Das Ende der finnischen Metal-Innovatoren CHILDREN OF BODOM war für ihre Fans ein schwerer Schlag – glaubt man den Stimmen aller Beteiligten, war es aber auch unvermeidbar. Bei aller Trauer hat es also auch etwas zutiefst Zufriedenstellendes, dass sich die Finnen gemeinschaftlich zu einem sauberen Abschluss entschieden haben, anstatt um des Geldes willen eine zunehmend weniger authentische Band mit wer weiß welchen Sessionmusikern künstlich zu erhalten. Und wenngleich die eigentliche Tragödie erst noch folgen sollte, bestand zunächst auch noch die Hoffnung, Bandkopf Alexi Laiho würde seine Kreativität künftig mit Bodom After Midnight ausleben. Am 15. Dezember 2019 war es also so weit und CHILDREN OF BODOM spielten ihr Abschiedskonzert im Eisstadion von Helsinki. Nun ist die Show endlich als Mitschnitt veröffentlicht worden.
Die Songauswahl ist stets ein wichtiger Teil von Live-Shows und ihren Mitschnitten. Für die eine allerletzte Show zum Karriereende kommt ihr natürlich noch größere Bedeutung zu. Die gute Nachricht ist, dass CHILDREN OF BODOM tatsächlich bemüht waren, jedes ihrer Alben mit ins Set aufzunehmen: Von jeder Platte von „Something Wild“ bis „Hexed“ ist mindestens ein Song im Programm. So kommt das Publikum sowohl in den Genuss der „Klassiker“, gespielt von der letzten Besetzung der Finnen, wie auch einiger neuerer Nummern. Ein Blick auf die Tracklist zeigt, dass sie um das Opus Magnum „Hatecrew Deathroll“ sowie den Fan-Liebling „Follow The Reaper“ herumgebaut wurde. Das ist ebenso verständlich wie erwartbar und hat zur Folge, dass alle übrigen Platten mit maximal zwei oder gar nur einem einzigen Song repräsentiert sind.
Überraschungen gibt es bei der von CHILDREN OF BODOM getroffenen Songauswahl indes keine. Dass von den neueren Alben nur die Singles gespielt werden, ist genauso erwartbar wie die Platzierung von Hits wie „Follow The Reaper“, „Angels Don’t Kill“ oder „Downfall“. Somit krankt die Setlist von „A Chapter Called Children Of Bodom“ selbst an einem so wichtigen Konzert wie diesem am gleichen Problem wie auf den letzten Touren der Band: Neues Material wird eher alibimäßig abgefrühstückt und der eigentliche Fokus liegt auf den Dauerbrennern. Das kann hier jedoch verziehen werden: Errstens ist es für Bands ab einem bestimmen Dienstalter ohnehin schwierig, das richtige Gleichgewicht aus altem und neuem Material zu finden und zweitens ist es vermutlich unmöglich, Songs aus über 20 Jahren an einem Abend zur Zufriedenheit aller Revue passieren zu lassen. Auf die Performance hat das natürlich keinen Einfluss.
Vor dem Hintergrund von Alexi Laihos ebenso tragischen wie verfrühten Todes hat es etwas Versöhnliches, dass zumindest CHILDREN OF BODOM und damit sein Lebenswerk würdevoll zu Ende gebracht werden konnten. Auf „A Chapter Called Children Of Bodom – The Final Show At Helsinki Ice Hall 2019“ geht es dementsprechend auch nicht um die Person Alexi Laiho, sondern um die Band CHILDREN OF BODOM. Die zeigt sich hier zum Glück ein allerletztes Mal in absoluter Bestform und beendet ihre mehr als zwei Jahrzehnte umfassende Karriere so, wie sie begonnen hat: laut, roh und durch und durch authentisch. Noch schöner wäre es gewesen, auch eine DVD oder Blu-ray von diesem Konzert zu haben, aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Keine Wertung


