CD-Review: Blut Aus Nord - Hallucinogen

Besetzung

Vindsval - Gesang, Gitarre
GhÖst - Bass
W.D. Feld - Schlagzeug, Keyboards
Thorns - Schlagzeug

Tracklist

1. Nomos Nebuleam
2. Nebeleste
3. Sybelius
4. Anthosmos
5. Mahagma
6. Haallucinählia
7. Cosma Procyiris


Das Cover von „Hallucinogen“ kommt einem Paukenschlag gleich: Nicht nur, dass Menschen mit Trypophobie angewidert wegschauen dürften. Vielmehr ist das Dargestellte so BLUT AUS NORD-untypisch und doch so passend zum Albumnamen, dass man nicht so recht einzuschätzen vermag, was die nunmehr 13.Platte des französischen Duos parat hält.

Nachdem BLUT AUS NORD den Black Metal in den vergangenen 25 Jahren mit großartigen Alben beschenkt und die Vielfältigkeit des Genre hervorragend veranschaulicht hat, machen Vindsval und W.D. Field auf „Hallucinogen“ genauso großartig und vielfältig weiter. Denn nicht nur, dass Artwork und Titel stimmig sind, es ist auch die Musik von BLUT AUS NORD, die nun Halluzinogen-indiziert wirkt, ohne dabei an den Grundfesten der Band zu rütteln.

Diese Grundfesten stellen eben jene Black-Metal-Wurzeln mit einem zutiefst melodischem Spiel dar, entweder in überlangen epischen Tracks („Memoria Vetusta„-Reihe) oder im erdrückenden Industrial-Gewand („777„-Trilogie). Egal, welches Subgenre BLUT AUS NORD bedienen, ihre Markenzeichen stechen stets heraus. So auch auf „Hallucinogen“: Obwohl es äußerlich hart mit dem bisherigen Stil bricht, spiegelt das Innere des Albums die Seele des Projektes wieder.

Die treibenden ersten beiden Tracks „Nomos Nebuleam“ und „Nebeleste“ erinnern gleichermaßen an die erhabene Epik eines „Memoria Vetusta II: Dialogue With The Stars“ (2009) wie an die packende Atmosphäre eines „777 – The Desanctification„(2011) – und überraschen im weiteren Verlauf mit Neuerungen. Denn nicht nur, dass der Gesang nahezu verschwindet, er wird vielmehr durch sakral inszenierte Chorpassagen ersetzt. Ihre Knüppeleien aus Anfangstagen vergessen BLUT AUS NORD dabei nicht, allerdings werden sie auf „Hallucinogen“ nur vereinzelt eingesetzt („Mahagma“), dominiert wird das Album vom Mid-Tempo und dem durchweg fokussierten Duett von Schlagzeug und Gitarre.

Tatsächlich halluzinogen wird es erst am Ende mancher Songs, wenn Vindsval seine Saiten sachte anspielt und mit Hall unterlegt („Anthosmos“, „Haallucinählia“). Nicht der bahnbrechendste Trick, aber immerhin wirkungsvoll. An diesen Stellen, die sich in ihrem Aufbau in den sieben Songs kaum merklich voneinander unterscheiden, wird deutlich, wann die auf dem Cover abgebildeten Pilze wirken: nicht in vereinzelten Passagen oder manchen Songs, sondern auf Albumlänge.

BLUT AUS NORD haben seit jeher den Drang, in Konzepten zu komponieren. Auch bei ihrem 13. Album ändern die Franzosen dieses Rezept nicht, fügen dem allerdings neue Indigrenzien hinzu. Somit ist „Hallucinogen“ zum einen dieses typisch untyische Album, was zu erwarten war, zum anderen aber auch die erfolgreiche Verschmelzung beider musikalischen Stränge, die BLUT AUS NORD über die Jahre definiert haben.

Anlässlich des Bandjubiläums von 25 Jahren kann ein Album wie „Hallucinogen“ nicht passender sein: alle Trademarks vereint und mit Neuerungen versehen. BLUT AUS NORD liefern nach dem enttäuschenden „Deus Salutis Meæ“ (2017) somit nicht einfach nur ein besseres Album ab, sondern eine starke Zusammenfassung von dem, wofür die Band steht!

Bewertung: 8.5 / 10

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