Shining w/ Taake, Slegest

  • München, Backstage (Werk)
  • 10. Dezember 2016

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Das Jahr neigt sich rapide dem Ende entgegen – nicht jedoch, ohne Black-Metal-Fans nochmal mit einem absoluten Highlight zu beglücken: Mit den schwedischen SHINING, die ihr 20-jähriges Bandjubiläum feiern, der norwegischen True-Black-Metal-Instanz TAAKE sowie ihren Landsmännern von SLEGEST geben sich an einem Abend zwei Genregrößen und ein vielversprechender Newcomer die Ehre. Zumal TAAKE sich in den vergangenen Jahren hierzulande rar gemacht hatten, ein Pflichttermin für Szenegänger.

Wie stark das Billing ist, lässt sich bereits im Vorhinein abschätzen: Von der Backstage Halle wird die Show kurzerhand ins gut dreimal so große Backstage Werk verlegt – dass die Kapazität dieser Venue durch seitliches Abhängen reduziert wird, um am Ende nicht überdimensioniert zu wirken, erweist sich im weiteren Verlauf des Abends als absolut unnötig.

Punkt 20:00 beginnen SLEGEST ihre Show. Angeführt von Ex-Vreid-Gitarrist Stig Ese weiß das norwegische Quartett im noch eher mäßig gefüllten Werk direkt mit rockigen Riffs und kratzigem Gesang zu gefallen – und auch der Einsatz stimmt. Der Aha-Effekt hält sich beim alles in allem eher mäßig innovativen Schaffen der Band jedoch in Grenzen – und auch die Langzeitwirkung kann den positiven Ersteindruck nicht bestätigen: Ohne große Überraschungen im Songwriting nutzt sich der Black’n’Roll der Truppe recht schnell ab. Ihre 30 Minuten Spielzeit können SLEGEST zwar unterhaltsam füllen – viel länger hätte die Show jedoch nicht dauern dürfen.

Nach halbstündiger Umbaupause ist es um 21:00 Zeit für TAAKE. Das Bild, das sich in der Halle bietet, ist mittlerweile ein komplett anderes: Das Werk ist von der ersten Reihe bis zur Bar am Hallenende mehr als gut gefüllt. Verwunderlich ist das nicht – schließlich zählen TAAKE zu den gerade in der True-Black-Metal-Szene meistverehrten Formationen. Dass die Norweger  zuletzt 2006 in München und Umgebung zu sehen waren, sorgt zudem dafür, dass man TAAKE heute guten Gewissens als heimlicher Headliner bezeichnen kann.

Viele Vorschusslorbeeren? Hohe Erwartungen? Alles kein Problem für Fronter Hoest und seine Mannen, wie sich in der nächsten Stunde zeigt. Mit glasklarem Sound und einer stimmungsvollen Lichtshow, die TAAKE meist in schwach dosiertes, monochromes Licht taucht, sind die Rahmenbedingungen für eine große Show im gesteckt vollen Backstage Werk geradezu perfekt. Den Matchball nimmt Hoest dankend an und bietet seinen Fans eine Black-Metal-Show, die keine Wünsche offen lässt: Das Engagement seitens der Musiker, allen voran des energiegeladenen, dynamischen Fronters, das absolut gelungen zusammengestellte Set, das Klassiker und neueres Material mischt und nicht zuletzt Gastauftritte von Slegest-Fronter Ese und Shining-Kopf Niklas Kvarforth, die die starke Verbundenheit der Bands erahnen lassen, machen den Auftritt zu einem eindrucksvollen Erlebnis. Spätestens, als TAAKE bei „Myr“ auch noch das Banjo auspacken, ist klar: TAAKE heute noch die Show zu stehlen, dürfte wahrlich schwierig werden.

Setlist TAAKE

  1. Nattestid Ser Porten Vid 1
  2. Hordalands Doedskvad 1
  3. Hordalands Doedskvad 3
  4. Umenneske
  5. Nordbundet
  6. Du Ville Ville Vestland
  7. Myr
  8. Orm
  9. Fra Vadested Til Vaandesmed


Nach einer im Anschluss an diese Show absolut notwendigen, halbstündigen Verschnaufpause steht um 22:30 der offizielle Headliner des Abends auf dem Programm – dass die Halle nun nicht dramatisch, aber doch merklich leerer bleibt, bestätigt den Verdacht des heimlichen Headliners Taake. Wer sich bereits verabschiedet hat, verpasst mit der Jubiläumsshow von SHINING jedoch definitiv ein weiteres Black-Metal-Highlight: Eine volle Stunde und 45 Minuten lang stellen sich die Schweden heute in den Dienst ihres Münchner Publikums – und das mit einer Spielfreude, die man selbst bei der stets engagierten Band selten erlebt hat.

„Spielfreude“ ist dabei durchaus wortwörtlich zu verstehen: Gitarrist Euge Valovirta tanzt über die Bühne und selbst Kvarforth, sonst immer mal für einen bösen Blick oder auch mal einen Gertenhieb in Richtung Publikum gut, scheint heute bester Laune zu sein. Doch vor allem musikalisch ist die Darbietung beeindruckend: Hatte sich Kvarforth für seine Band immer schon versierte Musiker gesucht, dürfte das derzeitige SHINING-Lineup mit das bislang beste in 20 Jahren Bandgeschichte sein: Mit seinem Langzeit-Bediensteten Peter Huss und dem ebenfalls überaus talentierten Neuzugang Valovirta an den Gitarren, sowie Ex-Urgehal-Drummer Jarle „Uruz“ Byberg hinter den Kesseln präsentieren sich SHINING so eingespielt, so präzise und unfehlbar wie selten zuvor – und scheuen sich auch nicht, dies in den entsprechenden Soli unter Beweis zu stellen.

Ergänzt wird dieses Fest für die Ohren durch die (trotz guter Laune) imposante Erscheinung Kvarforth, der das Publikum von der ersten bis zur letzten Minute in seinen Bann zieht, einen energiegeladenen Gastauftritt von Hoest, der bei „Claws Of Perdition“ vom „Eery Cold“-Album den von Nattefrost verfassten Text übernimmt sowie das Seigmen-Cover „Ohm“, das Niklas Kvarforth wahrheitsgemäß als Pop-Song ankündigt.

Setlist SHINING

  1. Vilja & Dröm
  2. Framtidsutsikter
  3. Submit To Self-Destruction
  4. Hail Darkness Hail
  5. Claws Of Perdition
  6. Längtar Bort Från Mitt Hjärta
  7. Vilseledda Barnasjälars Hemvist
  8. Ohm (Sommar Med Siv) (Seigmen-Cover)
  9. Människa o'Avskyvärda Människa
  10. Vemodets Arkitektur
  11. Låt Oss Ta Allt Från Varandra
  12. For The God Below
  13. Besök Från I(ho)nom


Vielleicht waren über 100 Minuten manchen zu lang, war das Showende nach Mitternacht manchen zu spät oder sind SHINING generell für manche nicht true genug – Fakt ist: Bis zum Ende der Show leert sich die Halle langsam, aber stetig. Nachvollziehbar ist das in Anbetracht der großartigen Darbietung, die SHINING heute abliefern, nicht. Welche Band heute für das Publikum Headliner war, stand dennoch bereits deutlich früher, genauer gesagt um 22:00 fest: Der Applaus, den TAAKE für ihre mitreißende Show ernten, ist nicht steigerbar. Welche der beiden Bands man auch favorisieren mag – Fakt ist: Ergänzt um die absolut soliden SLEGEST bietet dieses Tour-Package alles, was man sich von einem Black-Metal-Konzertabend erwarten kann.

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