Cover Korn Requiem

Review Korn – Requiem

Nahezu jeder Metalfan, dessen Begeisterung für härtere Musik in den 1990er-Jahren oder Anfang der 2000er geformt wurde, dürfte eine Meinung zu KORN haben. Dieser Umstand zeigt, wie tiefgreifend das Quintett um Jonathan Davis das Genre geprägt hat. Dass dieser Nebensatz im Perfekt geschrieben wurde, unterstricht das Dilemma, in dem sich KORN befinden: Sie haben vor mehr als 20 Jahren etwas geformt, an dessen Spitze sie sich heute nicht automatisch wähnen dürfen. Auch, weil Nu Metal mitsamt seinen bekanntesten Vertretern (von Slipknot einmal abgesehen) eher einem Abwärtstrend folgt.

Nachdem sich Linkin Park mit ihrem letzten Album „One More Light“ grundsätzlich vom Metal losgesagt hatten und auch Limp Bizkit mit dem Namen ihrer aktuellen Full-Length „Still Sucks“ dessen Bewertung gleich vorweggenommen haben, gelang es KORN in den letzten Jahren ebenfalls nur bedingt, ihre Erfolgsgeschichte weiterzuschreiben. Nach dem schwachen „The Paradigm Shift“ folgte mit „The Serentity Of Suffering“ eine ungeahnt starke Platte, an die das letzte Album „The Nothing“ nicht ganz anknüpfen konnte. An welche Stelle sich die neue Scheibe „Requiem“, immerhin schon Album Nummer 14 der Kalifornier, in die Diskografie einreihen wird, ist im Vorfeld nur schwer einschätzbar.

Mit starken Openern konnten KORN in der Vergangenheit häufig punkten; sei es „Starting Over“ („Untitled“), „Here To Stay“ („Untouchables“) oder alle ersten Songs von den Alben Ende der 1990er-Jahre – ein guter Einstieg könnte den US-Amerikanern grundsätzlich gelingen. Auf „Requiem“ klappt das nicht: „Forgotten“ ist nicht nur ein schwacher, da mäßig interessanter Opener, sondern auch die zweite Single-Auskopplung, bei der sich schon erahnen ließ, dass auf „Requiem“ nicht alles Gold sein wird, was so beworben wurde. Schließlich verlautbarte das Label, dass das Album „aus einem Mehr an Zeit und der Möglichkeit, ohne jeglichen Druck schöpferisch tätig werden zu können, entstanden ist. Beflügelt von neuen kreativen Prozessen ohne zeitliche Einschränkungen war die Band im Stande, Dinge auf Requiem umzusetzen, für die sie die letzten zwei Dekaden nicht immer die Möglichkeiten hatte„. Hat man die Enttäuschung über „Forgotten“ überwunden, folgen mit „Let The Dark Do The Rest“ und „Start The Healing“ zwei wirklich gute Tracks, die dank schmissiger Hooks nicht nur sofort im Gehörgang bleiben, sondern aufgrund der dichten Atmosphäre auch eingängig sind.

KORN wären allerdings nicht sie selbst, wenn nach charakteristischen Nummern nicht auch kompositorisch weniger mitreißende Songs folgen würden. Mit „Lost In The Grandeur“ und „Disconnect“ schließt sich genau dieses Füllmaterial an. Qualitativ noch immer gut in Szene gesetzt, verfügen diese Songs weder über technische Kniffe noch genügend Seele, um nicht gleich wieder vergessen zu werden. Glücklicherweise gelingt es KORN, den Unterhaltungswert auf „Requiem“ im letzten Drittel wieder zu steigern. Nicht unbedingt, weil „Hopeless And Beaten“ oder „Penance To Sorrow“ die Blaupause einer neuen Kreativität sind, die das Plattenlabel gerne heraufbeschwören möchte, sondern eher, weil die Songs gute Erinnerungen an die Grobheit eines „Take A Look In The Mirror“ wecken.

Überhaupt gelingt es KORN an der einen oder anderen Stelle, schöne Reminiszenzen an ältere Großtaten wach werden zu lassen: Während das verspielte „My Confession“ deutlich an „Reclaim My Place“ oder „Justin“ von „Follow The Leader“ erinnert, kopiert der letzte Song („Worst Is On Its Way“) viele positive Errungenschaften des dritten KORN-Albums. Der Track beendet „Requiem“ nicht nur um Welten besser, als es anfängt, sondern zeigt eindrucksvoll, wie kreativ KORN tatsächlich sein könnten, wenn … tja, wenn was? Eine Logik, warum die Alben der Kalifornier seit 2010 eine Überraschungstüte an herausragenden Ohrwürmern und gnadenlos durchschnittlichen Tracks sind, lässt sich nicht herleiten. KORN gelingt auf jedem Album beides, mal überwiegt das eine, mal das andere. Auch „Requiem“ bildet hiervon keine Ausnahme.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Wertung: 7 / 10

Publiziert am von

7 Kommentare zu “Korn – Requiem

  1. Wo KoRn draufsteht ist auch KoRn drin. Abgefuckter Funk, derbe Grooves, Mitsing-Parts und eine Prise Wahnsinn – die wohl maßgeblich verantwortlich dafür ist, ob man Zugang zu KoRn findet oder eben nicht.
    Im Vergleich zu den beiden Vorgängern empfinde ich es als düsterer und insgesamt auch langsamer und schwerer, gerade Hopeless and Beaten klingt fast schon doomig.
    Mir gefällts.

  2. Es tut mir leid, aber ich kann Begeisterung für die Platte wirklich nicht nachvollziehen. Hab sie jetzt noch diverse Male gehört. Mir fehlt die Härte, zumindest aber die Kontraste, der Gesang ist mir zu eintönig und alles in allem klingt es einfach so dermaßen generisch nach Korn, dass man das Album eigentlich schon beim ersten Durchlauf „kennt“. Kein überraschender Track, keine neue Entwicklung (außer vielleicht der fehlenden Härte) … und ein paar Eigenzitate zu viel. Das geilste finde ich noch das Artwork, aber dass es die CD dann wiederum nur in einem recht billig anmutenden Jewelcase gibt, ist auch wieder schade. Das Album tut sicher nicht weh, kommt bei mir auf der Verzichtbar-Skala aber auf einer Höhe mit Paradigm Shift, dem anderen völlig uninspirierten Korn-Album.

  3. Also ich finde die Platte durch und durch gelungen. Sehr schlüssiges Gesamtwerk auf dem es vieles zu entdecken gibt. Hab die letzten Platten nur sehr halbgar mitverfolgt, da mich keine Platte so richtig abholen konnte. So hätte es nach Issues weitergehen können. Für mich das eindeutig bessere Untouchable. 9/10 Körnchen

  4. Als absoluter Korn-Head fällt mir ein konstruktives Urteil schwer. Musikalisch finde ich es super, JD sing meist etwas zu weich, hier würde ich mir mehr Energie wünschen. Nach härteren Passagen fehlen mir die Emotionen inkl Killerriff. Muss es noch ein paar mal hören. Wird an die letzten beiden Platten allerdings nicht ran kommen.

  5. Hmm, hat bei mir auch noch nicht gezündet und trotz der kurzen Spielzeit wirkt mir die Hälfte der Songs wie Füllmaterial. Korn ist mit solchen Alben ne klassische Playlist-Band: 2, 3 Songs sind schon geil, die haut man sich auf ne Liste, der Rest wird wohl in der Vergessenheit verschwinden.

  6. Hm. Die ersten anderthalb Durchläufe haben mich komplett unbeeindruckt gelassen. Anderthalb? Jo, da kam mir wohl irgendwie spannendere Musik dazwischen. Wers sicher noch paarmal hören, ehe es in den Schrank wandert, aber dass es das Album irgendwann mein Go-to-Album wird, was KORN angeht, halte ich aktuell für sehr unwahrscheinlich.

  7. Da muss ich wiedersprechen! Korn klingt nun etwas dunkler als zuvor und doch holt mich melodischeres mehr ab und *Disconnect* ist einer dieser Songs. Da geh ich richtig mit. Das Album ist insgesamt sehr kurz, so gibt es aber auch weniger Filler. Man entdeckt immer mal was neues schon beim zweiten Durchlauf, vom düsteren hin zur plötzlich kurzen Melodieanspielungen im Songwriting das doch eben Gänsehaut erzeugt. Der Sound ist gewöhnungsbedürftig, da beim ersten hören ziemlich zischelnd aus den Boxen kommt. Im großen und ganzen hör ich aber das Album gerade rauf und runter, wenn auch Song *Disconnect* öfterer… Gutes Album. 8/10

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.