Interview mit Falk Irmenfried von Hasen-Mümmelstein und Bruder Frank von Saltatio Mortis

10 Jahre Saltatio Mortis – ein Grund für ein ausführliches, hochgradig unterhaltsames Gespräch mit Falk und Bruder Frank, inklusive einem Gastauftritt der Eisbrecher am Nebentisch und teilweise sogar kurzen Antworten auf die gestellten Fragen.

Audioversion des Interviews (ca. 55 Min.)

Sehr geehrte Leser, ich sitze hier zusammen mit Bruder Frank und Falk Irmenfried von Hasen-Mümmelstein zum Interview für metal1.info auf dem Veldensteiner Festival. Der Anlass ist das 10-jährige Bestehen von Saltatio Mortis, welches dieses Jahr mit einem großen Konzert in Wuppertal gefeiert wird.
Für was steht SaMo für euch nach 10 Jahren, 7 Studioalben und unzähligen Liveauftritten?

Falk: Wir haben sehr viel Freude an dem, was wir tun, und sehr viel zusammen erlebt. Für was Saltatio steht? Für mein Leben – im weitesten Sinne…
Bruder Frank (unterbricht): Falk Irmenfried von Hasen-Mümmelstein ist 10 Jahre alt…
Falk (lacht): Menschenskinder!
Bruder Frank: Was hast du in den 10 Jahren alles erlebt?
Falk: Unglaublich viel. Wir haben viele Länder bereist…
Bruder Frank (unterbricht): Nein.
Falk (energisch): Doch, natürlich. Wir waren schon in Portugal – und im Saarland auch. Darüber hinaus haben wir die neuen Bundesländer bereist.
Bruder Frank: Ziemlich oft sogar.
Falk: Und mit Freuden. Ansonsten steht Saltatio Mortis für ein riesiges Abenteuer, welches wir quasi live erleben dürfen.
Bruder Frank: Und dafür, dass die Leute immer noch unsere Musik hören wollen.
Falk: Den ein oder anderen Bassisten haben wir dabei ja auch schon ausprobiert…


In welche Phasen würdet ihr euer gemeinsames Schaffen unterteilen?
Falk: Es gibt die Zeit vor Bruder Frank und die Zeit mit Bruder Frank. Im ersten Drittel waren wir noch in der Art Selbstfindungsphase: Wo wollen wir hin, was wollen wir machen, wie wollen wir uns anhören? Dann gab es das zweite Drittel, wo wir das schon erahnt hatten. Schließlich kam Bruder Frank und alles wurde gut.
Bruder Frank: Alles wurde anders, alles wurde besser.
Falk: Alles wurde gelber.
*allgemeines Gelächter*
Falk: Dazu muss man sagen, wir haben mit ihm die „Aus der Asche“ geschrieben.
Bruder Frank: Nein.
Falk: Du hast da noch nichts geschrieben und keinen Einfluss gehabt?
Bruder Frank: Doch, mitgespielt habe ich, ein wenig.
Falk: Also, ab Bruder Frank hat sich das alles verändert mit „Aus der Asche“. Dadurch hat sich die Band definiert und es begann das, was für mich heute Saltatio Mortis ist. Davor haben wir das gemacht, was uns Freude und Spaß bereitet. „Aus der Asche“ hat wiederum den Startschuss dafür gesetzt, wo wir mit „Wer Wind sät“ weitergemacht haben.
Bruder Frank: Es wurde viel ausprobiert. Mal hier, mal da. Mal besser, mal experimenteller. Seit 2-3 Alben haben wir eine klare Richtung eingeschlagen und ist jetzt schon absehbar, dass das bei dem, was wir als Nächstes nach der „Wer Wind sät“ als Studioplatte abliefern werden, so bleiben wird.
Falk: Was übrigens ganz großartig wird.

Frank, du spielst seit 3 Jahren bei Saltatio. Wie sind deine Erfahrungen, besonders im Vergleich zu den knapp 30 anderen Projekten, an denen du beteiligt warst und bist?
Bruder Frank: Man muss unterscheiden zwischen Bands, die nur Lieder nachspielen und wo man nur für ein paar Konzerte – jobmäßig – dabei war.
Falk: Er will damit sagen, er war irgendwann einmal Söldner und kämpft jetzt sozusagen für eine Fahne.
Bruder Frank: Ja, quasi…so wie in Nord- und Südkorea…
*ungläubiges Staunen und Gelächter*
Ok, schlechtes Beispiel. Mit Saltatio ist es etwas anderes. Wir sind nicht nur eine feste Band, die zusammen Musik macht, sondern eine Familie, eine Firma…wie auch immer man das nennen mag.
Falk: Du kannst das mit der Familie ruhig mutig aussprechen, du hast ja recht damit.Bruder Frank: Ja, wir teilen Betten miteinander. Andere schlafen in deinem Bett, obwohl du es nicht magst. Das ist sogar erst heute passiert. Aber dazu später mehr.
Der größte Unterschied ist, dass wir unsere eigene Musik spielen können und damit Leute erreichen. Jede Melodie von uns wird sehr deutlich wahrgenommen und es macht einfach Spaß. Ein wichtiger Teil bei einer Band ist auch immer die Weiterentwicklung: Man kann sich einen Grundstock aufbauen, den man weiter optimiert und verbessert. Natürlich macht man hier und da Fehler, aber genau dazu ist es da. Deswegen macht es mir auch so viel Spaß, da ich nicht alle 3 Wochen mit anderen Musikern zusammenarbeite, sondern ein bestehendes Projekt sinnvoll weiterentwickeln kann. Ich bin jetzt seit 2 Studioalben dabei…
Falk: …und er ist wirklich die Stütze bzw. der Petrus unserer Plattenproduktion.Bruder Frank: Die Zitrone?
Falk: Er ist die Zitrone – und manchmal auch die Banane – unserer Produktion. Im Ernst: Ohne ihn könnten wir das, was wir gerade tun, nicht in dieser Qualität und Geschwindigkeit umsetzen. Außerdem tritt unser Bruder Frank u.a. als Hit bei Teddy Schmacht auf. Da bin ich ein großer Fan von. Das ist ein Weltklassestar, der jetzt sein Comeback gibt und vor 60 Jahren groß im Geschäft war. Wir unterstützen ihn auch…ich bin auf jedem Konzert…
Bruder Frank: Ja, dem einen. Natürlich mach ich hier und da auch noch andere Dinge, die durch die Abwechslung erfrischend sind. Der Vorteil von einer festen Band wie Saltatio ist aber, dass man alles zusammen weiterentwickeln kann, auch mit unserer großartigen Crew, die wahrscheinlich grad am anderen Tisch Witze über uns machen.
Falk: Die sind wirklich ganz ganz toll. Man muss das öfters sagen, denn die sind verdammt groß und stark. Aber zurück zum Thema: Der Einstieg von Bruder Frank war ein Neuanfang, würde ich sagen. Oder zumindest richtungweisend…

Euer 10-Jahres-Konzert findet im Oktober in Wup…
Falk: Am 15. Oktober…
Am 15. Oktober…
Bruder Frank: …um 20 Uhr…
…von und mit…
Beide: SALTATIO MORTIS!
Falk: Es sind auch Gäste dabei. Es kommt z.B. die Doro, die wird bei „Salomé“ mitsingen. Außerdem sind noch Dr. Pest von den Apokalyptischen Reitern, Victor Smolski von Rage sowie Eric Fish/Frau Schmidt/Bodenski von Subway to Sally dabei. Alle diese Kollegen waren sofort Feuer und Falle dafür, diesen Abend mit uns zu gestalten. Darüber freue ich mich besonders und es ist ein wunderschönes Gefühl, dass diese Musiker mit uns zusammen spielen wollen.

Warum findet das Konzert ausgerechnet in Wuppertal statt?
Falk: Die Schwebebahn…die Schwebebahn ist ein ganz wichtiger Faktor…nein…für Wuppertal sprechen zwei Aspekte: Einmal liegt es im Ruhrgebiet und wir haben dort eine großartige Fanbase. Zudem ist die Logistik in Wuppertal sehr gut und ohne den dortigen Veranstalter würde es ebenfalls nicht funktionieren. Wir haben darüber hinaus eine Halle gefunden, in der bis dato noch kein Rockkonzert stattgefunden hat. Die alte Stadthalle ist dabei so außergewöhnlich, dass wir uns gedacht haben: Ok, der Standort passt, die Location funktioniert, die Halle ist toll – fahren wir doch dahin und machen es dort.

Was könnt ihr zu der Live-DVD, die an diesem Abend dort aufgenommen wird, bereits sagen? Im Hinblick auf Veröffentlichungsdatum und Bonusmaterial. Ihr habt ja bereits bei eurer letzten Hallentour einige Konzerte mitgeschnitten.
Bruder Frank: Ein Veröffentlichungsdatum gibt es noch nicht, voraussichtlich Frühjahr 2011. Es wird eine Aftershow-Party geben, die zum Leid vieler sehr schnell ausverkauft war. Diese Party wird auch gefilmt. Inwiefern sie ins Bonusmaterial einfließt, ist noch nicht sicher. Wir wollen das After-Show Konzert aber auf jeden Fall auf der DVD haben.
Unsere Konzertmitschnitte aus dem letzten Jahr haben wir intern für unsere Podcasts verwendet oder auch zur Selbstkontrolle. Wir werden unseren heutigen Auftritt ebenfalls filmen, einfach um zu sehen, wie bestimmte Songkombinationen funktionieren. Wie bereits gesagt, sind wir stetig an unserer Weiterentwicklung interessiert, so dass wir diese Aufnahmen verwenden, um uns zu kontrollieren, Fehler festzustellen und auch lustige Zwischenfälle festhalten zu können.
Falk: Ich freue mich tierisch auf diese DVD-Aufnahme. Wir haben da eine riesige Lawine losgetreten und werden die DVD über Napalm Records selbst veröffentlichen. Die Video-Crew umfasst 15 Mitglieder, es wird einen speziellen Kran geben und wir werden Schienen verlegen, um bestimmte Einstellungen zu drehen. Zudem werden wir eine eigene Soundanlage aufstellen, da die vorhandene zu klein ist. Wir werden alles für das bestmögliche Ergebnis tun. Und noch einmal zur Frage von vorhin: Die Halle haben wir auch deswegen gewählt, weil wir eine Spannung wollten zwischen einem modernen Gebäude bzw. der Bühne und einer mittelalterlichen Band. In diesem Spannungsfeld wird sich das Konzert dann abspielen.

10 Jahre sind eine sehr lange Zeit. Erinnert ihr euch noch an euer erstes Konzert mit der Band?
Bruder Frank: Meines war am 26. Dezember 2006.
Falk: Und wie war’s?
Bruder Frank: Es war nicht schlecht. Aber es war das einzige Saltatio-Konzert, das ich ohne Brille gespielt habe. Das war eine Katastrophe.
Falk: Mein erstes Konzert war im März 2000 beim Geburtstag einer befreundeten Band. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten wir nicht einmal zusammen im Proberaum gestanden. Manche haben sich an diesem Abend erst kennengelernt. Das war sehr skurril. Aber es hat den Leuten so gut gefallen, dass sie uns wieder hören wollten. Dann dachten wir uns, wir machen das nun fixer und fester und proben alle zusammen. Das Prinzip wird heute noch verfeinert *lacht*

Wie bewertet ihre eure musikalische Anfangszeit mit den Album „Tavernakel“/“Das Zweite Gesicht“ im Vergleich zu heute mit „Wer Wind sät“?
Falk: Das kann man fast gar nicht vergleichen. Die „Tavernakel“ war für uns als damalige Straßenkapelle einfach ein Mittel, um Geld zu verdienen und damit die Leute etwas von uns mit nach Hause nehmen können. Außerdem wollten wir damals nach Schweden auf eine mittelalterliche Woche und uns über die CD den Sprit finanzieren. Natürlich war das nicht so einfach wie wir uns das damals gedacht hatten. Zum Glück haben wir immer noch einen sehr guten Freund namens Lutz Demmler von Umbra et Imago. Ihm gehört das Twilight Soundstudio und ich kannte ihn, weil ich für sein Dracul-Projekt einmal Drehleier eingespielt habe. Der Lutz hat uns dann unter seine Fittiche genommen und uns z.B. erklärt wie so ein Mikro funktioniert und auf was man achten muss. Heute ist das alles anders – das macht alles Frank…*lacht*
Bruder Frank: Ja, die Band muss sparen, deswegen wird in Südostasien eingekauft und seitdem bin ich da.

Eure Albenverkäufe sind bis jetzt immer sukzessive gestiegen, ebenso wie die Chartplatzierungen. Glaubst du, dass ihr diesen Weg weiterhin fortsetzen könnt…
Falk: Aber sicher *grinst*
Das Problem bei den Charts ist, dass es irgendwann nicht mehr weiter geht, wenn man erst einmal auf der 1 steht. So ein bisschen Zeit können wir uns damit noch lassen, aber wir wollen uns langsam annähern. Der Chartentry ist allerdings nur ein Maßstab dafür, wie viele Leute es genau in der Woche schaffen, zum Media Markt zu gehen und dort deine CD zu kaufen. Für mich ist es ein Maßstab dafür, wie viele Leute so begierig sind, dass sie sich sagen: Ich kauf mir die Platte jetzt sofort. Ich find es wahnsinnig, wenn ich sehe, wie viele Irre dann tatsächlich unterwegs waren.

In Extremo und Unheilig hatten bereits eine Platz 1-Platzierung in den Charts…
Falk: Ja, aber da gibt es ja noch weitere Steigerungsformen.
Bruder Frank: Zwei erste Plätze.
Falk: Oder Thailand. Dort Platz 1.
Bruder Frank: Haben wir noch nicht geschafft.
Falk: Hat In Extremo auch noch nicht geschafft.

Der letzte mediale Durchbruch gelang Unheilig. Wie habt ihr das verfolgt bzw. wie ist eure Meinung zu dieser Entwicklung?
Falk: Ich habe vor jedem Kollegen, der das schafft, einen Heidenrespekt, denn es steckt unglaublich viel Arbeit dahinter. Allein die Videoproduktionen fressen unglaublich viel Zeit. Dazu kommen seinen anstrengenden Tourpläne. Wir haben bereits mit ihm zusammen auf dem Blackfield gespielt. Allerdings gab es noch nicht zu viel persönlichen Kontakt. Als Kollege macht er einen sehr bodenständigen Eindruck und ich gönne ihm seinen Erfolg wirklich von ganzem Herzen.

Wodurch unterscheiden sich die ersten Jahre nach euren letzten Alben „Aus Der Asche“ und „Wer Wind Sät“? Welche Unterschiede und Gemeinsamkeiten gab es im Hinblick auf die Medien und die Fanreaktionen?
Bruder Frank: Ich denke, dass diese beiden Alben sehr geradlinig sind. „Des Königs Henker“ hatte bereits eine gewisse Präsenz auf sich gezogen und landete in den Charts auf Platz 54. Dadurch hatte viele erst die Möglichkeit, den Weg zur „Aus der Asche“ zu finden. Das war dann für mich ein sehr straightes Rockalbum, das eine Menge guter Songs hervorbrachte, wie das immer wieder gewünschte „Prometheus“ plus ein paar andere Nummern, die wir immer noch im Programm haben. Bei der „Wer Wind sät“ hat ein anderes Songwriter-Team das alles weitergeführt und wir wurden experimenteller, um zu sehen, was noch alles in der gleichen Richtung möglich ist. Was wir jetzt machen, ist ein Mix aus beiden, sozusagen ein Best Of. Das ist auch die Summe aus dem, was wir als Band sind und wo wir herkommen. Jeder von uns hat AC/DC-Scheiben und mittelalterliche Platten im Schrank stehen. Wir schaffen sozusagen Synergien aus den Anfängen als mittelalterliche Straßenband und heute.
Falk: Wie war die Frage? *grinst*
Du bist jetzt irgendwie abgedriftet, oder?
Bruder Frank (verteidigend): Ich hab jetzt die beiden Alben verglichen. Den Unterschied bei der Medienpräsenz darfst du erklären, da du der einzige von uns beiden bist, der noch in die Vergangenheit schauen kann.
Falk: Wo ich mich noch dran erinnere *lacht*
Wobei wir von allem wenig mitbekommen. Wenn du derjenige bist, der das macht, bekommst du deine Außenwirkung nicht mit. Und man trifft unglaublich selten auf Leute, die sich über deine Musik so unterhalten als wärst du nicht da. D.h. es gibt kein natürliches Feedback, sondern es ist immer gefärbt. Entweder will jemand zeigen, was er für ein geiler Musikredakteur ist oder jemand möchte dir Honig ums Maul schmieren. Es gibt aber auch viele, die gutes Feedback geben. Allerdings weiß ich nicht, wie wir von außen wahrgenommen werden, ob wir die Lustigen, die Netten, die Arschlöcher, die Coolen oder sonstwas sind. Zwischen den beiden letzten Alben hat unser Label gesagt, dass das Thema ist und wir da etwas mehr investieren wollen…

Alexx Wesselsky (kopfschüttelnd am Nebentisch beim Schnitzel): Bei uns in Bayern sagt man: I red ja bloß, I sog ja nix.Aber ich bin ja bloß neidisch, dass mich keiner interviewt…
Falk: Wir können ja eine Frage einbauen. Hast du eine für ihn?
Nein, leider nicht.

*Falk und Alexx unterhalten sich über das Thema Charts*

Bruder Frank: Die Feedbacks zu den CDs passieren zeitverzögert. Wir arbeiten jetzt schon wie wild an der DVD und der nächsten Rock-CD, während sich die Leute noch von der Begeisterung der „Manufactum II“ erholen…
Falk: …oder noch mittendrin sind.
Bruder Frank: Manche sind jetzt noch nicht aufgewacht.
Falk: Wir kennen ja schon die Songs, die 2011 die Charts stürmen werden – sogar in Thailand. Es ist furchtbar, dass man jetzt noch so lange warten muss, wenn man selbst weiß, was da für ein Donner auf euch zurollt und wir dürfen es noch nicht spielen.
Bruder Frank (in einem Anflug von Verzweiflung): Und das Album ist noch nicht einmal fertig!

Könnt ihr irgendwas davon verraten?
Bruder Frank: Ich spiele irgendwann ein D.
Falk: Wir werden es auf CD pressen *grinst*
Es wird…ähm…nein…dann wäre es ja keine Überraschung mehr.
Bruder Frank: Ok, ich spiele kein D.
Falk: Er spielt doch ein D.

Bei eurem letzten Album habt ihr auch zum ersten Mal Musikvideos gedreht – zu „Letzte Worte“ und „Ebenbild“. Wer hatte die Idee dazu und wie ist das Konzept?
Falk: Wir arbeiten mit Dirk Weiler von Brand-X Films zusammen. Die Grundkonzeptionsidee für „Ebenbild“ stammte von ihm. Wir haben dann die Location, die Kostüme und alles weitere für die Umsetzung gesucht. Beide Videos sind an einem Wochenende im Alten Schlachthof in Karlsruhe gedreht worden. Ich war einerseits verblüfft, was das für ein Aufwand ist, aber andererseits hat die filmische Umsetzung richtig Spaß gemacht. Außerdem haben wir festgestellt, dass Alea neben seinem Sanges- auch ein unglaubliches Schauspieltalent hat.
Eine Situation hat mich aber besonders gerockt: Bei „Ebenbild“ gibt es einen Kerzenkreis mit einem Pentagramm drin. Beim Zeichnen des Pentagramms ist uns irgendwann die Kreide ausgegangen. Also haben wir beratschlagt, wo wir nun nachts Ersatzkreide herbekommen. Wir sind dann auf die Idee gekommen, bei der Polizei anzufragen und haben dort tatsächlich welche bekommen. Als wir allerdings das Pentagramm wieder entfernen wollten, mussten wir feststellen, dass die Polizei spezielle Verkehrskreide benutzt, die sich nicht abreiben lässt. Egal, was wir versucht haben, es ging nicht weg. Zum Glück braucht man trotzdem viel Fantasie, um es jetzt noch zu erkennen.

Frank, du spielst nur die Rockshows mit Saltatio. Wie ist deine Meinung zu „Manufactum II“, mittelalterlichen Märkten und Akustikkonzerten dort?
Bruder Frank: Manche wissen es. Manche fragen mich heute immer noch, wo ich denn auf dem letzten Mittelaltermarkt war. Von meiner Seite aus war es eine Voraussetzung, bevor ich eingestiegen bin. Ich komme aus der Rockmusik und hatte vor Saltatio nicht eine Mittelalter-CD im Schrank stehen. Die Mittelalterecke ist nicht so ganz meine Freizeitgestaltung und ich habe dazu nicht den Bezug wie meine Kollegen. Allerdings war ich bereits auf ein paar Märkten und fand es sehr eindrucksvoll. Ich glaube nur, dass es dauerhaft nicht meine Welt wäre. Falk weiß z.B., dass ich ohne Strom und Internetanschluss nur kurz still halten kann.Falk: Wir hätten ihn ja gerne dabei…wir haben auch schon ein Instrument für ihn…es steht bei mir im Wohnzimmer…

Was wäre es denn?
Falk: Das Trumscheit, der erste mittelalterliche Bass.
Bruder Frank (verzweifelt): Mit einer Saite…
Falk: Mit zwei Seiten…aber er will es einfach nicht spielen. Dabei wäre es sogar größer als er…
Bruder Frank: …was keine Kunst ist.

Falk, bei mittelalterlichen Märkten spielt ihr statt dessen seit gut über einem Jahr mit Jean Mechant – wie schwierig ist die Umstellung von Rock auf Mittelalter, sowohl personell als auch vom Stil?
Falk: Für mich ist es quasi keine Umstellung, da ich die gleichen Instrumente (Dudelsack, Drehleier) spiele. Wenn wir mittelalterliche Stücke spielen, dann sind die Melodieinstrumente natürlich permanent gefragt. Beim Rock hat man hingegen dezidiertere Parts. Ansonsten hat die mittelalterliche Bühne etwas sehr Familiäres, da wir sehr nah an der Menge sind. Die Rockbühne hat für mich eine größere Distanz zum Publikum – und die höhere Lautstärke.Bruder Frank: Du hast Jean vergessen…
Falk: Stimmt. Siehst du, das fällt mir gar nicht auf: Du oder er *lacht*
Der Jean ist ein hammer Percussionist und ein großartiger Kollege, mit dem es unheimlich viel Spaß macht. Ich freue mich immer, wenn er dabei ist, und es wäre ein Traum, wenn wir das Dreamteam bestehend aus Jean Mechant und Bruder Frank einmal zusammen auf einer Bühne erleben könnten. Ob das vielleicht in Wuppertal klappt?

Ihr seid sehr engagiert bei MySpace. Wie sind eure Erfahrungen mit den Fans und dem Feedback, das ihr dort bekannt?
Falk (in der einzig einsilbigen Antwort des Tages): Super.
*großes Gelächter*
Wir haben einmal einen Artikel gelesen zur großen O-Offensive von Barack Obama als Teil seines Wahlkampfes. Zu den Säulen seines Erfolgs zählte u.a. seine Internetpräsenz. Dann kam Bruder Frank ins Boot und da er als Chinese praktisch prädestiniert für Technik ist, bekam er die Aufgabe, sich damit auseinanderzusetzen. Seitdem sind medienmäßig richtig am Start. Außerdem ist er verantwortlich für unsere Podcasts und Videoauftritte. Er baut sich sozusagen als Little Spielberg sein zweites Standbein auf.

Falk, du wirst demnächst ein Video aufnehmen und Fanfragen beantworten…
Falk (ungläubig): WAS?
*großes Gelächter*
Aso…“Frag den Falk“, jetzt weiß ich’s. Wir haben das Video bereits vor einem halben Jahr aufgenommen und heute morgen wurde mir gesagt, dass das jetzt online ist. Und ja, ich werde Fragen beantworten.
Bruder Frank: ALLE!
Falk: Ja, alle.

Irgendwelche speziellen Erwartungen an die Fragen?
Falk: Nein. Ich habe ja gerade bewiesen, dass ich auch kurz und prägnant auf Fragen antworten kann. Aber es sollen keine Ein-Wort-Antworten werden. Und ich freue mich wirklich auf jede Frage, die spannend ist und bei der ich recherchieren muss. Bruder Frank wird mich bei meinen Recherchen begleiten, wenn wir z.B. ins Museum gehen…
Bruder Frank: In deine Geburtsstätte?
Falk: Bruder Frank wollte es im Stil von Dr. Sommer aufziehen, aber ich bin mir sicher, dass unsere Fans wissen, was sich gehört. Zudem haben wir uns ein Konzept überlegt: Ich soll jedes Mal, wenn wir meine Antworten aufnehmen, einen anderen Hut tragen.

Wie war euer erster Kontakt zu Fans und wie haben sich das Verhalten bzw. ihre Ansprüche im Laufe der Zeit geändert?
Falk: Das ist ein schwieriges Thema. Wenn sich jemand bei mir vorstellt, kann ich ihn nicht mehr als Fan definieren, da ich ihn dann kenne. Fans generell sind ja eher eine undefinierte Mengenangabe. Wir sind generell alle sehr offen und herzlich – bis auf Bruder Frank, der ist etwas schüchtern. Ansonsten pflegen wir intensiven Kontakt zu den Leuten, die Spaß an unserer Musik haben – und das sind für mich keine Fans. Wenn ich z.B. auf einem Markt einen Lederer mit geilen Beuteln sehe, dann gehe ich hin, rede mit ihm, empfehle ihn weiter und frag ihn, wie er seine Ware herstellt. Ich bin kein Fan von dem Beutel. Deswegen ist das Wort Fan schwierig für mich.
Ich bin z.B. Michael Jackson-Fan. Bruder Frank und ich haben zusammen „This is it“ gesehen und ich war überrascht. Es ist eine hammer DVD mit hammer Material über einen echten Ausnahmenkünstler. Egal, ob man die Musik mag oder nicht – die Leistung dahinter ist unglaublich.
Bruder Frank: Und was hat das mit der Frage zu tun?
*allgemeines Gelächter*
Es ist schön, Fans zu haben. Sie ermöglichen uns, das zu tun, was mir gerade machen, wie z.B. dieses Interview geben. Wir unseren Fans jeden Tag dankbar und je mehr Leuten unsere Musik gefällt, desto besser. Wir freuen uns auch immer wieder, wenn wir unsere Fans nach jedem Konzert am Merchandisestand treffen und man auch einmal ein paar Sätze gewechselt bekommt. Natürlich hat es Alea dabei schwieriger, weil sich die ganze Meute auf ihn stürzt – was für mich völlig ok ist. Letztendlich würde es aber ohne diese Menschen nicht gehen und wir hoffen, dass wir unseren Fans durch unsere Podcasts etc. möglichst viel zurückgeben können.

Mit ASP habt ihr vor langer Zeit den Track „Besessen“ aufgenommen, Doro Pesch wirkte bei „Salomé“ mit. Welcher Musiker konnte durch Gastauftritte am meisten zu euerer Musik beitragen und habt ihr vage Vorstellungen, welche Kooperationen noch möglich sein könnten?
Bruder Frank: Letztendlich sind wir offen für jede Zusammenarbeit, solange es eben passt. Wir haben meist keine konkreten Vorstellungen, wer gerade zu einem bestimmten Song passt. Sowas ergibt sich auch zufällig, wie z.B. bei Doro. Das waren im Endeffekt anfangs nur Überlegungen.
Falk: Bei „Salomé“ muss man sagen, dass wir echt nur rumgesponnen haben. Wir haben gewusst, dass wir eine markante Frauenstimme brauchen und da nach der besten deutschen Sängerin gesucht. Doro Pesch war dabei sofort unsere erste Idee und wir brachen in Gelächter aus, weil sich niemand vorstellen konnte, dass sie das auch nur eines Ohres würdigt. Wir haben trotzdem einfach gefragt. Mit Nina Hagen z.B. haben schon viel zu viele etwas gemacht und Nena kam nicht in Frage. Doro hat zugestimmt und wir haben sie im Rahmen ihres 25-jährigen Bühnenjubiläums kennengelernt. Das war hammergeil.

Seht ihr euch auch in den nächsten 10 Jahren noch auf den mittelalterlichen Märkten durch die Lande ziehen, obwohl ihr vielleicht alleine von euren Rockshows leben könntet?
Falk: Es ist wohl eine Legende, dass man nur von seinen Rockshows leben kann. Wir können von der Musik leben, weil wir auf Mittelaltermärkten spielen. Rock ist eine wunderschöne Geschichte und wir wollen das ausbauen, weil wir sehr fest dran glauben. Es kann allerdings noch keine Lebensgrundlage sein. Dafür sind wir einfach zu klein. Deswegen freuen wir uns natürlich, wenn viele Leute auf unsere Konzerte kommen und das alles weiter wächst, weil wir dann unsere Träume tatsächlich verwirklichen können. Der Mittelaltermarkt ist uns extrem wichtig und wir werden ihn auf keinen Fall aufgeben. Auf den Markt zu fahren, ist wie heim zu kommen. Bruder Frank schüttelt nun den Kopf und rollt die Augen.Wären wir allerdings so erfolgreich wie Tokio Hotel, könnten wir nicht mehr auf Märkten spielen, da dort die Sicherheitsvorkehrungen nicht gegeben sind.

Wie sehr plant ihr eure Zukunft? Lasst ihr das meiste einfach auf euch zukommen oder habt ihr konkrete Vorstellungen?
Bruder Frank: Letztendlich planen wir das schon, indem wir neues Material schreiben und nicht von Album zu Album hüpfen. Wir verfolgen ein Konzept, das wir über die Jahre entwickelt haben und immer weiter entwickeln.
Es war z.B. nicht geplant, direkt nach der „Wer Wind sät“ eine mittelalterliche Live-Scheibe zu machen. Das hat sich so ergeben, u.a. weil viele Fans diesen Wunsch an uns herangetragen haben. Das heißt nicht, dass wir nun alle 2 Jahre eine solche Scheibe nachschieben werden, aber wir nehmen die Reaktionen, besonders im Social Media-Bereich, sehr wohl war. Wir beantworten auch so viele Fragen wie möglich, wenn es über ein „Huhu! Wie geht’s?“ hinaus geht. Würden wir alle eingehenden E-Mails beantworten, könnten wir 2 Jahre keine Musik machen. Natürlich schauen wir auch, was draußen passiert und was andere Bands machen. Das fließt alles in unsere Konzeption für neue Alben und die nächsten 2-3 Jahre ein.
Falk: Unsere konkrete Planung geht aktuell bis 2013. Bei dem Aufwand, den wir betreiben, können wir auch nicht von der Hand in den Mund leben. Allerdings haben wir uns noch keine Gedanken darüber gemacht, wann wir aufhören. Wir hoffen, dass alles weiter wächst und noch möglichst viele Menschen Spaß an unserer Musik haben werden.

Zum Schluss ein paar kurze Punkte zu „10 Jahre Saltatio Mortis“.Dein persönliches Lieblingslied:
Falk: Boah…*überlegt lange*
Bruder Frank: Das mit der Insel?
Falk: Eine Insel? Nein, Quatsch. God gave Rock’n’Roll.
Im Ernst, das ist sehr schwierig. Im Moment schwanke ich zwischen „Worte“ und „Letzte Worte“. Diese Songs sind spielerisch für mich derzeit am schönsten.
Bruder Frank: Das ist in der Tat schwierig. Eines meiner persönlichen Lieblingsstücke bei der Liveshow ist „Miststück“. Das ändert sich allerdings von Tag zu Tag.

Dein Lieblingsalbum:
Bruder Frank: Wer Wind sät.
Falk: Wer Wind sät.

Einprägsamtes Erlebnis bei einem Liveauftritt:
Falk: Letzte Woche bei einem Open-Air Auftritt. Alea hat als Teil seiner Show einen Move, bei der er das Publikum teilt, so wie Moses das Meer. Er rennt dann los mit einer unserer Fahnen und der Plan ist, dass sich die Menge hinter ihm wieder vereinigt. Dem Publikum letzte Woche war allerdings sofort klar, dass das eine Wall of Death ist. Wahrscheinlich haben sie ihn nicht verstanden. Auf jeden Fall rennt er mit seiner Fahne los, die Leute stürmen aufeinander zu und ich sehe von der Bühne aus nur noch, wie diese Flagge plötzlich Zacken schlägt, bis sie irgendwann weg war. Wir wussten, dass er ein offenes Mikrofon in der Hand hält, und sahen, wie unsere Backliner in die Menge hechten, um ihn rauszuziehen. Nebenbei erfahre ich, dass er sein Mikro verloren hat, welches knappe 2.500 Euro kostet und von mehreren begeisterten Freunden vor der Bühne rumgekickt wurde. Letztendlich wurde er gerettet und konnte mit intaktem Mikrofon weitersingen. Aber dieses Bild, wie Alea in der Menge unterging, war einfach großartig.
Wir haben derzeit aber noch weitere Highlights am Start: Auf dem Mittelalterlich Phantasie Spectaculum arbeiten wir mit dem Duo Raftan zusammen, welches eine Pyroshow für uns macht. Für ein paar Songs haben wir noch Sir Henry Hot mit seiner Gasanlage als Unterstützung, der z.B. bei „Prometheus“ mit 30 m hohen Fackeln die Nacht erhellt. Das ist ein irres Gefühl, wenn um einen herum sozusagen die Bühne explodiert.

Euer schönstes Fangeschenk:
Falk: Ein historisches Schaukelpferd, welches ich in kurzen Hosen nachts um 4 Uhr auf einem Markt angetrunken zu unserer Schlafstätte getragen habe.
Bruder Frank: Ich bekomme immer ganz viele Foto-CDs geschenkt, weil ich unser Archiv verwalte.
Falk: Du hast doch auch auf unserem letzten Fanclub-Treffen ein Kissen geschenkt bekommen. Und du hast bestimmt ein Gummitier an einer Aufziehkette bekommen.
Bruder Frank: Nein.
Falk: Stimmt, das war auf einem Mittelaltermarkt.
Bruder Frank: Manche wissen nicht einmal, dass ich existiere…

Was du immer schon einmal mitteilen wolltest, aber bis jetzt in keinem Interview gesagt hast:
Bruder Frank: Falks wahres Alter. Er überlegt noch…
Falk: Oh Gott, das ist schwer…*überlegt lange*
Bruder Frank: Ein Gruß an deine Mama?
Falk: Die wird das nie lesen oder hören.
Bruder Frank: Du kannst es ihr vorlesen oder den Link schicken.
Falk: Stimmt aber, ich habe noch nie meine Mama gegrüßt. Aber du könntest doch auch deinen Vater grüßen?
Bruder Frank: Oder ebenfalls meine Mama oder meine Katzen.
Falk: Stimmt. Wir grüßen jetzt die Katzen von Bruder Frank, denn die mag ich auch sehr. Wir grüßen…
Bruder Frank: …den Emil…
Falk: …den Nelson…
Bruder Frank: …und den Yoda.

Und die Abschlussfrage: Wer schlief letzte Nacht in Falks Bett?
Bruder Frank: Das war nicht letzte Nacht, sondern auf der Fahrt im Nightliner hierher. El Silbador hat mit seinem kalten Herz einfach eine Koje genommen…
Falk: …als falscher Freund…
Bruder Frank: …hat er die Salomé gemacht…
Falk: …und meine letzten Worte waren: Penn doch weiter, du Miststück.