
Die Nachricht über ihren Auftritt in Nordkorea (ausgerechnet LAIBACH, ausgerechnet mit „The Sound Of Music“) ging 2015 um die Welt: Latenight-Star John Oliver berichtete, ebenso die Kulturredaktionen der Weltpresse. Entsprechend groß war das Interesse der Feuilletonleser- und -reporterschaft, als die Slovenen ihre Interpretation des Musicals mit der Musik von Richard Rodgers und Texten von Oscar Hammerstein 2016 auch auf europäische Bühnen brachten.
Wie um dem „gesetzteren“ Publikum entgegenzukommen, waren die Hallen damals bestuhlt – und bis auf den letzten Platz gefüllt. Drei Jahre später ist das große Medienecho verhallt – entsprechend beschränkt sich das Interesse an der neuerlich mit „The Sound Of Music“ übertitelten Tour des slowenischen Künstlerkollektivs wieder auf sein traditionell sehr heterogenes Stammpublikum. Fakt ist: Für neuerlich knapp 40 € wollen heute merklich weniger Leute den Wiederaufguss des Musical-Konzepts in der diesmal unbestuhlten, dafür großzügig abgehängten Muffathalle sehen. Auch der eine oder andere alteingesessene Fan dürfte es sich zweimal überlegt haben.
Tatsächlich stellt sich der auf „The Sound Of Music“ basierende, 45-minütige erste Showteil dann auch als recht unspektakulär heraus: Das angekündigte neue Showkonzept macht sich in einer merklich düstereren Inszenierung des Materials bemerkbar. Was nun über die Backdrop-Leinwand flimmert, vermag die Skurrilität des LAIBACH-meets-„The Sound Of Music“-Konzepts jedoch nur noch stellenweise adäquat zu unterstreichen – ganz anders als der farbenfrohe austro-asiatische Stilmix, der die Show noch 2016 prägte.
Schade ist auch, dass Mina Špiler, neben Fronter Milan Fras lange Gesicht und Stimme der Band, neuerlich nicht mit von der Partie ist. An Milans Seite steht stattdessen die in Ljubljana lebende, schwedischstämmige Marina Mårtensson. Zwar ist diese stimmlich Špila keineswegs unterlegen – die Aura von „Eiskönigin“ Špila bleibt hingegen unerreicht. Aber immerhin steht Mårtensson tatsächlich auf der Bühne: Der als zweiter Gastsänger angekündigte Boris Benko vom slovenischen Synthpop-Duo Silence (LAIBACH-Fans aus der Kollaboration mit der Band für deren Album „Volk“ bekannt) ist nur auf der Videoleinwand präsent, sein Gesang kommt heute vom Band.
Zweifelsohne spannender ist, zumindest für besagtes Stammpublikum, was LAIBACH nach 15 Minuten Intermezzo im zweiten Showteil abliefern: Zur Werbung für ihre Boxset-Veröffentlichung „Laibach Revisited“ legen Milan Fras – nun im dunklen Anzug statt im weiße Kaftan – und Konsorten ein 45-minütiges Oldschool-Set hin. Nun ohne Mårtensson, dafür gelegentlich von Špila-Samples (und -Videos) begleitet.
Wer „Nova Akropola“ kennt, LAIBACHs fraglos schwer verdauliches zweites Album aus dem Jahr 1986, auf dem dieses Set zu weiten Teilen basiert, weiß, was ihn hier erwartet: Industrial – düster, minimalistisch und extrem kraftvoll inszeniert. Vor allem letzteres gilt für das monotone „Vier Personen“ genauso wie für das expressiv-experimentelle „Smrt Za Smrt“.
Die wahre Unberechenbarkeit LAIBACHs wird jedoch erst im viertelstündigen Zugabeblock deutlich: Mit Fras im ärmellosen Hemd, Mårtensson, die ihr hochgeschlossenes, schwarzes Kleid mit gestrenger Frisur unterdessen gegen einen 70er-Jahre-Rock-’n‘-Roll-Look mit astreinem Afro-Look getauscht hat, und dem Stones-Cover „Sympathy For The Devil“ – aber auch mit „The Coming Race“ und „Surfing Through The Galaxy“ aus ihrem Soundtrack zur eben erst angelaufenen Kult-Trashfilm-Fortsetzung „Iron Sky: The coming Race“. Spätestens, als Mårtensson zu letzterem noch die Akkustikgitarre auspackt und Fras – gewohnt humorlos, aber gewiss nicht ironiefrei – den Westernhut über die angestammte Haube zieht, ist klar: Legt der Tourname auch noch so präzise nahe, was zu erwarten ist – am Ende kann man sich von LAIBACH nur überraschen lassen.
- The Sound Of Music
- Climb Ev’ry Mountain
- Do-Re-Mi
- Edelweiss
- My Favorite Things
- The Lonely Goatherd
- Sixteen Going On Seventeen
- So Long, Farewell
- Maria/Korea
- Arirang
- Intermission
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Mi Kujemo Bodočnost - Smrt Za Smrt
- Nova Akropola
- Vier Personen
- Krvava Gruda – Plodna Zemlja
- Ti, Ki Izzivaš
— - Sympathy For The Devil (The-Rolling-Stones-Cover)
- The Coming Race
- Surfing Through The Galaxy

Mina Spiler ist einfach phänomenal!!!!
Mina spiler hat laibach ruiniert. Hoffentlich wird sie nachhaltig ausgetauscht.
Hi! Lass uns doch noch wissen, wie du zu dieser These kommst ;)
Da hast du natürlich Recht – der Fehler wurde behoben!
Beste Grüße
Schön geschrieben aber die Dame heißt Mina Špiler! Tut ein bisschen weh beim Lesen.