Interview mit Luka Petrović von Old Night

Mit ihrem von Doom Metal und Progressive Rock inspirierten Debüt „Pale Cold Irrelevance“ konnten OLD NIGHT weitgehend begeistern und überzeugen. Wie es zur Gründung kam, woher der Bandname stammt, warum Englisch die universelle Musiksprache ist und welche Pläne die Musiker für die Zukunft haben, könnt ihr im folgenden Interview mit Gründer und Bassist Luka Petrović erfahren.

Das OLD-NIGHT-Debütalbum „Pale Cold Irrelevance“ wurde im August veröffentlicht. Wie fielen die ersten Reaktionen der Musikfans und der Presse aus?
Die Reaktionen der Fans und der Presse sind bis jetzt überwältigend positiv. Als Künstler strebst du immer danach die bestmögliche Musik zu veröffentlichen, die zu diesem Zeitpunkt produzieren kannst. Dennoch sind wir wirklich überrascht wie positiv und ermutigend all die Reviews bis jetzt waren. Es ist wirklich Wind in unseren Segeln und wir tun unser Bestes, um das Vertrauen der Medien und der Fans in uns zu rechtfertigen.

Wieso habt ihr diesen Albumtitel gewählt? Was ist die Bedeutung dahinter? Ich denke nicht, dass die Musik blass, kalt oder irrelevant klingt.
Der Titel ist doppeldeutig. Er steht dafür, wie sich Menschen im Bezug auf sich selbst in der heutigen Welt fühlen, aber wirft auch die Frage auf, was Musik für die Leute heutzutage bedeutet. Mir ist bewusst, dass wir ein Album aufgenommen haben, das knapp unter 60 Minuten lang ist – in einer Welt, in der die Mehrheit der Menschen keine Musik mehr kauft und Radiohits hört, die keine drei Minuten dauern.

Seit der Gründung von OLD NIGHT im Jahr 2015 habt ihr nur zwei Jahre an dieser Platte gearbeitet. Wo fanden die Aufnahmen statt? Wer war verantwortlich für die Produktion, Mix und Mastering?
Das größte Problem war es, eine Band auf die Beine zu stellen. Eine Band mit ernsthaften Musikern, wie sie es jetzt ist. Was die Musik angeht, habe ich mit den Arbeiten an dem Material schon davor begonnen, aber es war zu dieser Zeit nicht gezielt. Es gab nur Ideen und ein Riff hier und da. Als wir ein dauerhaftes Lineup gebildet hatten ging es darum, das Material einzuüben und einige Teile neu zu arrangieren, damit sie besser klingen. Aber ein Großteil der Musik war bereits geschrieben.
Wir gingen im März ins G.I.S. Studio und begannen die Aufnahmen. G.I.S. ist eines der bekanntesten Rock-Studios in unserem Land (Kroatien, Anm. d. Red.) und der Inhaber Matej Zec ist ein ziemlich guter Freund von mir. So war es keine Frage, wo wir aufnehmen werden. Vor allem, wenn man bedenkt, dass ich für die letzten beiden Ashes-You-Leave-Alben bereits mit ihm zusammengearbeitet habe. Das Album wurde von uns selbst produziert, aber Dalibor Frankić übernahm Mix und Mastering. Seine Dungeon Studios haben in der  kroatischen Untergrundszene Kultstatus. Er produzierte bereits Black Cult, Kult Perunov, Gorthaur’s Wrath oder Zvijer. Ich selbst habe mit ihm auch in diversen Bands gespielt. Seit 1999 kennen wir uns sehr gut.


Wieso habt ihr eurer Band den Namen OLD NIGHT gegeben?
OLD NIGHT ist ein Begriff aus John Miltons Gedicht „Paradise Lost“. Es stellt die Macht und den Mut Satans dar, mit der er den Wirren des Chaos begegnet. Diese beiden Gottheiten, Chaos und OLD NIGHT, herrschten über den wilden Abgrund, der der Schoß der Natur ist. Die ganze Idee klang großartig, denn es gibt keine andere Erwähnung in der klassischen Literatur von Gottheiten, die das Chaos der Hölle beherrschten und aufrechterhielten. Es klang auch nach etwas Uraltem und etwas, dass du vielleicht gehört hast, aber nicht weißt, was es bedeutet. Für mich war es der perfekte Name für eine Band wie uns.

Mein persönlicher Favorit ist „Something Is Broken“. Hast du einen Lieblingssong auf dem Album und wenn ja, warum?
Ich kann nicht sagen, dass ich einen Favoriten habe. Jeder der Songs bedeutet mir persönlich etwas. Aber „Something Is Broken“ ist obenauf, da ich es für meinen verstorbenen Vater geschrieben habe. „Contemptus Mundi“ ist für mich auch wirklich besonders, denn es war der erste Song von OLD NIGHT.

OLD NIGHT ist vorrangig eine Doom-Metal-Band. Meiner Meinung nach erinnert die Musik durch die atmosphärischen, Blues- und Progressive-Elemente an Opeth, Paradise Lost oder Threshold. Würdest du das bestätigen?
Wow, dankeschön! Das sind alles großartige Bands, aber ich würde sie nicht als meine musikalischen Vorbilder oder Bands, die mich beeinflussen nennen. Ich denke es hat mehr etwas damit zu tun, dass alle diese Bands und auch wir von verschiedenen Bands beeinflusst werden. Von Black Sabbath bis zu King Crimson. Es ist normal, dass man Ähnlichkeiten sucht, wenn man eine Band zum ersten Mal hört.

Das Cover zeigt eine düstere Szene mit einem Holzhaus im Wald und scheinendem Vollmond. Steht eine Bedeutung hinter dem Artwork? Wer war dafür verantwortlich?
Nachdem ich ja bereits die Bedeutung des Albumtitels erklärt habe denke ich, dass das Artwork diesen Gedanken perfekt repräsentiert. Es ist eine Hommage an bestimmte Horrorfilme, von denen der Urheber und ich Fans sind. Das Artwork und das Booklet-Design stammen von einem renommierten kroatischen Künstler, der unter dem Namen All Things Rotten bekannt ist. Er arbeitete zuvor bereits mit Amon Amarth, Children Of Bodom, Eluveitie, Edguy, Pain, Hirax, Mortiis und vielen mehr. Es war eine Freude mit jemandem zu arbeiten, der nicht nur das Genre versteht, sondern auch ein beeindruckendes Portfolio wie er vorweisen kann.

Du bist auch einer der Hauptkomponisten von Ashes You Leave. Welche Intention gab es eine neue Band zu gründen?
Es war im Jahr 2015, wir beendeten mit Ashes You Leave unsere Tour zum 20. Jubiläum und ich begann mit der Idee zu liebäugeln ein neues Projekt zu gründen. Es war etwas, das sich für eine Weile in mir zusammenbraute, aber ich hatte nie die Zeit, mich dem vollständig zu widmen. Seit die Entscheidung feststand, dass wir mit Ashes You Leave eine Pause einlegen werden, war es das perfekte Timing, um mich dieser neuen Band anzunehmen. Ich wollte einfach nicht dem Rummel haben mit einer Band zusammenzuarbeiten, also habe ich es als Solo-Projekt gestartet. Glücklicherweise hat mich ein Freund, der einen der Songs gehört hatte, darauf hingewiesen, dass ich es nochmal überdenken sollte. Wir hatten eine Probe, eigentlich eher eine Jam-Session und das war es. Ich brauchte einfach eine Veränderung.

Ihr kommt aus Rijeka, Kroatien. Wie groß ist die Metal-Szene in eurem Heimatland? Könntest du uns andere Bands aus Kroatien empfehlen?
Die Szene in Kroatien ist klein, aber sie wächst. Wir haben mehrere Metal-Festivals, wie das Dark „O“ Metal Fest, Goathall, Balkan Metal Meeting, Oluja oder Valhalla. Es gibt einige große Metalbands in Kroatien, aber sie sind leider außerhalb unseres Landes nicht so bekannt. Einige meiner Favoriten sind Black Cult, Cold Snap, Infernal Tenebra, Monox, Castrum und Chaos Addict.

All eure Songs sind in englischer Sprache. Ist dies eine pragmatische Herangehensweise, um mehr Hörer zu erreichen? Ist es manchmal schwierig sich in einer fremden Sprache auszudrücken?
Nun, ich bin seit meiner Kindheit in Metal-Bands aktiv und Englisch ist die Sprache des Metal, also habe ich nie einen Song auf Kroatisch geschrieben. Einmal habe ich angefangen einen Song auf Kroatisch, einen auf Deutsch und eines auf Italienisch zu schreiben, verwarf die Idee aber, da es schwierig sein würde, sie alle überzeugend zu interpretieren. Aber Englisch ist bis zu einem gewissen Grad die universelle Sprache der Musik und es ist eigentlich einfacher für mich, als in meiner Muttersprache zu schreiben.


Was sind die nächsten Pläne von OLD NIGHT? Fokussiert ihr eine Tour, eventuell mit einigen Shows in Deutschland?
Wir haben mit der Vorproduktion unserer zweiten Platte begonnen, also werden wir auch weiterhin daran arbeiten. Außerdem promoten wir noch unser erstes Album. Wir wurden dieses Jahr für ein paar Shows in Kroatien gebucht und dann konzentrieren wir uns darauf, die Band ins Ausland zu bringen. Wir haben bereits einige Angebote für Slowenien, Belgien und Rumänien, aber wir werden unser Bestes geben, um auch in Deutschland zu spielen.

Danke dir für das Interview. Lass uns am Ende noch ein kleines Brainstorming machen. Was fällt dir als erstes ein, wenn du die folgenden Begriffe liest:
Herbst: Lake Of Tears
Black Sabbath: Gibson SG
Dein Lieblingsalbum: Cemetary – Black Vanity
Deutschland: Einige der besten Biere, die ich getrunken habe und einige der besten Festivals, bei denen ich spielen durfte.
Terror: Das Krebsgeschwür der Welt
OLD NIGHT in zehn Jahren: An der Spitze der Welt

Die letzten Worte gehören dir. Gibt es noch etwas, das du unseren Lesern mitteilen möchtest?
Ich würde euch gerne für dieses Interview danken und eure Leser dazu einladen, unsere Facebook-Seite zu besuchen und unser erstes Album „Pale Cold Irrelevance“ anzutesten. Passt auf euch auf und haltet die Doom-Flamme am Leben! Im Namen von OLD NIGHT, Luka Petrović

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2 Kommentare zu “Old Night”

  1. arno nyhm

    oh sehr reflektiert, terror als krebsgeschwühr zu sehen! da zieht man direkt den Hut!

    aaaaber ich muss eh sagen das ich nach dem satz : „in einer Welt, in der die Mehrheit der Menschen keine Musik mehr kauft und Radiohits hört, die keine drei Minuten dauern.“
    eh aufgehört habe zu lesen und direkt zum Brainstorming gesprungen bin.
    weil das ist so strunz hohl wie es nur geht. Diese zeitspanne in der es NICHT so war … war genau wann ?
    also ernsthaft, man kann auch einfach einsehen das man mit der musik niemanden erreicht, ist kein beinbruch, geht jedem subgenre so. Popstars werdet ihr eh nicht.
    immer dieses Geflenne, wäääh wir machen so tolle kunst aber die banausen ignorieren es.

    P.S. lohnt denn der rest ? kommen da noch mehr so hängengebliebene, unreflektierte, „die welt läuft nicht so wie ich es mir wünsche“ aussagen?!?

  2. Christian Denner Post Author

    Du kannst dir gerne das restliche Interview durchlesen um es herauszufinden ;) Meiner Meinung nach reduzieren sich die von dir angesprochenen Aussagen auf die eine Frage.

    Ich frage mich aber ob es die Aufgabe eines Musikers ist, egal welche Größe er oder seine Band hat, reflektiert in einem Brainstorming zu antworten. Es soll ja explizit darum gehen das erste zu nennen, was einem in den Sinn kommt.

    Das manche Musiker auch nicht unbedingt die hellsten Leuchten auf dem Planeten sind ist ja auch keine großartige Neugikeit mehr. Das haben schon viele vorher bewiesen.

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