Interview mit Ray & Fieldy von Korn

Mit ihrem zwölften Album „The Serenity Of Suffering“ veröffentlichten KORN, die Vorreiter der Nu-Metal-Bewegung, im Herbst vergangenen Jahres das vielleicht stärkste Album ihrer fast 25-jährigen Karriere. Vor ihrer ausverkauften Show im Münchner Zenith baten wir Bassist Reginald „Fieldy“ Arvizu und Schlagzeuger Raymond Lee „Ray“ Luzier zum Gespräch über Tourroutine, Erfolgsdruck, Klickzahlen und bezahlte Meet&Greets.

Ihr seid mit KORN jetzt seit einiger Zeit auf Tour – seid ihr bislang zufrieden?
Fieldy: Fantastisch!
Ray: Die Shows laufen super, die Tickets gehen weg wie warme Semmeln… die Tour läuft echt gut. Wir haben uns darüber erst heute unterhalten, wie positiv die Fans bei den Meet & Greets drauf sind. Es ist super, dass wir [mit „The Serenity Of Suffering“] ein Qualitätsprodukt haben, das wir promoten können. Nicht wie bei unseren anderen Alben. (lacht) Das hier ist wirklich stark.
Fieldy: OK, dann bis später! (lacht)

Gestern hattet ihr einen freien Tag – wie habt ihr die Zeit verbracht?
Fieldy: Wir haben Musik gespielt. Er Schlagzeug, ich Bass… den ganzen Tag.

Kein Sight-Seeing?
Ray: Gestern nicht. Als wir dieses Mal in Paris waren schon, mit dem Eifelturm und so. Aber wir sind schon so oft in Europa gewesen und kennen schon so ziemlich alle diese Städte. Wir gehen immer noch gerne raus und schauen uns die Kultur an, aber er [Fieldy] arbeitet an einem Album und ich habe viele E-Mails abzuarbeiten, ich habe auch noch ein Nebenprojekt am Laufen… es hat jeder seinen Kram zu tun.
Fieldy: Es hängt aber auch von der Fahrt ab. Wir hatten in der Nacht davor eine 13-stündige Busfahrt, danach war keinem danach zumute, noch irgendwo hinzugehen. Also sind wir im Hotel geblieben und haben da abgehangen. Ein paar der Jungs sind noch losgezogen, aber ich habe den Tag damit verbracht, mein Bass-Album zu vollenden, das bald rauskommen soll: „Bassically“.
Ray: „BASS-ically“! (lacht)

Euer Pensum ist extrem, nach der Tour ist vor der Tour. Wie steht ihr das durch?
Ray: Ja, wenn wir hier durch sind, geht es für zwei Wochen nach Südamerika!
Fieldy: Es ist natürlich hart, so lange von den Familien weg zu sein. Aber wir alle lieben, was wir hier tun. Wenn wir auf die Bühne gehen… das ist, wofür wir leben. Unsere Familien und die Musik bedeuten uns alles. Das Reisen ist mit 40 härter als es mit 30 war, aber so ist das mit dem Alter. Keiner wird jünger! (lacht)

Also ist euer Motto mittlerweile eher „party hardly“ als „party hard“?
Ray: Wir versuchen uns gesund zu ernähren… was natürlich nicht klappt. Aber schau, so feiern wir heute: Rotwein. Ich hatte genau ein Glas Wein heute.

Jeder hat mal einen schlechten Tag. Habt ihr euch eine Methode angeeignet, wie ihr euch trotzdem für die Show am Abend in Stimmung bringen könnt oder ist eure Stimmung dafür irrelevant?
Fieldy: Das tut tatsächlich nichts zur Sache. Wenn wir da rausgehen, lassen wir all das hinter uns. Bevor wir auf die Bühne gehen, sagen wir uns: Lasst uns da rausgehen und Spaß haben – weil das ist unsere eine Chance, Spaß zu haben. Wenn wir zuerst schlecht drauf sind, dann hören wir in diesem Moment damit auf und haben Spaß. Wir alle wollen uns an diesem einen Moment, in dem wir Musik machen, nicht die Freude nehmen lassen. Also gehe ich da raus und schere mich nicht darum, wie es mir geht. Das wird einfach ausgeblendet. Für die Fans gilt das ja genauso!
Ray: Den Fans ist egal, ob wir einen Jetlag haben oder ob du krank bist oder was auch immer. Sie haben Geld gezahlt, und wir liefern ihnen dafür die Show.
Fieldy: Ich kann hier Backstage rumhängen und denke mir: Ich fühle mich überhaupt nicht danach, jetzt ein Konzert zu spielen. Aber wenn ich dann auf der Bühne bin, habe ich trotzdem Spaß. Ich meine, ich warte den ganzen Tag nur darauf. Insofern zwingen wir uns notfalls auf die Bühne und schauen zu, dass wir dort Spaß haben.
Ray: Aber wir machen das ja auch immer noch gerne. Ich meine, wir verdienen damit unseren Lebensunterhalt! Wir lieben unseren Job. Es gibt genug Leute, die ihren Job hassen. Ich habe reiche Freunde, Millionäre, die es hassen, jeden Tag aufzustehen und in die Arbeit zu gehen!

Würdet ihr also sagen, dass ihr immer noch euren Jugendtraum vom Rockstardasein lebt?
Ray: Ich schon, definitiv! Wir sind immer noch Musikliebhaber, wir gehen immer noch zu Konzerten von den Leuten, zu deren Musik wir groß geworden sind.
Fieldy: Wenn du das machst, was wir machen und älter wirst, musst du wieder ein Kind werden, um das durchzuziehen: Das ist unser Jugendtraum, das ist alles, was wir je tun wollten. Ich liebe alles daran, außer im Bus schlafen zu müssen. Aber das meiste finde ich immer noch super: Die Backstageräume, die Fans, du bekommst Catering, es ist bequem… das ist schon alles ziemlich cool. Jeder Job hat seine schlechte Seite… bei uns ist das, da sind sich denke ich alle einig, dass wir ins Bett gehen und der Bus dann 13 Stunden lang fährt.
Ray: Da haut es dich von einer Seite auf die andere und das Bett wackelt. Das ist ziemlich hart. Die Fans interessiert das nicht, ob du gut geschlafen hast. Die wollen die Show sehen!
Fieldy: Ich bin jetzt seit fast einem Monat hier drüben [in Europa] und ich habe einen Monat lang nicht vernünftig geschlafen. Deshalb haben wir beide vorher gefragt, ob ihr das Interview filmt. Dann hätten wir Sonnenbrillen aufgesetzt. (lacht)
Rockstars tragen immer Sonnenbrillen, weil sie nicht geschlafen haben.

Ihr spielt auf der Tour nur zwei Songs von eurem neuen Album und keinen einzigen von „Paradigm Shift“
Ray: … oder von „Path Of Totality“. Oder dem unbetitelten Album. Oder „Korn III“. Das sind vier Alben, die wir ganz auslassen!

Ja, aber die genannten zwei sind eure letzten. Gibt es dafür einen Grund, dass ihr davon so wenig spielt?
Fieldy: In den Staaten haben wir „Take Me“ gespielt, außerdem „Different World“ mit Corey [Taylor, Slipknot]. Wir haben also schon neue Songs vom Album live gespielt. Aber du willst natürlich auch altes Material für die Die-Hard-Fans im Set haben.
Ray: „Word Up“ hatten wir ewig nicht im Set. Nicht, seit ich in der Band bin, also seit 10 Jahren! Der Song war also auch für mich neu diesmal.
Fieldy: Es ist schwierig, alle glücklich zu machen, wenn du nur eine begrenzte Spielzeit hast. Mit einer Band wie KORN, die über 100 Songs hat…

Schon klar, aber es ist das aktuelle Album, die ganze Tour ist danach benannt. Und trotzdem spielt ihr in 90 Minuten nur zwei Songs davon. Das hat mich schon gewundert…
Fieldy: Uns auch! (lacht)
Ray: Das hängt auch von der Tour ab. Als ich in die Band gekommen bin, hatten wir sieben Songs vom unbetitelten Album im Set. Ich konnte es nicht glauben… die halbe Setlist bestand aus dem neuen Album. Aber das ist eben immer anders. Manchmal entscheidet sich das auch erst beim Soundcheck, ganz abhängig davon, wie sich Jonathan mit seiner Stimme fühlt und was er singen will. Wir haben natürlich noch andere Songs in Petto.

Vom neuen Album spielt ihr „Insane“ und „Rotting In Vain“ – warum habt ihr euch für diese beiden Nummern entschieden?
Ray: Für „Rotting In Vain“ haben wir eine Grammy-Nominierung bekommen, darüber freuen wir uns natürlich sehr… und wir haben dazu das erste Video gedreht, mit den Jungs von „Sons Of Anarchy“. Tommy Flanagan ist in dem Video. Der Clip hat mittlerweile 14 Millionen Views oder so. Das ist ziemlich cool. Insofern müssen wir den natürlich spielen. Für „Insane“ haben wir auch ein Video gemacht, der Song macht einfach Spaß zu spielen.

Später im Set spielst du immer ein Schlagzeugsolo…
Ray: Das ist seine Schuld! Er zwingt mich dazu! [zeigt auf Fieldy]
Fieldy: Nein!

… magst du diesen Moment, wenn alles auf dich schaut?
Ray: Das ist jedes Mal anders. John hat im House Of Blues in Anaheim, wo wir die Tour begonnen haben, wörtlich gesagt: „Hey, Ray, du spielst ein Solo!“ und dann habe ich „OK“ gesagt. So lief das. Und wenn das dann erst mal auf der Setlist steht, bleibt es da auch für den Rest der Tour. Dann verschwindet es vielleicht für eine Zeit wieder. John mag das, also machen wir das halt. Aber es sind ja auch nur zwei, drei Minuten.

Ist das Solo auskomponiert?
Ray: Nein! Ich improvisiere da jeden Tag neu, ich hab da einfach meinen Spaß. KORN haben ungefähr 160 Songs, meistens spiele ich beim Solo ein Medley aus neun Songs. Am Anfang, als ich eingestiegen bin, haben Reginald [Fieldy] und ich da immer zusammen was gemacht…
Fieldy: Das hat echt Spaß gemacht!
Ray: Aber das mache ich nicht mehr. (grinst)
Fieldy: Jetzt gibt es eben ein Neun-Song-Medley-Solo.
Ray: Ja.

Das Artwork des neuen Albums sieht sehr KORN-typisch aus, auch, weil es viele klassische KORN-Elemente aufgreift: Die Puppe, die man von „Issues“ kennt, das Kind könnte der  älter gewordene Junge von „See You On The Other Side“ sein. War das die Idee dahinter?
Fieldy: Nun, wir haben gemerkt, dass KORN eine Marke ist. Deswegen haben wir immer dafür gekämpft, das Logo zu behalten, deswegen wollten wir die Puppe zurückbringen… Wir haben darauf geachtet, dass alles, was KORN repräsentiert, überall drauf ist. Schau dir Bands wie Kiss an: Die gibt es schon länger, aber wenn da diese beiden S fehlen, kauft es keiner. Oder auch bei Slipknot – ohne das Logo weißt du nicht, ob es wirklich Slipknot ist. Oder AC/DC ohne den Blitz und die Blockschrift, da würde ich vielleicht nicht einmal zum Konzert gehen. Deswegen ist es wichtig, dass du dein Logo überall drauf hast, verstehst du? Überall ist ein Logo drauf – von Lebensmitteln bis zu sonst was. Da achten wir sehr drauf, dass das alles gleich bleibt.

Erzählt das Artwork eine Geschichte? Was geht dir durch den Kopf, wenn du dir das Album anschaust?
Fieldy: [überlegt länger] Jedes Artwork, das wir je gemacht haben… [bricht ab]
Ray: Er [Ron English, der Artwork-Künstler] könnte das absichtlich, als Reminiszenz an die alten Cover gemacht haben. Ich denke, er hat damit echt gute Arbeit abgeliefert. Ich finde es auch sehr cool, wenn bei „Rotting In Vain“, dem dritten Song im Set, das alte Logo-Backdrop fällt und dahinter das neue Artwork zum Vorschein kommt. Das hat etwas Erfrischendes.

Auf dem Album ist auch ein Song, den ihr mit Corey Taylor von Slipknot aufgenommen habt – „A Different World“. Wie kam es dazu?
Fieldy: Ganz simpel: Jonathan Davis und Corey kennen sich von vielen gemeinsamen Touren. Jonathan hat Corey dann eine Textnachricht geschickt – „Willst du auf einem KORN-Track singen?“ und Corey hat zurückgeschrieben: „Sehr gerne!“. Dann kam er vorbei, und alles ging seinen Gang. Spannender klingt es natürlich, wenn ich sage: Weil wir über die Jahre viele Shows mit Slipknot gespielt haben und weil wir mit ihnen Backstage abgehangen haben und weil wir alle gute Freunde geworden sind und weil wir mit ihnen schon live diese Beastie-Boys-„Sabotage“-Geschichte aufgezogen haben… das war damals ja auch in einem Tag zusammengebastelt, alle sind in den Proberaum und dann haben wir das einfach gemacht. Das sind diese Bünde und Beziehungen, die sich aufbauen – wenn die Zeit dafür reif ist, ruft man einen seiner Freunde an und fragt, ob er bei einem Song mitsingen will.

Ray: Es war ja auch seine Idee, diese coole „Sabotage“-Sache durchzuziehen. Es ist schwer, zwei Bands so zusammenzubringen. Jeder ist auf seiner Tour… dass sich zwei Bands für so etwas finden, ist echt eine Seltenheit.
Fieldy: Du musst dir vorstellen, da sind neun Typen von Slipknot und wir fünf von KORN – und die versuchen sich dann auf einen Song zu einigen! Aber bei dem Stück hat es bei allen Klick gemacht  – die Wahrscheinlichkeit, dass das passiert, ist eins zu einer Million! Also haben wir gesagt: Das ist der Song, das ist perfekt! Ok, dann müssen wir das wohl machen. Wann machen wir das? Heute! Also musste es in einem Tag klappen.

Davor habt ihr schon eine Zusammenarbeit mit Skrillex gemacht und sogar Metallica haben zuletzt mit Lady Gaga gespielt. Ist das die Zukunft des Metal, mit Künstlern aus anderen Genres zusammenzuarbeiten? Früher war Metal mal eine Kampfansage an den Pop, an Hypes und Radiohits…
Ray: Wir haben das schon vor Jahren gemacht…
Fieldy: Unsere ganze Karriere lang eigentlich. Mit Ice-Cube [„Fuck Dying“ 1998]…
Ray: Fred [Durst, „All In The Family“, 1998]
Fieldy: Wir haben das immer gemacht. Für uns ist das nichts Neues. Für andere vielleicht.

Ist das ein Trend, der gerade im Kommen ist?
Fieldy: Ich weiß es nicht. Aber ich hoffe, dass das bald jeder macht! Ich mag das.
Ray: Es ist cool! Warum nicht.
Fieldy: Mir ist auch egal, ob das jemand scheiße findet. Das, was Metallica und Lady Gaga da gemacht haben zum Beispiel. Das fand  ich echt cool!
Ray: Die Technik hat es natürlich verkackt, weil James‘ Mikro nicht funktioniert hat.
Fieldy: Aber der Vibe der Performance, die Art, wie sie das arrangiert haben… und dann ist sein Mikro aus. Das war echt schade. Aber ich fand es trotzdem gut! Ich mag Kollaborationen, ich finde das cool.

Jede Band mit einem gewissen Popularitätsgrad hat ihre Hits – aber meistens sind diese Songs aus der Frühphase der Band und bleiben dann über die Jahre erhalten. Findet ihr, dass diese Songs bei euch wirklich das Beste sind, was ihr bislang musikalisch geschaffen habt, oder ist es schwerer geworden, einen echten Hit zu landen? Oder seht ihr das ganz anders als ich.
Fieldy: Nein, es ist heute einfacher. Du wirst, was du immer werden wolltest. Und jetzt sind wir einfach KORN.

Aber ist es nicht immer noch „Freak On A Leash“, was am Ende alle hören wollen?
Fieldy: Ja, deswegen spielen wir den Song, weil ihn jeder hören will. Aber wir haben neue Songs, wie „Rotting in Vain“. Das ist eine unserer besten Singles überhaupt!
Ray: Oder „Never Never“… 23 Millionen Klicks auf Youtube!
Fieldy: Wenn wir jetzt einen Song schreiben, ist es einfach: Wir sind einfach wir selbst. Am Anfang versuchst du immer einen Sound zu finden und etwas Neues zu machen. Jetzt sagen wir uns: Lasst uns ins Studio gehen und wir selbst sein. John singt, ich spiele einfach Bass, Munky und Head spielen einfach, Ray macht, was er macht… Natürlich haben wir Spaß daran, kreativ zu sein, aber ich geh da nicht mehr rein und sage: Hey, checkt mal diese neue Funk-Line, die ich gerade geschrieben habe, lasst uns das bei KORN verwenden! Das klingt voll happy und funky. Äh, nein, nimm‘ das für dein Nebenprojekt!

Fühlt ihr da auch in gewisser Weise kreativen Druck, dass ein neuer Song irgendwie klingen muss, um als KORN-Nummer erkannt zu werden?
Ray: Das war ja das Ding mit „Never Never“. Das war kein typischer KORN-Song, aber wurden in den Staaten ein Riesenhit. Alle Radiostationen haben den gespielt, spielen ihn immer noch. Manchmal sind die Fans enttäuscht, weil sie etwas Hartes, Brutales haben wollen. Als Head dann zur Band zurückgekommen ist, war das auch unser Plan, aber manchmal passieren Dinge einfach. Ein guter Song ist ein guter Song. Der wird bleiben.
Fieldy: Wir werden nicht in eine Schublade gezwungen. Wir waren von Anfang an so… „Got A Life“ ist ja auch ein sehr fröhlicher, grooviger Song. Wir machen einfach, was wir wollen – auch wenn das super-happy klingt. Wir waren immer eine Band, die verrückte Songs hat, die einfach nicht dazu passen. Und oft mögen die Leute gerade diese Songs. Und wir hassen sie. Nur Spaß. (lacht)

Ihr habt das Internet, Youtube und die Klickzahlen dort jetzt schon öfter erwähnt – seht ihr das nur positiv? Viele Musiker beschweren sich ja auch über die Einbrüche der CD-Verkäufe…
Ray: Dafür gibt es jetzt Streaming. Das ist jetzt das Ding… auch wenn es das Ende des Artwork bedeutet. Das ist schade für die Kids… wir klingen ja schon alt, wenn wir vom Record-Store-Day reden. Aber im Endeffekt verstehe ich es nicht: Die Vinyl-Verkäufe sind gestiegen, um 25 Prozent im letzten Jahr. Ich sehe 18-Jährige Schlange stehen, um ein Album zu kaufen. Das muss man sich geben – ich meine, Moment einmal – du bist gerade auf Spotify gewesen und hast dir sieben Alben für den gleichen Preis heruntergeladen, aber du zahlst 20 Dollar für eine Schallplatte? Das überrascht mich immer noch. Das Internet ist immer sofort da, deshalb hilft es. Du kannst einen Song hochladen und die ganze Welt kann ihn in zwei Sekunden hören.


Fieldy: Es ist gut und schlecht, beides. Es gibt viele Versuche, etwas zu ändern. Ich glaube Jonathan sieht das anders, er hat sich oft beschwert. Da ist viel Gutes dran, es ist überall zu bekommen und anzuhören, aber dann ist auch viel Schlechtes dran, weil es den Wert unserer Musik mindert und die Leute sie so umsonst bekommen. Ich persönlich versuche, das auch meinen eigenen Kindern, die ja auch schon eine andere Generation sind, beizubringen: Du muss das auf iTunes kaufen! Ich weiß, du kannst es gratis bekommen, aber du musst es kaufen, du musst deine Bands unterstützen. Die arbeiten hart um diese Musik zu machen. Das wird alles ziemlich bald verschwinden. Hier ein Beispiel: Ich habe gerade mein Bass-Soloalbum „Bassically“ fertiggestellt, es wird jetzt gemischt. Mein Kumpel Q meinte dann gleich, wir werden das rausbringen… die CD soll so, das Artwork so aussehen… ich hab ihm dann gesagt: Weißt du was? Ich werde keine CDs machen lassen! Wir machen das nur über Download. Alles andere ist doch Unsinn! Warum Geld ausgeben für CDs, die dann im Schrank stehen? Um „Bassically“ zu bekommen, brauchst du iTunes, dann kannst du es herunterladen und dann hast du es, fertig. Später schauen wir weiter, aber ich wäre deutlich mehr daran interessiert, Vinyls pressen zu lassen als CDs!

Alles wird teurer – auch Konzerttickets. Ist das eine gute oder schlechte Entwicklung? Sägt man da nicht an dem Ast, auf dem man sitzt, wenn sich die Kids, die die Bands groß machen, die Tickets am Ende nicht mehr leisten können?
Ray: Das geht rauf und runter. Die Leute können ja auch Tickets für Plätze weiter hinten kaufen. Gerade bei manchen Pop-Bands ist es aber verrückt, was die verlangen. Das machen wir nicht. Mich hat es fast umgehauen: Kumples von mir haben mal 500 Dollar für ein Ticket gezahlt. Aber die Leute machen das, die Leute zahlen das… so läuft es. Das Live-Erlebnis kannst du nicht ersetzen, das ist Fakt. Trotz der Medien, trotz des Internets – Konzerte wird es immer geben. Aber ich finde nicht, dass wir zu viel verlangen…
Fieldy: Wenn du dir den Durchschnittspreis für Bands anschaust, sind KORN bei den billigsten!

Ich meint das auch eher generell, nicht direkt auf KORN bezogen…
Fieldy: Wir würden es ja auch noch billiger machen, wenn wir könnten. Aber sag mir, wovon wir dann leben sollen, wenn jeder die Musik gratis bekommt. Ich habe fünf Kinder daheim, ich habe Rechnungen!

Man kann heute ja auch fast alles kaufen – es gibt sogar bezahlte Meet & Greets. Wie steht ihr dazu, Geld dafür zu verlangen, dass ihr Hände schüttelt und Autogramme gebt?
Ray: Als ich ein Kind war, hätte ich mich riesig gefreut, wenn es so etwas zum Beispiel bei Kiss gegeben hätte. Für mich ist das ein Bonus-Ding. Wir spielen da einen Akustik-Song, treffen die Leute, hängen mit ihnen ab… sie geben uns Geschenke… ich finde das großartig.
Fieldy: Es ist sehr persönlich! Ich hätte das früher auch super gefunden.

Lest hier unsere Kolumne zu dem Thema: Das Geschäft mit dem Personenkult. Oder: Wie aus Fans VIPs wurden.


Früher haben die größten Fans eben am längsten vor dem Band-Bus gewartet. Ist diese neue Form nicht eher unpersönlicher, wenn man sich das Erlebnis einfach kaufen kann?
Fieldy: Nein, weil es nicht organisiert ist, wenn um drei Uhr nachts die Band an dir vorbeiläuft, dir irgendwas unterschreibt und dann im Bus verschwindet. Bei einem Meet & Greet gehst du persönlich zu den Leuten, unterschreibst ihnen was, wir machen ein Foto mit ihnen auf der Bühne, sie bekommen einen Akustik-Song vorgespielt… Als Jugendlicher hätte ich dafür gezahlt. Und du hast ja auch die Wahl: Kauf dir das Meet & Greet nicht, wenn du nicht willst. Du musst ja nicht. Und es gibt ja auch verschiedene Preisstufen, von billig bis teuer. Du kannst dir auch das billige kaufen. Aber ich als Jugendlicher und Fan hätte einen Weg gefunden, das teure zu kaufen – weil ich ein großer Fan der Bands war, die ich mochte. Ich will das – das kostet 500$ – mir egal, ich werde das Geld bekommen und das kaufen. So bin ich, weil ich eben ein Fan bin. Das richtet sich eben an die echten, echten Fans. Wir hätten es genauso gemacht. Wenn Kiss das gemacht hätten… ich hätte nur gefragt: Wie viel? Mir egal! Ich suche mir einen Ferienjob und spare das Geld – aber ich muss da hin! Das ist der Grund, warum wir das machen. Wir finden das cool, das ist eine gute Möglichkeit. Ich würde es vielleicht immer noch machen, bei einer Band, die ich mag.

Ok, danke euch für das Interview! Zum Abschluss noch ein kurzes Brainstorming:
Dudelsack: Ray: Schlafen. (lacht) Sorry. Dudelsack? Was mir dazu einfällt? Da kann ich auf der Bühne mal durchatmen, weil das meine einzige Pause in der gesamten Show ist. (lacht) / Fieldy: Pipi-Pause!
Slipknot ohne Joey Jordison:  Ray: Jay ist ein cooler Kerl und er macht einen phänomenalen Job. Ich liebe Joey,  ich liebe Jay. Genau wie diese Band wird es mit oder ohne ihn weitergehen. Ich bin hier, weil Dave Silveria aufgehört hat. Für mich sind Slipknot immer noch genauso gut. Es ist nicht mehr das Gleiche wie mit den Gründungsmitgliedern, das wird sich nie ändern, aber die Bands leben weiter und die Fans müssen das akzeptieren. Für mich sind sie also noch genauso gut.
Fieldy: Joey hat mal für ungefähr ein Jahr mit uns gespielt. Sehr cooler Typ, mit dem man rumhängen möchte, ich hab viel mit ihm rumgehangen. Und er kann sehr schnell spielen.
Donald Trump: Ray: „The Apprentice“! Du hast Donald Trump gesagt – das ist, was mir dazu einfällt. Da hat er doch mitgemacht, bei dieser TV-Serie. „The Apprentice“.
Streaming: Ray: Es ist die Vernichtung des Artworks und einer Menge anderer Dinge, aber es ist der Weg der Zukunft und es ist sinnlos, zu versuchen, es zu bekämpfen. Ich hoffe einfach, dass die Leute weiterhin die Kunst von Aufnahmen und das, was wir tun, zu schätzen wissen.
Deutschland: Fieldy: Äh… Schnitzels. (lacht) / Ray: Tolle Fans.

Danke nochmal für eure Zeit und Antworten. Letzte Worte an eure Fans?
Ray: Vielen Dank an all die deutschen Fans, die uns immer unterstützen, wir lieben euch alle! Wir sehen uns beim nächsten Mal!
Fieldy: Macht’s gut!

Lest hier unseren Bericht zur Show:

Geschrieben am

Fotos von: Afra Gethöffer

1 Kommentar zu “Korn”

  1. arno nyhm

    super wie sie ihren platz in der band erkannt und akzeptiert haben, sind halt angeheuerte „idioten“ die komplett austauschbar sind und sich ihren „komerz“ schön reden. sollange die leute bezahlen ist es in Ordnung, da braucht es dann auch keine moralische kontroll instanz. ist wie mit waffen, wer zahlt soll es auch geliefert bekommen!

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