CD-Review: Old Night - A Fracture In The Human Soul

  • Veröffentlichung: 2019
  • Label: Rain Without End
  • Spielart: Doom Metal
Besetzung

Matej Hanžek - Gesang, Gitarre
Bojan Frlan - Gitarre
Ivan Hanžek - Gitarre, Gesang
Luka Petrović - Bass, Gesang
Nikola Jovanović - Schlagzeug

Tracklist

01. Entwined
02. Hearken And Remember
03. Elder
04. Glacial
05. The Reaping Of Hearts


Mit ihrem 2017 erschienenen Debüt „Pale Cold Irrelevance“ konnten die kroatischen Doom-Metaller OLD NIGHT eine starke Platte vorlegen, die weitgehend überzeugte. Zwei Jahre später ist der Nachfolger „A Fracture In The Human Soul“ bereit die Musikfans zu begeistern. Dabei fällt zuerst das an die andauernde Retro-Welle angelehnte Cover ins Auge, welches Zweifel aufkommen lässt, ob OLD NIGHT ihren Weg voller Melancholie und Verzweiflung weitergehen oder ihn durch blumigen Rock im Stil der 70er Jahre ersetzen.

Der knapp elfminütige Opener „Entwined“ kann hier aber direkt Entwarnung geben: Getragene Gitarrenmelodien und wehmütiger, teilweise mehrstimmiger Gesang dominieren den Song weitgehend. Dass der eigentliche Metal-Anteil sich auf dezente Riffs und die spannenden Gitarren-Soli beschränkt, fällt dabei nicht negativ ins Gewicht. So kann man doch den im Vergleich zum Debüt intensiveren und an Qualität gesteigerten Vocals deutlich besser folgen. In ähnlich schleppendem Tempo, aber doch in etwas härterer Ausführung präsentiert sich das folgende „Hearken And Remember“, welches durch seine ebenfalls rund elf Minuten Laufzeit viel Platz zur Entfaltung der diversen Elemente bietet. Besonders die schneidenden Gitarrenleads stellen sich als Earcatcher heraus.

Die kurzweilige Ballade „Elder“ gibt kurz Zeit zum Verschnaufen, erinnert dabei stark an die Augsburger Prog-Metaller von Dante, die diese Sparte in ähnlicher Demut und Intensivität vortragen können. Folgerichtig werden die zwei abschließenden Stücke vom ruhigen und erhabenen „Glacial“ eingeleitet, das für den ein oder anderen Gänsehautmoment sorgen kann. Der Wechsel zwischen Gesangs- und Instrumentalparts wurde atmosphärisch verdichtet und präsentiert sich noch schlüssiger als auf dem Debüt. Was Frontmann Hanžek und seine Kollegen auszeichnet, das zeigen sie in „The Reaping Of Souls“ nochmals energetisch gebündelt und mit erstaunlich wuchtigen Gitarren. Als einziger Wermutstropfen bleibt, dass die Reise durch die Zerbrechlichkeit und Resignation an dieser Stelle schon endet.

OLD NIGHT haben sich glücklicherweise auf „A Fracture In The Human Soul“ ihrem Stil nicht abgewandt, sondern haben diesen intensiviert. Dass die fünf Songs in knapp 44 Minuten dabei kein typischer Doom Metal sind und den metallischen Anteil gerne ganz außer Acht lassen, erweist sich wieder als Glücksgriff. Jedem Bruch in der menschlichen Seele, jeder Hoffnungslosigkeit wohnt ein kleiner Zauber inne, den die Kroaten auf spannende Weise umgesetzt haben. Wer dieser Melancholie zwischen Doom Metal und Progressive Rock nicht abgeneigt ist, der sollte diesem Zweitwerk auf jeden Fall eine Chance geben. OLD NIGHT sind ein Kleinod des Underground, dessen Entdeckung sich mehr als lohnt.

Bewertung: 8.5 / 10

Geschrieben am

Antworten

Your email address will not be published. Required fields are marked *

You may use these HTML tags and attributes: