Konzertbericht: Metallica w/ Machine Head, The Sword

06.05.2009 Olympiahalle, München

Ziemlich genau drei Jahre ist es her, dass ich im nasskalten Berlin vor der Waldbühne stand und James Hatfield ankündigte, worauf alle sehnlichst gewartet hatten… die Live-Premiere des ersten neuen Liedes, noch simpel (un)betitelt mit „The New Song“. Heute, knapp drei Jahre später, spielen sie den Song wieder – auch wenn außer dem Mainriff nicht viel übrig geblieben ist von dem Stück, das man mittlerweile unter dem Titel „The End Of The Line“ kennt. Doch beginnen wir am Anfang …

Bereits um 17.30 Uhr hat sich eine beachtliche Anzahl Fans jeden Alters und jeden Stils vor der Olympiahalle versammelt – bei dem milden Wetter, das München an diesem Mittwoch Nachmittag beschert ist, kein Wunder – und fiebert dem Einlass entgegen. Dennoch füllt sich nach dem Einlass eine Stunde später die Halle eher gemächlich – was wohl einerseits darauf zurückzuführen ist, dass auch der eingefleischteste Metaller an einem Mittwoch Nachmittag oftmals noch in der Arbeit festgehalten wird, andererseits jedoch sicherlich auch damit zu tun hat, dass so mancher Sitzplatzkartenbesitzer nicht all zu großes Interesse an den Vorbands hat und deshalb seine Reservierung erst später einlöst.

Und so sind Arena und Ränge der an sich ausverkauften Halle nur mäßig bis spärlich besetzt, als die Jungspunde von THE SWORD, die Bühnen-Insel in der Mitte der Arena entern. Wie die Texaner sich diesen Slot beschafft haben, weiß ich leider nicht. Musikalisch jedenfalls bietet das Quartett nichts sonderlich beeindruckendes: Einige Riffs haben eine unüberhörbare Metallica-Attitüde, so dass die Band sicherlich nicht ganz fehl am Platz ist – überzeugen können sie aber zumindest mich nicht, da sich das Konzept der Band, die meiste Zeit rein Instrumental zu spielen, meiner Meinung nach nicht mit verhältnismäßig belanglosen Songstrukturen verträgt. Spielerisch sind die Jungs sicherlich talentiert, jedoch kommen sie mit der von allen Seiten mit Fans umstandenen Bühne nicht so recht klar, wie es scheint: Etwas orientierungslos – und zugegebenermaßen etwas verloren – zwischen den beiden abgedeckten Drumkits der Folgebands sowie dem restlichen Equipment umherirrend verliert die Show so noch jegliche Dynamik. Traurig ist so wohl niemand, als die Herren nach einer halben Stunde die Bühne wieder verlassen – zu Gute halten muss man ihnen dabei aber, dass sie sich trotz teils widriger Umstände tapfer geschlagen haben – hatten sie doch beispielsweise über den kompletten Gig hinweg mit einem Wackelkontakt auf der Leadgitarre zu kämpfen.

Nach einer kurzen Umbaupause, die professioneller wohl nicht hätte genutzt werden können (ich habe noch kein Drumkit schneller verschwinden sehen – was jedoch wenig verwunderlich ist, waren allein dafür zehn Roadys verantwortlich), ist es Zeit für die erste bekanntere Band des Abends: MACHINE HEAD sind es, die diesmal die Ehre haben, das Publikum für die wohl größte Band der Szene aufzuheizen. Der Situation entsprechend motiviert betreten Rampensau Robb Flynn und Konsorten dann auch die Bühne. Wer MACHINE HEAD schon einmal Live erleben durfte, weiß, dass diese Band zu überzeugen weiß. Und so ist auch der heutige Abend keine Ausnahme: Zwar wirken auch sie auf der großen Bühne in der Arenamitte stellenweise etwas verloren, wissen diese Startbedingung aber zumindest besser zu nutzen als ihre Vorgänger und wirken so um Welten präsenter und souveräner. Dennoch ist es natürlich der Gesamtatmosphäre etwas abträglich, dass Sänger Flynn zwischen den einzelnen Strophen nicht zwischen den Mikrophonen wechselt, und so pro Song immer nur von einer Hälfte des Publikums aus bejubelt werden kann – zumal auch das Schlagzeug in einer Ecke der Bühne so „verstaut“ ist, dass es nicht von überall gesehen werden kann. So sieht man von Zeit zu Zeit (zumindest aus den ersten Reihen vor der bzw. um die Bühne herum) nur ein bis zwei Musiker. Nichtsdestotrotz schaffen es die Herren durch viel Charisma und Hingabe, der Halle erste Sprechchöre a la „Machine Fuckin‘ Head“ zu entlocken.
Musikalisch verbleibt man dabei, mit Ausnahme des finalen „Davidian“, verständlicherweise beim Material der letzten beiden Veröffentlichungen – wobei man sich nicht nehmen lässt, das Iron Maiden-Cover „Hallowed Be Thy Name“, welches auf der Bonus-CD von The Blackening zu finden ist, zum Besten zu geben.

  1. Clenching The Fists Of Dissent
  2. Imperium
  3. Halo
  4. Hallowed Be Thy Name
  5. Descend The Shades Of Night
  6. Davidian

Wenig später ist auch dieser Auftritt beendet und die Vorfreude auf METALLICA erreicht ihren Höhepunkt: Das Licht erlischt, und in das Dunkel der Halle hinein erschallt das traditionelle Gänsehaut-Intro aus „The Good, The Bad And The Ugly“. Untermalt von einer vielfarbigen Lasershow betreten METALLICA die ansonsten recht puristisch dekorierte Bühne: Aufgrund der Inselform verzichtet man gänzlich auf Videoleinwand oder Backdrop – pompös wirkt allerhöchstens die Lichttechnik, die in acht überdimensionalen Metallsärgen, welche zur Bühnenmitte hin ausgerichtet an der Hallendecke schweben, verstaut ist. Man beginnt den Abend sogleich mit dem Opener des aktuellen Albums, „That Was Just Your Life“, um nach einem weiteren Track des neuen Albums den ersten Abstecher in die Vergangenheit zu machen: Es folgt ein kleiner Klassiker-Block, der mit „The Four Horsemen“ bis in die Anfangstage zurückreicht. Auch showtechnisch fährt man sogleich große geschütze auf: So lässt man es sich nicht nehmen, das Intro zu „One“ klassisch mit großer Pyroshow zu untermalen – dazu muss man anmerken, dass es in München dank strenger Feuerpolizeilicher Auflagen nur selten gestattet wird, in Hallen Pyrotechik dieses Kalibers zu verwenden.

Schon zu diesem Zeitpunkt ist klar, dass der Auftakt zur Deutschland-Tour nur noch ein voller Erfolg werden kann: Die Fans fressen James „Papa Hat“ Hatfield aus der Hand, so dass dieser dem textsicheren Publikum so manchen Refrain guten Gewissens ganz überlassen kann. Auch soundtechnisch passt hier alles – zwar ist Lars‘ Drumming vielleicht einen Tick zu dominant, der sehr hervorgehobene Gesang macht dies allerdings wieder wett, so dass ein überzeugender Gesamtsound entsteht. Auch bezüglich der Setlist hat man den Geschmack der Fans getroffen: Ein bunter Mix aus viel neuem Material sowie den Alltime-Klassikern weiß zu überzeugen. Vielleicht wird nicht jeder unausgesprochene Wunsch der Fans erfüllt, nicht jedes sehnlich erhoffte Lieblingslied gespielt… aber sind wir mal ehrlich: Es ist doch auch mal ganz erfrischend, METALLICA zu sehen, und nicht schon im vorhinein alle Songs erraten zu können und beziehungsweise schon zigmal live gehört zu haben.

Die neuen Songs fügen sich dabei perfekt in die Setlist ein, was nochmals bestätigt, wie gut man mit „Death Magnetic“ den alten Spirit wiederzubeleben wusste. Gänzlich verzichtet man auf Material der umstrittenen „Load“/“Reload“/“St.Anger“-Phase, und wirklich bedauern wird das wohl kaum einer – hätten diese Songs doch den Oldschool-Charakter des Sets wahrscheinlich empfindlich gestört. Zum ersten Mal an diesem Abend geht auch das „Bühneninsel“-Konzept voll auf: Lars Ulrichs neues Drumkit (orange-metallic statt, wie gewohnt, dunkelgrün) thront in der Mitte der annähernd quadratischen Bühne und dreht sich nach je einem Viertel der Show um 90°, während die drei Saiteninstrumentalisten von einer Seite zur anderen jagen, als wäre der Leibhaftige hinter ihnen her. James bedient sich dabei diverser Mikros, welche um den Bühnenrand herum verteilt aufgestellt sind und auch der Rest der Band ist ständig auf Achse, so dass jeder Fan, egal auf welcher Seite der Bühne er Stellung bezogen hat, voll auf seine Kosten kommt – mehr Dynamik und Bühnenpräsenz könnte wohl keine andere Band dieser (Metal)Welt bieten.

Vor Allem, wenn man das Alter der Musiker berücksichtigt, kann man vor dieser Leistung schlicht nur den Hut ziehen: Über zwei Stunden werden es am Ende sein, und das ohne nennenswerte längere Spielpause: Bis auf bei einigen Song-Intros ist die Bühne eigentlich nie leer – in den zwei längeren Pausen, die sich James gönnt, verwöhnt Kirk wie gewohnt die mittlerweile schweißgebatete Menge mit seinem virtuosen Gitarrenspiel, und auch auf ein allzu langes Zugaberufe-Ausreizen verzichtet man: Als nach „Enter Sandman“ erst einmal Schluss ist, lässt man sich nicht lange bitten und hängt mit „Breadfan“ und „Whiplash“ gleich zwei Songs an, um nach einer neuerlichen Verschnaufpause ohne großes „Von der Bühne runter – warten – auf die Bühne rauf“-Theater den Laden mit „Seek And Destroy“ endgültig dicht zu machen.

  1. That Was Just Your Life
  2. The End Of The Line
  3. Harvester Of Sorrow
  4. The Four Horsemen
  5. One
  6. Broken, Beat And Scarred
  7. Cyanide
  8. Sad But True
  9. The Unforgiven
  10. All Nightmare Long
  11. The Day That Never Comes
  12. Master Of Puppets
  13. Battery
  14. Nothing Else Matters
  15. Enter Sandman
  16. Breadfan
  17. Whiplash
  18. Seek & Destroy

Was bleibt zu sagen? Weniger ist manchmal wirklich mehr. Statt mit pompösen Kulissen, Videoleinwänden oder sonstigem Brimborium zu beeindrucken, lassen die Herren wie in alten Tagen einfach die Musik und den eigenen Enthusiasmus sprechen und zeigen nach dem alle Erwartungen übertreffenden „Death Magnetic“ ein weiteres Mal, dass sie nichts verlernt haben. Denn auch wenn sie eigentlich nie weg waren, haben METALLICA heute Abend bewiesen, dass sie nun endgültig zurück sind – auf der Bühne, vor Allem aber im Thrash Metal.

 

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