Ein gelungenes Wortspiel kann ein mächtiger Schlüssel sein. Dessen waren sich wohl auch Jayant Bhadula und Gitarrist Karan Katiyar bewusst, als sie 2016 ihr neues Projekt BLOODYWOOD tauften. Die Idee fruchtete: Neben dem griffigen Mix aus Nu Metal, Rap und traditioneller indischer Musik sorgte zweifelsohne auch der Bandname dafür, dass BLOODYWOOD quasi aus dem Stand in die Schublade international erfolgreicher Newcomer springen konnten. Drei Jahre nach dem Debüt legt das Sextett nun nach – in Sachen Wortspiele, aber auch musikalisch.
Das zweite Album der Nu-Metaller hört auf den Titel „Nu Delhi“. Was auf den ersten Blick als Flachwitz abgetan werden könnte, ist tatsächlich nichts weniger als die Quintessenz dessen, wofür BLOODYWOOD stehen – und schon darum der perfekte Albumtitel. Den Stolz auf ihre Herkunft tragen BLOODYWOOD auch auf ihrem zweiten Album musikalisch vor sich her – wennschon nicht ganz so demonstrativ wie noch auf dem Debüt: Die poppigen „Bollywood“-Refrains haben BLOODYWOOD deutlich zurückgefahren, und auch die traditionellen Instrumente kommen etwas dezenter zum Einsatz: Flöten etwa, wie sie auf „Rakshak“ noch den Hit „Aaj“ geprägt hatten, gibt es „Nu Delhi“ so nicht mehr zu hören, und auch sonst sind die tranditionellen Instrumente etwas mehr in den Gesamtsound integriert. In der Folge klingen BLOODYWOOD auf „Nu Delhi“ zwar insgesamt weniger „exotisch“, dafür aber stilistisch noch etwas ausgereifter als auf dem Debüt.
Exemplarisch hervorzuheben wäre etwa „Hutt“, der vom fetten Groove-Metal-Riffing über Rap-Gesang mit Flow bis zum eingängigen Refain alles hat, was man sich von einem BLOODYWOOD-Stück erwartet. Das selbe lässt sich von „Daggebaz“ sagen, der deutlich stärker auf traditioneller Instrumentierung fußt, dabei aber nicht minder modern oder „Nu“ wirkt. Merklich anders klingt dagegen „Bekhauf“ – und zwar vom ersten Takt an. Das ist insofern erwähnenswert, als BLOODYWOOD hier mit Babymetal kooperieren. Statt bloß ein Gesangs-Feature in einen ansonsten „normalen“ Song einzubauen, klingt das ganze Stück dank poppiger Synthies wie ein Mashup aus beiden Bands. Das Resultat ist natürlich Geschmackssache, aber definitv ein weitere Beweis für Karan Katiyars Gespür für Songwriting.
Nach „nur“ 33 Minuten endet „Nu Delhi“ recht unvermittelt – ein, zwei Songs mehr, und ein etwas stimmigerer Abschluss wären vielleicht noch schön gewesen. Oder aber eine geänderte Tracklist: „Tadka“ hätte mit seinem markanten Ende als Rausschmeißer zumindest noch ein Ausrufezeichen gesetzt. Das aber ist, wie man so sagt: Jammern auf höchstem Niveau. Prognose: An dieser Band werden wir noch viel Freude haben!
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Wertung: 9 / 10



Gerade der traditionellen Instrumente wegen, gefiel und gefällt mir das vorherige Album besser. Album des Monats? Naja. Auch dieser Monat geht irgendwann vorbei… .
Ja. Es ist ein okayes Album. Die 9 von 10 ist aber schon arg hochgegriffen – meiner Meinung nach. An das Debut kommen sie für mich qualitativ nicht ran. Auf jeden Fall muss die Band aufpassen nicht allzu schnell zu einem One-Trick-Pony zu werden. Richtig spannend und abwechslungsreich ist das Zweitwerk nicht mehr, aber zwischen „The Hu“ und „Babymetal“ finden sie sicher auf Festivals ihr festes Abgeh-Plätzchen.