CD-Review: Shining - IX – Everyone, Everything, Everywhere, Ends

April 2015

Besetzung

Niklas Kvarforth – Gesang
Peter Huss – Gitarre
Euge Valovirta – Gitarre
Christian Larsson – Bass
Rainer Tuomikanto – Schlagzeug

Tracklist

01. Den Påtvingade Tvåsamheten
02. Vilja & Dröm
03. Framtidsutsikter
04. Människotankens Vägglösa Rum
05. Inga Broar Kvar Att Bränna
06 Besök Från I(ho)nom


Knapp zweieinhalb Jahre ist es her, dass Niklas Kvarforth sein achtes SHINING-Album mit dem nicht ganz bescheidenen Titel „Redefining Darkness“ vorlegte. Entgegen dem im Titel formulierten Anspruch war an dem Werk das minimalistisch-moderne Artwork noch das Spektakulärste. Während der Titel des nun erscheinenden Nachfolgers „IX – Everyone, Everything, Everywhere, Ends“ nicht nur durch die wieder fortgeführte Nummerierung eher traditionell klingt, weckt diesmal ein expressionistisches Gemälde als Artwork die Neugierde des Betrachters.

Diese soll auch musikalisch nicht enttäuscht werden: Nach dem Instrumental „Den Påtvingade Tvåsamheten“, in dem SHINING bereits alle Register ziehen, treten die Schweden mit „Vilja & Dröm“ zunächst in ihrer Paradedisziplin an: Ein forsches Riff, treibendes Drumming, Kvarforths charakteristischer Gesang, generelles crescendo, der Bruch, ein ruhiger Part mit filigranem Drumming, ein „Uh“ und weiter geht die wilde Fahrt. Spektakulär ist das nach acht Alben nicht mehr, und trotzdem funktioniert die Masche auch 2015 noch einwandfrei. Hörenswerter ist jedoch, was dann folgt: Bereits beim dritten Song zeigt sich Kvarforth von seiner melancholischen Seite – mit viel Melodie und noch mehr Liebe zum Detail. Während die Gitarren sanfte Melodien säuseln, bleibt Kvarforth im Halmstad-Modus – auf gesangliche Experimente, wie sie auf VII: Född Förlorare“ reichlich zu finden waren, verzichtet der Meister diesmal.
Der Intensität des Albums tut das keinen Abbruch – erwächst diese bei Album No. 9 doch vor allem aus dem Perfektionismus des Komponisten. So ist „Everyone, Everything, Everywhere, Ends“ definitiv das bis dato filigranste SHINING-Opus – und doch nicht minder kraftvoll als „V – Halmstad“: Das verspielte, stets durchdachte Schlagzeug, die gefühlvollen Gitarren, die bisweilen gar ins Bluesige abrutschen („Människotankens Vägglösa Rum “), der schlichtweg brilliante Sound, der harte Distortion- und sanfte Clean-Parts perfekt verschmelzen lässt und doch deutlich voneinander absetzt – jedes Element erfüllt seine Aufgabe im Gesamtwerk wie ein kleines Zahnrad im Getriebe einer komplexen Maschine: Das große Ganze steht stets im Mittelpunkt.

Mit seinem neunten Album ist Perfektionist Kvarforth gelungen, woran er mit Redefining Darkness“ noch gescheitert war: „IX – Everyone, Everything, Everywhere, Ends“ ist die Konsequenz aus den beiden Glanzstücken in der Band-Diskographie, V und VII, „Halmstad“ und „Född Förlorare“: Die Aggressivität und Verletzlichkeit des einen, wohldurchdacht gekreuzt mit dem Ideen- und dem Melodienreichtum des anderen, macht „Everyone, Everything, Everywhere, Ends“ zu einem zeitlosen Meisterwerk. Mag es auch stimmen, dass jeder und alles überall ein Ende hat – in Anbetracht dieser Musik kann man nur hoffen, dass das Ende der Band SHINING noch weit entfernt ist.

Bewertung: 9.5 / 10

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