CD-Review: Abysmal Grief - Strange Rites Of Evil

Besetzung

Labes C. Necrothytus – Gesang, Keyboard
Regen Graves – Gitarre
Lord Alastair – Bass
Lord Of Fog – Schlagzeug

Tracklist

01. Nomen Omen
02. Strange Rites Of Evil
03. Cemetery
04. Child Of Darkness (Bedemon Cover)
05. Radix Malorum
06. Dressed In Black Cloaks


ABYSMAL GRIEF sind längst keine Grünschnäbel mehr, das merkt man gleich beim ersten Blick in die Diskographie: zahlreiche EPs, einige Splits und nunmehr endlich ein viertes Studioalbum mit dem plakativen Titel „Strange Rites Of Evil“. Die Italiener sind stilistisch im okkulten Doom Metal beheimatet und scheinen sich dort sichtlich wohlzufühlen. Sie bedienen sich jedenfalls sämtlicher Stilmittel, die Anhänger dieser Musikrichtung so sehr schätzen, sodass ihr viertes Album zwar nichts Bahnbrechendes beinhaltet, aber einfach von vorne bis hinten gelungen ist. Das gilt für die Musik, den Gesang, die Produktion, ja sogar das schauderhafte (wenn auch etwas amüsante) Cover-Artwork.

Zu Beginn geben sich ABYSMAL GRIEF geradezu sakral mit andächtigen Chören und friedlichen Orgelklängen. Doch bereits nach wenigen Sekunden schwingt die Stimmung auf „Nomen Omen“ abrupt um, die Orgeln werden schlagartig diabolischer und machen dem Albumtitel alle Ehre. Schließlich kommen die typischen Doom-Metal-Merkmale hinzu: simple, dröhnende und zum Teil melodische Riffs, ebenso einfach gestrickte Drum-Beats sowie unheimlicher tiefer Klargesang. Letzterer wird oftmals im Vibrato-Stil vorgetragen, was die gruselige Atmosphäre nochmal verstärkt. Doch auch kehlige Growls kommen zum Einsatz, die Übergänge zwischen beiden Gesangsstilen sind meist fließend. Gutturaler und klarer Gesang sind bei ABYSMAL GRIEF prinzipiell gleichberechtigt, sodass keiner von beiden zu kurz kommt, was sich vor allem im Refrain von „Radix Malorum“ zeigt, das außerdem schaurig-schön zitternde Gitarren beinhaltet.
Die bereits erwähnten düsteren Orgeln sind quasi omnipräsent und schaffen eine unheilige Stimmung, was die gelegentlichen Chor-Einlagen weiter forcieren. Die Chöre kommen vor allem im Titeltrack zur Geltung, der zudem gegen Ende mit einem rasanten, ausgedehnten Gitarrensolo besticht. Das mit eigentümlichen Keyboards beginnende „Cemetery“ hat ebenfalls ein nicht zu verachtendes Solo vorzuweisen, das zwar nicht allzu temporeich, aber umso stimmungsvoller ist.
Zum Schluss präsentieren uns ABYSMAL GRIEF mit „Dressed In Black Cloaks“ einen dreizehnminütigen Doom-Leckerbissen erster Güte, der sich im Intro durch interessante Cembalo-Melodien und gegen Ende mit donnernden Double-Bass-Drums und manischem Gelächter Gehör verschafft. Nach gut einer Dreiviertelstunde ist man bereits am Ende angelangt, was insofern vorteilhaft ist, als dadurch verhindert wurde, das der relativ gleichförmige Stil von ABYSMAL GRIEF beim Hörer Langeweile verursacht. Dass man sich auf eher wenige, aber dafür vergleichsweise lange Tracks beschränkt hat, war genau die richtige Entscheidung, da die Platte so am besten funktioniert.

Es gibt also praktisch nichts, das man ABYSMAL GRIEF vorwerfen könnte. Die Italiener spielen Doom Metal genau so, wie er gehört: unheilvoll, okkult und mit ordentlich Aggressivität. „Strange Rites Of Evil“ klingt tatsächlich wie ein teuflisches Ritual, ein teuflisch gutes sogar. Fans dieser Spielart oder der Band selbst sowie Neulinge können hier bedenkenlos ein Ohr riskieren, denn ABYSMAL GRIEF verkörpern das von ihnen gewählte Genre praktisch perfekt. Man darf gespannt sein, wie sie das noch toppen wollen.

Bewertung: 8.5 / 10

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