Es scheint, als sei bei den US-Metal-Urgesteinen ARMORED SAINT eigentlich immer was los. Das liegt weniger am hohen Output der Mannschaft als daran, dass die Truppe nicht nur unlängst ihre ersten drei Alben neu aufgelegt hat, sondern Sänger John Bush im letzten Jahr auch mit den Songs aus seiner Zeit bei ANTHRAX auf Solo-Tour unterwegs war. Die Band selbst ist zwar alles andere als untätig, lässt sich aber gemeinhin recht viel Zeit zwischen ihren Veröffentlichungen. Selbst ihr aktuellstes Album „Punching The Sky“ liegt inzwischen stolze sechs Jahre zurück, weshalb es höchste Zeit für einen Nachfolger wird – der erscheint nun endlich unter dem Titel „Emotion Factory Reset“.
Grundsätzlich bleibt bei ARMORED SAINT auf „Emotion Factory Reset“ alles beim Alten und das ist auch gut so. „Close To The Bone“ eröffnet die Platte als eine für die Band recht typische Nummer, die einerseits mit schiebendem Riffing, aber auch mit gewohnt stadiontauglichen Refrains punktet. Mit seinem hohen Energielevel stimmt der Track gut auf das ein, was kommt, denn ARMORED SAINT oszillieren auch auf diesem Album wieder zwischen den für ihren Stil bekannten Eckdaten – stets im US-amerikanischen geprägten Heavy Metal verwurzelt gibt sich die Formation ab und an gar progressiv und bisweilen breitbeinig rockend.
Das Gros der Songs auf „Emotion Factory Reset“ besteht damit aus zeitlos guten Heavy-Metal-Hymnen wie „Hit A Moonshot“, „Throwing Caution To The Wind“ und dem von einem bockstarken Mainriff angetriebenen Abschluss „Epilogue“. Den progressiveren Anteilen ihres Sounds tragen ARMORED SAINT diesmal in Titeln wie „Every Man – Any Man“ sowie „Compromise“ Rechnung. Hier werden die Riffs ein bisschen komplexer und die Arrangements ein wenig ausgebuffter, wobei es die Mannschaft doch stets verhindert, ins übermäßig Verkopfte abzurutschen. Die gradlinigen, rockigen Tracks „Not On Your Life“ sowie das coole „It’s A Buzzkill“ liefern dennoch ein schönes Gegengewicht.
Vieles von dem, was ARMORED SAINT auf ihrem neuen Album zu bieten haben, kennt mal von der Truppe also schon in ganz ähnlicher Form. Langweilig ist es trotzdem nicht, weil es der Band von Album zu Album gelingt, sich ein Stück weit neu zu erfinden und ihren Sound frisch zu halten – „Emotion Factory Reset“ macht da keine Ausnahme. Obendrein hat ja auch diese Platte ein paar Überraschungen zu bieten. So etwa mit dem groovenden, Southern-Rock-inspirierten „Buckeye“, das dank cooler Slide-Gitarren und dem Gesang von Frontmann John Bush zu den Highlights gehört. Und auch die unüberhörbare 70er-Attitüde von „Ladders And Slides“ hat man von der Band noch nicht gehört, steht ihr aber sehr gut zu Gesicht.
„Emotion Factory Reset“ bedeutet für ARMORED SAINT sicher keine große Entwicklung – da die Truppe vor allem in jüngerer Zeit aber ohnehin ein extrem hohes Niveau auf ihren Alben halten konnte, ist das auch gar nicht nötig. Die Band um Ausnahmesänger John Bush präsentiert auf Studioalbum Nummer neun einmal mehr ihre ganz eigene, von Anfang bis Ende durchdachte Herangehensweise an den US-Metal und punktet auf ganzer Linie mit großartigen Songs und enormer Spielfreude. Wer mit „Punching The Sky“ etwas anfangen konnte, wird auch am „Emotion Factory Reset“ seine helle Freude haben.
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Wertung: 8.5 / 10


