Interview mit Regen Graves von Abysmal Grief

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Mit ihrem neuesten Album „Blasphema Secta“ haben die italienischen Doom-Metaller ABYSMAL GRIEF ihren charakteristischen Okkult-Sound sogar noch weiter verdüstert. Warum die Platte noch kohärenter ist als ihre bisherigen Veröffentlichungen, welche Bands den Extreme-Metal-Underground Italiens repräsentieren und weshalb ABYSMAL GRIEF ihre blasphemischen Texte mit Elementen kirchlicher Musik untermalen, erfahrt ihr unter anderem im folgenden Interview mit Gitarrist Regen Graves.

Mit ABYSMAL GRIEF spielt ihr äußerst düsteren Doom Metal. Wer sind eure größten musikalischen Vorbilder und gibt es da auch welche außerhalb des Doom-Genres?
Wir beziehen unsere Einflüsse fast ausschließlich von außerhalb des Doom-Metal-Genres. Ich persönlich stehe mittlerweile mehr auf elektronische Ambient-Musik, allerdings wurzelt mein Hintergrund im Punk und in düsterer italienischer Musik. Ich finde es immer noch schwer nachzuvollziehen, woher unser Doom-Sound überhaupt kommt…

Die italienische Metal-Szene ist eher für ihre Vertreter im Progressive Metal bekannt, oder? Findest du, dass es bei euch auch im extremeren Metal-Bereich genug hörenswerte Bands gibt?
Progressive? Mann, den Scheiß hab ich mir noch nie angehört. Für mich ist Prog Metal einfach nur Pop Metal und ich muss dein Statement zurückweisen, sorry. Richtiger italienischer Metal kommt von Bands wie Mortuary Drape, Bulldozer, alten Death SS, The Black und so weiter: Das ist der typische italienische Sound, den die Leute von außerhalb anerkennen sollten.

Eure Texte sind stets sehr okkult. Einige Bands singen über ähnliche Themen, manche allerdings eher zur Unterhaltung und andere aus ernsthaftem Interesse. Was ist deine Meinung dazu?
Das ist in Ordnung für mich, beides kann unterhaltsam sein, solange es rein und ehrlich ist, sodass Künstler von Anfang an ihre Intentionen klarstellen müssen, damit sie nicht als Poser dastehen oder etwas vorgeben. Wir haben den Okkultismus in unserem Privatleben immer ernst genommen, aber ich greife oft auf groteske und surreale Bilder in meinen Texten zurück, da ich es für wichtig halte, dass man sich selbst nicht zu ernst nimmt. In dieser Hinsicht funktioniert die Kitsch-Komponente in unserer Musik ziemlich gut.

Ihr setzt auch sakral klingende Chöre ein, obwohl eure Texte eigentlich alles andere als kirchlich sind. Inwiefern findest du diesen Kontrast stimmig?
Die Kirche ruft dir im Grunde genommen Angst, Bestrafung, Rassismus und Hass ins Gedächtnis, also sehe ich keinen großen Kontrast darin, Elemente des Christentums zu verwenden, um etwas Unheimliches und Böses auszudrücken.

Euer neues Album nennt sich „Blasphema Secta“. Inhaltlich befasst ihr euch wieder mit sehr makabren, okkulten Themen. Worum genau geht es und in welchem Verhältnis steht der Titel dazu?
Ja, wir setzen uns mit dem Okkulten auseinander, allerdings auf eine etwas andere Art als zuvor. Die Texte und das gesamte Konzept von „Blasphema Secta“ sind eine direkte Fortsetzung von dem, was wir auf dem Vorgänger „Strange Rites Of Evil“ angefangen haben. Während dieses jedoch eine „Anti“-Christentum-Stimmung hatte, wollten wir auf dem neuen Album komplett in Satanismus und Blasphemie eintauchen (daher auch der Titel). Im Vergleich zu unserer bisherigen Diskographie findet man auf diesem Werk weniger Friedhöfe und mehr Hörner… (lacht)

Wie lief das Songwriting zu eurer neuen Platte ab? Hat sich da etwas im Vergleich zu früher verändert?
Nein, unsere Songs entspringen wie immer meinen Gitarrenriffs, als zweites kamen dann die Keyboards und Texte. So ist es schon seit unseren Anfängen und das hat bisher sehr gut funktioniert.

Meiner Meinung nach funktioniert „Blasphema Secta“ noch besser als Album als sein Vorgänger. Es gibt zum Beispiel ein Intro und ein Zwischenspiel und die Tracks sind durch das Geräusch eines Feuers verbunden. War das eure Absicht und falls ja, was ist der Grund dafür?
Ja, wir wollten ein „einzigartiges“ Stück atmosphärischer Kunst schaffen, in dem der Hörer von der Musik ohne Unterbrechungen oder Umwege durch eine Reise geführt wird. „Strange Rites Of Evil“ war irgendwie direkter und aggressiver, weil die Texte und die Stimmung eher sarkastisch und verhöhnend waren, wohingegen dieses Werk düsterer, bedrohlicher und definitiv beschwörender sein soll. Ich vermute, es ist unser beschwörendstes Album seit „Misfortune“.

Auf „Behold The Corpse Revived“ hört man zu Beginn einzig und allein eine düstere Geigenmelodie, die sich durch den ganzen Song zieht. Warum wolltet ihr gerade dieses für euch untypische Instrument hier einsetzen und wurde es von einem Gastmusiker eingespielt?
Wir haben in der Vergangenheit bereits in einigen Songs Geigentöne verwendet, also ist es nicht untypisch für uns, aber erst seit den Aufnahmen zu „Dies Funeris“ für die 12’’-Split mit Epitaph konnten wir endlich eine richtige Gastmusikerin einsetzen und das Ergebnis ist echt der Wahnsinn. Fast hätten wir schon versuchen können… Wie auch immer, unser Traum wäre es, eines Tages eine echte Kirchenorgel aufzunehmen und sie mit den Gitarren und Drums zu mischen. Momentan erscheint es mir noch ziemlich unmöglich, das umzusetzen, aber es wäre echt cool.

Welchen Track des Albums findest du am besten und weshalb?
Ich weiß, es ist eine triviale Antwort, aber für mich sind alle Songs auf dem Album absolut perfekt und an der richtigen Stelle. Wir hätten es nicht besser hinkriegen können.

Während der Klargesang auf „Strange Rites Of Evil“ oft im Vibrato-Stil gehalten war, scheint das auf eurer neuen Platte nicht mehr so zu sein. Was hat es mit dieser anderen Herangehensweise an den Gesang auf sich?
Oh, dieser Unterschied ist mir gar nicht aufgefallen. Ich werde mir jetzt gleich mal „Strange Rites…“ anhören, einfach aus Neugierde, aber es könnte vielleicht mit der anderen Herangehensweise zu tun haben, über die wir bereits gesprochen haben, wonach das Album „beschwörerischer“ sein sollte.

An manchen Stellen hört man eine beschwörende Frauenstimme. Wen hört man da und aus welchem Grund habt ihr diese Gastsängerin bzw. -sprecherin dazugeholt?
Die gesprochene Passage im Intro wurde von der großartigen Sandra Silver rezitiert (Liebhaber von düsterer italienischer Musik werden sich an ihre Beiträge zu den Alben von Paul Chain erinnern), während Katrien de Wolf von Saturnine den Gesang zu „Witchlord“ beigesteuert hat: Die Originalversion von „Witchlord“ wurde von einer Frau gesungen, also entschieden wir uns, dem Original treu zu bleiben, um seine tief atmosphärische Stimmung beizubehalten.

Außerdem habe ich das Gefühl, dass die Gitarren diesmal zugunsten der Keyboards ein wenig mehr in den Hintergrund getreten sind. War das eine bewusste Entscheidung oder hat sich das eher von selbst so ergeben? Und was ist der Grund dafür?
Nein, ich denke, das passierte natürlich, und vielleicht hast du recht, ich hätte sie ein paar dB lauter abmischen können, aber die Keyboards sind echt cool auf diesem Album und dadurch ist es auch so spannend.

Das Artwork sieht sehr ikonisch und düster aus. Was genau sehen wir darauf und wie ist es entstanden?
Danke, Mann. Es ist ein Bild, das ich mit einer Mischtechnik gemacht habe: Ehrlich gesagt denke ich nicht über eine exakte Bedeutung nach, wenn ich diese Kompositionen kreiere. Sag mir doch, was DU darin siehst!

Was habt ihr als Nächstes für ABYSMAL GRIEF geplant?
Momentan erwarten wir das erste Kapitel unserer Europa-Tour im Mai, dann würde ich gerne etwas Neues aufnehmen (aber natürlich kein ganzes Album). Und dann folgt das zweite Kapitel unserer Tour, im Oktober.

Kommen wir nun noch zu unserem traditionellen Metal1.info-Brainstorming:
Batushka: Vielleicht die beste und überzeugendste Black-Metal-Band, die es heute gibt, zusammen mit The Committee.
Tourismus in Italien: Mehr erschöpfender Verkehr auf den Straßen.
Okkulte Literatur: 80 % davon ist Kinderkram.
Facebook: Central Intelligence Agency
Lieblingsalbum: Death SS – „The Story Of Death SS 1977-1984“
ABYSMAL GRIEF in fünf Jahren: Hoffentlich tot?

Zuletzt nochmal ein großes Dankeschön für deine Zeit. Die letzten Worte möchte ich dir überlassen:
Danke dir für deine interessanten Fragen. Wir sehen uns dann auf der Tour! Im Tode.

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