aber wir haben jetzt glaube ich in den letzten Wochen und Monaten bewiesen, dass wir durchaus auch spielen können und das definitiv ernst meinen und das wirklich auch machen wollen.
Wart ihr denn zu diesem Zeitpunkt schon eine Probenraum-Band, also im Prinzip bereit für die Bühne, oder seid ihr die Band-Umsetzung der Songs erst angegangen, als die Nachfrage da war?
Wir haben zu dem Zeitpunkt schon gemeinsam im Proberaum gespielt und gemeinsam geschrieben, allerdings war das für ein Live-Set noch viel zu wenig und deswegen hat es einfach ein paar Monate gedauert, bis wir ein Live-Set zusammen gehabt haben, auf das wir selber stolz waren und wo wir selber gesagt haben, das können und wollen wir präsentieren. Aber das hat sich dann aus dem heraus entwickelt, dass die Nachfrage da war und dass wir gesagt haben, wir müssen jetzt so schnell wie möglich ein Live-Set zusammenkriegen. Deswegen haben dann intensiver zum Schreiben angefangen. Es waren schon Grundideen und Themas da, aber es hätte halt noch nicht gereicht, ein Live-Set auf die Bühne zu bringen.
„Wir haben einfach Glück gehabt, das ist alles.
Aber das verstehen viele Leute nicht“
Aber Napalm Records haben euch quasi auf Basis eures ersten Songs dann kontaktiert und euch einen Vertrag angeboten?
Genau, die zweite Single ist ja schon mit Napalm Records veröffentlicht worden.
Beeindruckend, Gratulation dazu – ich glaube, da gibt es nicht so viele, die mit ihrem ersten Song überhaupt ein Label-Angebot kriegen … und dann gleich ein Major wie Napalm Records … Respekt!
Ja, absolut. Wir sind unfassbar dankbar und wir schätzen die Chancen und Möglichkeiten, die sich für uns im letzten Jahr eröffnet haben … viel länger ist ja der „Lindwurm“ noch nicht raus. Da sind wir unfassbar dankbar, auch für die Rückmeldungen, die wir von den Leuten bekommen. Das ist umwerfend, das ist ein Wahnsinn. Ich will das aber nicht breittreten, weil ich weiß, dass viele Bands sehr, sehr hart und sehr, sehr lang arbeiten und wir Länge mal Breite privilegiert sind, was das betrifft. Also natürlich ist das cool und wir sind dankbar dafür, aber ich fühle mich oft auch nicht ganz wohl damit. Wie gesagt, Bands hauen sich rein … ich studiere Musik in Graz und ich arbeite mit vielen Musikern in verschiedenen Bereichen zusammen und ich weiß, dass mir das viele Leute nicht gönnen. Das verstehe ich, weil wir haben einfach Glück gehabt, das ist alles. Aber das verstehen viele Leute nicht, dass wir Glück gehabt haben, oder sie gönnen es uns eben nicht. Deswegen möchte nicht so hervorheben, dass das so schnell gegangen ist. Ich fühle mich schon wie ein privilegiertes Kind, das einfach in der richtigen Familie geboren ist und nichts dafür kann, dass es einfach alles hat.
Das ist im Leben in so vielen Bereichen so, warum sollte es in der Musik anders sein? Manchmal muss man Glück haben und von meinem Eindruck her hat es bei euch zumindest die Richtigen getroffen. Und besser mit Glück als mit Geld erkauft. Aber wenn du sagst „richtige Familie“ – Napalm Records kommt ja quasi bei euch aus der Gegend. Glaubst du, das hat mit reingespielt, dass sie gesehen haben, das sind Jungs bei uns aus der Gegend, die wollen wir unterstützen?
Das weiß ich nicht definitiv, aber das kann gut sein. Sebastian Münch, der uns quasi entdeckt und kontaktiert hat, ist zwar Deutscher, hat aber familiäre Verbindungen hier in die Gegend und verbringt seine Freizeit gern bei uns in der Region. Den hat das irgendwie sofort abgeholt. Insofern kann sein, dass das mit reingespielt hat. Das Label-Headquarter ist von uns auch keine Stunde entfernt. Also kann gut sein, dass das auch mit reingespielt hat.
Eine Band unter Vertrag zu nehmen, die erst einen Song hat, ist ja wie du vorher gesagt hast, ein großes Risiko. Haben die euch dann direkt eine Agenda vorgelegt, oder war das eher so wie im Fußball, wenn sich ein Verein einfach vorsorglich die Rechte an einem jungen Talent sichert, ohne es gleich einzugliedern?
Nein, wir sind eigentlich von Anfang an gut beraten worden: Sie haben uns Vorschläge gemacht, wie man das Ganze weiterführen könnte, auf was man dann aufpassen muss, worauf man achten muss, was wäre wichtig … Sie haben uns aber nie irgendwelche Vorgaben gemacht, dass irgendwas bis zu einem bestimmten Zeitpunkt passieren muss oder dergleichen. Genauso mit unserem Debütalbum: Sie haben uns da komplett eigenständig arbeiten lassen. Wir haben gesagt, wir wollen es selber produzieren, das war für sie vollkommen in Ordnung: Sie haben gesagt, gern, macht das so, das Endprodukt muss passen und wenn ihr fertig seid, dann hören wir uns wieder. Und ihr seid fertig seid, wenn ihr fertig seid. Die einzige fixe Vorgabe, die wir von Anfang an gehabt haben, war „Album 2026“.
„Fahren wir halt ein bisschen, spielen wir halt ein bisschen.
Ja, dem war nicht ganz so“
Und dann haben sie euch gleich mit den ebenfalls bei Napalm Records unter Vertrag stehenden 1914 auf Tour geschickt, oder?
Das ist über Napalm Events gelaufen, was ja die Inhouse Booking Agentur von Napalm Records ist. Da waren wir nicht von Anfang an dabei, da sind wir Ende des Jahres 2025 gesigned worden. Aber das ist natürlich auch vom Label ausgegangen, die haben dafür gesorgt, dass wir da reinkommen und dass die uns dann Sachen buchen und ja, das war der nächste riesige, der bislang größte Schritt in unserer bis jetzt kurzen Karriere, dass wir da auf Tour mitfahren durften mit KATLA und 1914. Die Erfahrung, die wir auf der kurzen, aber für uns wahnsinnig überwältigenden Tour gesammelt haben, war ein Wahnsinn.
Diese Tour war für euch ja auch quasi ein Sprung ins kalte Wasser, mit der geringen Live-Erfahrung, die ihr bisher hattet. Was habt ihr dabei gelernt, was würdest du heute aus jetziger Sicht anders machen?
Wir nehmen nie wieder ein Album auf, bevor wir auf Tour gehen. Es ist viel zu wenig Tourvorbereitung geschehen, weil wir uns so auf die Albumproduktion konzentriert haben. Mit dem Motto, das ist für immer, das muss passen. Die Tour wird schon funktionieren, fahren wir halt ein bisschen, spielen wir halt ein bisschen. Ja, dem war nicht ganz so. Wir hätten da in die Tourplanung und Vorbereitung schon ein bisschen mehr Zeit investieren sollen. Im Endeffekt ist dann alles gut gegangen. Wir hatten aber auch einen sehr fähigen Techniker dabei, ohne den das nicht funktioniert hätte. Der war wichtig für uns, der kennt das Business schon lange und wusste einfach, was Sache ist und wie das Ganze funktioniert. Ohne den wäre das definitiv in die Hosen gegangen. Es war halt was Neues für uns, wirklich Tag für Tag Shows hintereinander zu spielen, das haben wir ja in dem Format noch nie gehabt. Und die Fahrten zwischendurch … es waren dann doch viele Kilometer, die wir zurückgelegt haben. Und dann muss man eben trotzdem den Zeitplan immer genau einhalten. Wenn wir eine normale Show spielen, schauen wir, dass wir daheim rechtzeitig wegfahren, dann sind wir dort, es wird aufgebaut und alles ist gemütlich. Aber dass das wirklich Tag für Tag wieder streng getaktet ablaufen muss oder zumindest sollte, das war eben neu für uns. Wir haben versucht, uns so schnell und so gut wie möglich anzupassen und mit 1914 und KATLA zusammenzuarbeiten und sie eher zu unterstützen, als ihnen zur Last zu fallen. Ich hoffe sehr, dass uns das gelungen ist. Ich bin mir sicher, dass die ersten zwei, drei Shows noch ein bisschen schwierig waren mit uns, mit dem Paket – zwei erfahrene Bands und dann kommen wir daher. Aber ich hoffe sehr, dass sie das Gefühl dann am Ende von unserem Run mit ihnen nicht mehr gehabt haben. Wir haben uns da schon sehr bemüht.

Und hattet ihr irgendwas dabei, was ihr nie mehr mitnehmen würdet? Oder hat irgendwas gefehlt, was ihr nächstes Mal unbedingt als allererstes in den Koffer schmeißt?
Die Fahrzeugsituation war leicht suboptimal. Das war uns aber von Anfang an klar. Wir haben einen VW T6 gehabt. Da passen sechs Leute rein, und wir waren zu sechst – vier Leute Band, zwei Leute Crew. Und das Auto voll mit wirklich nur den essenziellen, technisch-instrumentalen Sachen. Der Rest war Merch. War suboptimal, hat im Endeffekt aber trotzdem gut funktioniert. Das Auto hat gut durchgehalten, das ist das Wichtigste. Aber so platzmäßig werden wir auf jeden Fall in Zukunft schauen, dass ein bisschen ein größeres Fahrzeug drin ist. War aber nicht im Budget, deswegen haben wir es so genommen, wie es war. Und wie gesagt, es ist alles gut gegangen.
„Das ist irgendwie totgeschwiegen worden und das war richtig“
Ihr seid ja auch noch nicht alle volljährig – dein Bruder ist ja noch sehr jung. Hat das die Tour auch beeinflusst?
Das hätte vermutlich einen Einfluss gehabt, wenn wir darüber gesprochen hätten. Das ist irgendwie totgeschwiegen worden und das war richtig. Gerade in Finnland haben wir da einfach kein Wort drüber verloren. In Österreich und in Deutschland ist das eigentlich überhaupt kein Problem, er ist mittlerweile 16, was die ganze Situation um einiges erleichtert. Als wir die Band gestartet haben und die ersten Shows mit ihm gespielt haben, war er 15. Das war schon grenzwertig, muss ich sagen. Das ist um einiges leichter jetzt, gerade in Österreich. Mit 16 geht doch nochmal ein bisschen mehr als mit 15. Aber international haben wir einfach nicht drüber geredet. Wir sind eigentlich sehr stolz drauf und wir kündigen das auch gern laut an, dass wir einen jungen Schlagzeuger haben, und wollen damit auch zeigen, dass der Nachwuchs gesichert ist. Das ist, denke ich, in jeder Szene den Menschen wichtig ist. Aber in Skandinavien haben wir das einfach nicht getan, auch auf der Bühne nicht. Wir haben da einfach unser Ding gemacht. Und es ist nicht darüber geredet worden, dass der Bursche erst 16 ist.
Ich habe euch im Rockhaus in Salzburg gesehen und war beeindruckt: Bei euch war von allen drei Bands am meisten Stimmung im Publikum. Was das der Heimspielbonus, oder war lief das überall so?
Also Deutschland und Österreich waren im Vergleich zu Skandinavien für uns natürlich besser, insofern, dass uns die Leute zumindest vorher schon gekannt haben. Also auch in Deutschland sind wir, glaube ich, bei vielen Leuten mittlerweile bekannt. Die haben gewusst, dass wir dabei sind und haben sich auf uns gefreut und wollten dorthin kommen. Das war in Skandinavien nicht so. Da waren wir halt einfach da und viele Leute haben auch nicht mit uns gerechnet. Sie waren dann, zumindest die Rückmeldungen habe ich so gekriegt, positiv von uns überrascht und haben das sehr cool gefunden. Viele Leute hätten auch schon gerne die Platte gekauft, weil sie gesagt haben, die Musik taugt uns. Die gab es jetzt leider noch nicht. Aber Salzburg und Wien, also die letzten zwei Shows mit 1914 und KATLA, waren natürlich nochmal ganz was anders. Das war unsere Home-Crowd, die waren wirklich wegen uns da und wollten uns sehen.
Ob die Stimmung bei uns besser war, das kann ich so nicht bezeugen, das weiß ich nicht. Ich habe von KATLA und vom 1914-Set leider bei beiden Shows wenig gesehen. Ich habe immer geschaut auf Tour, dass ich mir so viel wie möglich von ihren Sets anschaue, aber da war die Zeit in Österreich nicht da. Da war ich halt beim Merch-Stand und dann bin ich da nicht wieder weggekommen. Aber es war cool zu sehen, dass die Leute wegen uns kommen und sich auch in Deutschland auf uns freuen. Das fühlt sich dann doch gar mehr so nach Heimat an, wenn du in Deutschland bist, aber trotzdem freuen sich die Leute wirklich speziell auf dich … das war cool, zu sehen, dass wir nicht nur als Anhängsel dabei waren, sondern dass Leute auch wirklich an uns interessiert waren. Dass viele Leute nicht gewusst haben, dass wir dabei sind oder uns nicht am Schirm gehabt haben, das ist völlig verständlich und klar. Am Ende des Tages zählt für uns: Haben wir unser Bestes gegeben? Haben wir den bestmöglichen Eindruck hinterlassen? Hat es die Leute getaugt? Und ich glaube schon, dass die Leute durch die Bank positiv oder zumindest nicht negativ überrascht für uns waren. Viele sind auch zu uns gekommen und haben uns gesagt, dass es cool ist, und dass sie sind gespannt sind, wohin es geht.

Mich hat überrascht, dass teilweise auch Fans in Tracht erschienen sind. Wird das jetzt ein Ding bei euren Shows, dass jeder die Lederne auspackt, wenn GRIMMING kommen?
Bin ich mir nicht sicher. Das war in Salzburg jetzt das erste Mal, dass es so viele waren. Bisher waren immer wieder mal vereinzelt ein, zwei Lederhosen im Publikum oder mal ein Hut oder so. Salzburg war absolut irre. Mit dem haben wir auch nicht gerechnet. Eine unserer ersten Shows war bei uns in der Landeshauptstadt, in Graz. Da hat der Club, in dem wir gespielt haben, eine Aktion ausgeschrieben: Jeder, der in Tracht kommt, bekommt ein Gratisgetränk. Da waren maximal zwei oder drei Leute, die eine Tracht angehabt haben. Das hat keinen interessiert. In Salzburg war das dann auf einmal ganz überraschend. Da sind auch ein Haufen Bayern mit einer bayerischen Tracht gekommen. Das war mega cool. Das Gleiche hatten wir am NOISEBRINGER FEST mit KANONENFIEBER in Bad Tölz gehabt. Es waren nicht so viel wie in Salzburg, aber da waren auch viele Leute in Tracht. Das ist schon irgendwie cool.
„Uns war schon bewusst, dass die Erwartungen
extrem hoch sind“
Du hast vorhin über die Albumaufnahme gesprochen. Da sollten wir auch nochmal drauf zu Sprechen kommen. Ihr habt das Album selbst produziert, meintest du – was impliziert das alles?
Wir haben alles selbst gemacht. Ich habe mich in der Vergangenheit immer schon gerne damit beschäftigt, ich habe immer schon gerne aufgenommen. Nichts davon ist je veröffentlicht worden, wobei „Lindwurm“ und „Wüdschitz“ haben wir auch selber gemacht. Ich bin aber der Meinung, dass wir unser Game nochmal massiv upgesteppt haben. Verzeih, mein Anglizismus, furchtbar. (lacht) Aber ich glaube schon, dass die Albumproduktion nochmal sehr viel besser gelungen ist, als „Lindwurm“ und „Wüdschitz“. Und wir wollten es selber machen, weil wir so keinen Zeitstress hatten. Wir konnten es daheim machen: Ich habe mir zusammen mit Martin, dem zweiten Gitarristen, den ganzen Februar freigenommen und wir waren wirklich einen Monat lang jeden Tag bei uns im Homestudio und haben an dem Album gearbeitet.
Normalerweise kann man an einem Debüt ja völlig unbeschwert arbeiten, weil eben niemand darauf wartet, und keiner etwas erwartet. Das war bei euch, mit dem Hype im Rücken, ja ganz anders. Hast du das als Drucksituation empfunden?
Ja, schon. Ich verbinde das schon mit sehr viel Druck, ehrlich gesagt. Uns war schon bewusst, dass sich viele Leute auf das Album freuen, dass die Erwartungen aber auch extrem hoch sind. Also Druck ist auf jeden Fall da gewesen. Ich bin trotzdem der Meinung, dass wir den Druck zu etwas Gutem genutzt haben. Gewissermaßen war es ein positiver Druck: Ich bin überzeugt, dass wir uns dadurch jetzt nochmal mehr reingehängt haben und wirklich sehr hart daran gearbeitet haben. Wir wollten was Gutes machen. Und mit „gut“ meine ich wirklich nur, dass wir das gut finden. Ich meine, wir tun sowieso nur was, was wir gut finden. Aber wir haben uns schon sehr darum bemüht, dass wir wirklich von jedem Track absolut überzeugt sind. Wir haben wahnsinnig viel Material weggeschmissen, weil wir gesagt haben, das ist cool, das ist OK, aber es hat für unsere persönlichen Ansprüche definitiv nicht gereicht.
Also ihr habt das Album ja nicht nur erst nach dem Hype aufgenommen, sondern die Songs sind ja entstanden, nachdem dieses große Interesse schon da war, oder?
Auf jeden Fall. Zumindest zum Teil. Ein paar Sachen waren vorher schon da, Grundideen oder Demos. Aber das meiste ist entstanden, nachdem die Leute schon geschrieben haben, wo bleibt das Album?

„Es wird viel zu wenig gerifft heutzutage“
Habt ihr da überhaupt schon einen „Modus Operandi“ gefunden, wie ihr Songs schreibt?
Das grobe Songwriting übernehmen der Martin und ich, also wir zwei Gitarristen. Und sobald eine gewisse Songstruktur da ist, treffen wir uns und arrangieren das Ganze dann gemeinsam, schieben nochmal Sachen herum, tun was dazu, tun was weg, und setzen natürlich auch Bass und Schlagzeug auf die Riffs. Bei uns ist alles 100% Riff-basiert. Das ist etwas, was mir persönlich ganz wichtig ist, dass wir dem Riff huldigen. Es wird viel zu wenig gerifft heutzutage. Alles muss so fett und so riesig wie möglich sein und atmosphärisch und symphonisch und einfach eine fette Wand, die auf dich zufährt, aber das Riff geht dabei verloren. Und bei uns werden Riffs geschrieben. Das heißt, wir schreiben die Riffs und dann setzen wir uns mit den Jungs zusammen und dann probieren wir die Riffs aus und arrangieren sie für die ganze Band.
Wo hast du das Riffen gelernt, sind das grade deine ersten Gehversuche, oder schreibst du schon länger Musik?
Ich schreibe schon wahnsinnig lange mit Martin gemeinsam Musik. Wir sind zusammen zur Schule gegangen und wir haben immer schon gerne im Kinderzimmer Sachen aufgenommen, aber eben nie veröffentlicht. Da stand nie ein Plan dahinter, wir wollten auch nie irgendwie mit dem Material an die Öffentlichkeit. Aber wir haben immer schon gerne gemeinsam Musik gemacht und Songs geschrieben – Instrumentaltracks, weil wie gesagt, ich bin nicht der größte Texter. Aber das haben wir immer schon gemacht und sobald mir was einfällt, wenn ich an der Gitarre sitze, wird das sofort in meine Sprachmemos aufgenommen.
Und wann kann man das Resultat nun hören – gibt es schon einen Release-Termin für das Album?
Gibt es noch nicht, nein. Es wird Ende des Jahres rauskommen. Ich gehe davon aus, dass über den Sommer die ersten Single-Auskopplungen kommen werden.
Dieses Interview wurde per Telefon/Videocall geführt.



Das ist vermutlich das traurigste Interview, was ich seit langem gelesen habe: „Wir ziehen uns Tracht an, weil wir ein Gesamtkonzept vertreten wollen. Darüber hinaus klingt unsere Musik aber wie Standard Death Metal, weil wir es nicht schaffen, traditionelle Volksmusik-Elemente einzubauen. Ohne Kostüme würde sich keiner an uns erinnern, wenn er schon 2-3 Bier intus hat.“
Immerhin sind sie sich bewusst, dass sie einfach Glück hatten und vom Algorithmus geküsst wurden. Hier von „Konzept“ zu sprechen ist schon gewagt. Grausam, was das über den Zustand der Szene sagt…