Konzertbericht: Versengold

11.07.2020 Buchholz, Groh-P.A. Veranstaltungstechnik e.K. (Stream-Show)

Ihre Festival- und Open-Air-Saison 2020 haben sich VERSENGOLD sicherlich anders vorgestellt: Normalerweise sind die Jungs aus dem hohen Norden im Sommer an jedem Wochenende auf einem anderen Markt oder Festival aktiv. Auf Grund von Corona mussten Malte, Flo und Co. dieses Jahr umplanen. So gibt es am 11. Juli 2020 ein weiteres Mal VERSENGOLD im Livestream zu sehen und das Ergebnis kommt einem Konzerterlebnis relativ nah.

Das Wichtigste vorab, die Technik funktioniert. Als vollwertige Live-Show mit zwei Stunden Spielzeit sowie professioneller Licht- und Tontechnik angekündigt, liefern die Deutsch-Folker genau das: Die Bühne erstrahlt in sommerlichen Farben, ein bisschen Deko passt zur Jahreszeit und auch der Klang über die heimische Anlage überzeugt. Neben viel Liveerprobtem haben die Nordlichter auch einige neue Songs von ihrer „Nordlicht – Märchen von Morgen“-Edition dabei, die Ende Juli erschienen ist. Einige Stücke wie „Lichterloh“ gehen dabei sehr in Richtung Schlager-Folkpop, doch gerade die Texte von Sänger Malte stimmen am Ende oft gnädig. Ebenso wie seine Ansagen: Die neue Videosingle „Märchen von morgen“ sei unter anderem deswegen entstanden, da es auf „Nordlicht“ kein Liebeslied gibt – was sowohl Fans als auch Band auf Dauer gefehlt habe. Gleichzeitig wirkt gerade diese Nummer nicht wie Fan-Service oder nachträgliche Pflichterfüllung, sondern brilliert durch schöne Sprachbilder im Kontext bekannter Märchen. Apropos Fans: Über den Videochat Zoom sind diese so sehr Teil der Show, wie es eben möglich ist. Viele tanzen, halten Plakate hoch wie „Solange Flo Geige spielt, bin ich unendlich frei“ oder fordern am Ende spiegelverkehrt „Zugabe“. Das sorgt für Abwechslung und ein durchaus lebendiges Konzertgefühl, zumal Malte sie auch immer wieder aktiv anspricht und die Band über Bildschirme in der Halle sehen kann, was vor den heimischen Webcams gerade abgeht. Lediglich wenn sich VERSENGOLD geschlossen nach draußen begeben, scheinen sie primär für die anwesenden Mitglieder ihres Fanclubs zu spielen. Diese bekommen ein paar Songs an der frischen Luft zu hören, darunter das sehr charmante „Küstenkind“. Der kurze Location-Wechsel mit anderem Setting und teils auch anderen Instrumenten wie bei Geiger Flo steuert eine angenehme Dynamik bei.

Fernab der Musik sind die Jungs auch für spontane Lacher gut. Ein aufblasbarer „rosa Schwan“ entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als Flamingo und auch das vermehrt eingesetzte Feuer birgt Tücken: Erst „rettet“ Malte Gitarrist Dan vor den Flammen, ehe er im weiteren Verlauf der Show selbst kurz Platz nimmt – auf heißem Metall, was er schnell bereut. Aus der Fassung bringt ihn dies nicht, trocken kommentiert er, nachdem mehrere Fontänen in die Luft geschossen sind: „Es riecht ein bisschen wie im Bandbus hier.“ Von den angesprochenen Feuer- und Lichteffekten profitieren besonders thematisch passende Lieder wie „Feuergeist“, deren Grundstimmung dadurch hervorragend untermalt wird. Einer der wenigen Vorteile der fehlenden Zuschauer: VERSENGOLD können viel experimentieren und ihre Show optisch aufwerten. Im Vergleich zum ersten Streaming-Konzert variieren die Musiker auch ihre Setlist: „Paules Beichtgang“ ist nach langer Abstinenz wieder Teil der Songauswahl und wurde mit leichtem Echo im Gesang sogar modifiziert. Weiterhin verzichten müssen besonders langjährige Fans jedoch auf die doppelte Geige, die gerade früher prägend für VERSENGOLD gewesen ist. Alex weicht dafür inzwischen vermehrt auf die Nyckelharpa aus.

Wer die ersten Shows verpasst hat, kann am 21. August zusammen mit Malte seinen 40. Geburtstag ebenfalls im Rahmen eines Online-Konzerts feiern. Dafür haben sich auch bereits einige Gäste von Subway to Sally, Mr. Hurley & die Pulveraffen und Fiddler’s Green angekündigt. Dieses Mal schlüpft lediglich Bassist Eike kurz in die Rolle seines Alter Egos Purple Otten und zeigt, dass stille Wasser manchmal tief sein können (passend zum Instrument). Die letzten Minuten des Auftritts nutzt Malte dann für einen eindringlichen Appell, um auf die komplizierte bis existenzgefährdende Situation vieler Künstler aufmerksam zu machen. Dieses Statement ist so grundehrlich und sympathisch wie die vorangegangene Show selbst. Kann man sich mit den digitalen Rahmenbedingungen anfreunden, sind VERSENGOLD auch im Stream lohnenswert.

 

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