Interview mit Miguel Espinosa Ortiz von Persefone

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PERSEFONE kommen aus Andorra, diesem Exotenstatus ist die Band aber längst entwachsen. Das Sextett hat schon 2017 mit dem letzten Album „Aathma“ für Begeisterung sowohl in der Progressive-, wie auch der Technical-Death-Metal-Szene gesorgt und zeigen sich auf ihrer neuen Scheibe „Metanoia“ nochmal verbessert und überzeugen mit einem wahren Meisterwerk. Miguel „Moe“ Espinosa, seines Zeichen Keyboarder und Clean Vocalist bei PERSEFONE, hat mit uns über das aktuelle Album gesprochen. Im Gespräch erzählt er uns nicht nur davon, wie die Songs entstanden sind und die komplexe Philosophie dahinter. Er spricht auch über die spirituelle Lebenseinstellung der Bandmitglieder, über die Wichtigkeit der gesendeten Botschaften und den Anspruch, so gut wie die Größten zu sein.

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Man hört nicht oft von Metal-Bands aus Andorra. Gibt es in eurem Heimatland eine aktive Szene, gibt es viele andorranische Metal-Fans?
Natürlich haben wir in Andorra, obwohl es ein sehr kleines Land ist, eine Musikszene, aber die besteht hauptsächlich aus lokalen Bands, Coverbands und Solokünstlern. Es gibt keine Metal-Szene an sich. Aber eine Sache, die passiert, ist, dass wir eine der berühmtesten Bands des Landes sind und wenn Leute uns darauf ansprechen, sagen sie normalerweise: „Ich höre/mag nicht wirklich, was ihr macht, aber ich respektiere es wirklich sehr!“, was echt witzig ist!

Euer letztes Album „Aathma“ ist von 2017 und damit fünf Jahre her. Was hat sich in der Zwischenzeit bei euch getan, abgesehen von den Neuaufnahmen von „Truth Inside the Shades“?
Nun, nachdem wir „Aathma“ fertiggestellt hatten, begannen wir, uns auf die Promotion des Albums zu konzentrieren. Wir sind so viel wie möglich getourt, haben zwei Headliner-Touren in Europa und eine weitere in USA, Kanada und Mexiko gespielt. Wir waren auch in Japan und haben auf einigen der größten Festivals der Welt gespielt, darunter Wacken, Brutal Assault oder 70000 Tons Of Metal. Während dieser Zeit haben wir, wie du bereits erwähnt hast, unser erstes Album „Truth Inside The Shades“ neu aufgenommen und die Single „In Lack’ech“ veröffentlicht, mit Tim Charles von Ne Obliviscaris an der Violine und als Sänger. Diese fünf Jahre waren unglaublich spannend für uns.

„Wir haben das Gefühl, dass die Welle jedes Mal größer und größer wird“

Nach „Spiritual Migration“ und vor allem „Aathma“ hattet ihr ein gewisses Momentum in der Prog-Szene. Denkst du, dass das nach fünf Jahren ein bisschen verpufft ist und ihr es wieder aufbauen und zurück erarbeiten müsst?
Überhaupt nicht. Alle Bands bewegen sich in Wellen. Jetzt bringen wir ein neues Album heraus und wir sind wieder auf der Welle. Sobald wir die Promotion des Albums beendet haben, werden wir am tiefsten Punkt einer solchen Welle sein, aber wir haben das Gefühl, dass die Welle jedes Mal größer und größer wird, und der Tiefpunkt ist höher als die frühere Welle. Letztendlich geht es also darum, weiterhin Alben aufzunehmen und zu touren. Natürlich hatten wir mit der Pandemie eine Sackgasse, aber das ist nichts, was andere Bands nicht auch durchgemacht hätten.

Persefone - metanoia - CoverartworkKannst du mir etwas über das spannende Cover-Artwork von „Metanoia“ erzählen? Wofür steht der leuchtende Monolith? Was denkt die kleine Person im Vordergrund, während sie ihn betrachtet?
Das Artwork stammt von Jon Ojibway, der diese Art von realistischen 3D-Illustrationen macht. Wir fanden es toll, dass das Bild etwas zeigt, das imaginär sein kann, wie ein riesiges Lichttotem. Aber es befindet sich in einer sehr realen, irdischen Höhle mit einer sehr kleinen Person, die zeigt, wie klein und unbedeutend Menschen sein können. Das Totem kann eigentlich für jeden etwas bedeuten, da es Teil eines allgemeinen Bildes ist, aber für uns bedeutet es den Moment der Veränderung, der auf dem Album bei „Merkabah“ passiert.

Spiritualität ist ein wichtiges Thema in euren Texten, was sich schon in den wenigen Zeilen des Titeltracks bemerkbar macht. Außerdem geht es auf dem Album unter anderem um Wiedergeburt, Selbsterkenntnis und außerkörperliche Erfahrungen. Was bedeuten Spiritualität und all diese Themen für dich persönlich?
Wir bei PERSEFONE sind alle auf die eine oder andere Weise spirituelle Menschen. Einige von uns sind aktiver, andere sehen sie nur aus der Ferne, aber letztendlich teilen wir alle die Liebe zu dieser Art von Texten, denn sie sind hilfreich für die Menschen, die sie lesen und darüber nachdenken wollen.

Manchmal kommt es vor, dass Menschen mit einer großen Bühne, von der aus sie eine Nachricht senden können, schreckliche oder einfach leere Nachrichten ohne Inhalt senden. Aus unserer Sicht und mit unserer begrenzten Möglichkeit ist es wichtig, dass wir eine positive Botschaft senden, aber keine sinnlose Positivität. Es ist leicht, positiv zu denken, wenn man glücklich ist, aber es ist schwierig, wenn man wirklich am Boden ist, wie wir in „Katabasis“ erklären. In diesem Moment, wenn man durch seine persönliche Hölle geht, muss man positiv bleiben, damit man in der Lage ist, weiterzumachen und als stärkere Person daraus hervorzugehen. Das ist der Grund, warum wir diese Texte schreiben. Wir glauben zutiefst an sie.

„Es ist leicht, positiv zu denken, wenn man glücklich ist, aber es ist schwierig, wenn man wirklich am Boden ist“

Ihr habt euch diesmal für David Castillo als Produzenten entschieden. Warum war er der Richtige für „Metanoia“?
Wenn wir an Produzenten denken, denken wir immer an große Namen. Ich bin mir sicher, dass alle Namen, die wir im Kopf hatten, hervorragende Arbeit mit „Metanoia“ hätten leisten können, aber in diesem speziellen Fall hatten wir eine großartige Verbindung zu David. Er kam damals zu einer unserer Shows in Stockholm und wir haben uns über das Album unterhalten, über unsere Wünsche, und er hat sich darauf eingelassen. Für uns war er der perfekte Produzent. Er hat es geschafft, alles an die richtige Stelle zu rücken, jeden Sound, jedes Teilchen, alles ist da. Das ist etwas Erstaunliches, und wir schließen nicht aus, dass wir in Zukunft wieder mit ihm zusammenarbeiten werden.

Persefone Bandfoto
Persefone; © Èric Rossell

Bevor ihr an einem neuen Album schreibt, reflektiert ihr euer letztes Album, um euch nicht zu wiederholen und bewusst neue Wege zu gehen?
Sobald wir ein Album fertig haben, wissen wir um die Fehler, die wir bei diesem Album gemacht haben. Das ist bei „Metanoia“ schon passiert. Wir wissen, was wir mögen, was wir ergänzt haben und was wir in Zukunft ändern wollen. Wir lernen gerne neue Musik kennen, hören neue Musikstile und bauen Elemente daraus in unsere Musik ein.

Eure Tracks sind sehr komplex und vielschichtig. Wie entstehen die Songs? Werden dabei Ideen gesammelt und zusammengefügt oder entsteht ein Song schrittweise und chronologisch?
Normalerweise bauen wir zuerst die Struktur auf, was sehr viel Zeit in Anspruch nehmen kann. Wir müssen sicher sein, dass die Ideen darin schon von sich aus funktionieren und keine zusätzliche Produktion benötigen, um zu funktionieren oder das widerzuspiegeln, was wir wollen. Dann geht es an die Produktion, das heißt, wir fügen weitere Ebenen, Keyboards, zusätzliche Gitarren, Sounddesign, Stimmen, Chöre usw. hinzu… Das ist immer langwierig, aber wir kommen fast immer zu guten Ergebnissen.

„Jedes Riff, jede Melodie, jedes Solo muss songdienlich sein“

Persefone Spiritual MigrationWie kam es dazu, dass ihr einen dritten Teil zu „Consciousness“ aufgenommen habt? Lag das schon lange in der Luft, war es vielleicht schon bei den Aufnahmen zu „Spiritual Migration“ eine Möglichkeit?
Als wir „Spiritual Migration“ damals veröffentlicht haben, hat sich abgesehen von unseren Die-Hard-Fans niemand dafür interessiert. Das kam erst mit der Zeit, das Album ist echt gut gealtert. Die Fans liebten es und die neueren Fans lieben es ebenso. Es gab eine Menge Videoreaktionen und Reviews und zu den beliebtesten Songs gehörten beide Teile von „Consciousness“. Also nein, wir hatten bei der „Spiritual Migration“-Veröffentlichung an sowas noch nicht gedacht. Irgendwann zwischen „Aathma“ und „Metanoia“ gefiel uns der Gedanke, ein Instrumentalstück aufzunehmen, weil wir bei „Aathma“ keines dabei hatten. Wir hatten also alle Lust, so ein Stück zu schreiben und wir dachten, mit alten Melodien von „Consciousness“ herumzuspielen, wäre cool. Also haben wir mit dieser Idee im Kopf daran gearbeitet.

Besteht bei all euren technischen Fähigkeiten manchmal die Gefahr, dass ihr die Songs zu kompliziert macht, so dass sie schwer hörbar werden? Ist das etwas, worüber ihr nachdenkt und redet, wenn ihr Songs schreibt?
Wir spielen, wie wir spielen, wir denken nicht darüber nach. Jedes Riff, jede Melodie, jedes Solo muss songdienlich sein und wir müssen das Gefühl haben, dass alles im richtigen Moment an der richtigen Stelle steht. Es kommt schon mal vor, dass wir zum Beispiel an einer Strophe arbeiten und das Arrangement technisch zu kompliziert ist. Es macht keinen Sinn, ein wirklich kompliziertes Riff zu haben, wenn Marc seine Screams darüberlegt. Egal, wie wichtig das ist, der Gesang wird immer im Vordergrund stehen, also passen wir in diesem Moment das Arrangement an, damit es besser zur Stimme passt. Das passiert im Grunde mit jedem Teil eines jeden Songs. Etwas steht im Vordergrund und wir müssen es hervorheben und alles dafür tun, damit es so funktioniert. Ob es kompliziert ist oder nicht, hängt von dem jeweiligen Part ab.

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Ihr habt viele Soundtrack-ähnliche Orchestrationen in euren Songs, zum Beispiel in „Leap of Faith“ oder „Aware Of Being Watched“. Welche Komponisten oder Filmsoundtracks haben euch besonders beeinflusst?
Es gibt eine Menge Filmkomponisten, die uns beeinflussen. Natürlich stehen Hans Zimmer oder John Williams ganz vorne, da sie wahrscheinlich die größten lebenden Komponisten sind, wobei John Williams eher den „klassischen“ Orchesteransatz vertritt und Hans Zimmer eher die technologische Seite der Musik. Aber es gibt auch andere Namen, die für mich wichtig sind, wie Thomas Newman, Thomas Bergersen oder John Powell. Wenn es filmisch klingen soll, sind diese Leute einige der größten Namen da draußen, und wir können nur versuchen, wie die Größten zu sein, obwohl wir das natürlich nie hinbekommen. (lacht) Nicht bis jetzt.

„“Anabasis“ deckt alle Epochen des Albums ab“

„Anabasis“ ist wie eine kleine Sinfonie: ein gemächliches Intro, der spannende und sich oft verändernde und steigernde Mittelteil und schließlich ein sanfter Abschluss, der übrigens auch als letzter Track auf dem Album perfekt ist. Wie ist „Anabasis“ entstanden, was bedeutet es für euch?
Auf diese Weise, ähnlich einer Sinfonie, habe ich das nie betrachtet, aber es macht Sinn. „Anabasis“ war der erste Song, an dem wir gearbeitet haben, und der letzte, den wir fertiggestellt haben, also deckt er den gesamten Entstehungsprozess des Albums und sozusagen alle „Epochen“ in diesem Prozess ab. Mittendrin hatte die Pandemie noch alles gestoppt. Ich denke, es deckt all unsere Gefühle in dieser Zeit ab und ganz grundlegend passiert da echt viel. Abgesehen von den unterschiedlichen Teilen haben wir ja auch Stefan Kummerer, Angel Vivaldi und Merethe Soltvedt dabei, die den Track zu einem perfekten Abschluss für das Album machen. Es ist ein sehr kompletter Song geworden. Wir haben das Ende auch wieder so gestaltet wie gewohnt, nämlich wie den Abspann zu einem Film. Jeder alte PERSEFONE-Fan wird diese drei Tracks lieben.

„Metanoia“ fühlt sich von Anfang bis Ende wie eine zusammenhängende Reise an. Ist das Album so konzipiert, gehören die Songs alle zusammen?
„Metanoia“ ist ein Konzeptalbum, also ja. Auch, wenn man jeden Song einzeln hören kann und diese so perfekt funktionieren, kannst du das ganze Album hören und hast das Gefühl, dass einzelne Teile oder Melodien über die Platte hinweg immer wieder auftauchen. Etwas, das uns sehr gefällt, wenn die Hörer über unsere Alben reden ist, wenn es sich für sie wie eine Reise anfühlt, bei der man sich hinsetzt und sie genießt. „Metanoia“ gehört auf jeden Fall in diese Kategorie.

Heutzutage konsumieren viele Hörer ihre Musik über Streaming- oder Download-Dienste und hören oft einzelne Songs in Playlists statt ganze Alben. Wie sehen Sie das in Bezug auf Ihre Musik?
Nun, ich denke Playlists sind eine wundervolle Möglichkeit, neue Bands kennenzulernen. Du machst Musik an und plötzlich haut dich eine Band um und du hörst dir mehr davon an. Da Bands wie PERSEFONE es sich nicht leisten können, in großen Radiostationen oder im TV gespielt zu werden, sind Playlists eine gute Sache für uns, neue Fans zu erreichen. Also, alles gut damit!

Kommen wir zum Abschluss zu unserem traditionellen Brainstorming. Was fällt dir zu folgenden Begriffen zuerst ein…
Aktuelles Lieblingsalbum:
Dance With The Dead – Driven To Madness.
Impfung: Konfrontation, wenn es um Gesundheit geht.
Natur: Zuhause.
Religion: Respekt für persönliche Entscheidungen.
„Metanoia“ ist der perfekte Soundtrack für diesen Film: Ich kann keinen einzelnen Film nennen, aber die Soundtracks von Blade Runner waren immer ein Einfluss für mich.
Etwas, das jeden Tag besser macht: Aufwachen.
PERSEFONE in zehn Jahren: Die gleichen alten Typen mit der gleichen Philosophie um Musik zu machen.

Danke dir nochmal für deine Zeit! Die letzten Worte gehören dir.
Danke euch allen! Wir haben “Metanoia” gerade veröffentlicht, ich lade euch also alle ein, es euch anzuhören! Ihr könnt uns auch auf alle Social-Media-Kanälen finden, wenn ihr uns und unseren aktuellen News folgen wollt. Habt einen guten Tag und bleibt gesund!

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