Konzertbericht: From Fall To Spring w/ Cyan Kicks, Letters Sent Home

01.11.2025 Köln, Carlswerk Victoria

Erst letztes Jahr bespielten FROM FALL TO SPRING Köln im ausverkauften Club Volta vor ca. 450 Besuchern. Nun stehen die Saarländer wieder vor den Toren der Stadt am Rhein. Doch dieses Mal sind es knapp 2000 Fans im ausverkauften Carlswerk Victoria. Mit CYAN KICKS und LETTERS SENT HOME im Gepäck lockt die Kombination aus Metalcore, Nu Metal und Modern Metal ein breites Publikum an. Die Taktik, in unbekanntem Terrain einfach den Leuten mit schwarzer Kleidung und Bandmerch zu folgen, funktioniert heute allerdings nicht zuverlässig: Im Club Volta nebenan spielen nämlich VINTA und so finden sich einige Fans von FROM FALL TO SPRING in der falschen Schlange wieder. Ist diese Hürde erst gemeistert, folgt ein Abend, der eindrucksvoll zeigt, wie sehr FROM FALL TO SPRING gewachsen sind.

Trotz des denkbar ungünstigen Starts in den Abend ist das Carlswerk Victoria gegen 19:30 Uhr schon sehr gut gefüllt, sodass ein bequemes Durchkommen in die vorderen Reihen kaum noch möglich ist. Um Punkt 20:00 Uhr eröffnen dann LETTERS SENT HOME den Abend. Das Quartett rund um Sängerin Emily Paschke fordert im ersten Song schon einen Moshpit, mit dem Verweis darauf, dass es ihre Aufgabe sei, das Publikum aufzuwärmen. Die Show der Wolfsburger ist minimalistisch, der Sound passend zu Alternative Rock, leicht verzerrt und manchmal leicht poppig. Hin und wieder treten sie im Sinne der Choreografie alle gemeinsam gleichzeitig in die Luft. Erwähnenswert ist der gutturale Gesang von Bassist Robin Werner, der einen netten Kontrast zu Pasckes zarter Stimme herstellt. Der Höhepunkt der Show ist der Song „A Wife. A Whore“, während dem Sängerin Paschke alle weiblich gelesenen Personen im Publikum dazu auffordert, zusammen „Take it back!“ zu rufen. Nach 30 Minuten schließen LETTERS SENT HOME ihr Set.

  1. Bloom
  2. Misery Loves Company
  3. Pedestal
  4. I Hope I Die First
  5. Focus
  6. A Wife. A Whore.
  7. Phoenix
  8. Ignorance

CYAN KICKS aus Finnland übernehmen um 20:45 Uhr. Ihr Stil bewegt sich in einer ähnlichen, aber deutlich synthetischeren Richtung – moderner Metal, massentauglich, mit reichlich Synthesizer vom Band. Dadurch erscheint die Show etwas künstlich. Das tut der Dynamik der Show aber keinen Abbruch. So schüttelt sich Sängerin Susanna Alexandra oft in Ekstase ihre langen blonden Haare. Auch bemüht sie sich, mit dem Publikum auf Deutsch zu interagieren, was durch ihren finnischen Akzent charmant daherkommt. CYAN KICKS erinnern mit ihrem Stil an die Pop-Rock- und Pop-Punk-Ära der 2000er-Jahre. Titel wie „From The Bottom Of My Heart“ vom jüngst erschienenen Album „Come Hell, Come High Water“ und das Cover von ALEC BENJAMINs „Let Me Down Slowly“ kommen dadurch nicht sehr überraschend. Die Paarung aus bereits genanntem Sound und Modern Metal verarbeiten CYAN KICKS zwar griffig, aber auch nicht unbedingt innovativ.

  1. From The Bottom Of My Heart
  2. Echo
  3. Middle Of A Breakdown
  4. I Love U2
  5. Let Me Down Slowly (ALEC-BENJAMIN-Cover)
  6. Don’t You Say I Didn’t Warn You
  7. Invincible
  8. Gasoline
  9. Dancing With Demons
  10. Hurricane

Während sich das Publikum auf den Headliner vorbereitet, verteilt der FROM-FALL-TO-SPRING-Fanclub „FFTS-Army“ Leuchtstäbe im Publikum. Daran befestigt ist ein Zettel mit der Anweisung, die Stäbe während des BACKSTREET-BOYS-Covers „Incomplete“ für die Jungs in die Höhe zu halten – eine Aktion, die sich später als voller Erfolg erweisen wird.

Um 21:45 Uhr wird es dann dunkel im Carlswerk. Auf der Bühne beginnen Bildschirme zu flackern, das Intro erklingt, und FROM FALL TO SPRING betreten die Bühne. Die Saarländer eröffnen ihre bisher größte Show mit „Draw The Line“, und die vorher noch eher verhaltene Crowd beginnt zu toben. Das Stage-Design mit mehreren vertikalen Bildschirmen und die professionelle Lichtshow beeindrucken sofort. Dahingehend haben FROM FALL TO SPRING vorab nicht zu viel versprochen (mehr dazu im Interview).

Ebenfalls erwähnenswert ist das herausragende Zusammenspiel der Zwillinge Lukas und Philip Wilhelm. Zwar tragen die beiden Sänger unterschiedliche Outfits, aber gesanglich kann man sie nicht voneinander unterscheiden. Ihre Stimmfarben sind identisch und so perfekt aufeinander abgestimmt, dass sie gegenseitig ihre Verse beenden und weiterführen können. Technisch wie klanglich zeigen die Brüder wirklich nur das Beste – von extravaganten Rap-Parts über gefühlvollen klaren Gesang bis hin zu tiefen Growls wird hier alles präsentiert.

Das Spiel der Band ist zudem wesentlich härter und roher als auf ihrer letzten Platte „Entry Wounds“. Titel wie „Blood“, der ohnehin schon einer der wuchtigeren Songs war, und selbst „Cast Away“ knallen nun endlich so, wie man es sich auf dem Album stellenweise gewünscht hätte. FROM FALL TO SPRING wirken daher in Höchstform. Schön zu beobachten ist zudem Simon Triem, der trotz der stationären Arbeit am Keyboard wild tanzend die Show zelebriert.

Auf „Incomplete“ inklusive Leuchstab-Action folgt sodann die ESC-Single „Take The Pain Away“, und damit einer der lautesten Mitsingmomente des Abends. „Köln, das hier ist geiler als im Fernsehen!“, zieht die Band den Vergleich und das Publikum gibt ihnen lauthals recht. Im Zugabenblock eskaliert die Menge noch einmal bei „Chasing The High“, und als dann „Last Resort“ von PAPA ROACH erklingt, rasten selbst die Thekenkräfte aus und das Publikum schreit den Text voller Energie mit, ehe das Set mit „Control“ endet

  1. Draw The Line
  2. Blood
  3. Br4infuck
  4. Come Alive
  5. Black Heart
  6. Pieces
  7. Incomplete (BACKSTREET-BOYS-Cover)
  8. I Won’t Back Down
  9. Destiny
  10. Take The Pain Away
  11. Beastmode
  12. Simulation.exe
  13. Init
  14. Chasing The High
  15. Last Resort (PAPA-ROACH-Cover)
  16. Control

FROM FALL TO SPRING haben heute nicht nur ihre bisher größte Show gespielt, sondern auch bewiesen, dass sie fernab von ESC und Fernsehen auf die Bühne gehören. Die Saarländer sind eine Band, die für die Bühne gemacht ist – und spätestens nach diesem Abend im Carlswerk Victoria sind sie auch in den großen Hallen des Landes angekommen. 

Redaktion Metal1.info

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