
Alljährlich knallt ein Schuss aus der Maskottchen-Haubitze „Esmeralda“ über den Flugplatz Schlotheim-Obermehler – und markiert den Auftakt zu einer dreitägigen Metal-Sause in der nordthüringischen Provinz. Das PARTY.SAN METAL OPEN AIR geht inzwischen in die 29. Runde, einmal mehr mit der Devise „no bullshit!“: Geboten werden 57 Bands auf zwei Bühnen, nette Gemeinschaft, Tonträger und Merchandise, eine profundes kulinarisches Angebot, Bier und Cuba Libre – aber kein Volksfest. Man verzichtet bewusst auf Mittelaltermärkte, Riesenräder und sonstiges Tamtam.
Stattdessen stehen die Acts, ihre Fans und die lockere Atmosphäre im Mittelpunkt. Wer hier seinen Festival-Urlaub verplant, kann sich auf das konzentrieren, wofür er gekommen ist. Besonders Fans der extremen Metal-Gattungen – von Death Metal und Grindcore über Black Metal bis hin zu Thrash und Doom Metal – feiern hier so etwas wie ein Klassentreffen.
Auch 2025 lockt die Veranstaltung mit einem ansprechenden Billing, das Szenegrößen, Newcomer und Underground-Veteranen gleichermaßen würdigt. Das Festival ist wieder bestens organisiert, sodass trotz des zentralen Mottos „Welcome to Hell“ auf dem Banner an der Einfahrtspforte alle Voraussetzungen für ein entspanntes Wochenende im beschaulichen Hinterland gegeben sind. Wir blicken zurück auf die Höhepunkte, die Überraschungen und die denkwürdigen Auftritte auf der Hauptbühne des diesjährigen PARTY.SAN METAL OPEN AIR.
Donnerstag, 07.08.2025
Die Ehre, die Mainstage des PARTY.SAN METAL OPEN AIR am Donnerstag zu eröffnen und damit der Ruhe ein Ende zu setzen, gebührt in diesem Jahr dem deutsch-schwedischen Dreigespann ROTPIT. Die Combo um REVEL IN FLESH-Mainman Ralf Hauber feiert ihren Einstand in Deutschland – und markiert erst den zweiten Auftritt in dieser Konstellation überhaupt. Trotz der frühen Spielzeit um 13:45 findet sich bereits eine beachtliche Menge vor der Hauptbühne ein. Die Truppe bietet eine hochexplosive Form des Old School Death Metal, die genretypisch dreckig und stumpf daherkommt. Mit ihrem wuchtig-schleppenden Sound, den zähen, heavy Riffs und Hauberssons voluminösen Gutturals liefert die Band den perfekten Einstand für die kommenden Festivaltage. Songs wie „Into The Rotpit“ oder „Sewer Rot“ werden mit einer Souveränität dargeboten, die kaum auf eine junge Band schließen lassen. Die Musiker wirkten dabei auch keineswegs abgeklärt: Jonny Pettersson und Co. zeigen fast schon euphorisch gut gelaunt ihre helle Freude an diesem grandiosen Auftakt. Fans von Genre-Veteranen wie ENTOMBED oder DISMEMBER werden hier mehr als fündig – ein ungemein starker Start in den Festival-Donnerstag.
Die Belarussen von EXTERMINATION DISMEMBERMENT drehen das Aggressivitäts-Level am frühen Nachmittag weiter nach oben. Das Quartett aus Minsk, seit 2009 aktiv und aktuell bei Unique Leader beheimatet, liefert Slam/Brutal Death Metal ohne Kompromisse. Der Look von Frontmann Vladislav, muskelbepackt in taktischer Weste und Jogginghose, ist Programm: Der Drill-Sergeant ruft zur schweißtreibenden Metal-Sportstunde. Die Band präsentiert ihr Material präzise und wuchtig, mit tiefgestimmten Gitarren, noch tieferen Growls und getriggerten Drums. Besonders der Sänger beweist große Bühnenpräsenz, sucht ständig den Kontakt zum Publikum, feuert unermüdlich zu Pits an und zollt den Anwesenden mehrfach seine Dankbarkeit. Belohnt wird er mit prompten Reaktionen: Ein großer Circle-Pit und die ersten Crowdsurfer des Tages sind die Folge. Riffwände wechseln sich mit erbarmungslosen Blastbeats ab, wodurch eine hohe, wenn auch eintönige, Effektivität erzielt wird – was zur Kehrseite der Medaille führt: Die Band setzt, moderne Elemente hin oder her, fast ausschließlich auf das Prinzip „stumpf ist Trumpf“. Wer feingeistige Kompositionen erwartet, ist hier fehl am Platz. Ob von diesem Klientel überhaupt noch jemand länger als bis zum dritten Song geblieben ist, kann bezweifelt werden: Das anwesende Publikum vor der Bühne, das von dem Vierer im Laufe des Gigs gekonnt dirigiert wird, hat definitiv nichts zu bemängeln und feiert die Combo gebührend ab.
Mit …AND OCEANS öffnen sich die Genrefächer nach dem doppelten Death-Metal-Einstieg nun merklich. Seit ihrem Comeback im Jahr 2020 hat sich die finnische Truppe um Fronter Mathias Lillmåns, die zwischenzeitlich auch als Havoc Unit im Industrial-Lager aktiv war, erneut als feste Größe etabliert. Die Finnen liefern einen scharfen Mix aus Symphonic Black Metal und Electro-Elementen, der in seinen Wurzeln klar in die 1990er-Jahre zurückweist. Ebenjene Ausrichtung macht diesen Auftritt zur willkommenen Abwechslung: gewagte, aber geschickt platzierte elektronische Akzente, zackige Industrial-Elemente und in Raserei eingebettete Techno-Parts, die mit präzisem Sound und druckvollen Drums dargeboten werden.
Trotz dieser ungewöhnlichen Farbkleckse – oder vielleicht gerade deswegen – wird der Mix vom Publikum freudig aufgenommen, darunter auch offenbar Anhänger traditionellerer Genres. …AND OCEANS beweisen eindrücklich, dass auf einem extremen Metal-Festival Symphonik keineswegs kitschig und Electro deplatziert sein muss, zumal das Material mit einem mehr als soliden Sound vorgetragen wird. Die Band liefert eine starke, experimentelle Darbietung ab, mit der die Veranstalter zukünftige PARTY.SAN-Ausgaben gerne wieder würzen können.
Als Nächstes betritt ein heimisches Aushängeschild die Mainstage: THE SPIRIT. Die Melodic-Black/Death-Metal-Combo aus dem Saarland hat mit diesem Slot, nachdem sie vor einigen Jahren noch das Zelt mit einem äußerst intensiven Gig bespielt hat, ein Upgrade erfahren. Die Erwartungshaltung ist entsprechend hoch, und eine große Fangemeinde versammelt sich vor der Hauptbühne. Die Band, angeführt von Frontmann MS, stellt den herausragenden Ruf, den sie inzwischen innerhalb ihrer musikalischen Sparte hat, sogleich eindrucksvoll unter Beweis und zeigt zudem, dass sie auch auf den großen Brettern funktioniert. Mit den Feuer-Effekten auf der Mainstage sorgt die makellose Performance der Südwestdeutschen mit dem wütend keifenden Gesang für noch mehr Genuss und Gänsehaut-Atmosphäre – unfassbar mitreißend und eine absolute Bereicherung.
Mit DOOL betritt ein für PSOA-Verhältnisse musikalischer Ausnahmefall und zugleich für viele das atmosphärische Highlight des Donnerstags die Hauptbühne. Das Debüt der Niederländer auf dem Festival ist ein melancholisch-psychedelisches Zwischenspiel zwischen Härte und Kunstfertigkeit, das sich stilistisch nur schwer fassen lässt: Die Musik ist rockig, doomig, progressiv und mit gotischen Schatten versehen. Die Band um Raven van Dorst an Gitarre und Gesang agiert mal verträumt, mal rastlos, aber stets passioniert. Ausgestattet mit drei Gitarren, liefert die Gruppe eine Performance voll mystischer Intensität, die von hoher emotionaler Tiefe und beinahe perfektem Niveau zeugt. Das Auf und Ab, das Laut und Leise in der Musik von DOOL, das wie die Brandung immer wieder über das Publikum hereinbricht, zieht die vorderen Reihen in seinen Bann. Das mag nicht allen Besucher:innen gefallen, doch bietet der Auftritt insgesamt eine willkommene, trance-artige Abwechslung zu dem festivaltypischen Geballer.
Inzwischen längst in den Abendstunden angelangt, bieten die schwedischen Veteranen von GRAND MAGUS eine fette Prise Heavy Metal an diesem an Spielarten abwechslungsreichen Donnerstag. Die Stockholmer, die sich ihren festen Platz in der Szene hart erkämpft haben, liefern einen kleinen Querschnitt über ihr Schaffens und sorgen im Anschluss an DOOL zudem für ein Klargesangs-Doppelpack – eine absolute Seltenheit auf den extremen Brettern des PARTY.SANs. Weniger selten hingegen sind Soundprobleme auf dem Schlotheimer Flugplatz: Ob es nun am Wind, an technischen Schwierigkeiten oder der Tagesform von JB liegt – seine Vocals klangen schon mal kraftvoller, wie direkt beim ersten Song klar wird. Auch wenn sich diese Schwäche im Laufe des Gigs offenbar nicht herausbügeln lässt, agiert die Band musikalisch tight – und das Publikum scheint über die Widrigkeiten in der Performance hinwegzusehen und feiert Tracks wie „Steel Versus Steel“ oder „Hammer Of The North“ gebührend ab. Dennoch ist man von dem Trio Stärkeres gewohnt. Während GRAND MAGUS mit elfjähriger Pause zum zweiten Mal zu Gast auf dem Festival waren, können sie bis zum dritten Besuch gerne etwas weniger Zeit vergehen lassen – dann aber bitte mit besserem Sound … und vielleicht ein paar mehr Banger, die ihre Diskografie zweifellos hergibt.
- I, The Jury
- Skybound
- Steel Versus Steel
- Ravens Guide Our Way
- Sunraven
- Untamed
- Like The Oar Strikes The Water
- Hammer Of The North
Im weiteren Abend rollt eine gewaltige, orchestrale Lawine über die Hauptbühne: FLESHGOD APOCALYPSE feiern ihren Einstand auf dem Festival. Nach Todesmetall der stumpferen Art zu den Mittagstunden gibt es nun eine Lehrstunde in Pathos: Die italienische Formation steht für opulenten, technisch anspruchsvollen Death Metal, der bis zum Maximum mit symphonischem Bombast angereichert ist. Die Inszenierung ist durch und durch theatralisch und im Einklang mit der neuesten Full-Length „Opera“ gestaltet: Die Musiker:innen treten in barocken Gewändern vor einem riesigen Backdrop auf, der das Innere eines Opernhauses abbildet. Als zusätzliches (nicht nur) optisches Statement hat die Band zudem einen Konzertflügel mitgebracht. Die eigentliche Schlüsselrolle kommt allerdings Sängerin Veronica Bordacchini zu, die seit 2020 mit an Bord ist: Ihre Opern-Vocals heben die ohnehin schon pathetische Musik auf eine neue Ebene. Mit starker Stimme schreitet sie über die Bühne, präsentiert eine ausdrucksvolle Geste um die andere und schwenkt die italienische Flagge zu donnernden Blastbeats. Die Mischung aus brutalem Tech Death, vertrackten Riffs und Bordacchinis Gesang ist ein Alleinstellungsmerkmal, das polarisiert: Dieses Höchstmaß an musikalischer Überladung, wenn auch mit Balance inszeniert, muss man mögen. Unterm Strich allerdings ein beeindruckendes PSOA-Debüt der Combo, das keine Gefangenen macht.
- Ode To Art (De‘ Sepolcri)
- I Can Never Die
- Minotaur (The Wrath Of Poseidon)
- The Fool
- Pendulum
- Bloodclock
- Prologue
- Epilogue
- The Violation
Nach dem pompösen Auftritt von FLESHGOD APOCALYPSE sorgt die österreichische Formation HARAKIRI FOR THE SKY für einen tief melancholischen Umschlag in der Stimmung. Die Band erregte mit ihrem aktuellen Werk „Scorched Earth“ viel Aufmerksamkeit und bespielt ihren Slot auf der Mainstage als absolute Idealbesetzung für den Sonnenuntergang, der das Ambiente perfektioniert. Ihr Stil, eine fesselnde Melange aus schwarzmetallischer Intensität und Shoegaze-Atmosphäre, zieht eine große Menschenmenge im Infield in den Bann. Die ideal ausgestaltete Bühne bildet einen mehr als passenden Rahmen für den Seelenschmerz, den Sänger J.J. in seinen Lyrics herausschreit. Die aggressive Melancholie der Band wird durch eine Prise Pyro-Effekte unterstrichen und kommt durch den ausgezeichneten Sound noch erhabener herüber. Netter, unerwarteter Bonus: Mit „Street Spirit (Fade Out)“ zocken die Österreicher ein starkes RADIOHEAD-Cover und holen dafür GROZA-Bandkopf PG als Gast auf die Bühne. Alles in allem eine durch und durch authentische und emotionale Darbietung, die dem Ruf der Combo vollends gerecht wird.
Zur besten Zeit kommen als Nächstes die Grindcore-Urväter von NAPALM DEATH auf die Mainstage und am Andrang vor der Bühne merkt man, dass nicht nur das britische Quartett in kollektiver Angriffslaune ist. Auch wenn Kult-Bassist und Band-Veteran Shane Embury heute erneut durch (den nicht minder energetisch agierenden) Adam Clarkson ersetzt wird: Die Briten um den rastlosen Frontmann Barney Greenway liefern eine Darbietung ab, die sich mal wieder gewaschen hat. Der Sound ist hervorragend abgemischt, und die Combo feuert neuere Knaller wie „Amoral“ und „Contagion“, aber auch „Retreat To Nowhere“ sowie natürlich das unvermeidliche „You Suffer“ in die Menge. Der Auftritt ist von ungebrochener Härte, Dissonanz und dem typischen Punk-Einschlag geprägt, der Grindcore in seiner ursprünglichsten Form repräsentiert, auch wenn die Truppe über dieses Genre allein längst hinausgewachsen ist. Mindestens so durchschlagend wie die Musik ist die über Greenway transportierte, klare politische Haltung der Band. Der Sänger – mit Mitte 50 immer noch so lebhaft wie eh und je – nutzt die Ansagen, um Themen wie Selbstbestimmung (vor „Suffer The Children“), aber auch Populismus zu adressieren und nimmt dabei kein Blatt vor den Mund: „Fick die AfD!“, kennt man bereits von Solo-Shows der Birminghamer, wobei der Applaus für ein solches Statement auf einem Festival wie dem PARTY.SAN nicht ungebrochen frenetisch ausfällt. Das obligatorische DEAD KENNDYS-Cover „Nazi Punks Fuck Off“ gibt’s so oder so obendrauf und NAPALM DEATH sind nach elf Jahren zurück in Schlotheim – überragend, kompromisslos und schlicht fett!
Der Donnerstag findet seinen Abschluss mit dem Auftritt der kalifornischen Thrash-Metal-Veteranen DARK ANGEL, deren Festival-Debüt für so manchen Anwesenden einen sehnlich erwarteten Höhepunkt darstellt. Im Zentrum des Sets steht die vollständige Darbietung des Klassikers „Darkness Descends“ von 1986, was in erster Linie als Verneigung vor der eigenen Geschichte fungiert.
Die Band agiert mit druckvoller Präzision – kein Wunder mit der „Atomic Clock“ Gene Hoglan hinter den Kesseln –, wobei der Sound brachial und erneut exzellent abgemischt ist. Doch auch die Saitenfraktion zeigt sich von ihrer besten Seite: Für das 2023 verstorbene Gründungsmitglied Jim Durkin ist inzwischen Gitarristin Laura Christine nachgerückt und stellt sich mit ihrer technischen Versiertheit, ihrem gnadenlosen Riffing und ihrer Bühnenpräsenz als optimalen Ersatz heraus. Sänger Ron Rinehart überzeugt indes mit einer stimmlich kräftigen sowie voluminösen Performance und zeigt in den Ansagen, dass er auch die Sympathien auf seiner Seite hat. Zwar liefert das Ensemble um Hoglan und Co. eine Lehrstunde in Old School Thrash Metal, doch kann es zur späten Stunde nicht alle Besucher:innen in seinen Bann ziehen – das Infield lichtet sich merklich. Das kann man DARK ANGEL indes schlecht vorwerfen, die zudem bei aller Nostalgie mit der Comeback-Single „Extinction Level Event“ auch einen Blick nach vorn wagen. Ist es auch nicht für jeden etwas, so ist es doch ein historisch bedeutsamer Auftritt für Band und Festival, der den Tag musikalisch abschließt.
- We Have Arrived
- Time Does Not Heal
- No One Answers
- Extinction Level Event
- Darkness Descends
- The Burning Of Sodom
- Hunger Of The Undead
- Merciless Death
- Death Is Certain (Life Is Not)
- Black Prophecies
- Perish In Flames
Freitag, 08.08.2025
Der Start in den Freitag erfolgt nicht mit Nüchternheit, sondern mit maximaler Eskalation: Für den traditionellen „Grindcore-Frühschoppen“, der die Action auf der Hauptbühne am Freitag eröffnet, sind dieses Jahr die Schotten von PARTY CANNON zuständig. Dass sich in diesem Slot stets der inoffizielle Headliner verbirgt, sieht man schon am Andrang am Einlass und kurz darauf vor der Bühne. Dabei ist die Crowd wie gewohnt spaßig bis grenzdebil verkleidet und hat mannigfaltige Gadgets dabei – von Klassikern wie Klobürsten und Lauch bis hin zu aufblasbarem Allerlei. Die Band selbst hat zusätzlich zu ihrem Deathgrind und Slam eigens angefertigte Pappschilder mitgebracht, um Songs wie „Thirst Trap“ und „Weird, But Not Illegal“ anzukündigen. Wie sonst steht auch der heutige Auftritt der Briten unter dem Motto „Lower Your IQ“ (eins der Schilder) und während sich das Publikum nicht zweimal bitten lässt und in gemütlich spazierenden Circle-Pits an seinem Schritte-Tagesziel arbeitet, macht die Combo ihrem Namen alle Ehre – eine kurzweilige halbe Stunde!
Nach dem humorgeladenen Chaos des Eröffnungs-Acts lichten sich die Reihen zunächst wieder deutlich, doch die dänisch-türkische Formation HYPERDONTIA füllt das Infield recht schnell wieder auf. Die Gruppe um Bassist Malik Çamlıca und Sänger/Gitarrist Mathias Friborg – heute mit BC Rich Mockingbird – überzeugt mit technisch präzisem, tiefschwarzem Death Metal, der kompromisslos durch die Gehörgänge peitscht. Der Stil des Quartetts kommt ohne unnötige Schnörkel oder Schleifchen aus und eignet sich damit perfekt für entspanntes Headbangen – Old School Death Metal pur, irgendwo in der Schnittmenge von MORBID ANGEL und IMMOLATION. Nennenswert zudem: Drummer und Neuzugang Rasmus Schmidt agiert so tight, dass man gar nicht merkt, dass es seine erste Live-Performance mit HYPERDONTIA überhaupt ist.
Mit THE VISION BLEAK folgt eine der Speerspitzen des deutschen Gothic Metals, deren Auftritt jedoch unter einem Timing-Problem leidet. Die tiefschwarze, dramatische Atmosphäre und das filmische Horror-Storytelling, die das Duo seit fast 25 Jahren kultiviert, verlieren bei Tageslicht und kurz nach Mittag einen Großteil ihrer eigentlichen Wirkung. Sänger Konstanz versucht, diesem Umstand mit offensiver und durchaus sympathischer Publikumsinteraktion entgegenzuwirken und hat damit … mäßigen Erfolg. Die Band tut ihr Bestmögliches und hat zudem eine Best-of-Setlist mitgebracht, der Auftritt leidet letzten Endes jedoch unter dem unpassenden Ambiente der sommerlichen Sonne und kann damit höchstens unverschuldet als „ordentlich“ verbucht werden.
Die aus Philadelphia stammenden CRYPT SERMON gelten als eine der derzeit gefeiertsten Formationen im Bereich des Epic Doom Metal, weshalb ihr Auftritt auf der Mainstage große Erwartungen weckt. Das Sextett liefert eine majestätische Ausprägung des Genres, die mit einer gehörigen Portion klassischen Heavy Metal und Stoner Rock zu einem epischen Ganzen verschmilzt. Die Band untermauert ihren düsteren Anspruch mit einem vollständig schwarzen Erscheinungsbild, wobei Fronter Brooks Wilson mit seinen weißen Cowboystiefeln einen fast schon ironischen Kontrast setzt. Wilson führt mit seinem stimmgewaltigen, klaren Organ und pathetischer Gestik durch das Set, während die restlichen Musiker die von langen Spannungsbögen getragenen Songs gekonnt ausbalancieren. Trotz der überzeugenden Performance bleibt der Publikumszuspruch verhalten – womöglich ist es auch für finsteren Doom heute einfach zu sommerlich.
Die Amerikaner von WAYFARER präsentieren sich auf dem Festival als faszinierende Melange aus Atmospheric, Gothic und Black Metal und schaffen damit eine ganz eigene Klangwelt, getragen von folkloristischen Einflüssen und düsterer Ästhetik. Dieses Americana-geprägte Konzept funktioniert erstaunlicherweise selbst im Hellen und zieht viele Besucher:innen sichtlich in den Bann, die die Herren mit begeisterter Zustimmung belohnen. Anstatt auf die üblichen Klischees des Genres zurückzugreifen, erzählen die Musiker Cowboy-Western-Storys, wobei dunkler, schwarzmetallischer Frost auf staubige Hitze trifft. Das aktuelle Werk „American Gothic“ dient dabei als Blaupause für die Live-Darbietung, die technisch präzise aus der PA dröhnt. Wenngleich die warme Nachmittagssonne hier hervorragend ins Konzept passt, sind WAYFARER sicher eine Band, die im Club sicher noch faszinierender rüberkommt.
Nach den atmosphärischen Vibes der Cowboy-Metaller aus Denver sorgen HELLBUTCHER nun für ein Kontrastprogramm aus Leder und Nieten, aus Schmutz und Rotz, aus Blackened Punk und thrashigen Old-School-Heavy-Sounds. Die schwedische Combo um Bandleader Per Gustafsson, dessen Künstlername der Truppe ihren Namen verleiht, lädt ein zum Tanzen, Bangen, Posen, Faust-in-die-Luft-Strecken, oder schlicht: zum ausgelassenen Feiern. Die Band selbst macht es vor, hat sichtlich Spaß an der Sache, während Gustafsson in bekannter Montur über die Bretter stiefelt und wie eine unheilige Mischung aus Dämon und Derwisch das zahlreiche Publikum weiter anheizt. Den Leuten gefällt die mitreißende 80er-Retro-Messe, die mit jeder Menge Authentizität und ansteckender Energie dargeboten wird. Angesichts der stilistischen Ausrichtung von HELLBUTCHER ist es keine Überraschung, aber eben auch alles andere als ein Rohrkrepierer, dass sie zum Ende des Sets auch „Black Metal“ von VENOM covern – und IRON MAIDENs Instrumental „Losfer Words“ gibt es noch obendrauf (wenn sich die Ohren des Redakteurs nicht täuschen). Stark!
Auf der Mainstage bleibt es schwedisch, brachial und mittelalt: Die 2021 wiedervereinigten DEFLESHED schicken sich an, ihren Old School Death Thrash auf die immer dichter werdende Crowd abzufeuern. Dass das Trio – 16-jährige Pause hin oder her – nie den Kult- oder Erfolgsstatus ihrer Landsmänner und Genrekollegen aus den frühen 90ern erreicht hat, ist jetzt genau so unbegreiflich wie egal: DEFLESHED machen ihrem Namen alle Ehre und lassen eine rohe, gewaltige Mischung aus alten Brechern wie „Stripped To The Bone“ und „Fast Forward“ sowie neueren Tracks (z. B. „Grind Over Matter“) mit unerbittlicher Härte auf das Publikum niederregnen. Was ihm dabei im Vergleich zur Band davor an Agilität auf der Bühne fehlt, macht der Dreier mit schierem Druck und kompromisslosem Groove wieder wett. Brutal gut – aber vor allem brutal.
Ähnlich wie NAPALM DEATH am Vortag kehren nun die Tech-Death-Veteranen SUFFOCATION nach elf Jahren auf die Mainstage des PARTY.SAN zurück – wobei man von „Rückkehr“ nur bedingt sprechen kann, sind vom 2014er Line-up doch nur Gitarren-Urgestein Terrance Hobbs und Bassist Derek Boyer übrig. Für sowohl die Fans als auch die Performance macht das indes keinen Unterschied. Zwar hat man die Truppe allein in den letzten Jahren seit dem Zugang von Sänger Ricky Myers auch schon stärkere Gigs spielen sehen, doch erfüllen SUFFOCATION erfahrungsgemäß stets ein Mindestmaß an Qualität, Authentizität und Brutalität. Deshalb wird man heute nach dem obligatorischen „Infecting The Crypts“ vielleicht nicht euphorisch beseelt, aber doch wenigstens zufrieden kopfnickend zurückgelassen.
- Catatonia
- Seraphim Enslavement
- Pierced From Within
- Clarity Through Deprivation
- Effigy Of The Forgotten
- Perpetual Deception
- Funeral Inception
- Liege Of Inveracity
- Infecting The Crypts
Während bei SUFFOCATION quasi nur noch zwei „Key Member“ in der Band sind, haben die ebenfalls schon über 30 Jahre aktiven BRUJERIA im vergangenen Jahr zwei verloren. Doch trotz des schmerzhaften Verlusts der Gründungsmitglieder, Co-Sänger und Cousins Juan Brujo und Pinche Peach im vergangenen Jahr demonstriert das Kollektiv BRUJERIA, dass seine Mission weitergeht. Die Muchachos entern die Bretter zu JUDAS PRIESTs „Turbo Lover“ – wie am Vortag bei NAPALM DEATH ohne Shane „Hongo“ Embury – und zelebrieren ihren Auftritt als Hommage an die verstorbenen Member, wodurch die Show zwischen all den Slams und groovenden Deathgrind-Attacken eine bemerkenswerte emotionale Ernsthaftigkeit erhält. Ernst zuweilen auch die angesprochenen politischen Themen, etwa die Kritik an Trumps Einwanderungspolitik, wenngleich humorvoll verpackt („Impeach the peach!“). Unterm Strich bleibt die Feierstimmung inklusive Marihuana-Verehrung dennoch nicht auf der Strecke. Ándale, gracias!
- Brujerizmo
- El Desmadre
- Hechando Chingasos (Greñudos Locos II)
- Vayan Sin Miedo
- La Migra (Cruza La Frontera II)
- Chingo De Mecos
- Cristo De La Roca
- Desperado
- Colas De Rata
- La Ley De Plomo
- Revolución
- Consejos Narcos
- Raza Odiada (Pito Wilson)
- Matando Güeros
Mit diesem bestens angeheizten Publikum und der inzwischen eingebrochenen Dunkelheit haben ROTTING CHRIST leichtes Spiel, einen phänomenalen, atmosphärischen Gig abzuliefern – schließlich sind die sympathischen Männer aus Athen auch ohne solch günstige Voraussetzungen live erfahrungsgemäß ein Garant für ausgezeichnete Stimmung. Anstelle ihres neuen Albums „Pro Xristou“ genießt das 2013er Werk „Kata Ton Daimona Eautou“ heute hohe Priorität im Set, was sich als sicherer, aber auch kluger Schachzug erweist, da das Material nicht nur auf Platte hervorragend funktioniert. So wird der inzwischen dritte Auftritt von Sakis & Co. auf dem PARTY.SAN, abgerundet mit einer Best-of-Mischung aus neueren und älteren Stücken, ein wuchtiges Lehrstück in Sachen melodischer Black/Death Metal, der erneut beweist, dass ROTTING-CHRIST-Shows nie eine Enttäuschung sein können.
- 666
- P’unchaw Kachun – Tuta Kachun
- Fire, God And Fear
- Kata Ton Daimona Eaytoy
- Like Father, Like Son
- Elthe Kyrie
- Non Serviam
- Societas Satanas
- In Yumen-Xibalba
- Grandis Spiritus Diavolos
- The Raven
Willkommen zurück, will man bei der nächsten Band fast sagen, denn von I AM MORBID standen (bzw. saßen) gerade erst im vergangenen Jahr drei Viertel der Combo mit TERRORIZER auf der Mainstage, David Vincent sogar zusätzlich mit VLTIMAS. Die Mission von Vincent, Pete Sandoval sowie den beiden Gitarristen Richie Brown und Bill Hudson ist diesmal freilich eine andere: dem legendären Part des Back-Katalogs von MORBID ANGEL – im Wesentlichen die ersten beiden Alben sowie „Coventant“ und „Domination“ – live Tribut zu zollen … und das tun sie. Mit „Dominate“ und „Where The Slime Live“ gibt es sogleich die volle Breitseite vom fünften Album, das dieses Jahr 30. Jubiläum feiert. Es folgen Kultklopper wie „Chapel Of Ghouls“, „God Of Emptiness“, „Maze Of Torment“ und „Rapture“ – und sogar „Fall From Grace“ hat seinen Weg in die Setlist gefunden, in der bei einer Spieldauer von 50 Minuten zwangsweise einige Hits zu kurz kommen. Nichtsdestoweniger schaut man während der Show, die von I AM MORBID mit gnadenloser Energie und fettem Sound, ringsum in glückliche Gesichter – Mission erfolgreich.
- Dominate
- Where The Slime Live
- Dawn Of The Angry
- World Of Shit (The Promised Land)
- Fall From Grace
- Blessed Are The Sick
- Immortal Rites
- Maze Of Torment
- Rapture
- Chapel Of Ghouls
Wer nach dieser Performance noch nicht genug Nostalgie in sich aufgenommen hat, kommt nun bei TRIPTYKON auf seine vollen Kosten: Während das Quartett um Szene-Urgestein Tom Warrior alias Thomas Gabriel Fischer schon seit seinen frühen Jahren Songs von CELTIC FROST in seine Live-Gigs inkludiert, performt der Vierer heute ein exklusives Set, das rein aus Tracks der legendären HELLHAMMER-Nachfolgeband besteht. Dabei ist es erfreulich, dass die Retro-Show nicht zu der reinen Achtziger-Rutsche wird, die die Tribute-Aktivitäten Fischers mit TRIUMPH OF DEATH zwangsweise waren: So ist das Konzert nicht nur mit Intro („Totengott“) und Outro („Winter“) von zwei „Monotheist“-Tracks vom Band umrahmt, sondern hat zudem drei Stücke von der 2006er Comeback-Platte in der Setlist. Darüber hinaus spielen TRIPTYKON auch „Sorrows Of The Moon“ aus den hinteren Reihen des CF-Œuvres – laut Ansage zu Ehren des verstorbenen Martin Eric Ain. Im Zentrum stehen dennoch erwartbar Gassenhauer von „Morbid Tales“ und „To Mega Therion“, die entsprechend abgefeiert werden – kein Wunder, schließlich ist diese Live-Darbietung von Klassikern einer der Pioniere des Extreme-Metals dem PARTY.SAN und seinem Publikum wie auf den Leib geschneidert. Entsprechend ist das Infield auch zu dieser Stunde noch deutlich dichter gefüllt als am Vortag bei DARK ANGEL. Fischer freut’s („Ihr seid ja richtig nett.“) und liefert mit seiner Combo einen rundum großartigen Auftritt mit kristallklarem Sound ab, der keine Wünsche offen lässt.
- Circle of the Tyrants
- The Usurper
- Return to the Eve
- Into the Crypts of Rays
- Procreation (of the Wicked)
- Ground
- Sorrows of the Moon
- A Dying God Coming Into Human Flesh
- Dethroned Emperor
- Necromantical Screams
- Synagoga Satanae

Samstag, 09.08.2025
Der letzte Festivaltag – der wärmste bisher – auf der Mainstage startet pünktlich um zwölf, wo die deutschen Death-Metaller SCALPTURE aus Bielefeld ein beeindruckendes Ausrufezeichen setzen. Die Band, die bereits 2022 im Zelt überzeugte, bringt mit dem neuen, vierten Album „Landkrieg“ im Gepäck ihren donnernden Mix aus den europäischen Todesstahlschmieden von BOLT THROWER über ENTOMBED bis hin zu ASPHYX nun auf die Hauptbühne – mal wuchtig-preschend, mal doomig-schleppend mit fettem Groove. Passend zur (Anti!-)Kriegs-Thematik der Band wurde während der Show sogar nochmals die am Bühnenrand stehende Haubitze „Esmeralda“ abgefeuert, die sonst vornehmlich dazu verwendet wird, die Festivaltage (vor)mittags mit einem Knall einzuläuten. Ein gelungener Auftakt!
Deutlich grobschlächtiger und krachiger geht es als nächstes mit den Franzosen von BLOCKHEADS zur Sache – wenig überraschend, ist die Truppe doch schon seit über 30 Jahren für schnörkellosen In-your-Face-Deathgrind der Marke NAPALM DEATH und NASUM bekannt. Entsprechend schreitet auch das Publikum sogleich energetisch zu Werke, was nicht zuletzt daran liegt, dass Frontmann und Sänger Xavier Chevalier mit Mikro in der Hand auf wilde Crowdsurfing-Tour geht und die Meute mit seinem Elan zusätzlich befeuert. Das Mikro benutzt er dabei nicht nur für die genreübliche animalische Vokal-Akrobatik, sondern auch für die nicht minder stiltypischen sozialkritischen und politischen Ansagen. So ballert und schrotet sich die Combo erbarmungslos durch über zwanzig Tracks und sorgt bereits zur Mittagsstunde für den ersten amtlichen Abriss.
Die Mainstage bleibt weiter in französischer Hand, doch bringen NECROWETCH mit ihrem Blackened Death Metal nun etwas mehr hasserfüllte Schwärze auf die Bühne; damit einhergehend jedoch auch mehr BM-typische, frostige Kälte (und das trotz nicht gerade bescheidenem Einsatz der Feuerfässer) – allerdings nicht nur im gut abgemischten Sound, sondern auch in der Distanz zum Publikum. Das mag daran liegen, dass die Combo abseits der Vocals gänzlich wortlos agiert oder vielleicht auch daran, dass man nach der vorigen Sause so oder so einen schweren Stand hat, die Stimmung zu halten. Der Band kann man in dieser Hinsicht keinen Vorwurf machen, sie agiert auf ihre Weise engagiert und findet im Publikum auch Anklang – im Vergleich bleibt die Show aber unter „solide“ zu verbuchen.
Mit den Belgiern SCHIZOPHRENIA wird es nun thrashiger. Unsere Landesnachbarn, die ihren Death Metal mit einer gehörigen Portion Bay Area gewürzt haben, konnten schon auf dem „kleinen PARTY.SAN“, der Herbstoffensive, überzeugen, und stehen nun auf dem Hauptfestival gleich auf der großen Bühne. Die Gigs des Quartetts machen eigentlich immer Spaß, so auch heute. Die Jungs haben Bock und breite Grinsen in ihren Gesichtern – Sänger und Bassist Ricky animiert das Publikum mit den beiden Gitarreros Marty und Romeo, während Drummer Lorenzo stolz sein FCK-NZS-Shirt präsentiert – stabil. Abgerundet wird die wilde Show mit einem äußerst tight dargebotenen SLAYER-Cover von „Necrophiliac“. SCHIZOPHRENIA, ihr dürft gerne wiederkommen!
Von den ersten vier Buchstaben darf man sich nicht täuschen lassen, ANALEPSY haben nichts mit juvenil orientierten Combos gemein, die auf dem PARTY.SAN gerne mal den Tages-Opener geben – bis auf die grobe musikalische Ausrichtung. Die Trümmertruppe aus Portugal ist seit über zehn Jahren in der Szene aktiv, spielt heute jedoch erstmals auf dem Thüringer Festival. Man kann von Brutal Death Metal halten, was man mag, aber die Lissaboner wissen ihr Publikum fachgerecht zu sezieren: Die Riffs sind schnittig, Die Slam-Passagen sitzen und die Menge macht begeistert mit. Was Frontgrunzer und Gitarrist Calin an Beweglichkeit auf der Bühne fehlt, macht er mit Griffbrettkilometern wieder wett, und auch die Anwesenden vor der Mainstage müssen sich hier ihr Bier im schweißtreibenden Pit erst mal verdienen.
EREB ALTOR sorgen nun für ein Kontrastprogramm, denn die Schweden stechen ähnlich deutlich aus dem Tagesbilling hervor wie Crypt Sermon am Freitag. Statt vorwiegend Geballer und Geholze gibt es nun einen Mix aus melodischem Black Metal, epischem Viking Metal und atmosphärischem Doom. Die wiederkehrenden Klargesangspassagen, teils dreistimmig dargeboten, bilden eine willkommene Abwechslung zur gutturalen Dominanz des bisherigen Tages, während die pathetischen Kompositionen des Quartetts eine ganz andere, eindrucksvolle Stimmung erzeugen als das Getrümmer der zuvor aufgetretenen Kapellen.
Doch während die Band ursympathisch agiert und mit einem fetten, klaren Sound ausgestattet ist, hat man dennoch das Gefühl, dass die Show der Energie im Infield die Handbremse anzieht. Vielleicht liegt es auch am Stil der Skandinavier, der unterm Strich eher andächtiges Bewundern und dezentes Mitnicken als totale Eskalation provoziert.
Wir kommen am frühen Abend – an der knallenden Sonne merkt man noch nichts davon – wieder bei einer Band an, die typischer für das PARTY.SAN nicht sein könnte: Die Kalifornier von SKELETAL REMAINS schicken sich an, das Publikum nach dem Ausflug in die nordische Mythologie wieder ins Hier und Jetzt zurückzuholen – zumindest einigermaßen, immerhin stehen Chris Monroy und seine Crew im Hinblick auf ihren Stil weiterhin mit einem Bein in der Vergangenheit der späten 80er und frühen 90er. Die Einflüsse von OBITUARY, DEATH und Co. sind jedoch spätestens mit den letzten zwei Studioalben zugunsten eines merklich brutaleren Sounds in den Hintergrund gerückt. Das hört man auch am heutigen Set: Es wird amtlich geblastet – allerdings nicht zu Ungunsten von zähflüssigen Lava-Passagen und stampfenden Midtempo-Grooves. Nach anfänglichen Sound-Problemen kommt der treibende Death Metal des Quartetts auch mit dem fetten Druck aus der PA, den die Darbietung verdient hat.
Seit 1997 aktiv und noch nie zuvor auf dem PARTY.SAN gewesen, das ist für eine Grindcore-Instanz wie PIG DESTROYER eigentlich unerklärlich. Dieses Jahr hat’s endlich geklappt, und als ob die Truppe die verpassten Gelegenheiten der Vergangenheit aufholen müsste, ballert sie sich voller Energie durch ihr wildes, noisiges Set. Um hier zwischen den Songs wesentliche Unterschiede zu erkennen, muss man womöglich ausgesprochener Lärm-Experte sein – oder es kann einem auch schlicht egal sein, wie mutmaßlich dem Großteil des feiernden Publikums. PIG DESTROYER machen Spaß, so einfach ist das, auch zwischen den Tracks: So erfährt man in den Ansagen unter anderem, was man mit einer Jack-Daniel’s-Flasche im Handstand so alles machen kann. Erfrischend!
- Gravedancer
- Scarlet Hourglass
- Thumbsucker
- Pretty In Casts
- Crippled Horses
- The Gentleman
- Sis
- The American’s Head
- Eve
- Valley Of The Geysers
- Loathsome
- The Diplomat
- Thought Crime Spree
- Starbelly
- Cheerleader Corpses
- Scatology Homework
- Trojan Whore
- Piss Angel
- Junkyard God
Mit GRAVE kehrt eine Legende des schwedischen Old School Death Metal nach neun Jahren auf die Hauptbühne des PARTY.SAN zurück. Legendär heute insbesondere, weil die Band in der Gründungsbesetzung um Ola Lindgren, Jensa Paulsson, Jörgen Sandström und Jonas Torndal auftritt und eine Klassiker-Setlist angekündigt wurde, die nur aus Songs der ersten drei Alben „Into The Grave“, „You’ll Never See…“ und „Soulless“ besteht. Entsprechend gefüllt ist das Infield zu dieser Stunde, als das Quartett mit dem Titeltrack des Debüts einsteigt. Lindgren, zuletzt jahrelanger Fronter der Schweden, steht heute an der Seite und überlässt Bassist Sandström die zentrale Rolle sowie die Vocals. Der agiert souverän und kaschiert die Tatsache, dass es hier und da mal nicht nur rumpelt, sondern stolpert, mit trockener, entwaffnender Selbstironie. So klappt es dann auch, dass die Truppe das abschließende „…And Here I Die…Satisfied“ von der gleichnamigen EP trotz abgelaufener Zeit noch auf die Bretter legt. Sämtliche Fans der Stockholmer Schule – dem Andrang nach zu urteilen alles andere als wenige – kommen hier voll auf ihre Kosten und machen GRAVE zum geheimen Headliner des Samstags.
- Into The Grave
- Day Of Mourning
- Turning Black
- You’ll Never See
- Morbid Way To Die
- Deformed
- Christi(Ns)Anity
- For Your God
- Brutally Deceased
- Reborn Miscarriage
- Soulless
- …And Here I Die…Satisfied
Nicht weniger legendär und schwedisch, dafür vor Jahrzehnten schon von den extremeren Metal-Stilen auf die Gothic-Schiene abgebogen sind die nun folgenden TIAMAT. Doch während GRAVE mit ihrer Nostalgie-Show euphorische Reaktionen ernteten, dürfte der Gig dieser Combo auch bei eingefleischten Anhängern für Ernüchterung gesorgt haben. Die Erscheinung und Darbietung von Frontmann Johan Hedlund ist Jahrmarkt-tauglich – irgendwo zwischen Freak-Show, Gruselkabinett und esoterisch angehauchtem Wahrsager. Die solide Performance der Instrumentalisten kann dem skurrilen bis schlicht peinlichen Auftreten nichts Nennenswertes entgegensetzen, und so zieht sich die Metal1-Crew lieber zurück, um Kraft für den restlichen Abend zu sammeln. Im Nachgang sollten sich noch diverse Stimmen von Die-hard-Fans im Camp enttäuscht über diese denkwürdige Vorstellung zu Wort gemeldet haben.
- In A Dream
- Clouds
- A Caress Of Stars
- The Sleeping Beauty
- Divided
- Whatever That Hurts
- The Ar
- Visionaire
- Vote For Love
- Gaia
GORGOROTH feiern heute ihre Premiere auf dem Flugplatz in Obermehler, denn Infernus & Co. waren zuletzt 2007 auf dem PARTY.SAN zu Gast – noch in Bad Berka und noch mit Gaahl am Mikro. Während die Setlist wenig Überraschungen bietet – die ist bei den True-Norwegian-Black-Metallern seit nunmehr zehn Jahren mehr oder weniger dieselbe –, verblüffen GORGOROTH mangels Kommunikation nach außen gerne mal mit dem Personal, das auf oder eben nicht auf der Bühne steht; heute ist es (das war jedoch auch im Vorhinein klar) Sänger Hoest, der das Mikrofon schwingt.
Und das im wahrsten Sinne des Wortes: Als müsste er das einblättrige Daumenkino, das das im Black Metal oft beobachtete Stageacting der Instrumentalisten passend beschreibt, ausgleichen, fegt der über und über nietenbehangene Mann ausgesprochen enthusiastisch über die Bretter. Die Mainstage indes ist mit einem einfachen Logo-Backdrop recht simpel ausstaffiert, doch mehr braucht es auch nicht – zusammen mit dem Vollgas aus den Feuerfässern und dem in Rot gehaltenen Licht ergibt sich ein stimmiges, effektives Bühnenbild. Dass GORGOROTH ihr Set bei einem 60-Minuten-Slot schon nach 50 beenden, ist da nur konsequent.
- Bergtrollets Hevn
- Aneuthanasia
- Prayer
- Katharinas Bortgang
- Revelation Of Doom
- Forces Of Satan Storms
- Ødeleggelse Og Undergang
- Blood Stains The Circle
- Cleansing Fire
- Destroyer
- Incipit Satan
- Krig
- Kala Brahman
- Unchain My Heart!!!
Den Abschluss nicht nur des heutigen Abends, sondern des gesamten PARTY.SAN 2025 bildet das schwedisch-britische Death-Metal-Jointventure BLOODBATH. Allein mit Sänger Nick Holmes war die Truppe schon dreimal in Schlotheim – da bietet sich Raum für Vergleiche. Das einzige verbliebene Gründungsmitglied Anders Nyström spielt heute allein Gitarre, während anstelle von Jonas Renkse inzwischen Joakim Antman (LIK) den Bass zupft. Holmes selbst – zuvor schon in Priestergewand und schickem Anzug kostümiert – steht diesmal im selben Casual-Look auf der Bühne wie seine Kollegen … oder auch die Stagehands von der Umbaupause. Etwas blass wirkt im Folgenden auch die Darbietung. Vielleicht steckt Holmes ja noch die Reise aus Tschechien in den Knochen, wo er tags zuvor mit PARADISE LOST auf dem BRUTAL ASSAULT aufgetreten ist? Natürlich reißt er wie gewohnt den einen oder anderen trockenen Witz in den Ansagen; natürlich machen die Songs – vom Opener „So You Die“ vom 2002er Debüt bis zum unvermeidlichen Rausschmeißer „Eaten“ vom in der Setlist stark vertretenen „Nightmares Made Flesh“ – grundsätzlich Spaß, von der rein technisch tighten Performance ganz zu schweigen; und natürlich ist das Infield trotz einiger lichter Stellen immer noch gut mit feiernden Fans gefüllt; dennoch bekommt man den Eindruck, dass BLOODBATH hier doch eher routiniert Dienst nach Vorschrift machen und ihr Set herunterleiern. Das ist dann zwar immer noch ein ordentlicher Festival-Closer, unterm Strich aber etwas – Verzeihung – blutleer und geht wahrscheinlich als drittbester Gig der Combo in die Geschichte des Festivals auf dem Flugplatz ein.
- So You Die
- Soul Evisceration
- Breeding Death
- Like Fire
- Putrefying Corpse
- Cancer Of The Soul
- Brave New Hell
- Mock The Cross
- Let The Stillborn Come To Me
- Cry My Name
- Eaten

Fazit
Mit den letzten Klängen von BLOODBATH ist auch das PARTY.SAN METAL OPEN AIR 2025 Geschichte. Fast durchweg einwandfreier Sound, imposante Lightshows und viele herausragende Konzerte – von Underground-Juwelen bis hin zu internationalen Szenegrößen – und das ohne Absagen und in familiärer Atmosphäre: Fan-Herz, was willst du mehr? Wer noch für Musik auf ein Musikfestival fährt und nicht für Campingplatz-Party, Blaskapellen und Ballermann-Entertainment, ist auf dem PARTY.SAN auch in diesem Jahr bestens aufgehoben.
Zumal die Veranstalter alles tun, um den Fans ihren Aufenthalt so angenehm wie möglich zu machen: Das Essensangebot reicht von veganen Leckereien bis zum Pulled-Pork-Burger – die Auswahl bleibt dabei so bodenständig wie vielseitig. Getränke gibt es in mannigfaltigen Variationen – vom typisch-thüringischen Festival-Bier Köstritzer als Schwarzbier und Pils über Whisky und Wodka bis zum berühmt-berüchtigten Stand der Berliner von Brutz & Brakel mit Cocktails, Longdrinks und Shots – und das zu nach wie vor soliden Preisen (Bier blieb z. B. im Vergleich zum Vorjahr konstant bei 4 € für 0,4 l).
Dass man weiterhin kaum Überschneidungen bei den Shows der Main- und der Tentstage hat, ist nach wie vor erfreulich: So ist es bei idealem Ablauf zumindest rein technisch gesehen sogar möglich, bis auf wenige Minuten alle knapp 60 Bands des Festivals zu sehen – auch wenn man bei der Autogrammstunde anstehen sollte, die nur wenige Meter neben der Hauptbühne abgehalten wird. Selbst beim Schlendern über den Metal-Markt oder bei der Essensbeschaffung kann man sich weiterhin vom hintergründigen Treiben auf der Mainstage unterhalten lassen. Die Schlangen beim Einlass hielten sich abgesehen von vereinzelten Stoßzeiten in Grenzen und die Wartezeit an den Getränkeständen blieb ebenso im Rahmen.
Auch an Bequemlichkeit mangelt es nicht. Das PARTY.SAN ist traditionell ein Festival der relativ kurzen Wege und findet teils auf Asphalt, teils auf gepflegter Wiese statt – eben ein Flugplatzgelände, das folglich auch bei schwierigen Wetterverhältnissen, die 2025 zum Glück ausblieben, keine Extra-Herausforderungen mit sich bringt. Im Infield bieten seit einigen Jahren zusätzliche, überdachte Bierbänke und ausreichend Spültoiletten weiteren Komfort. Für Aufsehen auf dem Campingground sorgte dieses Jahr zunächst das Vorhandensein von nur einer Dusch-, Wasch- und Toilettenstation. Was wie eine Rationalisierungsmaßnahme anmutete, stellte sich als logistisch und infrastrukturell bedingte Notlösung heraus, bei der in der Folge so viele Container wie möglich an die Wasserleitungen einer Station angeschlossen wurden. So blieb es bei etwas längeren Fußwegen und den üblichen Wartezeiten am Morgen und Vormittag, wobei auch vereinzelte Beschwerden über zu wenige Dixi-Klos zu vernehmen waren.
Und wo wir schon bei dem Thema sind: Es scheint wieder problemlos möglich zu sein, mit rechtsextremen Symbolen am Körper ins Infield zu gelangen. Ob Nachlässigkeit oder Gleichgültigkeit am Einlass – das lief in der Vergangenheit auf dem PARTY.SAN schon mal stabiler ab. Es bleibt nur zu wünschen, dass die Secus in dieser Hinsicht zukünftig wieder besser gebrieft werden und/oder aufmerksamer sind – und ein entsprechender Hinweis auf der Rückseite des Tickets nicht nur leere Worte sind.
Von solchen Unannehmlichkeiten abgesehen bietet das PARTY.SAN unterm Strich nach wie vor ein Billing, eine Location und ein Preis-Leistungs-Verhältnis, das man sich von anderen Festivals nur wünschen kann – insbesondere in dieser Kombination. Daran ändert auch die durch explodierte Kosten entstandene Preissteigerung zum nächsten Jahr nichts. PARTY.SAN bleibt PARTY.SAN – und anstatt in ungesunde Größen zu wachsen, setzt das Festival auf Beständigkeit. In diesem Sinne: Bis zur 30. Ausgabe im Jahr 2026!


