20 Jahre ist es her, dass AUSTERE im australischen East Corrimal gegründet wurden – „standesgemäß“, also wie es sich im Depressive/Suicidal Black Metal gehört, als Soloprojekt. In Anbetracht der (leider nicht im positiven Sinne) deprimierenderen Machwerke, die AUSTERE seit ihrem Comeback 2023 veröffentlichen, ist es Zeit, daran zu erinnern, dass Bandgründer Desolate (Saiteninstrumente, Keyboards, Gesang) und der zuvor als Session-Drummer involvierte, 2007 dann fest eingestiegene Schlagzeuger Sorrow (auch Keyboards, Gesang) im Jahr 2009 eines der unterbewertetsten Alben des Genres erschaffen haben: „To Lay Like Old Ashes“.
In nur drei Tagen aufgenommen und an drei weiteren Tagen abgemischt, bündelt das Album alles, was man sich von einem DSBM-Album erwarten darf: Auf das gedankenverloren vor sich hin klimpernde Intro folgen fünf Songs, die – jeder für sich – als Lehrbeispiel für das Genre herangezogen werden könnten: Unaufgeregte Schrammelriffs, die aber zugleich das Profil haben, um hängenzubleiben – und wo es die Melodik allein nicht tut, arbeiten AUSTERE eben mit Wiederholungen. Songspielzeiten von mitunter neun Minuten wollen gefüllt werden!
Dabei wird das Material jedoch zu keiner Zeit langweilig: Melancholische, aber eben nicht kitschige Keyboard-Layer sorgen für das gewisse Extra an Atmosphäre, und immer just in dem Moment, in dem man sich dann doch mal etwas Abwechslung wünscht, kommen AUSTERE mit einem so ansatzlosen wie charmanten Riffwechsel daher – etwa nach rund fünf Minuten in „To Fade With The Dusk“. Im darauffolgenden „This Dreadful Emptiness“ gehen AUSTERE noch einen Schritt weiter: Nachdem das wunderschöne Riffing (inklusive Piano – Gänsehaut!) hinreichend ausgebreitet wurde, wechselt der Gesangsstil vom genretypisch hysterischen Heulen (das im Kontext dieses Albums aber irgendwie trotzdem nie nervt) zu Klargesang.
Darin haben AUSTERE generell ein Mittel gefunden, den bereits auf dem Debüt-Album „Withering Illusions And Desolation“ starken musikalischen Ansatz auf ein neues Level zu heben: Auch der Titeltrack profitiert enorm von dem coolen Break nach rund zwei Dritteln seiner Spieldauer, mehr noch aber der Album-Hit „Just For A Moment…“, bei dem auch sonst wirklich jedes Puzzleteil an seinen Platz fällt. Mit diesem Song – fraglos einem der besten, die der DSBM je hervorgebracht hat – endet das Album dann nach einer guten halben Stunde auch schon mehr oder minder.
Die tatsächliche Spielzeit von knapp 55 Minuten erreicht „To Lay Like Old Ashes“ durch ein überlanges Outro („Coma II“ als Fortsetzung des „Coma“ betitelten Abschluss-Songs des Debüt-Albums). Das Stück ist nicht nur ähnlich monoton gehalten wie Burzums „Rundgang um die transzendentale Säule der Singularität“, sondern auch über Gebühr in die Länge gezogen: Obschon das Stück nach gut 15 Minuten einer verklingenden Glocke gleich verhallt, lassen AUSTERE den Track nochmal aufleben, um weitere fünf Minuten zu füllen.
Sieht man von dieser etwas überflüssigen „Ehrenrunde“ ab, bleibt „To Lay Like Old Ashes“ makellos. Der gegenüber dem Debüt deutlich gefälligere Sound sowie das unaufgeregte, nicht klischeetriefende Artwork runden stimmig ab, was AUSTERE musikalisch geschaffen haben – einen Meilenstein des DSBM, gesetzt unter der Sonne Australiens.
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Wertung: 9.5 / 10


