Sleep w/ A Storm Of Light

  • München, H39 (Feierwerk)
  • 28. Mai 2012


Als – absolut wertungsfrei gemeint – „alternative“ Location ist das Feierwerk München dafür bekannt, oft Bands zu buchen, die man in anderen Clubs nie zu Gesicht bekäme – und das meist zu äußerst humanen Preisen im Bereich zwischen 15 und 20€.
Wenn hier ein Konzert schon mal mit satten 30€ zu Buche schlägt, muss es tatsächlich schon etwas ganz Besonderes sein – wie im Falle von Sleep, welche sich nicht zuletzt ihrer elfjährigen Bandpause wegen seit Jahrzehnten nicht mehr in unseren Breitengraden haben blicken lassen.

Doch bevor die Stoner Doom/Sludge-Legende aus Oakland die Bühne betritt, gilt es zunächst, die der einzigen Vorband des Abends, Storm Of Light, Aufmerksamkeit zu widmen.
Wo es zunächst den Anschein erweckt, als hätten sich doch einige von dem stattlichen Eintrittspreis abschrecken lassen, wirkt die Verzögerung des Konzertbeginns um eine gute halbe Stunde Wunder: Wo zum geplanten Konzertbeginn noch nur einige wenige Besucher lethargisch in den Ecken der Halle saßen und standen, ist das H39 als A STORM OF LIGHT um kurz nach neun die Bühne betreten doch ansehnlich gefüllt.
Und nicht nur das: Geht man nach den Reaktionen des Publikums, welches gleich von Beginn an direkt vor der Bühne steht und die Band für ihre Show abfeiert, dürfte so mancher hier hauptsächlich für das New Yorker Quartett den sauren 30€-Apfel gebissen haben.
Bereuen dürfte diese Investition jedoch wohl niemand, denn was die drei Herren und die Dame hier in der folgenden Dreiviertelstunde auf die Bretter zaubern, ist Atmosphäre vom Feinsten: Düstere Klänge mit mächtig Druck, doomige Riffs und, zumindest ansatzweise im Kontrast dazu stehend, zumeist klarer Gesang ergeben hier ein absolut schlüssiges Bild dessen, was die Band zum Ausdruck bringen will. Untermalt, beziehungsweise verstärkt wird das Ganze durch grau-in-beige gehaltene Videos von Katastrophen und Kriegen, welche auf einer die komplette Bühnenrückwand einnehmenden Leinwand die gesamte Show über gezeigt werden. Und auch, wenn ich selbst kein erklärter Fan von Videoinstallationen zur Untermalung von Liveshows bin und mich stets frage, ob eine solche Show ohne eine solche Visualisierung nicht sogar nich mehr Atmosphäre hätte, muss man doch zumindest anerkennend festhalten, dass die hier gezeigten Bilder die Musik perfekt wiedergeben. Einzig die recht hell in weiß und blau erleuchtete Bühne stört hier ein wenig die Wirkung der Musik, vor allem aber der Bilder – findet wohl auch Bassist Domenic Seita und dreht kurzerhand mit einem kraftvollen Schlag den weißen Strahler auf seiner Bühnenseite zur Wand. Dass ihm selbiges nicht auch mit dem – offensichtlich besser verschraubten – blauen Strahler gelingt, scheint den guten Mann etwas zu erzürnen… in Anbetracht der ansonsten nahezu perfekten Show dürfte dieser Ärger jedoch schnell verraucht sein…
[Moritz Grütz]

Setlist A STORM OF LIGHT
1. Silver
2. Missing
3. Wasteland
4. Wretched Valley
5. Collapse
6. Black Wolves

Auch wenn A Storm Of Light zwischenzeitlich wahrscheinlich bereits als Headliner im Hansa 39 auftreten könnten, besteht bei den heute Anwesenden doch keine Frage, wer hier als Support und wer als Haupt-Act fungiert. Nach einer mit 15 Minuten extrem kurz ausfallenden Umbaupause ist der Bereich vor der Bühne gesteckt voll und tiefes, extrem lautes Dröhnen beginnt das Feierwerk zu erfüllen: Nach einer schier endlosen Zeit sind SLEEP endlich wieder live in München zu bewundern. Dass die Band sich nach der mit unendlichen Scherereien verbundenen Veröffentlichung ihres Opus Magnum „Jerusalem“, auch bekannt als „Dopesmoker“ Ende der 90er Jahre auflöste und erst vor Kurzem wieder zusammengefunden hat, merkt man der Band kaum an – treffenderweise sind die ersten melodiösen Töne, welche nach einem fünfminütigen Drone erklingen eben auch die Anfangstöne ihres 60 Minuten langen Meisterwerks. Das Publikum nimmt dies begeistert zur Kenntnis, jubelt, ballt die Fäuste, schüttelt die Köpfe in Zeitlupe zum schleppenden Rhythmus und kann sich bei offenen Augen immer wieder an sphärischen Farbflächen und Bildern erfreuen, welche die Videoinstallation bildet. Für knapp 30 Minuten steigern sich die drei Bandmitglieder in „Dopesmoker“ hinein, bis sie diesen schließlich unvollendet ausklingen lassen und sich Sänger und Bassist Al Cisneros an das Publikum wendet: „Hey, if anyone of you has some weed or hash, please go over to your merch-stand, we would be happy to trade it for records or shirts.“ Die Probleme, die eine den Begriff „Stoner Rock“ prägende Band aus Amerika in Deutschland (und dann auch noch in Bayern!) haben dürfte, anderweitig an bewusstseinsverändernde Substanzen heranzukommen, sind also scheinbar so groß, dass auf dieses Mittel zurückgegriffen werden muss. Während der ersten Töne des nächsten Songs ist es schließlich auch so weit, und ein süßlicher Duft legt sich über die wie in Trance verharrenden Zuschauer – so langsam und verschlafen wie die Bandmitglieder wirken ist davon auszugehen, dass dies auch von ihnen bemerkt wurde.
Das bedeutet allerdings nicht, dass das Konzert selbst verschlafen oder langweilig wäre, ganz im Gegenteil: Eine unfassbar fette Noise-Welle nach der anderen jagt durch das Hansa 39 und je länger das Konzert dauert, desto lockerer beginnt das Publikum sich auf die Halle zu verteilen, ohne dabei quantitativ abzunehmen, sondern schlicht um mehr Platz um sich zu haben. Matt Pike an der Gitarre, der sein T-Shirt bereits vor Konzertbeginn ausgezogen hat, bewegt sich immer wieder an den vorderen Bühnenrand und lässt ein fettes und gewaltiges Gitarrenriff nach dem anderen erklingen. Leider kracht und knackst das Mikro von Al Cisneros ab und an, was die ansonsten nahezu perfekte Abmischung und Atmosphäre leicht stört. Insgesamt gibt es an diesem Abend allerdings kaum etwas zu meckern, so dass nach gut 100 Minuten und einem abschließenden weiteren knapp 20-minütigen Teil aus „Dopesmoker“ alle zufrieden nach Hause gehen können. Die Band winkt kurz ins Publikum, verkündet, dass sie hoffen, bald wieder hier zu sein und schlurft langsam von der Bühne.

Setlist SLEEP:
1. Dopesmoker (Parts 1-3)
2. Holy Mountain
3. Dragonaut
4. Sonic Titan
5. Nain’s Baptism
6. Aquarian
7. From Beyond
8. Dopesmoker (Parts 5-7)

Zugegeben: 30€ sind eine ordentliche Stange Geld, vor allem wenn es dafür „nur“ zwei Bands zu sehen gibt – bedenkt man allerdings die Größe der beiden Bands des heutige Abends, sowie der wirklich fette und beeindruckende Sound, ist auch dieser Eintrittspreis vollkommen gerechtfertigt. SLEEP haben in ihrer langen Trennung kein bisschen von ihrer Macht eingebüßt, und auch wenn das Publikum mit der Band älter geworden ist, sieht man am durchschnittlich jüngeren Publikum bei A Storm Of Light, dass Stoner und Sludge definitiv noch nicht passé sind. Der Spaß, der den Bandmitgliedern stets anzumerken war, lässt darauf hoffen, dass die Ankündigung einer baldigen Rückkehr mehr als nur eine hohle Phrase ist.
[Bernhard Landkammer]

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